Der französische «Mai/Juni 68» im historischen Kontext
Mai 68» spielt im kollektiven Bewusstsein Frankreichs nach wie vor eine wichtige Rolle. Wenn die Studentenrevolte ein internationales Phänomen war, so hatte sie doch in Frankreich ein ganz spezifisches Profil. «Mai 68» stellte aber nicht, wie es der gängige Mythos suggeriert, einen totalen Bruch dar. In einem umfangreichen Sammelband mit dem schlichten Titel «Mai - Juin 68» versuchen darum die Autoren in 29 Beiträgen, die Ereignisse in einen grösseren Zusammenhang einzuordnen. In einem ersten Teil werden die Bruchlinien vor 1968 ermittelt, die eine Krise im Bereich der Schule, der Universität, der religiösen und politischen Institutionen anzeigten. In einer Untersuchung über die Formen der häuslichen Herrschaft wird schon für die sechziger Jahre eine erste Lockerung im Bereich der Erziehung und der Frauenrechte festgestellt; ab 1964 durften die Frauen – endlich! – ohne die Erlaubnis des Mannes ein Konto eröffnen.
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