Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat seine Geschichte im Nationalsozialismus von unabhängigen Historikern erforschen lassen. Dies ist für deutsche Institutionen oder Großunternehmen ein mittlerweile übliches Vorgehen: Volkswagen und die Dresdner Bank, ganz aktuell die Industriellenfamilie Flick, ja sogar der Fußballverein Schalke 04 haben unabhängigen Wissenschaftlern Finanzen und/oder ihre Archive zur Verfügung gestellt. Heraus kommen in der Regel dicke, oft unlesbare Bücher, die den Auftraggeber auf die eine oder andere weise entlasten: Entweder war die Verstrickung nicht gar so schlimm. Oder sie war es, wird aber vom Unternehmen selbst aufgearbeitet und gilt damit als bewältigt. Neue Fakten zum Nationalsozialismus kommen bei diesen Firmenfestschriften der anderen Art selten heraus. Die gestern in Berlin vorgestellte Studie über das Rote Kreuz hebt sich hier ab. Das liegt zuerst am Gegenstand: "Das DRK war die einzige Großorganisation im Dritten Reich, die aufgrund internationaler Rücksichten sich nicht in direkter Abhängigkeit von der NSDAP befand", schreibt der Bochumer Historiker Hans Mommsen, der die Forscherinnen Birgitt Mommsen und Stephanie Merkenich für die Studie anleitete. Das nicht organisatorisch gleichgeschaltete DRK blieb ein Fremdkörper im totalen Staat, auch wenn seine Führungspositionen zunächst von SA-, später von maßgeblichen SS-Funktionären eingenommen wurden. An den Zugriffsversuchen konkurrierender brauner Machthaber lässt sich eindrucksvoll die Multipolarität des Regimes ablesen. So gab das DRK etwa günstige Millionenkredite an die SS.
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