Die neue Weltordnung

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»Von der Freiheit der Meere«: Vor 400 Jahren erschien die berühmte Schrift des Hugo Grotius, erster Baustein seines Werkes, mit dem er das Völkerrecht begründete. Ein Porträt des niederländischen Diplomaten und Gelehrten

Ein Sohn aus gutem Hause. Sein Vater war Patrizier in Delft, später Bürgermeister der Stadt, ein hochgebildeter Mann und einer der Kuratoren der neuen Universität Leiden. Sie war gegründet worden am Anfang des Freiheitskampfes der Niederlande gegen die Spanier. 1568 begann er, dauerte 80 Jahre und wurde erst beendet mit der allgemeinen völkerrechtlichen Anerkennung des neuen Staats im Westfälischen Frieden zu Münster und Osnabrück, mit dem auch der Dreißigjährige Krieg in Deutschland endlich vorüber war.

Das 17. Jahrhundert wurde für die Niederlande zu ihrer großen Zeit. Sie waren führend in der Landwirtschaft, hatten sich einen beachtlichen Kolonialbesitz erworben und verfügten über eine Flotte, größer als die englische. Es ist auch das Goldene Jahrhundert ihrer Wissenschaft, ihrer Kunst. Selten nur in der Geschichte hat die Menschheit in so kurzer Zeit auf so begrenztem Raum so viele Genies der Malerei hervorgebracht wie damals: Rembrandt und Lievens, Frans Hals und Vermeer, Willem Kalf, van Goyen, Terborch und Fabritius, Jan Steen, Gerard Dou, die Ruysdaels und viele mehr.
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Zu den großen Niederländern der Zeit gehört auch jener Sohn aus gutem Delfter Hause, Huigh de Groot, der sich bald lateinisch Hugo Grotius nannte, 1583 geboren. Auch er ist weltberühmt geworden. Ein Jurist, den man noch heute Vater des modernen Völkerrechts nennt und den Begründer des klassischen Naturrechts. 1609, vor 400 Jahren, veröffentlichte er das Werk, dessen Titel fast noch bekannter wurde als der Name seines Autors: Mare Liberum – Von der Freiheit der Meere. Ein Werklein in lateinischer Sprache, gerade mal 36 Seiten, mit dem er den Anspruch der Spanier und Portugiesen auf ein Monopol im Kolonialhandel zurückweist und das Recht des jungen niederländischen Staates auf freie Schifffahrt und freien Handel verteidigt. Das Meer gehöre niemand, jeder könne es befahren und nutzen. Die Schrift, ursprünglich im Auftrag niederländischer Handelsherren entstanden, zeigt schon beim jungen Grotius die große Begabung, juristische Konstruktionen in den Dienst einer politisch wirksamen Rechtsüberzeugung zu stellen. Mare Liberum erschien anonym und wurde heftig diskutiert, der Papst stellte es sofort auf den Index. Grotius aber arbeitete weiter an seinen Ideen und entfaltete sie schließlich 1625 in seinem großen Buch De Iure Belli ac Pacis (Über das Recht des Krieges und des Friedens), das Grundlage der Völkerrechtsordnung werden und bleiben sollte – bis heute.
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Gräber unter Zement

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Über dem Grab einer Frau erhebt sich ein Fahrstuhl: In Cagliari ist die bedeutendste punische Nekropole des Mittelmeerraums von einem Immobilienprojekt bedroht.

Wenn Städte vor Schmerzen schreien könnten, müsste man sich in Cagliari die Ohren zuhalten. Den Körper der Regionalhauptstadt von Sardinien hat eine ungebremste Bauwut zerschunden, und seine landschaftliche Schönheit ist in den vergangenen Jahrzehnten vergewaltigt worden. Jetzt bedroht ein zweifelhaftes Immobilienprojekt sogar die punische Nekropole auf dem felsigen Hügel Tuvixeddu.

Das ist die größte Totenstadt aus der Glanzzeit Karthagos, die sich im gesamten Mittelmeerraum erhalten hat. Rund 300.000 Kubikmeter Baumasse sollen sich über dem bislang unberührten Ort am Westrand von Cagliari erheben. Lediglich eine kleine archäologische Ausgrabungsstätte soll frei bleiben; sie wird dann quasi zum Hinterhof einer Wohnanlage mutieren. Daneben aber, auf dem Totenhügel mit seinen frühantiken Grabanlagen, wird ein Stadtpark mit Spielplatz und Fitness-Parcours entstehen. Das Projekt ist von der Stadt Cagliari, von der Region Sardinien und von einem privaten Investor bereits vor neun Jahren beschlossen worden.
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Unterhachings China-Connection

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Im oberbayerischen Unterhaching handelten die Mächtigen schon im 5. Jahrhundert mit Preziosen aus Indien und China - wie die Auswerung von Grabfunden ergab.

Vor vier Jahren sind beim Bau eines Bauernhofs im Münchner Nachbarort Unterhaching zehn Gräber aus dem 5. Jahrhundert zum Vorschein gekommen. Schnell ahnten die Archäologen, dass sich dieser Fund als außergewöhnlich erweisen könnte. Die Gräber waren von Plünderern verschont geblieben, die Beigaben fielen aus dem gewohnten Rahmen.

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Nach jahrelangen Untersuchungen und Analysen stellte sich nun heraus, dass tatsächlich ein Sensationsfund vorliegt, der ein strahlendes Licht auf eine ziemlich im Dunklen liegende Zeit wirft. "Die Grabbeigaben stellen alle bisherigen Funde in Bayern aus dieser Zeit in den Schatten", sagt Jochen Haberstroh vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Noch längst ist der Fundkomplex nicht vollständig ausgewertet, aber eines steht fest: Einige Familien, die vor 1500 Jahren am Hachinger Bach gewohnt haben, importierten bereits damals Stoffe und Schmuck aus China und Indien. Noch bevor sich also die ersten Bajuwaren breitmachten, sind in Oberbayern bereits Spuren einer frühen Globalisierung und weitreichender Handelsbeziehungen erkennbar. Außerdem lassen die Grabbeigaben keinen Zweifel daran, dass die Toten aus Unterhaching Christen waren - lange bevor iro-schottische Wandermissionare ins Land reisten, um die Bayern zu bekehren.
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Frühe Fischliebhaber

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Bereits vor 40.000 Jahren aßen Menschen regelmäßig Fisch - obwohl sie höchstwahrscheinlich keine Fangwerkzeuge hatten.

Bereits vor 40.000 Jahren hatten Menschen regelmäßig frischen Fisch auf der Speisekarte. Darauf deuten zumindest Messergebnisse hin, die ein internationales Forscherteam um den Bioarchäologen Michael Richards vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig in der Fachzeitschrift PNAS (online) veröffentlich hat.

Die Wissenschaftler ermittelten dazu das Verhältnis von Stickstoff- und Schwefelisotopen im Knochenkollagen von Überresten eines Skeletts, das bereits im Jahre 2003 in der Tianyuan Höhle auf dem Stadtgebiet von Peking gefunden worden war.

Erhöhte Stickstoff-Werte deuten nach Angaben der Forscher auf eine Diät, die reich an tierischen Eiweißen war. Der "Tianyuan-1" getaufte Höhlenbewohner habe vermutlich besonders viel Süßwasserfisch gegessen.

"Unsere Studie liefert den ersten Beweis dafür, dass frühe moderne Menschen in China Süßwasserressourcen als Nahrungsgrundlage genutzt haben", erläutert Richards. "Dies ändert unser Verständnis von der Lebensweise und Demographie unserer Vorfahren."

So bestätige die Studie, dass die Nahrungsmittelressourcen damals knapp gewesen sein müssen und wahrscheinlich ein Grund für die Expansion des Menschen nach Europa waren. Da Archäologen bislang keine Fischfangwerkzeuge aus dieser Zeit gefunden haben, müssen die damals lebenden Menschen einen beträchtlichen Aufwand getrieben haben, um an ihre Beute zu kommen.
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Archäologie in Irak: Der Banausen-Bau zu Babel

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Für Schäden an der Stätte des antiken Babylons werden gerne die Invasoren des Iraks verantwortlich gemacht. Schlimmer als die Soldaten aber wüteten die Restauratoren Saddams, dort, wo vor knapp 4000 Jahren der Palast des babylonischen Königs Nebukadnezar stand, ließ Saddam Hussein eine plumpe Rekonstruktion errichten.

Gibt es Babylon überhaupt? Gibt es den Turm, in dem sich die Sprachen verwirrten, die Hängenden Gärten, in denen die von Heimweh geplagte Amytis wandelte, und den Palast, in dem Nebukadnezar zu Kreuze kroch, in dem eine Geisterhand Belsazar den Niedergang seines Reiches prophezeite und Alexander der Große dem Fieber erlag?

Die Hitze saugt, wie ein gigantischer Schwamm, alle Feuchtigkeit aus dem Land. In grobe Tücher gehüllte Frauen kratzen gebeugten Rückens Salz aus ausgedörrten Lachen. Eine gesprengte Brücke, Militärkolonnen. Zwei Stunden südlich von Bagdad gibt es an der Stadteinfahrt von Hilla 20 Minuten Aufenthalt. Aufgeregtes Stimmengescherbel aus Sprechfunkgeräten, der Polizeichef des Gouvernements muss sein Okay zur Weiterfahrt geben.
Wir biegen in eine Landstraße ein, vorbei an mittelalterlich anmutenden Ziegelbrennereien. Vermummte Arbeiter bewegen sich wie Schattenrisse vor dem gelborangefarbenen Schein der Brennöfen. Wir passieren Ruinen, die eher Steinhaufen als Resten antiker Bauten gleichen. Ein Gittertor, der Kontrollpunkt der Polizei zum Schutz archäologischer Stätten. Kurz danach halten wir vor dem Ischtar-Tor.

Was für ein Wunderwerk! Weiße und goldene Tierskulpturen und Mythenwesen auf einer blauen Ziegelwand, ein intarsienverziertes Inbild von Reichtum und Macht. Dem im 5. vorchristlichen Jahrhundert lebenden griechischen Chronisten Herodot zufolge war es eines von hundert Toren in einer 86 Kilometer langen Stadtmauer, die so hoch war wie ein Haus und so breit, dass darauf zwei Streitwagen nebeneinander herfahren konnten. Beim zweiten Hinsehen stellt man ernüchtert fest, dass es sich – beim Tor wie bei den Mauern – um vom Sonnenlicht verschossene Kopien handelt.
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(C) Daniel Oswald