Aug 01
Mon cœur est français – mon cul est international: Eine Liebe in Zeiten des Krieges
News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »Die Geschichte des französischen Filmstars Arletty, unvergessen als Garance in den »Kindern des Olymp«, und ihres deutschen Offiziers Hans Jürgen Soehring, der später zu den Gründern der Gruppe 47 zählte.
Es war nur eine Notiz vor kurzem in Le Monde: Eine französische Produktionsfirma plant einen Film über die Liebesaffäre, die Mme. Arletty, Star der dreißiger und vierziger Jahre, während der Okkupation mit einem deutschen Offizier verband. Das Drehbuch schreibt Georges Marc Benamou, der mit seinem Bericht über die letzten Lebenstage des Präsidenten François Mitterrand literarischen Ruhm gewann.
Der Hinweis fand in den deutschen Journalen kein Echo. Obwohl sich doch gewiss viele Menschen hierzulande noch an das geheimnisvolle, so lockende und zugleich ironisch-skeptische Lächeln der Garance in den Kindern des Olymp von Jacques Prévert und Marcel Carné erinnern: einem Klassiker der Filmgeschichte mit Glanzrollen für Jean-Louis Barrault und Pierre Brasseur – vielleicht der schönste Film, der jemals in Frankreich produziert worden ist. Les Enfants du Paradis, 1947 in den Kinos unserer Ruinenstädte zu sehen, empfanden auch die Deutschen als ein überwältigendes Ereignis, das der niemals ganz verschütteten Liebe zur Kultur des Nachbarn – zusammen mit den Werken von Camus und Sartre, den Bühnenstücken von Anouilh – eine enthusiastische Renaissance bescherte.
Für die Beobachter der französischen Szene war jene knappe Meldung über die filmische Auferstehung der Arletty indes eine kleine Sensation, signalisiert sie doch, wie freimütig sich Frankreich inzwischen mit allen Facetten des Lebens unter der deutschen Besatzung von 1940 bis 1944 auseinandersetzt. So gibt es im Fall Arletty offensichtlich kaum noch eine Beschämung wegen der Bindung der Schauspielerin an einen Offizier der boches, sondern eher über die Wogen der Ressentiments, die nach der libération auf die gefeierte Künstlerin herabstürzten. Und auch über den Opportunismus, von dem sie sagte, er habe sie über Nacht von der meistgefragten Dame in die meistgemiedene Person verwandelt: »J’étais la femme la plus invitée, je suis la plus évitée.«
Weiterlesen »
Es war nur eine Notiz vor kurzem in Le Monde: Eine französische Produktionsfirma plant einen Film über die Liebesaffäre, die Mme. Arletty, Star der dreißiger und vierziger Jahre, während der Okkupation mit einem deutschen Offizier verband. Das Drehbuch schreibt Georges Marc Benamou, der mit seinem Bericht über die letzten Lebenstage des Präsidenten François Mitterrand literarischen Ruhm gewann.
Der Hinweis fand in den deutschen Journalen kein Echo. Obwohl sich doch gewiss viele Menschen hierzulande noch an das geheimnisvolle, so lockende und zugleich ironisch-skeptische Lächeln der Garance in den Kindern des Olymp von Jacques Prévert und Marcel Carné erinnern: einem Klassiker der Filmgeschichte mit Glanzrollen für Jean-Louis Barrault und Pierre Brasseur – vielleicht der schönste Film, der jemals in Frankreich produziert worden ist. Les Enfants du Paradis, 1947 in den Kinos unserer Ruinenstädte zu sehen, empfanden auch die Deutschen als ein überwältigendes Ereignis, das der niemals ganz verschütteten Liebe zur Kultur des Nachbarn – zusammen mit den Werken von Camus und Sartre, den Bühnenstücken von Anouilh – eine enthusiastische Renaissance bescherte.
Für die Beobachter der französischen Szene war jene knappe Meldung über die filmische Auferstehung der Arletty indes eine kleine Sensation, signalisiert sie doch, wie freimütig sich Frankreich inzwischen mit allen Facetten des Lebens unter der deutschen Besatzung von 1940 bis 1944 auseinandersetzt. So gibt es im Fall Arletty offensichtlich kaum noch eine Beschämung wegen der Bindung der Schauspielerin an einen Offizier der boches, sondern eher über die Wogen der Ressentiments, die nach der libération auf die gefeierte Künstlerin herabstürzten. Und auch über den Opportunismus, von dem sie sagte, er habe sie über Nacht von der meistgefragten Dame in die meistgemiedene Person verwandelt: »J’étais la femme la plus invitée, je suis la plus évitée.«
Weiterlesen »