Brandstifter im Biedermeier

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Wie man in Minden und andernorts den Hass auf die Juden schürte – und die Epoche zur Ursprungszeit des modernen Antisemitismus in Deutschland wurde.


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1843: In Minden rufen handgeschriebene Pamphlete mit Juden-Karikaturen zum Progrom auf

Im September 1843 kommt es in einem Geschäft der westfälischen Stadt Minden zu einem peinlichen Zwischenfall. Ein jüdischer Ladengehilfe bietet einer christlichen Frau beim Einkauf eine Oblate mit der Frage an: Ob sie auch einen Messias nehmen wolle? Das Ereignis sorgt für große Aufregung.

In den folgenden Nächten werden handgeschriebene Flugblätter verbreitet, auf denen sich Mindener über die angebliche Hostienschändung beschweren und zum »Verderben der Juden« aufrufen: »Christen! Der Jude fängt an, mit unserm grössten Heiligthume Spott zu treiben; er giebt den Kindern unsere Hostien, wodrin wir beim heiligen Abendmahle unsern Heiland verehren – zum Spott – sagt dabei: Hier habt ihr einen Messias. Fresst euren Heiland auf! – Schon das[s] ein Jude unsere Hostien verkauft ist eine Schande für die ganze Christenheit, nun noch dazu dieser Spott – das ist zuviel! – Verderben den Juden + diesen Verräthern unseres Heilands, diesen Blutsaugern der Christen. Der Jude arbeitet nicht und lebt bes[ser] wie wir, also fort mit diesem Ungezief[er], unser Vermögen hat er. Nöthiget ihn die[s] wieder abzugeben und dann: Marsch mi[t] diesen Müssiggängern!!«
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Preußische Präzision

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Zuckende Froschschenkel, selbst gewickelte Magnetspulen und zornige junge Männer: Wie Berlin zum Zentrum der aufstrebenden Naturwissenschaften wurde.


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Apoll im Labor. Mit diesem Experiment ermittelte der Berliner Physiologe Emil Du Bois-Reymond um 1850 elektrische Ströme im Muskel

Ein Abend im November 1847. Ort der Handlung: Berlin. Genauer: das dicht bevölkerte "Medizinerviertel" südlich der Charité, in etwa das, was man heute ein "Szeneviertel" nennen würde. Hier leben Künstler, Studenten, Lebedamen neben Handwerkern, Kaufleuten, Gelehrten und Offizieren. Die meisten Häuser sind schon dunkel. Nur in einer kleinen Wohnung in der Karlstraße 21, der heutigen Reinhardtstraße, brennt noch Licht.

Beim Schein einer Petroleumlampe beugt sich ein junger Mann über einen Experimentiertisch. Zwischen zwei Metallstativen ist ein enthäuteter Froschmuskel eingespannt. Feine Drähte führen von der Aufhängung zu elektrischen Apparaturen. Das blasse, kaum bleistiftdicke Gebilde zieht sich zusammen – der Muskel zuckt. Der junge Mann ist begeistert. Freudig erregt notiert er das Ergebnis des Versuchs. Dann springt er auf, geht in der halbdunklen Stube auf und ab. "Elektrizität!", ruft er aus. Sein Name: Emil Du Bois-Reymond, 28, Arzt und Wissenschaftler, Spross einer Hugenottenfamilie.
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(C) Daniel Oswald