Auf unheimlichem Boden

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Beim Anblick der Ruinen von Innsbruck durchzuckte es Leo Löwenthal: »Eigentlich nicht genug.« Der 1934 nach Amerika emigrierte Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung Max Horkheimers und Theodor W. Adornos reiste durch Nachkriegseuropa. Die deutschen Trümmerlandschaften konnten den jüdischen Literatursoziologen nach den deutschen Massenmorden nicht erschüttern. Dass das Land seiner Herkunft ihm keine Heimat werden würde, wusste er bald: Auf dem Münchner Oktoberfest erlebte er »dieselben grölenden, verblödeten Massen«, die dem Führer zugejubelt hatten. Und ein junger Taxifahrer erklärte Löwenthal die Dummheit Hitlers, sich mit den Juden angelegt zu haben; die hätten doch bekanntlich das Geld. Leo Löwenthal blieb in Amerika.

Sollte man nach Deutschland zurückkehren? Diese Frage trieb 1945 alle Emigranten um; leidenschaftliche Artikel und Briefe wurden damals darüber geschrieben. Und es gab tatsächlich Dichter und Denker, die, anders als Leo Löwenthal, zurückkehrten in das Land der Täter – wenige Jahre nachdem ihre Freunde und Verwandten in Auschwitz umgebracht worden waren und im Wissen, dass, wären sie geblieben, deren Schicksal sie ebenfalls ereilt hätte. Von heute aus erscheint diese Rückkehr als das irritierende, bewegende Wunder der deutschen Geistesgeschichte im 20. Jahrhundert.
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Es gab uns wirklich

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Ausreisepartys und Hausbesetzungen, Miss-Wahlen und der erste Kinderladen: Das Leben in der späten DDR war ganz anders, als der Westen denkt.

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Die Schauspielerin Corinna Harfouch und ihr Sohn Robert Gwisdek vor 24 Jahren in der Theaterkantine

Sie redet nur wegen dieses Fotos. Es beamt sie zurück in eine andere Zeit, die sie so entscheidend geprägt hat, in ein anderes Land, zurück zu der Frau, die sie einmal war. Als habe dieses Foto die Fähigkeit, das Geschwätz auszublenden und den eigenen, zugeschütteten Erinnerungskanal freizulegen.

Das Foto: Corinna Harfouch, Anfang 30 damals, sitzt im weißen Unterhemd vor einem Kaffee in der Kantine der Berliner Volksbühne, auf dem Schoß ihren kleinen Robert, anderthalb Jahre alt. Eine Momentaufnahme von 1985. Die DDR hatte noch fünf Jahre zu leben, für Corinna Harfouch begann damals ihre große Karriere. Sie sagt, sie antworte stets mit Schweigen auf all die Fragen nach Wende und DDR, Freiheit und Diktatur, "mich kotzt das alles an, weil durch diesen ganzen Rummel der eigene Blick verloren geht. Ich weiß manchmal nicht mehr, was sind meine Erinnerungen und was wird einem von außen aufgestülpt."
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Bühne der Freiheit am Berliner Alex

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Die Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Berlin war die Generalprobe zur Wende – auch für die Mitarbeiter des Deutschen Theaters.

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Am 04.11.1989 kam es zu einer Massenkundgebung auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin

Hans Rübesame arbeitet überm letzten Treppenabsatz, unterm Dach. Das passt. Er ist ganz oben. Wo der Kopf sitzt. Wo die Erinnerung im Standby-Modus verharrt.

Wenn man ihn in Betrieb setzt, eine Frage stellt oder einen Auftrag erteilt, verschwindet er im Halbdunkel zwischen Regalen voller Schätze. Zwischen 150 Jahre alten Textbüchern, Bühnenmanuskripten, Rollen-, Souffleur- und Inspizierbüchern, Proben- und Vorstellungsprotokollen, Programmheften, Plakaten, Bildern. Rübesame ist Archivar des Deutschen Theaters in Berlin. Er ist dunkel gekleidet wie vor Jahrzehnten, als er Bibliotheks- und Musikwissenschaftler wurde. In seinem krausen Kopfhaar ringen graue Härchen um Aufmerksamkeit. Er trägt einen Vollbart. Er ist irgendwie zeitlos.

Den Auftrag, den er jetzt erledigt, hat er sich gewünscht. Er muss nicht tief ins Halbdunkel, um die Pappmappen zu holen, in denen der Herbst 1989 steckt und alles, was dazugehört. Der 4. November, jener Samstag, als das Deutsche Theater nicht an der Reinhardtstraße Theater spielte, sondern auf dem Alexanderplatz seine Vorstellungen wahr machte. Weil das genau 20 Jahre her ist, soll Rübesame einen Schaukasten zusammenstellen.
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Wo der schreckliche Minotaurus wirklich hauste

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In griechischen Sagen war er ein brutales Mischwesen aus Mensch und Stier: der Minotaurus, gefangen in einem Labyrinth auf Kreta. Ein britischer Geograf will den Irrgarten jetzt gefunden haben - und warnt vor sehr realen Gefahren, die dort noch immer lauern.
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Jakob Fugger

News in Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.) Noch keine Kommentare »
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Man muss die neueste Technik, man muss die Erfindungen der Zeit nutzen. Der große Fugger hat gezeigt, wie man das macht.[/b]

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Jakob Fugger (1459-1525) wurde Fugger der Reiche genannt

Da wurde also vor 550 Jahren Jakob Fugger geboren, und bei der Zeitungslektüre kann man fast die Glocken läuten hören. »Er war ein Vorbild«, titelt die Welt. »Kreativität und Offenheit« bescheidet der Bayernkurier dem Jubilar. Dann kommt immer wieder dieselbe Geschichte von der Fuggerei. Dass der alte Jakob in seiner Heimatstadt 52 Sozialwohnungen eingerichtet habe. Dass er deswegen ein großer Sozialreformer gewesen sei. Und sowieso ein frommer Mensch.

Sollte man, ehrlich gesagt, schnell wieder vergessen. Der Fugger-Clan kontrollierte zeitweise an die zehn Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Sie waren weit und breit die größten Grundbesitzer, wichtigsten Bankiers, vernetztesten Händler, einflussreichsten Bergbauer. Die paar Sozialwohnungen, mutmaßt der Autor Günter Ogger in seiner etwas polemischen Fugger-Biografie Kauf Dir einen Kaiser, waren bloß ein »Propagandatrick, um ein schwebendes Verfahren wegen schwerer Vergehen gegen die Antimonopolgesetze zu unterlaufen«. Jedenfalls konnte Jakob der Reiche dergleichen aus der Portokasse bezahlen.
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Aus Juristen Demokraten machen

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Gustav Radbruchs langer Kampf für das Recht der Republik – ein Porträt des großen Juristen zu seinem 60. Todestag.[/b]

In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1989 starb der letzte Flüchtling an der Berliner Mauer. Ein Schuss traf den jungen Mann mitten ins Herz. Der grausigen Tat folgten die üblichen Reaktionen des real existierenden Grenzregimes, gipfelnd in der Belobigung der Schützen mit Ordensverleihung und Geldprämie für den vorbildlichen Einsatz. Dass damit das letzte Wort noch nicht gesprochen war, lag an den Ereignissen im Herbst desselben Jahres, die das Recht der DDR binnen weniger Wochen in gesamtdeutsches Unrecht verwandelten.
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Im September 1991 begann der Prozess gegen die vier beteiligten Grenzsoldaten, der erste dieser Art nach der Wiedervereinigung; der Todesschütze wurde schließlich im März 1994 wegen Totschlags verurteilt.

Juristisch war das nicht ganz unbedenklich. Laut Einigungsvertrag mussten Straftaten aus der DDR nach dem Recht der DDR behandelt werden. Danach war Totschlag zwar grundsätzlich strafbar, im Falle der Grenzsicherung an der Mauer jedoch gesetzlich erlaubt. Doch die Gerichte setzten sich über das Gesetzesrecht der DDR hinweg.

Mithilfe einer rechtsphilosophischen Argumentationskette aus dem Jahr 1946 ermittelten sie das eigentliche, wirkliche, wahre Recht des untergegangenen Nachbarn: Gesetze könnten zwar in aller Regel Verbindlichkeit für sich beanspruchen; eine Grenze finde dieser Grundsatz jedoch dort, wo der Widerspruch zwischen positivem Gesetz und Gerechtigkeit so unerträglich sei, »daß das Gesetz als ›unrichtiges Recht‹ der Gerechtigkeit zu weichen« habe.
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Martin Luther

News in Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648) Noch keine Kommentare »
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Der Mensch kann sich ändern, die Welt sich erneuern – sprichst du nur das eine kleine Wörtlein: Nein.[/b]

Ich stamme aus Lutherland. Mein Vater war Pfarrer in Sangerhausen am Südharz. 1979 kam Westbesuch, eine Abordnung der evangelischen Partnergemeinde aus Steinheim am Main. Die Ärmsten vegetierten dort fern von Luther. Deshalb führte Vater sie an etliche St.-Martins-Stätten – nach Eisleben, wo Luther 1483 geboren wurde und 1546 starb, und ins Mansfelder Elternhaus.

Dort prangte an der Wand ein historischer Stich: Luthers Lebenswende. 2. Juli 1505, Gewitter bei Stotternheim. Luthers Freund Alexius, vom Blitz gemordet, liegt à la fromme Helene verkokelt im Acker. Luther, panisch, gelobt der heiligen Anna, im Falle seiner Rettung Mönch zu werden. Vater erklärte die Szene zur Legende. Falls überhaupt, sei Luthers Freund in einem anderen Gewitter gestorben. Flammender Protest! Nein!, rief eine Glaubensschwester. Nein, Herr Pfarrer! Es war wie auf dem Bilde! Meinen Luther lass ich nicht!
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Carl von Carlowitz

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Wir können nicht wider die Natur, sondern nur mit ihr agieren: Der das erkannte, lebte vor 300 Jahren. Lasst uns seine Idee von »Nachhaltigkeit« endlich ernst nehmen.


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Carl von Carlowitz (1645-1714), Edelmann und Ökologe

Wörter können sich leider nicht wehren, wenn ihnen im Mühlwerk politischer Auseinandersetzungen die Bedeutung allmählich abhandenkommt. »Nachhaltigkeit«: Kaum hatten sich die Vereinten Nationen beim »Erdgipfel« in Rio 1992 auf den Anspruch geeinigt, in den Grenzen des Wachstums und mit Rücksicht auf kommende Generationen zu wirtschaften, da wurde der Begriff auch schon verwässert, verbogen, verkürzt oder als Tensid fürs greenwashing missbraucht. Mittlerweile gelten selbst Atomkraftwerke als nachhaltig, deren Müll ewig strahlt. Klaus Töpfer, langjähriger Chef der UN-Umweltorganisation, sagte einmal mit bitterem Spott: Wem zu den globalen Krisen gar nichts mehr einfalle, der rede von Nachhaltigkeit.

Wenn es nur der Verschleiß des Begriffs wäre, doch er spiegelt die Unzulänglichkeit des Handelns. Dabei wird inmitten der eskalierenden Klima- und Hungerkrisen jeden Tag wichtiger, was sustainability auch bezeichnet: Umwelt, Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit zusammenzuführen. Anlass genug, jenem Mann unter die Augen zu treten, der das Konzept ursprünglich erdachte; sich an der Nachdenklichkeit und Strenge zu orientieren, mit der er auf alten Kupferstichen unter der Lockenpracht einer französischen Allongeperücke seinen Nachfahren im metallenen Brustpanzer entgegenblickt, prinzipienfest.

Kaum ein brasilianischer Sojaplantagen-Zertifizierer, indischer Klimaschützer oder selbst deutscher Nachhaltigkeitsabteilungsleiter hat den Namen des Edlen Hans Carl von Carlowitz je gehört, der 1645 als Spross einer uralten Ritterdynastie auf Burg Rabenstein bei Chemnitz geboren wurde und zu einem der wirkungsmächtigsten Beamten Kursachsens aufstieg.
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Maria Sibylla Merian

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Frei von aller Konvention, geht die Naturforscherin und Künstlerin ganz eigene Wege. Ihre Expedition durch den Regenwald von Surinam wird ein einziger Triumph.


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Maria Sibylla Merian (1647-1717), Selbstbewusst in die Welt hinaus

Nur mal so gedacht: 12. Klasse, die Lehrerin bringt ihren Schülern ein Vorbild mit. »Eine ganz große Frau der Wissenschaft, eine berühmte deutsche Naturforscherin.« Müdes Lächeln bei den Teenagern. »Eine der Ersten, die den Zyklus von Ei zu Raupe zu Puppe zu Schmetterling beschrieben hat. Im 17. Jahrhundert, als die meisten Leute noch dachten, Insekten entstünden in einer Urzeugung aus Schlamm.« Demonstrative Ignoranz, höchstens über den altertümlichen Namen mokieren sich die Schüler: Maria Sibylla Merian. Die Lehrerin versucht sich an einem Gag: »Wir haben sie unzählige Male abgeschleckt, ihre gummierte Rückseite wenigstens.« Denn MSM prangte auf einer Briefmarke zu 40 Pfennig. »Und auch auf dem 200-Mark-Schein.«
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Weiter gedacht: Was hätte MSM denn wohl selbst erzählt? Zeitlebens geizte sie mit Persönlichem. Aber vor 17-Jährigen könnte man ja offen sprechen. Über das Leben eines bürgerlichen Mädchens, das 1647 in eine gut situierte Frankfurter Kupferstecherfamilie hineingeboren wird. Über die kreative Umgebung, musisch, handwerklich. Über Lebensmodelle. Maria Sibylla fand früh ihren eigenen Stil: Pflanzendarstellungen mit Raupen und Schmetterlingen, ästhetisch und akkurat. Als sie 1665 einen Schüler aus der stiefväterlichen Werkstatt heiratete, mit ihm nach Nürnberg zog, war sie eine aufstrebende Künstlerin. Ihre Bücher machten sie bekannt. Aber statt Reputation und Vermögen zu mehren, flüchtete sie 1685 aus ihrem bürgerlichen Leben. Sie schnappte sich ihre zwei jungen Töchter und zog für sechs Jahre in eine Landkommune engstirniger niederländischer Protestanten.

Hatten sie Erbstreitigkeiten in ihrer Familie entnervt? War ihr der Ehemann – die Biografen spekulieren über sexuelle Eskapaden und Seitensprünge – zuwider geworden?
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Friedrich Schiller

News in Absolutismus und Aufklärung (1648-1789) Noch keine Kommentare »
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Wie schwach und krank war sein Leib, doch wie kraftvoll ist sein Werk! Des Dichters klassisches Rezept: Eiserne, heitere Disziplin bis zuletzt.[/b]

Zehn Tage nach Friedrich Schillers Tod am 9. Mai 1805 präsentierte der weimarische Hofmedikus Wilhelm Ernst Christian Huschke das Obduktionsergebnis. »Folgendes Merckwürdige« habe er mitzuteilen: Die Rippenknorpel Schillers seien »starck verknöchert«, die rechte Lunge sei mit dem Rippenfell und dem Herzbeutel derart verwachsen, »daß es kaum mit dem Messer gut zu trennen war. Diese Lunge war faul u. brandig, breiartig u. ganz desorganisirt.« Das Herz? Ein »leerer Beutel«, runzelig und »ohne Muskelsubstanz«. Die Ränder der Leber »brandig«. Die Gallenblase »noch einmal so groß als im natürl. Zustande u. strotzend von Galle«. Auch die Milz übergroß. Die Nieren in »ihrer Substanz aufgelöst«, die Därme mit dem Bauchfell verwachsen. Blase und Magen indes in bester Ordnung. »Bey diesen Umständen«, so der Arzt knapp, »muß man sich wundern, wie der arme Mann so lange hat leben können.«
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Gustav Radbruch

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Gibt es ein Recht über dem Gesetz? Kein Jurist ist in den globalen Konflikten der Gegenwart so aktuell wie er, der Professor aus Heidelberg.[/b]

Wie muss es gebebt haben in diesem Gelehrten während der Nazijahre. Gustav Radbruch, vor dem Krieg Rechtsprofessor in Heidelberg, Königsberg und Kiel, in der Weimarer Republik kurze Zeit SPD-Justizminister, war in Hitlers Reich ein verbannter Jurist, durfte nichts veröffentlichen. Aber wie er dann, 1945, seinen Geist entlädt! Was Radbruch zu sagen hat über die »Schandgesetze« und die Perversion, die dem Recht in den vergangen zwölf Jahren angetan wurde, passt auf eine Zeitungsseite. Dass die nicht Feuer fängt, ist erstaunlich.
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Wehrmacht: Missbrauchte Verbrechen

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Die »Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts« war nicht viel mehr als eine Hilfstruppe der NS-Propaganda.[/b]

Mitte September 1939, wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen, erscheint in den Verordnungsblättern von Heer, Luftwaffe und Marine ein auf den 4. des Monats datierter Erlass des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), Wilhelm Keitel, mit dem er bei der Rechtsabteilung des OKW eine »Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts« einrichtet. Ihr Auftrag lautet, »die von den gegnerischen Militär- und Zivilpersonen gegen deutsche Wehrmachtangehörige begangenen Verstöße gegen das Völkerrecht festzustellen und zugleich die vom Auslande gegen die deutsche Wehrmacht in dieser Hinsicht erhobenen Anschuldigungen aufzuklären«.

Eine paradoxe Situation: Ausgerechnet in jener Kommandobehörde, die wenig später den Truppen mit mörderischen Anordnungen wie dem Kriegsgerichtsbarkeitserlass und dem Kommissarbefehl den Weg in den Vernichtungskrieg weisen wird, entsteht so eine Stelle, die sich hauptamtlich mit Kriegsverbrechen auseinandersetzen soll. Hatte sich damit etwa – wie von konservativen Historikern behauptet – mitten in Hitlers militärischer Schaltzentrale eine Zelle redlicher, aber ohnmächtiger Juristen etabliert?
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Die Ära der schwebenden Stoffwürste

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Als Passagiere noch in mahagonigetäfelten Gondeln unter gasgefüllten Zigarren saßen: Vor 100 Jahren wurde in Deutschland die erste Fluggesellschaft der Welt gegründet.[/b]

Die Geschichte der Passagierluftfahrt beginnt mit einem Crash. Am 28. Juni 1910 fährt der Zeppelin LZ 7Deutschland aus Düsseldorf ab. Er soll von nun an regelmäßig Gäste via Frankfurt nach Baden-Baden und zurück befördern. Unter den 23 Passagieren sind etliche Journalisten, die über die erste kommerzielle Zeppelin-Fahrt – nicht Flug, darauf besteht der Luftschiffer ebenso wie der Ballonfahrer – berichten sollen.

Die Flug-, Pardon Fahrgäste reisen bequem: Die Mahagonitäfelung der Passagierkabine ist mit Perlmutt eingelegt, Teppiche liegen in der Gondel unter der 127 Meter langen Zigarre aus Stoff und gasdichtem Rinderblinddarm. Doch einer der Daimler-Motoren stottert, ein Unwetter zieht auf.
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Käthe Kollwitz

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Sie zeichnete die Elenden, Kranken, Betrogenen. Ihre Kunst ist Klage und Anklage – und hat nichts von ihrer Kraft verloren.[/b]

Den Arm emporgereckt, ein flehender Blick, den Mund zum Ruf geöffnet, daneben in steiler Handschrift der Appell: »Nie wieder Krieg«. Seit bald einem Jahrhundert wird dieses Plakat von der deutschen Friedensbewegung getragen und nachgedruckt. Doch Käthe Kollwitz, die Malerin und Bildhauerin, die Mahnerin, die Unbeugsame, gehört nicht nur wegen plakativer Appelle zu den ganz Großen. Sie hat sich vielmehr, wie wenige Künstler den Problemen ihrer (und unserer) Zeit zugewandt: dem Elend, dem Hunger, dem Krieg. Und sie hat die Opfer ins Zentrum ihrer Kunst gerückt und damit in die Öffentlichkeit geholt: die Geschundenen, die Betrogenen, die Kranken. »Ich will, dass meine Kunst Zweck hat«, sagte Käthe Kollwitz. »Ich will wirken.« Ihre Werke macht dies so aktuell wie unzeitgemäß. Denn ist nicht auch unsere Zeit, wie die ihre, eine, in der man gern wegschaut – weil man das Elend nicht erträgt, den Krieg nicht verhindern kann oder weil man sich einfach nicht interessiert? Kollwitz schaute hin und malte, was sie sah. Es war ihr mitnichten peinlich, unmittelbar zu wirken, das Gefühl des Betrachters schneller anzusprechen als den Intellekt. Kunst, geschaffen nur um der Kunst willen, war ihr fremd. Sie wollte aufrütteln.
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Ferdinand Lassalle

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Wenn heute einer die müde SPD auf Trab bringen könnte, dann er: Der Mann, der sie vor mehr als 140 Jahren gründen half.[/b]

Würden Träume ohne Weiteres Realität, würde er zum Retter der siechen deutschen Sozialdemokratie. Einer ihrer Gründer ist er schon. Vor 146 Jahren stand er in Leipzig in einem verrauchten Versammlungssaal vor den Delegierten aus deutschen Landen, um den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein aus der Taufe zu heben, den Vorläufer der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Vielleicht würde Ferdinand Lassalle jetzt erneut für die Sozialdemokratie antreten – der Volkstribun und Arbeiterführer, Theoretiker und Praktiker der Macht. Er würde der SPD neues Leben einhauchen, die verzagte und verkümmerte Partei an ihre Wurzeln erinnern, an ihren Geschichtsoptimismus und ihre Erfolge. Im Bundestag wäre er, den der alte Sozialdemokrat Hans-Jochen Vogel einen »gottbegnadeten Agitator« nannte, der geborene Oppositionsführer. Den öligen CSU-Baron zu G. würde der in Dutzenden Gerichtsprozessen geschulte Advokat und aristokratisch wirkende Lebemann mit Verweisen auf Hegel und Heraklit schwindelig reden. Angela Merkel hätte Lassalle rhetorisch sowieso im Sack.

Was könnte er auch heute der Partei noch geben! Heinrich Heine bescheinigte ihm eine »an Irrsinn grenzende Willenszähigkeit«, für Eduard Bernstein war er der »Erwecker der deutschen Arbeiterbewegung«. Um ihr zu ihrem Recht zu verhelfen, schrieb Lassalle 1863 die Forderung nach einem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht in die Statuten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Zugleich verankerte er in der Sozialdemokratie den Glauben an den solidarischen Sozialstaat – nur der könne garantieren, sagte Lassalle, dass Freiheit nicht allein die Freiheit der Mächtigen ist, sondern zur Freiheit für alle wird. Den bürgerlichen Liberalen seiner Zeit warf er dagegen ihre »Nachtwächterideen« des Staates vor. Dessen vermeintliche Neutralität sei schließlich nichts anderes als Parteinahme für die wirtschaftlich Starken, zürnte er.
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Erich Mühsam

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»Sich fügen heißt lügen« – das ist sein Credo, Unerschrockenheit sein Lebensprinzip: Ein Anarchist im edelsten Sinne des Wortes.


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Erich Mühsam (1878-1934), Dichter, Bohemien und Revolutionär

Kein Bürger darf seines Lebens und seines Eigentums mehr sicher sein, so allein kann die moralische Widerstandskraft der Kapitalisten gebrochen werden«: Einen, der so etwas schrieb, wünscht man sich den als Zeitgenossen herbei? Oh ja! Ihn – nicht seine Zeit, das schreckliche 20.Jahrhundert: nicht die fünfjährige Haft, in der er Revolutionen herbeisehnte; nicht die Zensur seiner Schriften und die Ermordung seiner Freunde durch Reichswehr und rechtsnationale Freikorps. Aber ihn sehr wohl, der vor 75 Jahren von den Nazis im Konzentrationslager Oranienburg umgebracht wurde: den Freigeist Erich Mühsam.
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Die letzte Reise

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Also doch. Dem schmächtigen und, wie er selbst sagt, „knotigen“ Kepler, der „den Berg am liebsten hinaufgeht statt herunter, möglichst im tiefsten Dickicht“, schwindelt. Jakob, sein Gehilfe und frischgebackener Schwiegersohn, weiß es vom Schlossbaumeister, dem beinahe einzigen Kontakt der Keplers im schlesischen Sagan. Anfang Juli wären 13 000 Schweden unter König Gustav Adolf in Peenemünde gelandet, jetzt ist September. Er sei die Oder hinaufgefahren, Sagan liegt an einem ihrer Nebenflüsse und gehört zu Wallenstein. Kepler steht im Jahre 1630 für 1000 Gulden in dessen Diensten und der Schwede, ermutigt von Wallensteins Debakel vor Stralsund, sucht jetzt den Generalissimus des Kaisers ganz zu vernichten, die Atempause im 30jährigen Krieg ist zu Ende.
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Churchill: Bomben auf die Schweiz

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Winston Churchill wird als Freund der Schweiz gefeiert, der die schweizerische Neutralität hoch geschätzt hat. Eine Episode aus dem Jahr 1941 verändert das Bild. 1941 wollte Churchill die Eisenbahnlinie für den Kohletransport durch die Schweiz bombardieren.

Am 27. Januar 1941 schickte der britische Premier Winston Churchill dem Luftfahrtministerium eine Anweisung: Es bestehe anscheinend ein intensiver Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland und Italien. Mindestens 200 000 Tonnen würden wöchentlich transportiert: «Es ist offensichtlich äusserst wichtig, dass dies auf jede mögliche Weise verhindert werden soll. In Anbetracht der gebirgigen Natur des Landes» – der Name der Schweiz wird nicht genannt –, «durch das die Züge fahren, sollte dies machbar sein. Bitte lassen Sie mir einen Bericht zukommen, was getan worden ist und was getan werden muss.» Das Dokument findet sich in den im Britischen Nationalarchiv hinterlegten und bereits 1970 freigegebenen
persönlichen Akten Churchills. Die Geschichte ist bisher auch in Fachkreisen kaum beachtet worden.
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Die Feierlichkeiten zu Schillers 100. Geburtstag

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Am 10. November 1759 wird der Dichter Friedrich Schiller in Marbach am Neckar geboren. Die NZZ vom 17. November 1859 berichtet ausführlich von den Festlichkeiten in Stuttgart und Marbach, die Ihren Dichter zum hundertsten Geburtstag gebührend feiern. Zu Ehren des Schriftstellers veröffentlicht das Blatt das Gedicht «Gruss zum Schillerfeste aus der Schweiz».

http://static.nzz.ch/files/0/0/1/Schiller+S_1.4040001.+1+17_1.4040001.11_1.4040001.1859_1.4040001.pdf
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Skelett in rund 1000 Jahre altem Sarkophag entdeckt

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In einem rund 1000 Jahre alten Sarkophag, der im April bei Leitungsarbeiten im Klosterhof in St. Gallen entdeckt wurde, haben Archäologen das Skelett eines Mannes vorgefunden. Es handelt sich um einen bedeutenden Fund für die Klostergeschichte.
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Mit dem Zeichenstift nach Ägypten

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Die abenteuerlich anmutende Geschichte um die Wiederentdeckung des zeichnerischen Nachlasses von Jean-Baptiste Lepère findet ihren Höhepunkt in einer Ausstellung des Kölner Wallraf-Richartz-Museums, die eine grosse Anzahl bestechend guter Zeichnungen präsentiert – sowie die dazugehörigen Druckgrafiken.
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Mittelalterliche Wandmalerei in Zunfthaus

News in Österreich | Schweiz 4 Kommentare »
Während der laufenden Wiederaufbauarbeiten wurden im zweiten Obergeschoss des Zunfthauses, im Kleinen Zunftsaal, mittelalterliche Wandmalereireste entdeckt. Sondierungen eines Restaurators zeigten, dass die Malerei eine grössere Fläche belegte und in gutem Zustand war. Auf Veranlassung der kantonalen Denkmalpflege wurde das von mehreren Tüncheschichten überdeckte Bild deshalb freigelegt und konserviert.
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Weder Gott noch Zufall

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Das wilde Denken des Julien Offray de La Mettrie zeigt eine andere Seite der Aufklärung. Zum 300. Geburtstag des Arztes und Philosophen, des großen Skeptikers und Theoretikers des Genusses ein Porträt.[/b]

An einem Novembertag des Jahres 1751 starb in Berlin der Philosoph Julien Offray de La Mettrie. Die Nachricht sorgte vielerorts für Freude. »La Mettrie ist erledigt«, schrieb der Berner Mathematiker Johann Samuel König. »Die Maschine ist kaputtgegangen, von nun an lässt er die Welt in Ruhe.«
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Alles unter Kontrolle

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Im März 1979 kommt es im US-Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg erstmals zu einer Kernschmelze – Auslöser ist eine unbedeutende Panne. Das Protokoll einer Beinahekatastrophe.


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Das AKW Three Mile Island bei Harrisburg in dem US-Bundesstaat Pennsylvania nach dem Unglück

Vor 30 Jahren, im März 1979, geschah, was nach Prognosen von Atomgutachtern praktisch ausgeschlossen war: Der Reaktorblock eines Atomkraftwerks geriet außer Kontrolle. Es passierte im AKW Three Mile Island bei Harrisburg, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Pennsylvania. Eine ganze Woche lang kämpften die Operateure der Betreiberfirma Metropolitan Edison Company und eine kontinuierlich anschwellende Expertenschar gegen das Inferno. Die erste Kernschmelze in einem Großreaktor konnten sie nicht verhindern. Als tonnenschwerer Sturzbach ergoss sich das weiß glühende Reaktorherz auf den Grund des Druckbehälters. Fast drei Viertel des Kerns aus 36.816 Brennstäben, gebündelt in 177 Brennelementen, waren bei Temperaturen nahe 2800 Grad geschmolzen.
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DDR-Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989

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Noch eine Zigarette mehr als sonst. In der Redaktion einer großen Ost-Berliner Tageszeitung zermarterte sich schon am Freitagmittag ein Kommentator den Kopf darüber, wie er am Sonntagabend seinen Lesern erklären soll, dass die Kommunalwahlen 1989 erneut ein überzeugendes Bekenntnis zum ersten Arbeiter-und-BauernStaat auf deutschem Boden waren – obwohl das Ergebnis schlechter ausfallen würde als üblich in der DDR. Dass es so kommen werde, war intern schon bekannt. Und wenn es sich nur bei Stellen hinter dem Komma bemerkbar macht – die Stimmung im Lande DDR wandte sich immer mehr gegen die Allmacht der SED.
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Forschung als eine Frage der Gerechtigkeit

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Nach der Wende begann ein Umbruch an ostdeutschen Universitäten. Viele Professoren wurden ausgetauscht. Hat die Wissenschaft die Chance der Wiedervereinigung genutzt?[/b]

Als die Mauer fiel und Deutschland wiedervereinigt wurde, bedeutete das auch für die Wissenschaft einen gewaltigen Umbruch. Binnen weniger Jahre wurden an den Hochschulen in Ostdeutschland tausende Wissenschaftler ausgetauscht.
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Gestorben muß seyn

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Über Tod und Leben, Armut und Luxus konnte Abraham a Sancta Clara predigen wie kein Zweiter. Noch immer fasziniert seine barocke Sprachfantasie. Doch leider war er auch ein fanatischer Mönch. Ein Porträt zum 300. Todestag des Wiener Augustiners.[/b]

Allein der Name ist schon Verkündigung. Er kündet von den weiten Glaubensbögen, die dieser wortgewaltige Augustinermönch zu schlagen pflegte, sobald er auf die Kanzel stieg: von den Ursprungsmythen des Alten Testaments zur christlichen Ordensfrömmigkeit. Geradezu heilsprogrammatisch steht in seinem Namen der biblische Übervater neben der heiligen Klara von Assisi, die im 13. Jahrhundert den Klarissenorden gründete, den weiblichen Zweig der Franziskaner. Mit »Sancta Clara« könnte aber auch eine wie immer geartete »heilige Klarheit« gemeint sein – und mit ihr der Versuch, dem noch tief im Mittelalter wurzelnden Katholizismus ein Quäntchen Vernunft einzuflößen.
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(C) Daniel Oswald