Martin Luther

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Der Mensch kann sich ändern, die Welt sich erneuern – sprichst du nur das eine kleine Wörtlein: Nein.[/b]

Ich stamme aus Lutherland. Mein Vater war Pfarrer in Sangerhausen am Südharz. 1979 kam Westbesuch, eine Abordnung der evangelischen Partnergemeinde aus Steinheim am Main. Die Ärmsten vegetierten dort fern von Luther. Deshalb führte Vater sie an etliche St.-Martins-Stätten – nach Eisleben, wo Luther 1483 geboren wurde und 1546 starb, und ins Mansfelder Elternhaus.

Dort prangte an der Wand ein historischer Stich: Luthers Lebenswende. 2. Juli 1505, Gewitter bei Stotternheim. Luthers Freund Alexius, vom Blitz gemordet, liegt à la fromme Helene verkokelt im Acker. Luther, panisch, gelobt der heiligen Anna, im Falle seiner Rettung Mönch zu werden. Vater erklärte die Szene zur Legende. Falls überhaupt, sei Luthers Freund in einem anderen Gewitter gestorben. Flammender Protest! Nein!, rief eine Glaubensschwester. Nein, Herr Pfarrer! Es war wie auf dem Bilde! Meinen Luther lass ich nicht!
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Carl von Carlowitz

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Wir können nicht wider die Natur, sondern nur mit ihr agieren: Der das erkannte, lebte vor 300 Jahren. Lasst uns seine Idee von »Nachhaltigkeit« endlich ernst nehmen.


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Carl von Carlowitz (1645-1714), Edelmann und Ökologe

Wörter können sich leider nicht wehren, wenn ihnen im Mühlwerk politischer Auseinandersetzungen die Bedeutung allmählich abhandenkommt. »Nachhaltigkeit«: Kaum hatten sich die Vereinten Nationen beim »Erdgipfel« in Rio 1992 auf den Anspruch geeinigt, in den Grenzen des Wachstums und mit Rücksicht auf kommende Generationen zu wirtschaften, da wurde der Begriff auch schon verwässert, verbogen, verkürzt oder als Tensid fürs greenwashing missbraucht. Mittlerweile gelten selbst Atomkraftwerke als nachhaltig, deren Müll ewig strahlt. Klaus Töpfer, langjähriger Chef der UN-Umweltorganisation, sagte einmal mit bitterem Spott: Wem zu den globalen Krisen gar nichts mehr einfalle, der rede von Nachhaltigkeit.

Wenn es nur der Verschleiß des Begriffs wäre, doch er spiegelt die Unzulänglichkeit des Handelns. Dabei wird inmitten der eskalierenden Klima- und Hungerkrisen jeden Tag wichtiger, was sustainability auch bezeichnet: Umwelt, Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit zusammenzuführen. Anlass genug, jenem Mann unter die Augen zu treten, der das Konzept ursprünglich erdachte; sich an der Nachdenklichkeit und Strenge zu orientieren, mit der er auf alten Kupferstichen unter der Lockenpracht einer französischen Allongeperücke seinen Nachfahren im metallenen Brustpanzer entgegenblickt, prinzipienfest.

Kaum ein brasilianischer Sojaplantagen-Zertifizierer, indischer Klimaschützer oder selbst deutscher Nachhaltigkeitsabteilungsleiter hat den Namen des Edlen Hans Carl von Carlowitz je gehört, der 1645 als Spross einer uralten Ritterdynastie auf Burg Rabenstein bei Chemnitz geboren wurde und zu einem der wirkungsmächtigsten Beamten Kursachsens aufstieg.
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(C) Daniel Oswald