Ein Historiker stellt in den Niederlanden unbequeme Fragen
Jedes Frühjahr vergewissern sich die Niederländer ihrer selbst. Zum Nationalfeiertag am 30. April reist Königin Beatrix durchs Land, und ihre orangefarben gekleideten Landeskinder verwandeln die Innenstädte in riesige Flohmärkte, für die sie sich früh Plätze reservieren. So steht die Markierung «Bezet» (Besetzt) noch allenthalben, wenn viele Niederländer am 4. Mai mit Schweigeminuten und Kränzen der Opfer der deutschen Besatzung gedenken und am 5. Mai den Tag der Befreiung feiern. Eines der zu dem Anlass erschienenen Bücher, «Wider besseres Wissen» von dem Historiker Ies Vuijsje, trübte allerdings dieses Jahr die Stimmung. Vuijsje interessierte die Frage, was seine untergetauchten Eltern und andere Juden vom Holocaust geahnt hatten. Der Untertitel, «Selbstbetrug und Leugnung in der niederländischen Geschichtsschreibung zur Judenverfolgung», ist brisant, denn die ergänzende Zeile «Das Königreich der Niederlande im Zweiten Weltkrieg» zitiert das 14-bändige Standardwerk Loe de Jongs, des 2005 gestorbenen Säulenheiligen der niederländischen Historiker, an dem Vuijsje heftige Kritik übt.
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