Mon cœur est français – mon cul est international: Eine Liebe in Zeiten des Krieges

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Die Geschichte des französischen Filmstars Arletty, unvergessen als Garance in den »Kindern des Olymp«, und ihres deutschen Offiziers Hans Jürgen Soehring, der später zu den Gründern der Gruppe 47 zählte.

Es war nur eine Notiz vor kurzem in Le Monde: Eine französische Produktionsfirma plant einen Film über die Liebesaffäre, die Mme. Arletty, Star der dreißiger und vierziger Jahre, während der Okkupation mit einem deutschen Offizier verband. Das Drehbuch schreibt Georges Marc Benamou, der mit seinem Bericht über die letzten Lebenstage des Präsidenten François Mitterrand literarischen Ruhm gewann.

Der Hinweis fand in den deutschen Journalen kein Echo. Obwohl sich doch gewiss viele Menschen hierzulande noch an das geheimnisvolle, so lockende und zugleich ironisch-skeptische Lächeln der Garance in den Kindern des Olymp von Jacques Prévert und Marcel Carné erinnern: einem Klassiker der Filmgeschichte mit Glanzrollen für Jean-Louis Barrault und Pierre Brasseur – vielleicht der schönste Film, der jemals in Frankreich produziert worden ist. Les Enfants du Paradis, 1947 in den Kinos unserer Ruinenstädte zu sehen, empfanden auch die Deutschen als ein überwältigendes Ereignis, das der niemals ganz verschütteten Liebe zur Kultur des Nachbarn – zusammen mit den Werken von Camus und Sartre, den Bühnenstücken von Anouilh – eine enthusiastische Renaissance bescherte.

Für die Beobachter der französischen Szene war jene knappe Meldung über die filmische Auferstehung der Arletty indes eine kleine Sensation, signalisiert sie doch, wie freimütig sich Frankreich inzwischen mit allen Facetten des Lebens unter der deutschen Besatzung von 1940 bis 1944 auseinandersetzt. So gibt es im Fall Arletty offensichtlich kaum noch eine Beschämung wegen der Bindung der Schauspielerin an einen Offizier der boches, sondern eher über die Wogen der Ressentiments, die nach der libération auf die gefeierte Künstlerin herabstürzten. Und auch über den Opportunismus, von dem sie sagte, er habe sie über Nacht von der meistgefragten Dame in die meistgemiedene Person verwandelt: »J’étais la femme la plus invitée, je suis la plus évitée.«
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Der Bernstein-Wahn

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[b]Das Bernstein-Kabinett treibt manchen Schatzsucher in den Wahnsinn. Seit Jahrzehnten fahnden Bauern, Politiker und Geheimdienstler nach dem wertvollen Zimmer, das Peter dem Großen gehörte.[/b]

Sie sind nicht gerade vorteilhaft, die himmelblau-weißen Plastiksäckchen, die jeder Besucher des Katharinenpalastes bei Sankt Petersburg über seine Schuhe ziehen muss. Das Parkett müsse geschont werden, das sei besser so.

Es soll eine Bitte sein, aber aus dem Mund der voluminösen russischen Palast-Aufseherin klingt jeder Satz wie eine Drohung. Also stülpen sich alle kurzbehosten, schwitzenden Touristen brav die Überzieher über ihre Sandalen. Fortan umhüllt ein leichtes Schleifgeräusch die Besuchergruppe, himmelblau-weißer Plastik auf Parkett.

Das Ziel aller Touristen, ob russisch, deutsch oder italienisch ist Zimmer acht, zweite Etage. So schleift die Gruppe ungerührt palavernd durch den prächtigen großen Saal, durch verschiedenfarbige Speisesäle, bis endlich Zimmer acht, zweite Etage kommt, das Bernsteinzimmer.

100 Quadratmeter, die Wände glänzen vom Boden bis an die Decke in verschiedenen Tönen, gelb, orange, rot, braun. Dazwischen goldene Kerzenleuchter, Spiegel, Gemälde. Als die Touristen das sehen, schweigen sie plötzlich, zu hören ist nur noch das Schleifen. Und eine bellende Aufseherin, die die Besucher schon bald wieder weitertreibt.

Die Bernsteinzimmer-Sucht

Nein, es ist hier in Petersburg nicht das echte Bernsteinzimmer. Ein Nachbau, nicht mehr, nicht weniger. Das Original, das suchen sie noch, die Schatzgräber dieser Welt. So viele hat der Wahn erwischt, die Bernsteinzimmer-Sucht. Bauern, Politiker, Geheimdienstler, Chefredakteure.

Das Bernsteinzimmer - im Herbst 1716 schenkt es der preußische König Friedrich Wilhelm I. dem russischen Zaren Peter dem Großen: Wandverkleidungen für ein ganzes Zimmer, vollständig aus Bernstein, dazu verschiedene Mosaike, Spiegel, Gemälde, Möbelstücke.
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Stasi-Akte über Michael Jackson entdeckt

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Die DDR-Staatssicherheit hatte auch Michael Jackson in ihren Akten. Auf einer sogenannten Arbeitskartei sei neben Name und Geburtsdatum noch vermerkt worden, dass die DDR-Plattenfirma Amiga die Jackson-Platte "Thriller" herausbrachte, teilte die Stasiunterlagen-Behörde am Donnerstag mit.

Die Stasi befürchtete demnach Proteste von DDR-Jugendlichen in Ost-Berlin, die ein Jackson-Konzert am Brandenburger Tor in West-Berlin am 19. Juni 1988 hören wollten. Der 50-jährige Jackson starb am 25. Juni dieses Jahres.

In einer Notiz der Stasi-Hauptabteilung 20 des DDR-Ministeriums hieß es der Bild-Zeitung zufolge, dass „Jugendliche unter allen Umständen versuchen werden, dieses Konzert vom Bereich Brandenburger Tor aus zu erleben". Die jungen Leute würden dabei die "Konfrontation mit der Volkspolizei" einkalkulieren. Als Gegenmaßnahme sei ein "Ablenkkonzert" geplant gewesen.
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Venedigs Vorgängerin: Archäologen entdecken antike Stadt

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Die Landschaft vor Venedig ist flach und fad. Doch unter der unscheinbaren Oberfläche haben Forscher die Überreste des antiken Altinums entdeckt, einer mächtigen römischen Hafenstadt.

[img]http://pix.sueddeutsche.de/wissen/18/482473/altinum_459-1248967050.jpg[/img]

Rund um den heutigen Ort Altino ist das Land flach, Soja- und Maisfelder erstrecken sich bis zum Horizont, bis hinüber nach Venedig, das wenige Kilometer entfernt in Richtung Westen liegt.

Vom Flugzeug aus sieht das Dörfchen eher fad aus, gerade im Vergleich zur Lagunenstadt Venedig, das mit Markusdom und Canal Grande in der Ferne schimmert. Doch nun haben Geographen der Universität Padua unter den Feldern Altinos das alte Altinum entdeckt, eine mächtige römische Hafenstadt und die wichtigste Vorläuferkolonie Venedigs.

Allein mit Hilfe von Luftbildaufnahmen rekonstruierten die Forscher eine Stadt mit einem komplexen Netz aus Wasserstraßen, bestehend aus natürlichen Flüssen und künstlich angelegten Kanälen.

Für die Forscher ist Altinum vor allem deshalb interessant, weil es eine der wenigen europäischen Städte aus der Zeit um Christi Geburt ist, die nicht später durch mittelalterliche oder moderne Städte überbaut wurde.
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Philippinen: Corazon Aquino ist tot

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Die ehemalige philippinische Präsidentin Corazon Aquino ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Aquino, die erste Frau im Präsidentenamt des Inselstaates war, galt als Ikone der Demokratie.

Die ehemalige philippinische Präsidentin Corazon Aquino ist am Samstag im Alter von 76 Jahren gestorben. Dies berichtete ihre Familie in der Hauptstadt Manila. Aquino, die die erste Frau im Präsidentenamt des Inselstaates war, litt an Darmkrebs. Aquino galt als Ikone der Demokratie auf den Philippinen.

Die ehemalige Hausfrau war nach dem Volksaufstand gegen Diktator Ferdinand Marcos von 1986 bis 1992 Präsidentin der Philippinen. Ihr Mann Benigno Aquino, ein prominenter Marcos-Gegner, war 1983 bei seiner Rückkehr aus dem Exil auf dem Flughafen von Marcos-Schergen erschossen worden. Nach dem Mord wuchs der Widerstand gegen den Diktator und gipfelte schließlich in dem Umsturz des Marcos-Regimes. In dem viertägigen Volksaufstand brachte sie Marcos und seine Familie zu Fall und trieb ihn in die Flucht nach Hawaii.
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Diesseits von Eden

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Keiner der vier Evangelisten hat Jesus persönlich gekannt. Thomas Mann ist Goethe nie begegnet. Frank Schäfer war nicht in Woodstock. Dennoch, vielleicht deswegen fabrizierten sie passable Texte zum jeweiligen Thema. Und nun mal langsam.

Frank Schäfer, Braunschweiger Jahrgang 1966, ist etwa Lesern des Rolling Stone als umtriebiger Flaneur zwischen Pop und Literatur bekannt. Auf ein Buch mit dem Titel Woodstock ´69. Die Legende hat man trotzdem nicht brennend gewartet. Ein Verdacht liegt nahe: Jubiläumsprosa. Das Woodstock-Festival respektive "die Legende" wird in diesem Sommer 40 Jahre alt. Man kennt den Film, die Musik von Jimi Hendrix & Co. und hat alles archiviert unter "liebgewordene Erinnerung". Und nun kommt einer und rekonstruiert das Festival noch mal, dass man sich festliest, als wäre man dabei. Warum?
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Weil man dabei war. Woodstocks kulturgeschichtliche Bedeutung ist ungebrochen, seine audiovisuelle Prominenz immer noch gegenwärtig. Jeder Rockfan über vierzig hat Woodstock in seiner Biografie. Unzählige ließen diese Musik ganz nahe an sich heran; später spürten sie Abstand und mit dem eigenen Altern auch das der Musik. Irgendwann enden Ich-Findung und Selbstausdruck via Rockmusik, doch als juveniles Fronterlebnis bleiben die wilden Zeiten ein Kernstück der Lebensgeschichten. Woodstock machte sie simultan sie und schuf damit eine Generation.
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Matsch & Mythos - 40 Jahre Woodstock

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Eigentlich konnte es nur schiefgehen: unfähige Organisatoren, viel zu wenig Essen, die Musiker im Stau und nichts als Regen. Warum Woodstock trotzdem zur Legende wurde.

Als Mr. und Mrs. Filippini dämmert, was an diesem 15. August 1969 auf sie zukommt, ist es zu spät. Die Anfahrtswege zu ihrer Farm in White Lake sind verstopft. So weit das Auge reicht, karren Menschen Zelte, Schlafsäcke und Decken heran und parken ihre Autos auf Weideland. Mister Filippini hat sich auf seine Veranda zurückgezogen, die Flinte auf dem Schoß. Im oberen Stockwerk ist ein Enkel auf Posten, soll Alarm schlagen, falls sich jemand dem Haus nähert.

Doch selbst wenn William Filippini früher begriffen hätte, was sich hinter der Ankündigung "An Aquarian Exposition – 3 Days of Peace & Music" verbarg, was hätte er schon ausrichten können? Er ist doch nur der Nachbar – der Nachbar von Max Yasgur, einem Milchmogul mit 240 Hektar Land und tausend Kühen, einem der reichsten Farmer der Gegend.

Yasgur geht als "Engel von Woodstock" in die Popgeschichte ein, sogar ein Lied wird ihm gewidmet (Yasgurs Farm), doch für seine Nachbarn ist er der Teufel. Er war schuld an alledem, er hatte seine weitläufigen Wiesen 100 Meilen nördlich von New York City für 57.000 Dollar an ein paar Geschäftsleute verpachtet. Wobei, nur zwei von denen schienen Banker zu sein, die anderen beiden sahen mit ihrem wild-lockigen Haar eher wie Drogenhändler aus.
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Ach, Siena!

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Europas moderne Demokratie speist sich aus vielen Quellen. Zu ihnen gehören Italiens Stadtrepubliken. Daran erinnert jetzt die viel geliebte Stadt Siena in der Toskana. Sie feiert in den kommenden acht Monaten, von September dieses Jahres bis zum Mai 2010, den 700. Geburtstag ihrer Verfassung. Genau genommen ist diese Verfassung sogar noch um einiges älter, 1296 war die Constitutio auf Lateinisch erschienen. Aber ins Italienische übersetzt – und damit auf ganz neue Weise wirksam und verpflichtend – wurde sie erst in jenem historischen Sommer von 1309.

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Damals hatten die Stadtväter von Siena nämlich nicht nur die Übersetzung des kostbaren Dokuments verfügt, das alle Rechte und Pflichten für Adelige, Bürger und Behörden festlegt und zahlreiche Vorschriften fürs städtische Leben enthält (wie zum Straßenverkehr und zur Hygiene). Sondern sie bestimmten auch, dass diese Übersetzung in einem Saal des Palazzo Pubblico ausgestellt wurde. Damit niemand das Werk klaute, sicherte man es, wie bei wertvollen Büchern damals üblich, mit einer Kette.
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Auf Entdeckungsreise mit James Cook

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Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn vom 28. August 2009 bis zum 28. Februar 2010.
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Emigranten: Hotel Lux

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In den 1930er Jahren erreicht Stalins Terror ein Moskauer Hotel voller kommunistischer Auswanderer. Der Deutsche Herbert Wehner wird zum Opfer - und zum Täter.
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Husarenritt in den Tod

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Der vergebliche Krieg des preußischen Majors Ferdinand von Schill und seiner Freischärler gegen Napoleon.

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Eine historische Zeichnung zeigt den Tod des preussischen Husarenoffiziers Ferdinand von Schill (1776-1809) in der Altstadt von Stralsund am 31. Mai 1809. Schill, der einen Volksaufstand gegen die napoleonischen Truppen organisieren wollte, war bei Kämpfen gegen holländische und dänische Truppen ums Leben gekommen.
© Kulturhistorisches Museum der Hansestadt Stralsund/ddp


Im Frühling und Sommer des Jahres 1809 gibt es für die Berliner nur ein Thema, und das heißt: Schill. Ferdinand von Schill ist mit seinem Regiment in das Königreich Westphalen eingedrungen, jenen Staat, den Napoleon zwei Jahre zuvor in Mittel- und Norddeutschland geschaffen hat und den sein Bruder Jérôme regiert. Eigenmächtig, ohne den Befehl seines Königs, Preußens Friedrich Wilhelm III., ist Schill losgezogen und hat begonnen, gegen Napoleon Krieg zu führen – angesichts der strikten Disziplin, die im preußischen Heer herrscht, für die Zeitgenossen ein schier ungeheuerlicher Vorgang! Was nur hat ihn zu seiner spektakulären Aktion bewogen?

Dass er ein begeisterter Soldat ist, steht außer Frage. Dennoch hat der Erfolg in seinem Leben lange auf sich warten lassen. Geboren am 6. Januar 1776 in Wilmsdorf bei Dresden als Sohn eines Offiziers, trat er mit 14 Jahren in das Dragonerregiment Ansbach-Bayreuth ein. 1793 wurde Schill zum Leutnant (Seconde-Lieutenant) befördert. Diesen Rang behielt er 13 Jahre lang: Noch 1806 nannte man ihn spöttisch den ältesten Leutnant der Armee.

Doch dann wendet sich das Blatt. Während der Schlacht bei Auerstedt 1806, da Preußen im Kampf gegen Napoleons Heer untergeht, wird Schill verwundet – er erhält einen Säbelhieb über den Kopf. Er schlägt sich nach Kolberg an der Ostseeküste durch, wo er Ende Oktober 1806 eintrifft. Hier, in der Festung, die nicht vor den Franzosen kapitulieren will, beginnt für ihn ein kometenhafter Aufstieg. Am 26. Dezember 1806 wird er zum Premierleutnant befördert, am 13. Februar 1807 zum Rittmeister, am 30. Juni zum Major.
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Goldener Pferdekopf aus der Römerzeit entdeckt

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Archäologen haben in der einstigen Römerstadt Germania Magna in Hessen Reste eines 2000 Jahre alten Reiterstandbilds entdeckt. In einem Brunnen stießen sie auf einen lebensgroßen Pferdekopf und einen Schuh des Reiters. Das Deutsche Archäologische Institut sprach von einem "sensationellen Fund".
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Ein 2500 Jahre altes Grab eines Keltenfürsten - unter Biokarotten

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Für Laien sind die korrodierten Eisen- und Bronzeteile, die verrotteten Knochen- und Holzstücke in zwei Meter Tiefe wenig spektakulär. Sorgfältig freigelegt, liegen sie auf einem Feld im Stammertal unter zwei Zelten der Kantonsarchäologie. Wochen-, ja monatelang haben die Grabungstechniker den Dreck weggeschäufelt und -gepinselt und die Fundstücke mit raffinierten Methoden vor dem definitiven Zerfall bewahrt. Die 2500 Jahre in der Erde und die neuere Landwirtschaft mit ihren tiefwurzelnden Pflanzen haben das meiste zerbröseln lassen. Was gerettet werden konnte, wird nun im Konservierungszentrum des Landesmuseums in Affoltern a. A. analysiert.
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Die Frau, die einzig war

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[b]Zwischen Göttingens gelehrter Welt, Mainzer Republik und dem Jena der Romantik: Das leidenschaftliche Leben der Caroline Schlegel-Schelling.[/b]

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Die Frau weiß nicht, wohin. Sie kommt aus der Gegend um Leipzig, ist zuletzt auf einer Burg im Taunus interniert gewesen und sucht nun dringend ein neues Zuhause. Gotha bietet sich an, da hat sie Freunde. Aber die Gastgeber geraten ihretwegen gleich in Schwierigkeiten, sie muss wieder abfahren. Wohin bloß? Nach Amerika? Das erwägt sie ernsthaft. Entscheidet sich dann aber für Dresden. Die Stadt indes weist ihren Antrag auf Niederlassung ab. Jetzt bleibt nur noch ihre Geburtsstadt Göttingen. Doch von der Landesregierung in Hannover kommt die Verfügung, sie sei Persona non grata und dürfe Göttingen nicht betreten. »Meine Existenz in Deutschland ist hin«, klagt sie bitter.

Was um Himmels willen hatte sie verbrochen, die schöne junge Witwe von gerade mal dreißig Jahren, Mutter eines kleinen Mädchens und aus honettester Familie stammend?
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Der Weg in den Krieg - 70 Jahre Hitler-Stalin-Pakt

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Jedes Abkommen war nur Ausgangspunkt für neue Kämpfe - Adolf Hitler wollte unbedingt "seinen Krieg" und führte die Welt so in die Katastrophe.

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Am 23. August 1939 unterzeichneten der deutsche Joachim von Ribbentrop (links) und der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow (vorn) in Moskau den deutsch-russischen Nichtangriffspakt. Im Hintergrund lächelt Stalin.

Anders als beim Ersten hat es beim Zweiten Weltkrieg nie eine Diskussion über die Schuldfrage gegeben. An Hitler-Deutschlands Hauptverantwortung besteht kein Zweifel. Kampf und Krieg waren für den deutschen Diktator die Lebensprinzipien. Ein Gegensatz zwischen Politik und Krieg hat für ihn nie bestanden. Der Friede war kein positives Ziel, stets nur ein Ausgangspunkt für neue Kämpfe. Keine Frage: Hitler wollte "seinen" Krieg.

Bis zum Jahr 1937 war Hitler auf seinem Weg vorangekommen, zunächst eine Hegemonialstellung auf dem europäischen Kontinent durch stückweise Revision des Versailler Vertrages zu erlangen. Mittel und Zweck vermischten sich dabei: Austritt aus dem Völkerbund (1933), Nichtangriffspakt mit Polen (1934), deutsch-britisches Flottenabkommen (1935), Einmarsch in die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes (1936), "Achsenbündnis" mit Italien (1936). 1937 sprach er dann erstmals von einer möglichen Auseinandersetzung mit den europäischen Kontinentalmächten. Seine Wunschkonstellation war dies nicht.
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Das Regime der Herrenmenschen

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Die Kreishauptleute in Polen waren gebildete Juristen und Verwaltungsexperten. Sie sahen sich als Elite und herrschten als Tyrannen.


Der Einmarsch begann in den frühen Morgenstunden des 1. September 1939. Mit Panzern und Flugzeugen stieß die Wehrmacht vor, Warschau und andere polnische Städte wurden bombardiert. Keine vier Wochen später kapitulierte Polens Armee, zumal inzwischen von Osten, gemäß dem geheimen Teilungsabkommen zwischen Deutschland und der Sowjetunion, auch Stalins Truppen eingefallen waren. Bereits in den ersten Wochen ermordeten die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei Tausende Menschen, die zur polnischen Elite zählten. Die Invasoren steckten Synagogen in Brand, plünderten Kirchen und Museen, Geschäfte und Wohnungen. Es gab Massaker an Kriegsgefangenen, an polnisch-jüdischen Zivilisten, Vergewaltigungen. Die deutschen Soldaten und Polizisten hatten nahezu freie Hand.

Es war der Beginn eines Besatzungsregimes, an dessen Ende Polen den Tod von sechs Millionen seiner Staatsbürger zu beklagen hatte, davon drei Millionen jüdischen Glaubens. Die rasch in das Deutsche Reich eingegliederten westlichen Gebiete sollten auf Verlangen Hitlers »von Juden und Polacken gereinigt« werden. In Städten wie Posen, Gnesen oder Lodz durfte nichts mehr an Polen erinnern; Lodz bekam sogar einen neuen Namen und hieß seit 1940 Litzmannstadt – nach einem vier Jahre zuvor verstorbenen preußischen General und Helden des Ersten Weltkriegs, der ein begeisterter Nazi war. Hunderttausende Polen verloren in den folgenden Jahren ihre Heimat. Sie mussten in das so genannte »Generalgouvernement« übersiedeln, jenes Gebiet, das die Distrikte Warschau, Radom, Lublin, Krakau, später auch Galizien umfasste und zu einer Art Reservat für Polen erklärt wurde.

Oft blieben den Menschen nur wenige Minuten, um ein paar Habseligkeiten zu packen, bevor sie in das Generalgouvernement abgeschoben wurden. In den ersten Wochen indes zeigte sich das dort zuständige Militär überfordert, zum Teil auch unwillig; Chaos breitete sich aus. Schon aus diesem Grund, vor allem aber um möglichst ungebunden von aller internationaler Kriegsordnung agieren zu können, beendete Hitler zum 26. Oktober 1939 die Militärverwaltung, beließ das Generalgouvernement in einem völkerrechtlichen Schwebezustand und errichtete eine zivile Besatzungsverwaltung.
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Warum wir Milch trinken

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Milch war nie für Erwachsene gemacht. Eine Simulation zeigt: Vor 7500 Jahren passten sich Europäer an Laktose an – und sicherten das Überleben künftiger Generationen
Einst verhasst, heute nicht mehr wegzudenken: Noch vor rund 8000 Jahren vertrug der Mensch den Milchzucker nicht, bis er sich anpasste.


Die Milch ist eines unserer liebsten Nahrungsmittel. Ob frisch, als Käse, Joghurt oder Butter, die weiße Flüssigkeit ist nicht mehr wegzudenken. Und doch ist der Mensch von Natur aus kein Milchtrinker. Denn in dem weißen Saft steckt neben Eiweiß, Fett und Vitaminen, vor allem der Zucker Laktose, den ursprünglich nur Säuglinge verdauen konnten, solange sie noch Muttermilch bekamen. Den meisten Erwachsenen bereitete die Laktose noch vor wenigen tausend Jahren arge Bauchschmerzen. Erst vor gut 7500 Jahren gewöhnten sich die ersten Europäer an den Milchzucker.

Zuvor war es offenbar äußerst exotisch, wenn jemand Milch vertrug. So entscheidet eine bestimmte Version eines einzelnen Gens darüber, ob wir Milch genießen können oder sie bei uns Bauchgrimmen verursacht. Im Erbmaterial von Skeletten aus dem 6. Jahrtausend vor Christus entdeckte der Paläogenetiker Joachim Burger bereits vor zwei Jahren, dass dieses LCT-Gen in seiner ursprünglichen Form eine Laktoseunverträglichkeit auslöst.
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Experimentelle Archäologie: Verschlissen im Römeralltag

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[b]Wie Ressourcenverschwendung zum Untergang des Weströmischen Reiches beigetragen hat und wie Experimente helfen, die Vergangenheit zu verstehen. Ein Gespräch mit Althistoriker Josef Löffl.[/b]
Interview: Barbara Galaktionow

Josef Löffl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Regensburg. Vor etwa einem Jahr führte der Althistoriker mit mehreren Kommilitonen ein spektakuläres Experiment durch: In Tunika und Kettenhemd, mit Schilden, Lanzen und anderen nach antiken Angaben erstellten Gegenständen marschierten die elf Doktoranden und Magistranden im Sommer 2008 vier Wochen lang entlang der römischen Limesstraße von Niederösterreich nach Regensburg - und erhielten dabei einen Eindruck davon, mit welchen Alltagsproblemen römische Legionäre im 3. Jahrhundert nach Christus zu kämpfen hatten. Doch die Erkenntnisse, die die Wissenschaftler aus dem Marsch zogen, weisen über den persönlichen Bereich weit hinaus. Josef Löffl hat sich mit den Implikationen für die antike Wirtschaft befasst - und dazu vor kurzem seine Doktorarbeit eingereicht.

[b]Löffl:[/b] Die Schuhe der römischen Legionäre hatten auf der Sohle um die 120 bis 200 Eisennägel. Diese wertvolle Ressource verschwindet einfach, die wird weggelaufen. Und um dieses Eisen zu fertigen, braucht man erst einmal Eisenerz und enorme Mengen an Holzkohle. Das heißt, ganze Wälder dürften jährlich dem Schuhwerk der Armee zum Opfer gefallen sein. Unsere Erkenntnisse über den Verschleiß alltäglicher Dinge stimmen mit naturwissenschaftlichen Befunden aus Bohrkernuntersuchungen überein. Die besagen, dass die Römer bis zur Zeit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert die größten Ressourcenverschwender waren.
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(C) Daniel Oswald