In Oberhausen bietet jetzt Deutschlands erster industriearchäologischer Park Einblick in die Gründungsgeschichte des Ruhrgebiets.[IMG]http://images.zeit.de/wissen/2010-10/Sankt-Antony-Huette/Sankt-Antony-Huette-540x304.jpg[/IMG]
Die St. Antony-Hütte in Oberhausen: Archäologen haben die umliegenden Kessel, Hochöfen und Dampfgebläse wieder zu Tage befördertUnkraut, Gestrüpp, halbhohe Bäume. Mehr war hier nicht, am Ende der Antonistraße im Oberhausener Stadtteil Osterfeld. Noch vor fünf Jahren gab es hier nur ein Niemandsland, einen Niemandsort. Doch nun ist es alles aufgeräumt und fein gemacht. Ein Dach aus ineinandergefügten Stahlplatten schwingt sich galant und auch mächtig über eine umzäunte Ausgrabungsstätte. Ein Drehkreuz muss der Besucher noch passieren, und dann – dann steht er an der Wiege des Ruhrgebietes, des einst größten Industriereviers Europas.
Hier in Osterfeld nahm alles seinen Anfang: die rauchenden Schlote, die feuerleuchtenden Hochöfen, die gewaltigen Dampfhämmer, welche die Erde zum Vibrieren brachten, bis um 1900 das Land zwischen Ruhr und Emscher eine Landschaft voller Kohlenhalden und Schienenstränge war, bevölkert von Arbeitern aus ganz Europa. Hier exakt stand sie, die erste Eisenhütte, die wirklich allererste: die Hütte St. Antony, eröffnet am 18. Oktober 1758. Die meisten anderen Hütten im Rheinland und in Westfalen nahmen erst gut hundert Jahre später die Arbeit auf.
»Doch, ja, es ist alles sehr, sehr schön geworden«, freut sich Julia Obladen-Kauder. Sie ist Archäologin des Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland und gemeinsam mit Thomas Schleper, Abteilungsleiter im Rheinischen Industriemuseum Oberhausen, für die Grabungsstätte zuständig. Oder wie es im Museumsjargon nun heißt: für den Industriearchäologischen Park St. Antony, den ersten industriearchäologischen Park in Deutschland.
»Wir haben hier nicht wie bei altsteinzeitlichen Grabungen mit Pinsel und Pinzette gearbeitet«, erklärt sie, »sondern mit Spitzhacke und Schaufel, so wie bei einer mittelalterlichen Stadtkerngrabung.« Hervorgekommen sind in einer Tiefe von drei, vier Metern die Umrisse eines Kesselhauses, einer Gießerei und eines Dampfgebläses. Damit ließ sich endgültig belegen, dass hier tatsächlich, wie in den alten Unterlagen eingezeichnet, ein Hochofen stand. Auch verraten die Grabungen manches darüber, wie er umgebaut wurde, wie sich die Technik, die das Land verändern sollte, entwickelt hat.
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