Jul 16
Nachkriegszeit: Eine exotische Region
News in Russland | Sowjetunion | Osteuropa 3 Kommentare »Die zwei Geschichten einer Stadt: Wie aus Königsberg nach 1945 das sowjetische Kaliningrad wurde.
Am 30. November 1948 meldet der sowjetische Innenminister Sergej Kruglow der Führung in Moskau Vollzug: Die »Übersiedlung der deutschen Bevölkerung aus dem Gebiet Kaliningrad in die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands« sei nunmehr »in der von der Regierung geforderten Frist abgeschlossen«. Seit Beginn der Aktion im Oktober 1947 wurden »insgesamt 102215 Deutsche ausgesiedelt«. Die Geschichte der Deutschen im nördlichen Ostpreußen und in Königsberg schien zu Ende.
Ganz genauso sieht es 1971 der Historiker Fritz Gause, von 1938 bis 1945 Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums von Königsberg und nach 1945 in Essen als Lehrer tätig. Seine monumentale Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen endet 1948: »Die siebenhundertjährige Geschichte Königsbergs nahmen die Ausreisenden mit in ihr Vaterland. Was sie hinter sich ließen, war Kaliningrad.« Königsberg habe aufgehört zu existieren, und »was mit Kaliningrad geschieht, ist Sache der UdSSR«.
Der sowjetische Innenminister und der deutsche Stadthistoriker waren sich also ausnahmsweise einmal einig: Königsberg gab es nicht mehr. Die neue Stadt, so lautete die Bilanz, und so lautet sie in vielen Darstellungen bis in unsere Tage, hat mit der alten nichts mehr zu tun. Moskau warf sofort alle Deutschen hinaus, und fortan war alles Deutsche tabu.
Heute aber, mehr als sechzig Jahre später, lohnt sich ein neuer Blick. Denn dann erkennt man: Vieles in der Nachkriegsgeschichte der Stadt verlief anders, war weniger eindeutig.
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Am 30. November 1948 meldet der sowjetische Innenminister Sergej Kruglow der Führung in Moskau Vollzug: Die »Übersiedlung der deutschen Bevölkerung aus dem Gebiet Kaliningrad in die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands« sei nunmehr »in der von der Regierung geforderten Frist abgeschlossen«. Seit Beginn der Aktion im Oktober 1947 wurden »insgesamt 102215 Deutsche ausgesiedelt«. Die Geschichte der Deutschen im nördlichen Ostpreußen und in Königsberg schien zu Ende.
Ganz genauso sieht es 1971 der Historiker Fritz Gause, von 1938 bis 1945 Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums von Königsberg und nach 1945 in Essen als Lehrer tätig. Seine monumentale Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen endet 1948: »Die siebenhundertjährige Geschichte Königsbergs nahmen die Ausreisenden mit in ihr Vaterland. Was sie hinter sich ließen, war Kaliningrad.« Königsberg habe aufgehört zu existieren, und »was mit Kaliningrad geschieht, ist Sache der UdSSR«.
Der sowjetische Innenminister und der deutsche Stadthistoriker waren sich also ausnahmsweise einmal einig: Königsberg gab es nicht mehr. Die neue Stadt, so lautete die Bilanz, und so lautet sie in vielen Darstellungen bis in unsere Tage, hat mit der alten nichts mehr zu tun. Moskau warf sofort alle Deutschen hinaus, und fortan war alles Deutsche tabu.
Heute aber, mehr als sechzig Jahre später, lohnt sich ein neuer Blick. Denn dann erkennt man: Vieles in der Nachkriegsgeschichte der Stadt verlief anders, war weniger eindeutig.
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