Mannheim feiert 400jähriges Bestehen und ist doch älter

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Zwar wird schon lange vermutet das Mannheim nicht nur eine reine barocke Planstadt ist, sondern eine mittelalterliche Vorgängersiedlung hatte, doch erst jetzt gibt es die ersten wirklich konkreten Hinweise. Bei einer Ausgrabung in der Innenstadt kamen Siedlungsreste des 12. - 15. Jahrhunderts zu Tage.
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Eigene Schrift der Philister entdeckt?

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Bei Schriftzeichen auf Tonscherben aus der Stadt Askalon könnte es sich möglicherweise um eine bislang unbekannte Schrift der Philister handeln. Sie ähnele eher der aus Zypern stammenden kypro-minoischen denn einer semitischen Schrift, so die Entdecker Lawrence Stager und Frank Moore Cross von der Harvard University. Zuvor kannte man von den Philistern nur das ans Alt-Hebräische angelehnte Alphabet, das sie ab dem zehnten Jahrhundert vor Christus von ihren Nachbarn übernahmen.
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Illumination einer gar nicht so dunklen Vergangenheit

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Die bemerkenswerte Ausstellung «Merowingerzeit - Europa ohne Grenzen» in Moskau
Noch immer ist das Bild vom «barbarischen», vom «dunklen» Europa in den Köpfen, das auf das zerfallene Imperium Romanum gefolgt sei. Die grossen Wanderungen der germanischen Völker quer durch Europa, von Osten nach Westen, und der beständige Druck der hunnischen Heerscharen, derentwegen jene Völkerschaften ursprünglich aufgebrochen waren, hinterliessen Spuren der Verwüstung und des Krieges. Die schriftlichen Quellen für die Zeit sind vergleichsweise rar. Wer dem Kontinent im jahrhundertelangen Umbruch und seinen Völkern nachgehen will, ist auch auf archäologische Funde angewiesen. Und mit ihnen tut sich eine Welt auf, die vor Reichtum leuchtet.
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Geld, Gier, verblasste Jugend

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Das Werk der französischen Schriftstellerin Irène Némirovsky erweist sich als sehr psychologisch

Die postume Publikation - und Übersetzung in viele Sprachen - des Romanfragments «Suite française» hat das Interesse an der französischen Schriftstellerin Irène Némirovsky und ihrem gesamten Werk neu geweckt. Es eröffnet einen ungewohnt psychologischen Blick auf den jüdischen Alltag im Frankreich der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.
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Mit Proust gegen den Untergang

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Joseph Czapskis Erlebnis- und Lektürebericht aus dem Arbeitslager

Während insgesamt achtzehn Monaten war der polnisch-französische Maler und Publizist Joseph Czapski (1896-1993) als Kriegsgefangener in verschiedenen sowjetischen Arbeitslagern interniert, zuletzt in Grjasowez unweit von Wologda, wo er zusammen mit rund 400 Landsleuten das Winterhalbjahr 1940/1941 verbrachte. Die Gefangenen, Offiziere und Soldaten, waren in den Ruinen einer ehemaligen, von den Bolschewiken gesprengten Klosteranlage notdürftig untergebracht. Bei extremer Kälte musste tagsüber draussen gearbeitet werden. Entbehrungen und Repressionen aller Art, aber auch die Ungewissheit über den Fortgang des Kriegs und über die Dauer der Gefangenschaft machten den Lageralltag zum Albtraum.
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Die optimierte Gesellschaftsordnung

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Über Isaak Spielrein, den russischen «Vater der Psychotechnik»
Die russische Psychoanalytikerin Sabina Spielrein ist keine Unbekannte mehr. Wenig geläufig aber ist, dass ihr Bruder Isaak Spielrein in der jungen Sowjetunion zum «Vater der Psychotechnik» wurde, Initiator und Leiter einer von Lenin und Trotzki geförderten Massenbewegung zur Durchsetzung und Optimierung industrieller Arbeitsabläufe. Isaak Spielrein wurde, wie seine Brüder Jean und Emil, Opfer des roten Terrors.
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An der Quelle

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Hans Blumenbergs Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach

Im kürzlich eröffneten Marbacher Literaturmuseum der Moderne, einer Reliquienkammer der neueren deutschen Literatur, findet man viele merkwürdige Dinge. Darunter befindet sich etwa ein kleiner Zettel, der dem vor elf Jahren verstorbenen Philosophen Hans Blumenberg zugeordnet ist und auf dem nur zu lesen ist «21.10.'89 0.10». Ist es der Abschluss eines Textes oder ein aus anderen Gründen bedeutsames Datum? Vielleicht, doch der Blick von schräg unten auf den vermeintlichen Notizzettel erweist diesen als die Rückseite eines Weinetiketts. So ist die Vermutung erlaubt, dass Blumenberg auf ihm die erfreuliche Begegnung mit einem Margaux Médoc, Château Palmier 1975, festgehalten hat.
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Atelier Angst

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Pariser Nächte eines früh Unvollendeten: der Maler Andreas Walser (1908-1930)

Voll liebender Einfühlung hat sich Daniel Schmid in den Körper eines vergessenen Künstlers zurückgeträumt, eines «Luftmenschen», wie Schmid mit weitreichender Geste unterstrich: Ja, Andreas Walser bleibt als zitternde Luft, als Horizontspiegelung aller früh Begabten, Paris-Süchtigen und Paradiessucher eine Projektionsfläche. Walser sagte von sich, er sei in die falsche Richtung geboren worden, mitten hinein in die beengenden Berge statt in die Stadt aller Städte, das Paris der 1920er Jahre. Dort hat er in knapp zwei Jahren viele hundert Bilder gemalt, hat Jean Cocteau als Liebenden und Picasso als Malenden kennengelernt, wurde von ihnen geschätzt - Picassos Händler kaufte neun Bilder vom jungen wilden Schweizer, der sich dann so rasch überblüht hatte: Morphium und Wein zum Träumen, dann wieder Kaffee und Nikotin zum Wach-Sehen, Opium zum Erweitern der Wahrnehmung in Wahnweiten oder, wenn gerade nichts im Atelier war: ein Schluck Maltinktur.
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Die Vernunft ist nur einen Steinwurf weit entfernt

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Hans Blumenbergs nachgelassene «Beschreibung des Menschen»

Das Schicksal wird nicht mehr gar so oft unter dem Namen des Fortschritts beschworen wie in zukunftsseligeren Zeiten. Aber auf ein unbedingtes Voranschreiten und Vorankommen scheinen unsere Gesellschaften, scheinen wenigstens Wirtschaft und Technologie im Verbund mit den Wissenschaften unvermindert gepolt zu sein. Ebenso beharrlich hat sich das Unbehagen an dem gehalten, was einst «wissenschaftlich-technische Zivilisation» hiess. Wenn es nicht diffus und stumm bleiben, wenn es sich aber, andererseits, auch nicht in einer lauten rebellischen Geste verausgaben will, kann solches Unbehagen sich in einer Frage sammeln. Die Frage - durchaus zeitgemäss in einer Gesellschaft, die sich gerne als «Wissensgesellschaft» feiert - könnte lauten: «Was wollten wir überhaupt wissen?»
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(C) Daniel Oswald