Es gab uns wirklich

News in BRD | DDR Noch keine Kommentare »
Ausreisepartys und Hausbesetzungen, Miss-Wahlen und der erste Kinderladen: Das Leben in der späten DDR war ganz anders, als der Westen denkt.

[IMG]http://images.zeit.de/lebensart/2009-11/corinna-46/corinna-46-540x304.jpg[/IMG]
Die Schauspielerin Corinna Harfouch und ihr Sohn Robert Gwisdek vor 24 Jahren in der Theaterkantine

Sie redet nur wegen dieses Fotos. Es beamt sie zurück in eine andere Zeit, die sie so entscheidend geprägt hat, in ein anderes Land, zurück zu der Frau, die sie einmal war. Als habe dieses Foto die Fähigkeit, das Geschwätz auszublenden und den eigenen, zugeschütteten Erinnerungskanal freizulegen.

Das Foto: Corinna Harfouch, Anfang 30 damals, sitzt im weißen Unterhemd vor einem Kaffee in der Kantine der Berliner Volksbühne, auf dem Schoß ihren kleinen Robert, anderthalb Jahre alt. Eine Momentaufnahme von 1985. Die DDR hatte noch fünf Jahre zu leben, für Corinna Harfouch begann damals ihre große Karriere. Sie sagt, sie antworte stets mit Schweigen auf all die Fragen nach Wende und DDR, Freiheit und Diktatur, "mich kotzt das alles an, weil durch diesen ganzen Rummel der eigene Blick verloren geht. Ich weiß manchmal nicht mehr, was sind meine Erinnerungen und was wird einem von außen aufgestülpt."
Weiterlesen »

Bühne der Freiheit am Berliner Alex

News in BRD | DDR Noch keine Kommentare »
Die Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Berlin war die Generalprobe zur Wende – auch für die Mitarbeiter des Deutschen Theaters.

[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2009-11/berlin-alex-demo/berlin-alex-demo-540x304.jpg[/IMG]
Am 04.11.1989 kam es zu einer Massenkundgebung auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin

Hans Rübesame arbeitet überm letzten Treppenabsatz, unterm Dach. Das passt. Er ist ganz oben. Wo der Kopf sitzt. Wo die Erinnerung im Standby-Modus verharrt.

Wenn man ihn in Betrieb setzt, eine Frage stellt oder einen Auftrag erteilt, verschwindet er im Halbdunkel zwischen Regalen voller Schätze. Zwischen 150 Jahre alten Textbüchern, Bühnenmanuskripten, Rollen-, Souffleur- und Inspizierbüchern, Proben- und Vorstellungsprotokollen, Programmheften, Plakaten, Bildern. Rübesame ist Archivar des Deutschen Theaters in Berlin. Er ist dunkel gekleidet wie vor Jahrzehnten, als er Bibliotheks- und Musikwissenschaftler wurde. In seinem krausen Kopfhaar ringen graue Härchen um Aufmerksamkeit. Er trägt einen Vollbart. Er ist irgendwie zeitlos.

Den Auftrag, den er jetzt erledigt, hat er sich gewünscht. Er muss nicht tief ins Halbdunkel, um die Pappmappen zu holen, in denen der Herbst 1989 steckt und alles, was dazugehört. Der 4. November, jener Samstag, als das Deutsche Theater nicht an der Reinhardtstraße Theater spielte, sondern auf dem Alexanderplatz seine Vorstellungen wahr machte. Weil das genau 20 Jahre her ist, soll Rübesame einen Schaukasten zusammenstellen.
Weiterlesen »

(C) Daniel Oswald