Nach Jahren einer strukturtheoretischen Analyse des Nationalsozialismus hat sich spätestens mit Ian Kershaws Hitler-Biografie die Einsicht in die Bedeutung persönlicher Elemente in der Beurteilung des NS-Regimes erneut Bahn gebrochen. Unter dieser Perspektive allerdings erscheint Heinrich Himmler, der „Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei“ – um nur den wichtigsten seiner zahllosen Titel zu nennen –, als umso rätselhafter. „Wie konnte eine so farblose Persönlichkeit eine historisch so einmalige Machtfülle erreichen?“, fragt Peter Longerich, der 53-jährige Historiker und Professor an der Universität London, zu Beginn seiner Biografie des SS-Führers. Und betont zugleich: „Ohne den Mann an ihrer Spitze lässt sich diese heterogene, ständig expandierende und sich radikalisierende Organisation nicht umfassend erschließen.“
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