Schnell spricht vom «Rückfall ins finstere Mittelalter», wer sich etwa über ein von den geltenden zivilisatorischen Standards abweichendes Verhalten empört. Das Mittelalter muss oft als Projektionsfläche dienen für das, was in der Gegenwart stört: Gewalt, fanatische Frömmigkeit, ungefilterte Triebhaftigkeit. Dass diese Etikettierung besonders bei Mittelalter-Historikern auf wenig Gegenliebe stösst, liegt auf der Hand.
Der prominente Frankfurter Mediävist Johannes Fried widerlegt nun das sich hartnäckig haltende Vorurteil von der «Rückständigkeit» des Mittelalters mit einer stattlichen Monografie, die den so schlichten wie prätentiösen Titel «Das Mittelalter – Geschichte und Kultur» trägt. (Was Fried nur am Rande erwähnt: Das Image des Mittelalters ist nicht nur ein schlechtes. Nicht weniger virulent ist eine populärkulturelle, sich in unzähligen Filmen und Büchern, in Musik und Mode ausdrückende Faszination für die angeblich urtümlich-exotischen Seiten jener Zeit.)
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