Tausend blaue Blumen aus alten Zeiten

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Vor 2000 Jahren, als Britannien römische Provinz war, starb in Londinium, der heutigen Hauptstadt des Königreichs ein wohlhabender Römer. Er wurde eingeäschert und erhielt für seine letzte Reise wertvolle Grabbeigaben aus Glas – darunter auch eine kostbare Schale, gefertigt aus hunderten durchscheinender blauer Glasblumen.
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Täter und Opfer

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Im Mai 1944, kurz vor der Landung der amerikanischen und britischen Alliierten in der Normandie, kursierte in Moskau ein bitterer Witz. "Was ist ein Altgläubiger?" - "Jemand, der noch an die Eröffnung einer zweiten Front glaubt." Dabei hatte die Sowjetunion, die seit Jahren an der ersten Front kämpfte, das Schlimmste da schon hinter sich. Am 1. September vor 70 Jahren überfiel Deutschland Polen, 1941 die Sowjetunion, und nichts, was die Nazis im Westen anrichteten, ähnelte dem Vernichtungsfeldzug im Osten auch nur entfernt.

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Während die deutschen Besatzer polnische Lehrer erschossen und ukrainische Museen plünderten, planten sie ein gigantisches Kolonialreich, in dem slawische Heloten deutschen Herrenmenschen dienen sollten. 25 Millionen Menschen verlor die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg, 70.000 Städte, Siedlungen, Dörfer wurden zerstört.
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Die Notizen des Stasi-Majors - Verena Becker und die Stasi

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Ein brisanter Aktenvermerk vom 2. Februar 1978 belegt das starke Interesse der DDR an der RAF. Stimmt der Inhalt, müsste die Geschichte der BRD umgeschrieben werden.

Der Aktenvermerk ist nur vierzehn Zeilen lang, aber wenn der Inhalt zutreffend wäre, müsste die Geschichte der Bundesrepublik umgeschrieben werden.

Am 2. Februar 1978 tippte der Stasi-Major Siegfried J. eine Notiz über die "BRD-Terroristin" Verena Becker: "Es liegen zuverlässige Informationen vor, wonach die B. seit 1972 von westdeutschen Abwehrorganen wegen der Zugehörigkeit zu terroristischen Gruppierungen bearbeitet bzw. unter Kontrolle gehalten wird. Diese Informationen wurden durch Mitteilungen der HVA von 1973 und 1976 bestätigt".
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Auch die Europäer brauchten die Axt schon früh

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In Europa haben Frühmenschen schon sehr viel länger mit Äxten gearbeitet als bisher gedacht. Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass die bis heute gebräuchliche Doppelaxt bereits seit bis zu 900 000 Jahren auf dem europäischen Kontinent verbreitet ist.
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Krieg dem Krieg

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Ein Leben lang kämpfte Frankreichs Sozialistenführer Jean Jaurès gegen das große Morden – am Vorabend des Ersten Weltkriegs wurde er in Paris erschossen. Zum 150. Geburtstag des legendären Politikers ein Porträt.

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Am 31. Juli 1914 erscheint die sozialistische Zeitung L’Humanité mit der Schlagzeile Sang froid nécessaire – "Kaltes Blut tut not". Doch davon ist die Stimmung in Paris weit entfernt. Angst vor dem Krieg beherrscht Frankreichs Hauptstadt. Am späten Nachmittag ist der Sozialistenführer Jean Jaurès mit einer Delegation seiner Partei im Außenministerium am Quai d’Orsay. "Was wird Ihre Partei tun?", fragt ihn Unterstaatssekretär Abel Ferry. "Wir setzen unseren Kampf gegen den Krieg fort", antwortet Jaurès. "Dann fürchte ich, dass man Sie an der nächsten Straßenecke umbringt", prophezeit ihm der Stellvertreter des Ministers.
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Der Tag der tödlichen Strahlen

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Vor 60 Jahren testete die Sowjetunion in Kasachstan ihre erste Atombombe. Noch heute leiden die Menschen unter der Radioaktivität, die Nuklearforscher dabei freisetzten.


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Eine Mitarbeiterin eines russischen Museums reinigt ein Modell der ersten sowjetischen Atombombe, die 1949 in Kasachstan gezündet wurde. (Archivbild)

Der Stolz der sowjetischen Kernphysiker ruht auf einem 30 Meter hohen Turm. Wenn die Nuklearexperten ihre Mission erfüllen, dann wird dort in wenigen Minuten nur noch ein Loch sein.

Die Wissenschaftler sind aufgeregt und genauso unruhig wie die 1538 Tiere, die rund um das Experimentierfeld unter und über der Erde in ihren Käfigen sitzen. Um sie herum stehen Attrappen von Häusern, Panzern und Flugzeugen. Die Menschen ziehen sich in Schutzräume zurück, die Versuchstiere bleiben in der Gefahrenzone. Dann zündet das sowjetische Atomteam in Semipalatinsk-21 die Bombe.

Am 29. August 1949 explodiert auf dem Testgelände in der Steppe Kasachstans, fast 3000 Kilometer östlich von Moskau, die erste sowjetische Atombombe. Sie hinterlässt eine tellerförmige Mulde. Das Stahlgerüst verschwindet, ist ebenso wie die Attrappen pulverisiert, verdampft und mit der Explosionswolke verweht. Die Tiere in den Käfigen sind tot. Die Wissenschaftler haben ihren Auftrag erfüllt. Stalin ist begeistert.
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"Ich wollte die Nazis blamieren und Gold gewinnen"

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Morgen läuft ein Film über die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann an, der die Nazis die Teilnahme an Olympia untersagten. ZEIT ONLINE hat mit der 95-Jährigen gesprochen.

[...]

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie reagiert, als Sie hörten, dass Ihre Geschichte verfilmt wird?

Lambert: Ich konnte es nicht glauben. Das alles ist doch schon so lange her, und eigentlich kannte niemand mehr meine Geschichte. Aber als ich hörte, dass jemand einen Film darüber drehen will, habe ich gesagt: wunderbar! Denn die Leute sollen wissen, was damals passiert ist. Denn wie die Nazis das alles inszeniert haben, war raffiniert – obwohl ich es hasse, dies zu sagen.

ZEIT ONLINE: Sie bezeichnen sich noch heute als Lockvogel.

Lambert: Das war ich doch auch. Die Nazis haben mich aus England zurückgeholt und in ihr Olympiateam für die Sommerspiele aufgenommen, weil die USA mit Boykott gedroht hatten, wenn nicht auch Juden die Chance auf einen Olympiastart bekämen. Als ich damals aus England nach Deutschland kam, habe ich meinen Namen überall in den Zeitungen gelesen. Später wurde mir klar, warum. Und an dem Tag, an dem das Schiff mit dem US-Team in New York abgelegt hatte, habe ich meine Ausladung bekommen. Nach außen hin hieß es, ich sei verletzt. Das war eine unverschämte Lüge.
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Stalin: Aufstieg eines Gangsters

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Mord, Brandstiftung, Schutzgelderpressung: Der junge Stalin ist bereit, alles zu tun, um Geld für die Bolschewiki zu organisieren und vermeintliche Verräter auszuschalten
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Geschichte mit Lücken

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Der Zweite Weltkrieg hatte auch Auswirkungen auf die Länder der "Dritten Welt". Aber die werden in Kriegserinnerungen selten erwähnt. Das will eine Ausstellung mit erschütternden Fakten ändern.

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Frau von der Insel Guam 1944 nach der Befreiung von japanischer Besatzung

"Wenn ihr das nächste Mal Krieg führt, dann bitte nicht bei uns", lautet der bescheidene Wunsch einer alten Frau von der Inselgruppe Palau in Mikronesien. Ihr Bild, der zarte Körper, das zerfurchte Gesicht, brennt sich in das Gedächtnis ein. Denn es klagt an, stellvertretend für all die Opfer aus der Dritten Welt, die in deutschen Statistiken über den Zweiten Weltkrieg nicht genannt werden.

"In den meisten Büchern werden schon die Millionen Toten in China nicht mal erwähnt", sagt Karl Rössel. Mitte der neunziger Jahre war ihm und einigen Kollegen im „Rheinischen JournalistInnenbüro“ in Köln aufgefallen, dass es kaum Material über die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die so genannte "Dritte Welt" gab. Damit begann ein historisches Langzeitprojekt mit Recherchen in 30 Ländern. Es folgten die Gründung des Vereins "Geschichte e.V.", Buch- und Zeitschriftenpublikationen sowie die Veröffentlichung von Unterrichtsmaterialien. Und nun hat Rössel eine Ausstellung zur Geschichte der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg zusammengestellt, die seit dem 1. September in Berlin zu sehen ist.

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Afrikanische Kolonialsoldaten der britischen Streitkräfte beim Training
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Chronik der Krisen

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Vom ersten globalen Börsencrash 1857 bis zur Implosion des Kasinokapitalismus 2008: Die vier großen Weltwirtschaftskrisen im Vergleich

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New York: Menschenauflauf in der Wall Street während des Börsencrash 1857

Karl Marx findet die Krise [I]beautiful[/I]: Pleiten, Armut und Arbeitslosigkeit haben im Herbst 1857 die kapitalistische Welt erfasst, die erste Weltwirtschaftskrise der Geschichte breitet sich aus. In den USA müssen Banken schließen, in Großbritannien große Handelshäuser Konkurs anmelden. Bis nach Chile, Indien und Indonesien sind die Auswirkungen zu spüren. Erstmals merken die Menschen, wie eng die Kontinente nach einem halben Jahrhundert Industrialisierung bereits aneinandergerückt sind.

Hamburgs Kaufleute trifft es besonders hart: In den Speichern des Hafens stapeln sich unverkäuflich gewordene Handelswaren mit einem Gesamtwert von 500 Millionen Mark – Kaffee und Zucker, Stoffe und Getreide. Für zahlreiche Handelshäuser kommt noch ein weiteres Problem hinzu, denn viele von ihnen können die Wechsel, die sie vor dem Zusammenbruch akzeptiert haben, nun nicht mehr bezahlen.

Ihren Anfang hatte die Krise in Russland genommen. Nach dem Ende des Krimkrieges 1856 waren die russischen Bauern auf den europäischen Markt zurückgekehrt. Die amerikanischen Farmer, die Europa zwischen 1853 und 1856 mit Weizen versorgt hatten, blieben auf ihrer Ernte sitzen. Der Preis brach ein, die Finanzströme über den Atlantik versiegten, und das Geld für die expandierende amerikanische Wirtschaft wurde knapp.
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In bester Gesellschaft - Karl Marx und die Ökonomen seiner Zeit

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Karl Marx war nicht der einzige Ökonom des 19. Jahrhunderts, der dem Kapitalismus eine düstere Zukunft vorausgesagt hat.

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Thomas Malthus (1766 - 1834): Der britische Philosoph wurde durch seinen »Versuch über das Bevölkerungsgesetz« (1798) bekannt. Die Kernthese dieser Streitschrift lautet, dass die Bevölkerung exponentiell wachse, die Nahrungsmittelproduktion aber nur linear gesteigert werden könne. Überbevölkerung und Hunger seien daher unabwendbar das Schicksal sich entwickelnder Ökonomien, sofern der Staat nicht eingreife

»Ich bin soweit, dass ich in fünf Wochen mit der ganzen ökonomischen Scheiße fertig bin«, schreibt Karl Marx im Frühling 1851 aus London an seinen Freund und Förderer Friedrich Engels. Tatsächlich sollte es noch 16 Jahre dauern, bis der erste Band des Kapitals endlich erscheint. Er umfasst beinahe 1000 Seiten. Band zwei und drei bleiben unvollendet. Die »ökonomische Scheiße« war komplizierter als gedacht und das Vorhaben vielleicht zu ambitioniert: Nichts Geringeres als die innere Logik des Kapitalismus wollte Marx entschlüsseln.

Die marxistische Wirtschaftstheorie ist dabei stark beeinflusst von drei intellektuellen Strömungen seiner Zeit: von der Geschichtsphilosophie Hegels, die Marx während seiner Studienjahre in Berlin aufnimmt, vom revolutionären französischen Sozialismus, mit dem er später in Paris in Berührung kommt, und von den ökonomischen Theorien der britischen Klassiker um David Ricardo, Thomas Malthus und Adam Smith, deren Schriften er im Londoner Exil studiert. Von Hegel und den Franzosen übernimmt Marx die Idee, dass das soziale, wirtschaftliche und politische Leben in einer ständigen Veränderung begriffen ist und auf ein Ziel zustrebt. Mithilfe der Instrumente der Klassiker will er die spezifischen Antriebskräfte, das »Naturgesetz« der kapitalistischen Wirtschaftsentwicklung offenlegen.
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Zurück in die Zukunft

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[b]Es ist der Star der IAA 2009 – und dabei schon mehr als 100 Jahre alt: das Elektroauto[/b]

Jetzt gibt’s richtig Geld: 2,4 Milliarden Dollar steckt die US-Regierung in die Entwicklung des Elektroautos, und auch in Deutschland beeilt man sich, nichts zu verpassen. Ein »nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität« soll es richten.

Bis 2020, so hofft man, wird eine Million der neuen Wagen über unsere Straßen rollen: »Deutschland muss zum Leitmarkt werden und die Führungsrolle behaupten.« China, Japan, Frankreich, Großbritannien und die EU fördern die neuen [i]green cars[/i] ebenfalls mit ambitionierten Programmen. Es scheint, als habe die angerostete Autoindustrie eine neue Vision gefunden – den vermeintlichen Ausweg aus Umweltkrisen und Ölpreisexplosionen.

Von Wasserstoff oder Brennstoffzelle, den Erlöserfantasien der neunziger Jahre, redet kaum noch jemand. Selten war sich die Branche, die jetzt in Frankfurt auf der IAA zu ihrem jährlichen Hochamt zusammenkommt, so einig: Das Auto der Zukunft fährt elektrisch.

Was dabei gern vergessen wird: Schon das Auto der Vergangenheit fuhr elektrisch. Ende des 19. Jahrhunderts kämpfte »der elektrische Wagen« in einem dramatischen Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den Benziner. Und er hatte gute Chancen, dieses Rennen zu machen.
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Die Mörder von Danzig

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Nach dem Sturm auf die Polnische Post am 1. September 1939 sprach die deutsche Justiz blutig Recht. Die Dokumentation eines Dramas, das Günter Grass in seiner »Blechtrommel« beschrieb.

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Adolf Hitler besichtigt die eingenommene zerstörte Westerplatte. Am 1. September 1939 um 4:45 Uhr hatte das Linienschiff "Schleswig-Holstein" das Feuer auf die polnischen Befestigungen auf der Westerplatte vor Danzig eröffnet

Als der große Danzig-Roman Die Blechtrommel von Günter Grass vor 50 Jahren erschien, oblag es kurz darauf dem Vizepräsidenten des Hanseatischen Oberlandesgerichts Bremen, Dr. Kurt Bode, einen Verbotsantrag gegen das Buch zu überprüfen. Es sei pornografisch. Damals landeten viele inzwischen berühmte Bücher vor deutschen Gerichten – von Henry Millers Sexus, Plexus, Nexus-Trilogie bis zu Vladimir Nabokovs Lolita. Doch Bode hielt sich aus wohlüberlegten, allerdings nicht zensurfeindlichen Gründen zurück. Zu einem Verbot kam es nicht. Zehn Jahre später erinnerte sich der inzwischen pensionierte Richter in einem Gespräch an seine Lektüre der Blechtrommel: »Ich habe es nach zwei Kapiteln wieder weggelegt. Die Polen und die Danziger waren ganz anders.«
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Wahrscheinlich war das eine Lüge. Der Richter hatte nach 1945 oft und erfolgreich gelogen, wenn es um seine Rolle im »Dritten Reich« ging. Denn wenige Tage nach Kriegsbeginn hatte Kurt Bode 38 Verteidiger der Polnischen Post in Danzig, unter ihnen Franzciszek Krause, einen Onkel von Günter Grass, zum Tode verurteilt. Sie wurden alle erschossen. Es war ein Justizmord sondergleichen. Die Kapitel 18 bis 20 der Blechtrommel erzählen, wie es dazu kam. Ganz gewiss hatte Bode auch diese Passagen gelesen; denn sie entsprachen in nobelpreiswürdiger dichterischer Ausstattung der historischen Wirklichkeit.
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Bier für die Toten

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[b]Oberschenkelknochen zwischen Armreifen aus glänzenden Perlen: In Syrien haben deutsche Archäologen eine 3300 Jahre alte Grabkammer entdeckt.[/b]

Die Schüsseln vom letzten Ahnenmahl standen noch gestapelt unter den glatt polierten Steinbänken, als Peter Pfälzner die Grabkammer als erster Mensch nach mehr als 3300 Jahren wieder betrat. Das Skelett einer Frau lag auf einer Bank, und über die Kante ragte ein goldener Reifen mit 130 Perlen und Steinen aus aller Welt ins Nichts. Ein bizarres Bild. "Auf dem Sarkophag neben ihr stand noch eine Schale für die toten Vorfahren", erzählt er. "Als wir sie wegnahmen, war das einer der Momente, in denen man die Zeit spürt."
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Hobby-Sucher findet riesigen Goldschatz in England

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Es ist der Traum eines jeden Goldjägers: Ein Hobby-Schatzsucher hat in England den bisher größten Goldschatz aus der Zeit der Angelsachsen entdeckt.

Auf dem Acker eines benachbarten Bauern in der Grafschaft Staffordshire fand der arbeitslose Mann mit seinem Metalldetektor bis zu 1500 Stücke, darunter vor allem Kriegsausrüstung. Der Schatz stammt vermutlich aus dem Siebten Jahrhundert und soll Millionen wert sein. Archäologen halten den Fund für den größten und bedeutendsten aus der Zeit des germanischen Stammes. Der Finder Terry Herbert sagte, der Schatz sei so groß, dass er nur noch von Gold geträumt habe. «Stell dir vor, du bist zu Hause und jemand hört nicht auf, Geld durch deinen Briefschlitz zu stecken - so war das.»
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Abschied vom "letzten Osmanen"

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Der türkische Sultansenkel Osman Ertugrul starb im Alter von 97 Jahren. Als Osman Ertugrul Osmanoglu im August 1912 im "Sternen-Palast" über dem Bosporus in Istanbul geboren wurde, da herrschte seine Familie noch über ein Reich, das sich einst von Europa bis zum Nahen Osten erstreckte.
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"Sensationeller" Schatzfund der Angelsachsen in England

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[SIZE=3]Der Traum des Hobbyschatzsuchers ist der Albtraum des Archäologen

Bonn (ots) - Archäologen warnen: Die Suche mit Metalldetektoren ist in Deutschland verboten


Die Begeisterung über den sensationellen Schatzfund eines Hobbyschatzsuchers, der gestern in Birmingham bekannt gemacht wurde, wird von Archäologen und Denkmalpflegern nicht geteilt. "Das ist der Albtraum eines jeden Archäologen", so Dr. Christian Möller, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte.
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Das Ende der DDR - Welche war die Heldenstadt?

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[b]Vor 20 Jahren begann im September die friedliche Revolution. Berlin und Leipzig wurden zu den Schauplätzen des Herbstes 1989[/b]

Alle großen welthistorischen Ereignisse werden zweimal erzählt: einmal als Heldengeschichte, das andere Mal als Witz. Vor 20 Jahren verhöhnte ein westdeutsches Satiremagazin die ostdeutsche Revolution in Gestalt von Zonen-Gaby, die freudig eine geschälte Gurke als ihre erste Banane präsentierte. Damals schuf die Titanic eine antiheroische Ikone, obwohl noch gar keine Heroisierung stattgefunden hatte, und begründete so das Genre des Wendewitzes.

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Er war eine Abwehrreaktion auf die nationale Mythisierung, die sich im Spätherbst 1989 fahnenschwenkend anzukündigen schien. Er war aber auch ein Bannfluch gegen das Unberechenbare des Umbruchs, gegen die Angst vor einer gemeinsamen Zukunft.
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Heute ist er als anarchische Form des kollektiven Erinnerns Trost und Kompensation für die namenlosen Helden der Straße, die nicht einzeln gerühmt wurden. »Wann wäre die Wiedervereinigung gewesen, wenn es die Wende nicht gegeben hätte? Im Jahr 2014. Dann wäre die DDR 65 geworden und hätte rübergedurft.«
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Lieb Abendland, magst ruhig sein - Adenauerzeit (Teil 1)

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Die Ära Adenauer steht für die große Restauration, für eine frömmelnde »Rückbesinnung« auf Christentum und Humanismus. Und doch begann damals, wie gerade der Streit um Schule und Erziehung zeigt, der Weg in eine moderne, selbstbewusste Republik.

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Medienberichten zufolge wirkt Konrad Adenauer fünf Tage nach seiner Wahl im Jahr 1949 »etwas matt und geschäftsmäßig«

Medienberichten zufolge wirkt Konrad Adenauer fünf Tage nach seiner Wahl im Jahr 1949 »etwas matt und geschäftsmäßig«

Es ist ein ernüchternder, enttäuschender Auftakt: Als Konrad Adenauer, fünf Tage nach seiner Wahl zum Bundeskanzler, am 20.September 1949 in Bonn vor den Bundestag tritt, wirkt er »etwas matt und geschäftsmäßig«, wie die Süddeutsche Zeitung urteilt.

Auch die ZEIT reagiert eher herb: Die Regierungserklärung sei »mehr eine zuversichtliche Rundreise durch die Probleme als ein greifbares Programm« gewesen. Immerhin – der Ton, in dem der Kanzler das Ausland um Vertrauen bat, hatte etwas Beruhigendes nach all dem deutschen Gebrüll und Gebell der vorangegangenen tausend Jahre.
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Die Volksgemeinschaft wird Republik - Adenauerzeit (Teil 2)

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[b]Den Nationalsozialismus verdammen, die Nazis rehabilitieren: Nach diesem Rezept bauten die alten Eliten den neuen Staat auf. Ende der fünfziger Jahre allerdings begannen Einzelne erfolgreich, die Gesellschaft mit der Vergangenheit zu konfrontieren.[/b]

Ende 1954, kurz nach der Unterzeichnung der Pariser Verträge, die der jungen Bundesrepublik eine begrenzte Souveränität verschaffen, sitzen Adenauers außenpolitischer Berater Herbert Blankenhorn und der US-Diplomat Charles W. Thayer in Bonn beisammen. Sie sinnen darüber nach, wie sich das eher trübe Bild aufhellen ließe, das sich die amerikanische Öffentlichkeit von der Bundesrepublik und deren Politikern macht.

Seit seiner Zeit als Verbindungsoffizier des ersten Hohen Kommissars John J. McCloy ist Thayer damit beschäftigt gewesen, die Kommunikation zwischen der amerikanischen Besatzungsmacht und den Repräsentanten des westdeutschen Staates zu pflegen.

Auch eilt ihm der Ruf voraus, durch geschicktes Taktieren die Vorbehalte der Eisenhower-Regierung gegen das Weiterwirken von Wehrmachtgenerälen in der Bundeswehr aufgeweicht zu haben – eine dem Präsidenten zugespielte Publikation über den vermeintlichen Widerstandskämpfer Erwin Rommel soll es möglich gemacht haben.
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Friedrich der Böse

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Vier Historiker nehmen Flick und seinen Konzern neu in den Blick.

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Friedrich Flick auf der Anklagebank während der Nürnberger Prozesse 1947

Es ist eine unrühmliche Wahrheit der Wirtschaftsgeschichte, dass Friedrich Flick der erfolgreichste deutsche Unternehmer des 20. Jahrhunderts war.
Dieser Industrielle wird heute, wenn überhaupt, nur als Monstrum erinnert: ein gewissenloser Ausbeuter Zehntausender Zwangsarbeiter, ein skrupelloser Profiteur sogenannter Arisierungen, ein in Nürnberg verurteilter Kriegsverbrecher. Flick, der Hitler-Förderer. Flick, der Himmler-Freund. Sein Konzern: ein Musterbeispiel für parasitären Kapitalismus und politische Korruption. Wir kennen Friedrich Flick, der von 1883 bis 1972 lebte, nur als Friedrich den Bösen.

Der Name Flick sei »zu einem dunklen Mythos geworden, und als solcher wirkt er bis heute fort«, schreibt der Jenenser Historiker Norbert Frei in der neuen Studie [I]Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht[/I]. Das Buch ist die Gemeinschaftsarbeit von vier Zeithistorikern. Es ist der gelungene Versuch, die wechselvolle Geschichte Flicks, seiner Unternehmen und seiner Nachfahren im 20. Jahrhundert zu erzählen, zu durchleuchten und ihn »als Unternehmer ernst zu nehmen«. Den Autoren gelang eine anschauliche Darstellung, gründlich recherchiert, fast durchgängig gut geschrieben. Es ist nach Kim Christian Priemels Flick-Konzerngeschichte und der Gemeinschaftsarbeit über den Konzern im »Dritten Reich« bereits das dritte wissenschaftliche Werk über Flick in zwei Jahren, mit seinem weiter ausgreifenden Ansatz ist es für den gewöhnlichen Leser aber auch das gewinnbringendste. Das Buch nimmt den gesamten Flick-Komplex ins Visier und erzählt nichts weniger als eine Jahrhundertgeschichte.
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"Wir sind zu Ihnen gekommen ..."

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[b]Es war ein Satz, der in die Geschichtsbücher eingegangen ist: Der deutsche Außenminister verkündete "seinen Landsleuten", die in die Prager Botschaft geflohen waren, dass sie in den Westen ausreisen dürfen. Das war vor genau 20 Jahren, am 30. September 1989. Heute erzählt Hans-Dietrich Genscher, wie es dazu kam – und wie es ihm an diesem Tag ums Herz war.[/b]

Es gibt Ereignisse, die sehnt man herbei, man arbeitet dafür, man denkt stets daran, sie bewegen einen, und plötzlich zeichnen sie sich ab. So war es für mich mit der deutschen Vereinigung und mit dem Weg dorthin.

Als ich 1952 meine Heimatstadt Halle verließ und „in den Westen“ ging, war ich mir ziemlich sicher, es würde nicht ein Abschied für immer sein. Je tiefer die Spaltung wurde, umso mehr bewegte mich der Gedanke: „Was muss geschehen, damit alle Deutschen zusammen und in Freiheit leben können?“ Während der Verhandlungen über die Ost-Verträge hatte ich als Innenminister dafür zu sorgen, dass die Verträge vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand haben würden. Ab 1974 war ich dann selbst als Außenminister verantwortlich für die Außenpolitik. Besonders verpflichtet fühlte ich mich den Menschen in meiner Heimat, ihr Los zu erleichtern und das Tor zur Einheit zu öffnen. Das forderte ich in jedem Jahr vor den Vereinten Nationen. 1985 kam Gorbatschow. Bald schon rief ich dazu auf, ihn ernst zu nehmen und eine historische Chance nicht zu versäumen.
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(C) Daniel Oswald