Eva Braun: Die Unsichtbare

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Heike Görtemaker will mit ihrer Biografie der Eva Braun, die Hitlers Geliebte war, einen Mythos widerlegen.[/b]

Eine junge Frau setzt sich mit ihrem Geliebten und ausgeliehenen Kindern vor der Kamera eines Freundes in Szene, damit eine Art Familien-Bild entsteht. Nur fürs Album. Keiner sonst darf es sehen. Die Frau lässt sich gern fotografieren, sie fotografiert selbst. Sie hat diesen Geliebten ja sogar bei dem Fotografen kennengelernt, bei dem sie angestellt war und der mit seinen Fotos nationalsozialistische Machtpolitik betreibt. Aber der Mann, an dem sie hängt, Adolf Hitler, zensiert jedes Bild, das von ihm an die Öffentlichkeit gelangt, er weiß, dass Bilder mehr Macht haben als Worte. Wenn die junge Frau Eva Braun auf einem Foto zu sehen ist, lässt er sie wegretuschieren. Keiner soll von ihr wissen. Sie soll unsichtbar sein. So unsichtbar wie die Brille, die Adolf Hitler trug, die aber auf keinem Bild zu sehen sein durfte, ein Makel, der den Eindruck trüben könnte. Der Mann ist ein Aufsteiger und von großer sozialer Unsicherheit, er hat beständig Angst, sich zu decouvrieren, seine extreme Reinlichkeit, das Vegetarische, die Magenschonkost, überhaupt alles Private ist ihm vor allem peinlich.

Vor ein paar Tagen sind nun lauter Fotos von Eva Braun über die Bildermedien in die Öffentlichkeit gelangt. Die zeigen sie im Bikini und am Turnreck, bei Yoga-Übungen und beim Rudern, ganz oder nur teilweise bekleidet, mondän, alles sehr blond und jung, rank und schlank, insgesamt eine eher übliche Hübschheit, mit Freude am Zeigen und Gesehenwerden. Es gibt keinen Grund für die Veröffentlichung all dieser Body-Bilder, nur einen Anlass: dass nun die erste wissenschaftliche Biografie der Eva Braun erscheint, Leben mit Hitler, verfasst von der Historikerin Heike Görtemaker.
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Einfrieren wie die Eskimos

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Was den Deutschen Käpt'n Iglo, ist den Amerikanern Captain Birdseye. Letzteren gab es wirklich, vor fast hundert Jahren schaute er sich die Tiefkühlkost von den Inuit ab.[/b]

So recht wissen die braven Bürger von Springfield im amerikanischen Massachusetts nicht, was sie mit dem knallhart gefrorenen Spinat und den eisigen Fischen anfangen sollen, die am 6. März 1930 in ihrem Supermarkt liegen. Tiefkühlkost haben sie noch nie gesehen. Zum Glück stehen Berater hinter der Auslage. So wird die Ware, hier erstmals für ganz gewöhnliche Kunden käuflich zu erwerben, zum Riesenerfolg.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte dieses Erfolges schon viel früher, zwischen 1912 und 1915. Da ist ein junger Wissenschaftler im Auftrag der US-Behörden in der kanadischen Arktis unterwegs, um das Leben der Ureinwohner zu studieren – und nebenbei ein paar Felle zu handeln. Er heißt Clarence Birdseye.

Stünde diese Geschichte in einer englischen Zeitung, würden die Leser jetzt stutzen: Birdseye? Captain Birdseye? Denn so heißt auf dem britischen Markt die Werbefigur, die auf Deutsch als Käpt'n Iglo über die Weltmeere schippert und immer neue Abenteuer erlebt. Im Polarmeer zum Beispiel.

Tatsächlich heißt der Erfinder der Tiefkühlkost Clarence Birdseye. Ohne Captain. 1886 in Brooklyn, New York, geboren, Biologiestudent. 1910 und 1911 arbeitet er erstmals für die US-Behörden, sammelt im Bitterroot Valley in Montana Hunderte kleiner Säugetiere, um ihr Ungeziefer der Forschung in Sachen Rocky-Mountains-Fleckfieber zuzuführen.

Dann verschlägt es Birdseye in den hohen Norden, nach Labrador. Die Inuit nehmen ihn zum Eisfischen mit. Der neugierige Forscher stellt fest, dass die gefangenen Fische bei den eisigen Temperaturen von minus 40 Grad Celsius sofort frieren – und nach dem Auftauen frisch schmecken, viel frischer als der gekühlte Fisch, den er aus New York kannte. Diese Erkenntnis macht Birdseye ein paar Jahre später zum Millionär.
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(C) Daniel Oswald