Kopf einer Statue von Tutanchamuns Grossvater entdeckt

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Archäologen haben in Ägypten den Kopf einer 3000 Jahre alten Statue von Pharao Amenhotep III. gefunden – mit beeindruckenden Ausmassen.

Der zweieinhalb Meter grosse Kopf aus rotem Granit wurde im Grabtempel des Pharao in Luxor entdeckt, wie das ägyptische Kulturministerium am Sonntag mitteilte. Der Chef der ägyptischen Altertumsverwaltung, Sahi Hawass, lobte vor allem die «grosse künstlerische Qualität» der Skulptur. Es handle sich um ein steinernes Porträt des Königs mit sehr fein gemeisselten, jugendlichen Gesichtszügen.

Wie der Leiter des Ausgrabungsteams, Hourig Sourouzian, sagte, gehört der Kopf zu einer riesigen Figur Amenhoteps III., die den Pharao sitzend und mit vor der Brust verschränkten Armen zeigt. In den vergangenen Jahren waren in seinem Tempel in Luxor bereits weitere Teile der Statue entdeckt worden.

Amenhotep III., der auch als Amenophis III. bekannt ist, regierte Ägypten vor etwa 3400 Jahren. Sein unter dem Namen Echnaton bekannter Sohn Amenhotep IV. versuchte, in Ägypten den Monotheismus einzuführen. Echnaton ist der Vater des Kindpharaos Tutanchamun, dessen goldene Totenmaske weltbekannt ist.
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Das vergessene Lager

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In Schwetig nahe Frankfurt (Oder) wurden zwischen 1940 und 1945 Tausende Zwangsarbeiter gequält und getötet.

„An der Büro-Wand des Kommandanten hingen unterschiedlich große Ochsenziemer. Der Neuankömmling konnte sich aussuchen, mit welchem er anschließend geschlagen wurde.“ 25 Peitschenhiebe gehörten Zeitzeugenberichte nach zum berüchtigten Aufnahmeritual für verhaftete Zwangsarbeiter unterschiedlichster Nationen im Arbeitserziehungslager Schwetig (heute Swiecko), das die Gestapo Frankfurt von Oktober 1940 bis Januar 1945 betrieben hatte. Ein beliebtes „Vergnügen“ der Wachleute soll es dort gewesen sein, die Häftlinge durch das Lager zu jagen und sie dabei mit Kabeln zu schlagen.
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Überall harte Bleistifte

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DDR-Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 waren ein Schlüsselereignis der friedlichen Revolution.

Noch eine Zigarette mehr als sonst. In der Redaktion einer großen Ost-Berliner Tageszeitung zermarterte sich schon am Freitagmittag ein Kommentator den Kopf darüber, wie er am Sonntagabend seinen Lesern erklären soll, dass die Kommunalwahlen 1989 erneut ein überzeugendes Bekenntnis zum ersten Arbeiter-und-BauernStaat auf deutschem Boden waren – obwohl das Ergebnis schlechter ausfallen würde als üblich in der DDR. Dass es so kommen werde, war intern schon bekannt. Und wenn es sich nur bei Stellen hinter dem Komma bemerkbar macht – die Stimmung im Lande DDR wandte sich immer mehr gegen die Allmacht der SED.
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Hexen. Mythos und Wirklichkeit.

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Das Historische Museum der Pfalz in Speyer führt uns in einer eindrucksvollen Ausstellung auf die Spur der Hexen. Wer bereit ist, sein „sicheres“ Wissen über Hexen zu testen, sich gleichzeitig informieren und im besten Sinn unterhalten zu lassen, wird dort bestens bedient.

13.09.2009 bis 02.05.2010, Historisches Museum der Pfalz, Speyer,

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Eva Braun: Die Unsichtbare

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Heike Görtemaker will mit ihrer Biografie der Eva Braun, die Hitlers Geliebte war, einen Mythos widerlegen.[/b]

Eine junge Frau setzt sich mit ihrem Geliebten und ausgeliehenen Kindern vor der Kamera eines Freundes in Szene, damit eine Art Familien-Bild entsteht. Nur fürs Album. Keiner sonst darf es sehen. Die Frau lässt sich gern fotografieren, sie fotografiert selbst. Sie hat diesen Geliebten ja sogar bei dem Fotografen kennengelernt, bei dem sie angestellt war und der mit seinen Fotos nationalsozialistische Machtpolitik betreibt. Aber der Mann, an dem sie hängt, Adolf Hitler, zensiert jedes Bild, das von ihm an die Öffentlichkeit gelangt, er weiß, dass Bilder mehr Macht haben als Worte. Wenn die junge Frau Eva Braun auf einem Foto zu sehen ist, lässt er sie wegretuschieren. Keiner soll von ihr wissen. Sie soll unsichtbar sein. So unsichtbar wie die Brille, die Adolf Hitler trug, die aber auf keinem Bild zu sehen sein durfte, ein Makel, der den Eindruck trüben könnte. Der Mann ist ein Aufsteiger und von großer sozialer Unsicherheit, er hat beständig Angst, sich zu decouvrieren, seine extreme Reinlichkeit, das Vegetarische, die Magenschonkost, überhaupt alles Private ist ihm vor allem peinlich.

Vor ein paar Tagen sind nun lauter Fotos von Eva Braun über die Bildermedien in die Öffentlichkeit gelangt. Die zeigen sie im Bikini und am Turnreck, bei Yoga-Übungen und beim Rudern, ganz oder nur teilweise bekleidet, mondän, alles sehr blond und jung, rank und schlank, insgesamt eine eher übliche Hübschheit, mit Freude am Zeigen und Gesehenwerden. Es gibt keinen Grund für die Veröffentlichung all dieser Body-Bilder, nur einen Anlass: dass nun die erste wissenschaftliche Biografie der Eva Braun erscheint, Leben mit Hitler, verfasst von der Historikerin Heike Görtemaker.
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Einfrieren wie die Eskimos

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Was den Deutschen Käpt'n Iglo, ist den Amerikanern Captain Birdseye. Letzteren gab es wirklich, vor fast hundert Jahren schaute er sich die Tiefkühlkost von den Inuit ab.[/b]

So recht wissen die braven Bürger von Springfield im amerikanischen Massachusetts nicht, was sie mit dem knallhart gefrorenen Spinat und den eisigen Fischen anfangen sollen, die am 6. März 1930 in ihrem Supermarkt liegen. Tiefkühlkost haben sie noch nie gesehen. Zum Glück stehen Berater hinter der Auslage. So wird die Ware, hier erstmals für ganz gewöhnliche Kunden käuflich zu erwerben, zum Riesenerfolg.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte dieses Erfolges schon viel früher, zwischen 1912 und 1915. Da ist ein junger Wissenschaftler im Auftrag der US-Behörden in der kanadischen Arktis unterwegs, um das Leben der Ureinwohner zu studieren – und nebenbei ein paar Felle zu handeln. Er heißt Clarence Birdseye.

Stünde diese Geschichte in einer englischen Zeitung, würden die Leser jetzt stutzen: Birdseye? Captain Birdseye? Denn so heißt auf dem britischen Markt die Werbefigur, die auf Deutsch als Käpt'n Iglo über die Weltmeere schippert und immer neue Abenteuer erlebt. Im Polarmeer zum Beispiel.

Tatsächlich heißt der Erfinder der Tiefkühlkost Clarence Birdseye. Ohne Captain. 1886 in Brooklyn, New York, geboren, Biologiestudent. 1910 und 1911 arbeitet er erstmals für die US-Behörden, sammelt im Bitterroot Valley in Montana Hunderte kleiner Säugetiere, um ihr Ungeziefer der Forschung in Sachen Rocky-Mountains-Fleckfieber zuzuführen.

Dann verschlägt es Birdseye in den hohen Norden, nach Labrador. Die Inuit nehmen ihn zum Eisfischen mit. Der neugierige Forscher stellt fest, dass die gefangenen Fische bei den eisigen Temperaturen von minus 40 Grad Celsius sofort frieren – und nach dem Auftauen frisch schmecken, viel frischer als der gekühlte Fisch, den er aus New York kannte. Diese Erkenntnis macht Birdseye ein paar Jahre später zum Millionär.
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Von der Todeszelle in den Hausarrest

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Über den schwierigen und schweren Lebensweg des Kommunisten Robert Havemann, der heute seinen 100. Geburtstag feiern würde.
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Inferno brach über die Auerwerke und ganz Oranienburg herein

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Im Bombenhagel des schwersten Luftangriffs auf Oranienburg starben vor 65 Jahren am 15. März 1945 Hunderte Kinder, Frauen und Männer – sowohl Einwohner Oranienburgs als auch aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter.

204 Oranienburger wurden von Bomben zerfetzt oder unter Trümmern begraben. 382 weibliche KZ-Häftlinge des Außenlagers Auerwerke wurden als Tote registriert. Wie viele Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die bei den Auerwerken eingesetzt waren, diesen Angriff nicht überlebten, ist bis heute unbekannt.
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Englisches Massengrab voller Wikinger

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Sie kamen übers Wasser – und endeten enthauptet in einem Massengrab im britischen Dorset: Archäologen identifizierten die im Juni 2009 entdeckten Skelette nun als Wikinger.


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Im englischen Dorset stießen Archäologen im Juni 2009 auf ein Massengrab

Im englischen Dorset häufen sich die Skelette. Bei Bauarbeiten für eine Umgehungsstraße in der Grafschaft im Südwesten Englands ist bereits im Juni 2009 ein Massengrab entdeckt worden. Unbekannt war bislang, wer dort begraben ist. Nun fanden Archäologen heraus, dass es sich bei den Enthaupteten um Wikinger handelt.

"Wir wussten schon lange, dass wir in Dorset ein großes historisches Umfeld haben. Aber wir hätten es uns niemals träumen lassen, ein Wikinger-Grab dieses Ausmaßes zu finden", sagt Angus Campell, Vorsitzender des Dorset County Council. Mehr als 50 Skelette fanden die Archäologe in der Erde – allesamt enthauptet. "Es ist relativ selten, ein Massengrab zu finden, aber eines in dieser Größenordnung, aus dieser Zeit, ist sehr ungewöhnlich und bietet unglaubliche Möglichkeiten, mehr darüber herauszufinden, was damals in Dorset geschah", sagt Projektleiter David Score.
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Marsch auf Berlin

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Im März 1920 griffen rechte Republikfeinde erstmals nach der Macht in Deutschland. Doch der Kapp-Putsch scheiterte am entschlossenen Widerstand der Arbeiterschaft.


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März 1920: Auch in München reiten Anhänger des Kapp-Putsches durch die Straßen

In den späten Abendstunden des 12. März 1920 alarmiert eine Nachricht die Reichshauptstadt: Die Marinebrigade Ehrhardt marschiert auf Berlin zu. Ihr Ziel: Sturz der amtierenden Koalitionsregierung unter dem sozialdemokratischen Reichskanzler Gustav Bauer und Beseitigung der erst wenige Monate alten deutschen Republik.

Eine Stunde nach Mitternacht versammelt Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) die führenden Militärs in der Bendlerstraße. Seiner Forderung, dass man Gewalt nur mit Gewalt beantworten könne, schließt sich allein der Chef der Heeresleitung, General Walther Reinhardt, an. Alle anderen hohen Offiziere lehnen einen Kampf gegen die Putschisten ab. »Truppe schießt nicht auf Truppe«, erklärt der Chef des Truppenamts, General Hans von Seeckt.
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Staatsfeind Nummer 1

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Er war Wissenschaftler, Kommunist und eine Ikone des Widerstands: Vor 100 Jahren wurde Robert Havemann geboren.[/b]

"Der GI (Geheime Informator – d. Red.) arbeitet bereits seit 1953 für unser Organ als Kontaktperson und brachte wertvolle Hinweise und Informationen über sein Institut und verschiedene Wissenschaftler. Vorher arbeitete er jahrelang mit einer sowjetischen Dienststelle zusammen." So heißt es im Bericht über die Anwerbung Robert Havemanns als inoffizieller Mitarbeiter der Stasi am 24. Februar 1956, bei der er selbst seinen Decknamen "Leitz" vorschlug.
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Der renommierte Physikochemiker, Hochschuldekan und Abgeordnete der Volkskammer ist ein eifriger Zuträger und Denunziant. Eine 2005 erschienene Studie von Arno Polzin listet 62 Treffen Havemanns mit seinem Führungsoffizier auf. Er übergibt 146 Berichte, schwärzt angeblich 19 Mal andere Personen an, vorwiegend Wissenschaftlerkollegen.

Diese Details über Havemanns Spitzeleifer sind irritierend: War doch gerade das Jahr 1956 mit der Geheimrede Chruschtschows über die Stalin-Gräuel und dem Ungarnaufstand eine Art Erweckungsdatum für den am 11. März 1910 in München geborenen und 1935 in Berlin promovierten Wissenschaftler. Denn fortan wird der 1932 der KPD und 1951 der SED beigetretene Havemann sowohl in Parteiversammlungen als auch in wissenschaftlichen Gremien politische Widersprüche öffentlich benennen, Dogmatismus und Unfreiheit als Gründe für politische Erstarrung in den sozialistischen Ländern anprangern – und immer mehr Sympathisanten um sich scharen.
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Historische Schiffswracks in der Ostsee entdeckt

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Es ist ein unverhoffter Fund: Bei Arbeiten an der Ostsee-Gasleitung wurden wertvolle Schiffswracks entdeckt. Das älteste Wrack soll mehr als 1000 Jahre alt sein.[/b]

Sie ist das größte Brackwassermeer der Erde, war bereits zu Zeiten des Römischen Reiches mit weit verzweigten Handelswegen erschlossen und gilt als das wrackhaltigste Meer: die Ostsee. Bei Arbeiten an einer Gas-Pipeline wurden nun auf dem Grund der Baltischen See in schwedischen Gewässern erneut wertvolle und bislang unbekannte Schiffswracks gefunden.

Insgesamt stießen Arbeiter auf zwölf gesunkene Schiffe – neun davon sind älter als 100 Jahre. Es sei deshalb ein bedeutender Fund mit "enormem kulturhistorischen Wert", sagte Peter Norman vom schwedischen Reichsantiquariats-Amt dem Rundfunksender Sveriges Radio am Montag. Auch die staatlichen Schifffahrtsmuseen in Schweden stufen die neun Funde in der eigenen Ostsee-Zone als "ausgesprochen wertvoll" ein.
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Keine Belege für mehr als 25'000 Tote in Dresden 1945

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Historikerkommission legt Bericht zu Luftangriffen am Ende des Zweiten Weltkrieges vor

Keine Belege für mehr als 25'000 Tote in Dresden 1945
Historikerkommission legt Bericht zu Luftangriffen am Ende des Zweiten Weltkrieges vor

Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden im Februar 1945 sind maximal 25'000 Personen ums Leben gekommen. Das teilte die Dresdner Historikerkommission am Mittwoch in ihrem Abschlussbericht mit. Ein Grund für die Untersuchung waren anhaltende Spekulationen zu den Opferzahlen und eine Instrumentalisierung durch Neonazis. ...

Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden im Februar 1945 sind maximal 25'000 Personen ums Leben gekommen. Das teilte die Dresdner Historikerkommission am Mittwoch in ihrem Abschlussbericht mit.

Bei den Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 sind nach Einschätzung von Experten maximal 25'000 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl könne als ausreichend gesichert angesehen werden, sagte der wissenschaftliche Leiter der Historikerkommission, Rolf-Dieter Müller, am Mittwoch bei der Vorstellung des Abschlussberichts. Grundlage sei eine in dieser Art einzigartige umfangreiche und jahrelange Recherche. Für höhere Opferzahlen gebe es keine belastbaren Belege.
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Wir haben frei gewählt

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Heute vor zwanzig Jahren: Der 18. März 1990 ist das Schlüsseldatum der Wende.



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Anhänger der "Vereinigten Linken" und der "Nelken", die den Wahlkampf ohne Hilfe aus dem Westen bestreiten.

Und dann kam der Bananenmann. Er zog aus dem Jackett die ostzonale Sehnsuchtsfrucht und hielt sie mit eifriger Süffisanz in die Kamera. Dies war Otto Schilys Kommentar zum Ergebnis der ersten freien Wahlen in der DDR vor genau zwanzig Jahren. Zur Erinnerung: An jenem 18. März 1990 triumphierte die christdemokratische Allianz für Deutschland lawinenhaft mit 48,2 Prozent. Die siegesgewisse SPD verröchelte bei 21,8 Prozent, die tot geglaubte SED-PDS holte 16,3 Prozent, die Liberalen endeten bei 5,3. Das Bündnis 90, die Vorhut der friedlichen Revolution, errang 2,9 Prozent, worauf die tapfere Ulrike Poppe gestand, sie habe allseits Sympathie gespürt, aber Misstrauen ob der politischen Kompetenz der Wendehelden.

Am klarsten redete der alte Stefan Heym. Er gratulierte dem Herrn Doktor Kohl, der nominell doch gar nicht zur Wahl gestanden hatte. Freilich wünsche er nicht, in des Herrn Doktor Kohls Hosen zu sitzen. Denn nun, sprach Heym, werde er zu liefern haben, was er alles den DDR-Bürgern versprochen habe. Helmut Kohl beschwor die Noch-DDRler, im Lande zu bleiben. Die Kameras bedrängten den Wahlsieger, einen erschrockenen kleinen Mann: Lothar de Maizière. Viel später bekannte er, in Kohls Gegenwart habe ihn stets Atemnot gepackt.
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Schimanskis Väter

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Das Ruhrgebiet ist nicht nur Europäische Kulturhauptstadt 2010 – es ist auch eine multikulturelle Region, und das nicht seit gestern. Polen waren Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Einwanderer.[/b]

Kommissar Schimanski aus dem Tatort. Hausmeister Kaczmarek von der Mundart-Band Bläck Föös. Der Spießer Kowalski aus den Liedern von Pur. Mein lieber Kokoschinski. Polnische Namen gehören zur Ruhr-Region wie der Fußballclub Schalke 04, wo etliche polnischstämmige Fußballer spielten und spielen.
Die europäischen Großmächte schnappen sich im 18. Jahrhundert immer größere Territorien der im Innern zerstrittenen polnischen Adelsrepublik. Zuletzt, bei der Dritten Polnischen Teilung 1795, lassen Preußen, Österreich und Russland keinen polnischen Staat mehr übrig. Das aufstrebende Preußen verleibt sich große Regionen mit überwiegend polnischer Bevölkerung ein.

Deutschland wandelt sich vom Agrar- zum Industrieland, und in den neuen Industriegebieten wächst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Bedarf an Arbeitskräften. Überall ziehen Menschen vom Lande in die wachsenden Städte. Ins preußische Ruhrgebiet kommen in den 1870er und 1880er Jahren zudem viele Arbeitskräfte aus den Ostprovinzen Preußens, die zu einem großen Teil polnisch oder masurisch sprechen, sich jedoch als Untertanen des Deutschen Kaisers im 1871 gegründeten Reich frei bewegen können. Aber auch aus Russland und Österreich-Ungarn wandern viele ethnische Polen ein.
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Der Herrgott von Wien

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Er modernisierte die Metropole, war das Idol von Adolf Hitler und erfand den politischen Antisemitismus. Vor 100 Jahren starb der legendäre Bürgermeister Karl Lueger.


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Volkstribun Lueger: Mit den Vereinigten Antisemiten an die Macht (Porträt um 1900)

Sigmund Freud, der dem Nikotin verfallen war, fiel es schwer, sich in diesen Tagen an die ärztliche Anweisung zu halten. Er hatte gerade zum ersten Mal das Rätsel eines Traumes geknackt. Er quälte sich mit der Niederschrift eines Entwurfs der Psychologie. Sein Befinden war verdrießlich – auch weil der befreundete Hals- und Nasenspezialist Wilhelm Fließ, der ihn unlängst am Siebbein operiert hatte, ihm den Genuss der geliebten Zigarren strengstens untersagt hatte. »Ich halte mich sonst an die Vorschrift«, schrieb der Nervenarzt an den Freund, »nur an diesem Tag habe ich aus Freude exzediert.«

Es war der 13. November 1895, und in Wien herrschte Aufruhr. Die Garnison der Residenzstadt war in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Soldaten fassten scharfe Munition aus, an einzelne Artillerieeinheiten wurden Schrapnells ausgegeben. Zwischen Parlament und Rathaus lieferte sich eine aufgebrachte Menschenmenge blutige Straßenschlachten mit der Polizei. Nur mit Mühe gelang es dem Wachregiment, den Mob, der bereits bis in den inneren Burghof vorgedrungen war, wieder aus dem Palast zu vertreiben. »Judenkaiser, Judenkaiser!«, schallte es zu den Gemächern des Monarchen hoch. In ihrer Mitte trug die Menge das Porträt ihres Idols. Es zeigte einen vollbärtigen Hünen in Märtyrerpose, die Dornenkrone auf dem Haupt.
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Zürcher Pfahlbauer verursachen Verzögerung

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Auf der Baustelle des Opernhaus-Parkings in Zürich sind 5000 Jahre alte Kulturschichten zum Vorschein gekommen. Es handelt sich um einen Fund von «internationaler Bedeutung». Für Rettungsgrabungen wird ein einjähriger Bauunterbruch verfügt.

Bei Sondierungen auf der Baustelle des unterirdischen Opernhaus-Parkings beim Bellevue in Zürich haben Archäologen Hinweise auf Pfahlbauerdörfer aus der Stein- und Bronzezeit gefunden. Die Reste stammen aus mehreren Siedlungsphasen und haben sich offenbar im feuchten Sedimentboden ausserordentlich gut erhalten. Hölzer, Geweihe, Knochen, Pflanzen, Speisereste und sogar Textilien seien bestens konserviert.
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Geschichte einer deutsch-deutschen Annäherung

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Vor 40 Jahren trafen sich Bundeskanzler Willy Brandt und der Vorsitzende des DDR-Ministerrates Willi Stoph in Erfurt. Ein historisches Gipfeltreffen im Kalten Krieg.[/b]

Es war wohl einer jener glücklichen Momente, die auch Politiker zuweilen erleben. Egon Bahr, Willy Brandts Stratege für die Ostpolitik, saß am Abend des 12. März 1970 im Moskauer Hotel Ukraina und formulierte einen Brief an seinen Kanzler. "Lieber Willy", schrieb er mit roter Tinte auf einen Hotelbriefbogen, "dieser Brief soll nur deinem Vergnügen dienen. Man hat hier Stoph 'gezwungen', das Treffen zu machen." Bahr unterstrich das Wort "gezwungen". Sein Plan war aufgegangen.
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Aus Deutsch-Südwestafrika wird Namibia

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Für Namibia endete die Kolonialzeit erst vor 20 Jahren: Als letztes Land auf dem Kontinent wurde das ehemalige "Deutsch-Südwest", seit Ende des Ersten Weltkriegs unter südafrikanischer Herrschaft, ein selbstständiger Staat.[/b]

"Der Platz an der Sonne", das waren die "blühenden Landschaften" des 19. Jahrhunderts: Wie Kanzler Helmut Kohl 1990 das Gedeihen des deutschen Ostens beschwor, verhieß der Staatssekretär im Auswärtigen Amt und spätere Reichskanzler Bernhard von Bülow Deutschland 1897 ein helles, warmes Plätzchen. "Wir wollen niemanden in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne", sagte er im Reichstag. Er meinte Kolonien. Eine davon war Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia.
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Nicht zeigen!

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Spaniens früherer faschistischer Diktator Francisco Franco war spätestens von August 1944 an detailliert über die Judenvernichtung im Konzentrationslager Auschwitz informiert. Dies berichtete die Zeitung El País am Sonntag unter Berufung auf bislang geheime Dokumente aus dem spanischen Außenministerium. Sie ruhten in einer Mappe mit der Aufschrift "Nicht zeigen".
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Magister Philipps sanfte Kur

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Philosoph, Bildungsreformer, Diplomat des Glaubens. Zum 450. Todestag Philipp Melanchthons ein Lebensbild des großen Reformators.


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Porträt von Philipp Melanchthon (1497 - 1560), um 1539

Im Sommer des Jahres 1530 standen die Dinge für die Reformation wieder einmal Spitz auf Knopf. Zur selben Zeit wurde die Beziehung zwischen zwei ihrer Protagonisten arg geprüft. Denn während Philipp Melanchthon auf dem Augsburger Reichstag die Sache der Lutherischen vor Kaiser Karl V. zu vertreten hatte, musste Martin Luther selber in Coburg zurückbleiben. Schließlich lebte er seit dem Wormser Edikt von 1521 unter Reichsacht und konnte sich aus dem Gebiet seines Protektors, des Kurfürsten von Sachsen, nicht hinauswagen. Coburg war die südlichst und Augsburg am nächsten gelegene kursächsische Stadt – das immerhin erleichterte den zeitweilig heftigen Briefverkehr zwischen den beiden Reformatoren.
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Die Stimmung war gereizt. Als Melanchthon Ende Juni 1530 einen Entwurf des späteren Augsburger Bekenntnisses nach Coburg schickte, antwortete Luther unwirsch, er wundere sich, »was Du wohl willst; Du fragst danach, was und wie viel den Päpstlichen nachgegeben werden solle […]. Für meine Person ist […] mehr als genug nachgegeben worden.« Doch schon wenige Tage später, in einem Brief vom 3. Juli, ist der Unmut verraucht. Er habe die Schrift »gestern ganz und gar sorgfältig von neuem gelesen, und sie gefällt mir ganz außerordentlich«.
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Graf Baudissin räumt auf

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Am Samstag eröffnete das Museum Folkwang seine erste Sonderschau im Neubau. Einst hatten die Nationalsozialisten die legendäre Kunstsammlung des Essener Museums vernichtet.[/b]

Als der 28-jährige Karl Ernst Osthaus 1902 in seiner Heimatstadt Hagen am Rande des Ruhrgebiets das Museum Folkwang eröffnete, war er erfüllt von einem missionarischen Eifer, der seinesgleichen sucht. Der vermögende junge Mann – seine Mutter stammte aus einer Fabrikantenfamilie, sein Vater war Bankier – wollte zur »kulturellen Hebung des industriellen Westens« in Deutschland beitragen. Er beklagte das Missverhältnis von Arbeit und Bildung, Kapital und Kunst, das sich überall beobachten ließ. »Das große Problem der Zeit«, schrieb er rückblickend 1918, »war die Zurückführung der Kunst ins Leben, und dieser Aufgabe hat das Museum sich seither zu widmen versucht.«

Das Museum als Volksbildungsstätte, als »Volkshalle« – nichts anderes bedeutete ursprünglich das altnordische Wort Folkwang –, sollte den Geschmack formen, sollte Interesse und Neugier wecken. Es war eine Idee ganz im Geiste der Lebensreformbewegung jener Zeit. Osthaus, der Kunstgeschichte, Literatur und Philosophie studiert hatte, sammelte zunächst Kunstgewerbe, das er von Studienreisen nach Frankreich, Nordafrika und in den Orient mitbrachte. Später wandte er sich, unter dem Einfluss des flämischen Architekten und Gestalters Henry van de Velde, der Malerei zu. Er erwarb Bilder von Renoir, Cézanne, Gauguin und van Gogh, von Seurat und Signac, Matisse und Braque und anderen französischen Meistern der Moderne. Hinzu kamen Arbeiten der Expressionisten, von Kirchner, Schmidt-Rottluff, Heckel, Nolde, Feininger, Kokoschka, Rohlfs sowie den Blauen Reitern Kandinsky, Marc und Macke. Viele Bilder kaufte Osthaus direkt im Atelier, frisch von der Staffelei. So machte er das Hagener Haus zu einem einzigartigen Forum für die Avantgarde.
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Das Geheimnis um den Mann im Sarkophag ist gelüftet

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Das Alter des Skeletts im Sarkophag aus dem 7. Jahrhundert, der bei Bauarbeiten unter dem Klosterplatz in St. Gallen gefunden wurde, ist bestimmt. Vermutlich lässt sich auch die Identität des Bestatteten bestimmen. Alles spricht für den damaligen Landesherrn: Graf Talto.
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Historiker hält Holocaust für "deutsche Kontinuität"

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Es begann im Dreißigjährigen Krieg: Der US-Historiker Helmut Walser Smith attackiert in seinem jetzt auf Deutsch erscheinenden Buch "Fluchtpunkt 1941" viele seiner deutschen Kollegen. Denn er will den Holocaust mit "Kontinuitäten der deutschen Geschichte" erklären – und scheitert.[/b]

Wie war es möglich? Diese Frage treibt seit 1945 nicht nur deutsche Philosophen und Historiker um: Wie war es möglich, dass ein Staat all seine Machtmittel einsetzt, um eine nach Millionen zählende Gruppe von Menschen möglichst bis zum letzten Kleinkind auszurotten?

Die Opfer stellten keinerlei Gefahr dar; sie waren im Wesentlichen wehrlos. Und wie war es möglich, dass nicht nur ein Staat dieses ungeheuerliche Verbrechen zu begehen befahl, sondern mindestens 100.000 vorwiegend ganz normale Männer, vielleicht auch doppelt oder dreimal so viele, eigenhändig mordeten? Kurz: Wie war der Holocaust möglich?

An möglichen Antworten auf diese Kernfrage sowohl der deutschen wie der Weltgeschichte des 20. Jahrhundert fehlt es nicht; der Bremer Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn hat in seinem Büchlein „Warum Auschwitz?“ 1995 gleich 42 Theorien aufgelistet.

Seither sind einige hinzugekommen – die bekannteste davon stellte Daniel Goldhagen auf, dem zufolge alle Deutschen bis 1945 von einem „eliminatorischen Antisemitismus“ getrieben worden seien. Obwohl sich praktisch alle Fachleute einig waren, dass diese intellektuell bescheidene „Erklärung“ gar nichts erklärt, wurde der US-Politologe 1996 gefeiert wie ein Guru.

Goldhagen habe die richtige Frage gestellt, aber „seine Antwort war verfehlt“, schreibt der US-Historiker Helmut Walser Smith in seinem heute auf Deutsch erscheinenden Buch „Fluchtpunkt 1941“. Der 47-jährige Direktor des Max Kaden Center für European Studies in Nahsville (Tennessee) fragt darin nach den „Kontinuitäten der deutschen Geschichte“, die zum Holocaust führten.

Zentral an Smiths neuem Buch ist die Idee, einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Bisher, so seine These, seien die deutsche Geschichte und der Zivilisationsbruch vor allem mit den Fluchtpunkten 1933 oder 1939 betrachtet worden – also unter dem Aspekt, wie es zur Machtübernahme Hitlers kommen konnte und wie es Hitler schaffte, die Bevölkerung für einen neuen Krieg zu gewinnen.

Durch die Verschiebung der Perspektive auf 1941, den Beginn der massenhaften Judenmorde hinter der Ostfront (auch wenn es ähnliche Untaten in kleinerem Maßstab schon nach der deutschen Besetzung Polens gegeben hatte), werde der „Zusammenbruch der Mitmenschlichkeit“ deutlich, ohne die es nicht zum Holocaust hätte kommen können.

Vier wesentliche Kontinuitätslinien beschreibt Smith, und nur ihr Zusammentreffen im „Fluchtpunkt 1941“ soll seiner Ansicht nach den Zivilisationsbruch ermöglicht haben. Drei dieser Kontinuitäten freilich sind bereits vielfach beschrieben worden: Erstens der Nationalismus in der banalisierten Tradition von Fichtes „Reden an die deutsche Nation“.

Zweitens führt der Autor die gegen die Emanzipation der Juden gerichtete antisemitische Bewegung des 19. Jahrhunderts an. Sie war in ganz Europa festzustellen und brachte keineswegs in Deutschland die schlimmsten Auswüchse mit sich, wie Smith selbst dokumentiert: In einer Tabelle mit 31 antijüdischen Exzessen zwischen 1881 und 1903 in Europa finden sich gerade vier, vergleichsweise kleine Pogrome im Deutschen Kaiserreich.

Eine dritte Kontinuität sieht Smith in der Entgrenzung von ethnischer Gewalt im Kolonialzeitalter, die er als „eliminatorischen Rassismus“ bezeichnet – aber auch das ist keine neue Entdeckung, denn schon seit Jahren wird über eine angeblich oder tatsächlich direkte Verbindung zwischen dem Genozid etwa an den Hereros in Namibia und Auschwitz diskutiert.

Kryptisch dagegen bleibt die vierte, in „Fluchtpunkt 1941“ wohl originär beschriebene Kontinuität. Smiths Ansicht nach hätten die Deutschen die im Dreißigjährigen Krieg blutig gemachte Erfahrung interkonfessioneller Gewalt verdrängt, nicht dagegen die interreligiöse Gewalt gegen Juden.
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So war es nicht

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Ein neues Buch will den Oberbefehlshaber der Schweizer Armee während des Zweiten Weltkriegs zum Widerständler stilisieren.[/b]

Warum heute den General wieder zum Leben erwecken, der in den Jahren 1939 bis 1945 die Schweizer Armee befehligt hat und vor 50 Jahren gestorben ist? Ein Teil der Antwort ist bereits in der Frage gegeben. Es steht ein Jubiläum an, das eine publizistische Präsenz zum Thema ermöglicht, ja erfordert. Ein anderer Teil der Antwort ist inhaltlicher Art. Es geht um die Werte, die man mit diesem Gedenken pflegen kann. Dies ruft freilich noch weitere Fragen auf den Plan: Ob diese Wertezuschreibung richtig ist und was man mit ihr bezweckt. Das von Weltwoche- Redaktor Markus Somm vorgelegte Buch ist der jüngste Beleg für diese instrumentalisierende Gedenkindustrie.

Aus der Sicht der historischen Forschung ist es ein überflüssiges Buch.
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Wie Louis Armstrong die DDR-Spitze wegblies

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Der amerikanische Trompeter tourte während des Kalten Krieges in der DDR - was zu bizarren Szenen führte. Organisiert wurde die Tour von einem Schweizer Geschäftsmann.

Er war der König des Jazz, seine Klassiker wie «What a Wonderful World» gehören in jedes Plattenregal. Was viele nicht wissen: Im Frühjahr 1965 ging Louis Armstrong hinter dem Eisernen Vorhang auf Konzertreise durch die DDR und bezauberte Zehntausende Menschen bei 17 umjubelten Konzerten in grossen Sport- und Kongresshallen.
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(C) Daniel Oswald