Nov 01
Auf unheimlichem Boden
News in BRD | DDR Noch keine Kommentare »Beim Anblick der Ruinen von Innsbruck durchzuckte es Leo Löwenthal: »Eigentlich nicht genug.« Der 1934 nach Amerika emigrierte Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung Max Horkheimers und Theodor W. Adornos reiste durch Nachkriegseuropa. Die deutschen Trümmerlandschaften konnten den jüdischen Literatursoziologen nach den deutschen Massenmorden nicht erschüttern. Dass das Land seiner Herkunft ihm keine Heimat werden würde, wusste er bald: Auf dem Münchner Oktoberfest erlebte er »dieselben grölenden, verblödeten Massen«, die dem Führer zugejubelt hatten. Und ein junger Taxifahrer erklärte Löwenthal die Dummheit Hitlers, sich mit den Juden angelegt zu haben; die hätten doch bekanntlich das Geld. Leo Löwenthal blieb in Amerika.
Sollte man nach Deutschland zurückkehren? Diese Frage trieb 1945 alle Emigranten um; leidenschaftliche Artikel und Briefe wurden damals darüber geschrieben. Und es gab tatsächlich Dichter und Denker, die, anders als Leo Löwenthal, zurückkehrten in das Land der Täter – wenige Jahre nachdem ihre Freunde und Verwandten in Auschwitz umgebracht worden waren und im Wissen, dass, wären sie geblieben, deren Schicksal sie ebenfalls ereilt hätte. Von heute aus erscheint diese Rückkehr als das irritierende, bewegende Wunder der deutschen Geistesgeschichte im 20. Jahrhundert.
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Sollte man nach Deutschland zurückkehren? Diese Frage trieb 1945 alle Emigranten um; leidenschaftliche Artikel und Briefe wurden damals darüber geschrieben. Und es gab tatsächlich Dichter und Denker, die, anders als Leo Löwenthal, zurückkehrten in das Land der Täter – wenige Jahre nachdem ihre Freunde und Verwandten in Auschwitz umgebracht worden waren und im Wissen, dass, wären sie geblieben, deren Schicksal sie ebenfalls ereilt hätte. Von heute aus erscheint diese Rückkehr als das irritierende, bewegende Wunder der deutschen Geistesgeschichte im 20. Jahrhundert.
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