Der Schnee von gestern

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Dichtung, Wahrheit, Welterfolg: Das Nachkriegsdrama So weit die Füße tragen war auch deshalb so beliebt, weil ihm eine wahre Geschichte zugrunde lag. Ein Radiofeature bezweifelt deren Echtheit. [/b]

Der Roman war ein Bestseller, seine Verfilmung zu einer sechsteiligen Fernsehserie ein Straßenfeger. Sie passte perfekt in jene Zeit, diese Geschichte einer Flucht aus russischer Kriegsgefangenschaft und der drei Jahre währenden Odyssee des Wehrmachtssoldaten Clemens Forell bis zur Heimkehr nach München: So weit die Füße tragen, 1955 im Münchner Ehrenwirth Verlag erschienen und 1959 von Fritz Umgelter verfilmt, war der größte Erfolg des Schriftstellers Josef Martin Bauer.

[b]Das Entlastungsbedürfnis der Nachkriegsgesellschaft[/b]

Der Erfolg war auch deshalb so groß, weil Bauers Werk eine vermeintlich wahre Geschichte zugrunde lag. Wie wichtig das Authentische in dieser Art Erlebnisliteratur war, verdeutlichen viele Kritiken über den Roman, die sehr auf die Wahrhaftigkeit der Handlung rekurieren. So weit die Füße tragen hat geholfen, das Entlastungsbedürfnis der Nachkriegsgesellschaft zu stillen. Nun, mehr als ein halbes Jahrhundert später, sät Arthur Dittlmann in seinem hervorragenden Radio-Feature [i]So weit die Füße tragen. Dichtung, Wahrheit und ein Welterfolg[/i] Zweifel an der Echtheit des Abenteuers (Bayern2, Karfreitag, Ostersonntag und -montag, jeweils 12.05Uhr in der Reihe Zeit für Bayern).

Hinter der Romanfigur Clemens Forell verbirgt sich Cornelius Rost, 1919 in Kufstein geboren und vor sowie nach seiner Rückkehr aus dem Krieg bis zum Tod 1983 in München lebend. 1953 hat Rost in der Druckerei von Franz Ehrenwirth gearbeitet; er hatte vor dem Krieg Reproduktionstechniker gelernt. Der Verleger zitierte den Arbeiter zu sich, nachdem dieser zum wiederholten Mal Buchumschläge verdruckt hatte - so erzählt es Martin Ehrenwirth. Rost habe daraufhin eingestanden, farbenblind zu sein. Sein Vater, so Martin Ehrenwirth gegenüber Dittlmann, habe nachgebohrt, wie das seine Art gewesen sei, wenn ihn jemand interessierte. Also habe Cornelius Rost ihm von seiner Arbeit in einem Bleibergwerk während der Kriegsgefangenschaft erzählt und auf welchem beschwerlichen Irrweg er in die Heimat zurückgekehrt sei.
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Sexueller Missbrauch in DDR-Jugendheimen

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Heidemarie Puls galt als schwer erziehbar, und landete auf einem Jugendwerkhof. Dort wurde sie über Monate missbraucht. Es könnte einer von vielen Fällen in der DDR sein.[/b]

Immer durchzuckt sie diese Angst, wenn der Erzieher in den Gruppenraum tritt, in barschem Ton ihren Namen ruft und den militärischen Befehl hinzufügt: "Raustreten". Heidemarie ist 16 Jahre alt. Sie wird in eine der Arrestzellen geführt. Sie weiß, was kommen wird, aber sie hat keine Chance, sich dagegen zu wehren. Sie ist hier im Geschlossenen Jugendwerkhof in Torgau an der Elbe gelandet, weil sie immer wieder versucht hat, aus der Hölle ihres Kinderheimes im mecklenburgischen Waren an der Müritz auszubrechen. Nun ist sie an der Endstation des Erziehungssystems der DDR angelangt. Ohne ein Gerichtsverfahren, ohne ein Urteil, fremdbestimmt vom Willen der staatlichen "Jugendhilfe".
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Jetzt werden alle reich

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Der Mann, der vor 300 Jahren in Paris den modernen Kapitalismus erfand: Das Lebensabenteuer des John Law und das Schicksal seiner »Banque Royale«.


[img]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2010-03/john-law-bankier/john-law-bankier-540x304.jpg[/img]
Diese Zeichnung von circa 1720 zeigt den schottischen Bankier und Nationalökonom John Law

Der Mann, der den modernen Kapitalismus erfand, war ein Mörder. Er war auch ein Spieler, ein Gefängnisausbrecher, ein Frauenheld. Und natürlich war er ein Geschäftsmann. Vor allem aber war er ein Mensch, der sich seine eigenen Maßstäbe setzte und den es wenig kümmerte, was andere davon hielten. Wahrscheinlich musste das so sein. Wahrscheinlich hätte er sonst nie diesen verrückten Gedanken gehabt.
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Unser nützlichster Verräter

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Damit Jesus zum Heiland werden kann, muss Judas ihn verraten. Porträt einer tragischen Figur.[/b]

Es gibt eine merkwürdige Legende um Leonardo da Vincis Abendmahl, eine jener Geschichten, die immer wieder erzählt werden, obwohl ihr Ursprung im Ungewissen liegt: Als da Vinci am Ende des 15. Jahrhunderts sein berühmtes Abendmahl an die Wand der Mailänder Kirche Santa Maria delle Grazie malt, sucht er dreizehn Gesichter, die Jesus mit seinen zwölf Gefährten darstellen könnten. Er lässt sich von den Physiognomien verschiedener Mailänder Bürger inspirieren und porträtiert sie einen nach dem anderen: als Petrus, als Johannes, als Jakobus und so weiter. Zuletzt fehlen am langen Tisch nur noch zwei Köpfe: der des Verräters Judas und der des Erlösers Jesus. Letzteren findet da Vinci schließlich in einem jungen Mann, aus dessen Antlitz eine durchscheinende, beinahe jenseitige Reinheit leuchtet. Der sitzt ihm Modell und wird als todgeweihter Christus verewigt, das Haupt leicht geneigt, die Augen gesenkt.
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Fehlt bloß noch Judas. Der Künstler sucht und sucht, erblickt aber nirgendwo eine Visage, in der sich die Zerrissenheit und Verworfenheit der Verräterseele eindrucksvoll genug gespiegelt hätte. Deshalb bleibt die Figur des Judas im Fresko für viele Jahre gesichtslos. Und plötzlich stößt da Vinci auf seinen Judas: Es ist ein Mailänder mittleren Alters mit zerquälten Zügen und Augen, die nichts mehr erwarten. Auch dieser Mann sitzt da Vinci bereitwillig Modell. Und der malt ihn hinein in den Kreis der aufgebrachten Jünger, die gerade erfahren haben, dass einer von ihnen den Meister verraten wird. Malt ihn mit abgewandtem und verschattetem Gesicht.

Als sein Porträt fertig ist, richtet der Judas das Wort an den Künstler: »Du hast mich nicht zum ersten Mal gemalt, ich habe dir vor langer Zeit schon einmal Modell gesessen.«
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Das Parkhaus muss warten

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In einer Baugrube in der Zürcher Innenstadt wird eine riesige Pfahlbausiedlung ausgegraben. Findet man hier die ersten Tresore der Ur-Zürcher?[/b]

Man kann diesen Artikel auch als Stellenanzeige lesen: Die archäologische Abteilung der Stadt Zürich sucht vom kommenden Mai an vierzig Ausgräber. Der Arbeitsort liegt im Zentrum der Stadt, attraktiv zwischen Oper, Seeufer und der Einkaufsmeile beim Bahnhof Stadelhofen. Interessierte müssen sich aber beeilen, denn die Nachfrage ist groß, sagt Ursula Hügi, Archäologin bei der Stadt Zürich: »Wir haben sehr, sehr viele Anfragen.«
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Die Kannibalen von Herxheim: Mordermittlung an Opfern aus der Steinzeit

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Ritualmorde in der Jungsteinzeit? Spektakuläre Knochen- und Keramikfunde geben Archäologen immer neue Rätsel auf.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2010-03/kannibalen-pfalz-2/kannibalen-pfalz-2-540x304.jpg[/IMG]
Archäologen werten Spuren in einem 7000 Jahre alten Grab im pfälzischen Herxheim als Zeichen von Massenkannibalismus

Die Arbeit der Archäologin Andrea Zeeb-Lanz gleicht in diesen Tagen der einer Kriminalistin. Für sie geht es um mögliche Ritualmorde, in bis zu 1000 Fällen, begangen vor etwa 7000 Jahren. Bereits im vergangenen Jahr machten die grausigen Knochenfunde aus dem pfälzischen Herxheim Schlagzeilen, denn an den menschlichen Überresten aus der Jungsteinzeit fanden sich zum Teil Beißspuren, wie Zeeb-Lanz und Kollegen damals im Wissenschaftsmagazin Antiquity schrieben. Bis heute sind sich die Forscher nicht einig, ob das ein Hinweis auf klassischen Kannibalismus ist – oder doch eher ein Indiz für steinzeitliche Rituale.
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Kaiser Karl I. bewegt Muri - immer noch

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Eine dem Klostermuseum Muri geschenkte Taschenuhr zeigt, wie tief die Verbundenheit in Muri mit dem Hause Habsburg noch immer ist. Die ehemalige Herrscherdynastie der Habsburger ist hier wieder sehr präsent.

Die goldene Taschenuhr ist schön und kostbar. An einer Auktion könnte sie durchaus einen Preis von 100000 Franken erzielen. Denn sie stammt von Kaiser Karl I., dem letzten Kaiser Österreichs.

Doch die mit Brillanten besetzte und rot vergoldete Uhr wird an keiner Auktion zu kaufen sein. Sie hat nach einer abenteuerlichen Geschichte ihren neuen Platz gefunden: Ab sofort ist sie im Klostermuseum Muri zu bewundern; ein Geschenk an die Sammlung Murensia. Geschenkt hat sie der Murianer Gerhard Huwiler. Und der wiederum hat sie von seinem Grossonkel Fritz Huwiler geerbt, der die Uhr im Jahre 1921 von Kaiser Karl erhalten hat. Als Dank für die Dienste als Fluchthelfer. Auch wenn das niemand so deutlich sagen mag.
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Wissenschaft geht durch die Nase: Geschichte des Parfums

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In der selbsternannten Welthauptstadt des Parfums, Grasse, werden Düfte noch in Handarbeit hergestellt. Doch was passiert eigentlich bei Destillation und Enfleurage?[/b]

Es ist der Zauber der Provence, der einen schnell in seinen Bann zieht: Das Blau des Meeres wetteifert mit dem des Himmels, von Platanen beschattete Dorfplätze und Häuser leuchten im warmen Licht des Südens. Über allem schwebt ein Duft von Lavendel, Jasmin, Rosen, Orangenblüten und Mimosen.

Zwischen Rhonetal und Italien im Südosten Frankreichs gelegen, findet sich hier nicht nur eine der bekanntesten Urlaubsregionen Frankreichs, sondern auch die 40.000 Einwohner zählende "Weltstadt des Parfums", Grasse. Rund 30 Kilometer im Hinterland der Côte d´Azur, konservieren eine Handvoll alteingesessener Firmen den flüchtigen Schatz Südfrankreichs, und schaffen es, mit immer neuen Kreationen nicht nur die Damenwelt stets aus Neue zu entzücken. Auch das berühmte Chanel No.5 wurde in Grasse komponiert. Neben der Parfumherstellung werden hier auch Geschmacksstoffe und Aromen für die Nahrungsmittelindustrie entwickelt.

"Schon seit 1747 kreiert unser Familienunternehmen ein einzigartiges Sortiment an Düften", erläutert Karine de Azevedo, die bei Galimard arbeitet, dem ältesten Parfumbetriebs Frankreichs. Als Vorsitzender der Vereinigung der Handschuhmacher und Parfümeure belieferte der Firmengründer Jean de Galimard bereits im 18. Jahrhundert den Hof Ludwigs des XV. in Versailles mit Olivenöl, Pomaden und Parfums, deren erste Formeln er in Grasse erdachte. Seit damals hat sich an den Herstellungsmethoden und Qualitätsstandards nur wenig geändert.
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Das verbotene Buch

News in Das Dritte Reich 40 Kommentare »
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Ein Gespräch mit der Wiener Historikerin Brigitte Hamann über Adolf Hitlers bizarre Bekenntnisschrift und den Plan, sie neu zu edieren.[/b]

[b]DIE ZEIT[/b]: Frau Hamann, für Ihr Buch Hitlers Wien haben Sie sich durch Mein Kampf gekämpft. Kann man das Buch heute noch lesen?

[b]Brigitte Hamann[/b]: Ich kenne niemanden, der es komplett geschafft hat. Es ist unerträglich und schrecklich langweilig...
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Revolution und Weltuntergang – die Mythen um Islands Vulkane

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Der Vulkanausbruch am Eyjafjalla-Gletscher ruft Erinnerungen wach: Eruptionen auf Island verdunkelten 1783 den Himmel über Europa. Mythen darum halten sich bis heute.[/b]

Im Jahr 1783 erlebte Island eine Naturkatastrophe, die auf der gesamten nördlichen Hemisphäre Spuren hinterließ. Damals brach der Vulkan Lakagígar im Süden der Insel aus. Monatelang floss Lava aus mehr als 100 Kratern in der Laki-Spalte. Gleichzeitig spuckten die Krater Asche – eine verhängnisvolle Mischung aus Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Schwefel und anderen hochgiftigen Stoffen. Wochenlang verdunkelten Aerosole in der Troposphäre den Himmel – nicht nur auf Island, sondern auch auf dem europäischen Festland.

Auf Island wurde die Ernte durch die vergifteten Niederschläge weitgehend vernichtet. Große Teile des Viehbestandes verendeten qualvoll. So wurde ein Kreislauf in Gang gesetzt, der etwa 10.000 Menschen in den zwei folgenden Jahren das Leben kostete. Die "Nebelhungersnot" hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der Isländer eingebrannt.
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Neu entdeckter Hominide schließt eine Lücke der Evolution

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In Südafrika haben Forscher zwei Skelette einer neuen Menschenart entdeckt. Australopithecus sediba könnte ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen Affe und Mensch sein.


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Der Schädel des Hominiden Australopithecus sediba, der in einer südafrikanischen Höhle gefunden wurde

Es ist eine Landschaft, die das Auge entzückt: bis zum Horizont reichende Wiesen neben schroffen Abhängen und vereinzelten Bäumen. Was jedoch Forscher an der südafrikanischen Region Sterkfontein begeistert, liegt unter der Erde – und das seit Jahrmillionen.
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Hier in den Malapa-Höhlen fanden Paläoanthropologen gut erhaltene Überreste einer bisher unbekannten Menschenart. Und nicht nur das. Ihr Fund gilt in Fachkreisen als Sensation: Denn Australopithecus sediba – so nannten die Forscher die neue Art – trägt sowohl Merkmale des affenähnlichen Australopithecus africanus sowie des Homo habilis, der bereits zu den frühen Menschen zählt. Vielleicht ist die jetzt entdeckte Art sogar ein direkter Vorfahre des Homo erectus.
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Zum Beispiel die Franks

News in Judentum | Israel | Naher Osten 5 Kommentare »
[b]Mirjam Pressler erzählt vom Schicksal der deutschen Juden von der Emanzipation bis zu Vernichtung und Weiterleben.[/b]

Anne, das jüdische Mädchen aus Frankfurt am Main, das im Konzentrationslager Bergen-Belsen kurz vor Kriegsende verhungern musste, hat mit ihrem posthum publizierten Tagebuch Geschichte gemacht. Lange vor den großen NS-Prozessen, den Fernsehdokumentationen und Dokumentarfilmen hat ihr Schicksal Anteilnahme und Mitleid erweckt – ihr Tagebuch stellt ein [i]document humain[/i] ersten Ranges dar.

Das liegt vor allem daran, dass es diesem nach übereinkommender Auskunft »frühreifen« Mädchen gelungen ist, dem Leiden der europäischen Juden ein menschliches Antlitz zu geben: Anders als Schilderungen vom Vegetieren in den Lagern, auf Latrinen und zwischen Stacheldrahtverhauen eignete dem Versteck der Familie Frank in der Prinsengracht bei aller Enge beinahe etwas Heimeliges, Überschaubares, eine Stimmung, in die man sich einfühlen kann. Dafür war nicht zuletzt Anne Franks luzide und anschauliche Sprache verantwortlich, die durch die Übersetzung in andere europäische Sprachen nichts von ihrer Lebendigkeit verloren hat.

Doch entspringt die Sprachbegabung eines jungen Mädchens nicht aus dem Nichts: Anne entstammt einer Familie, in der Sprache und Sprechen, Lesen, Dichten und Schreiben integraler Teil des Lebens waren. Das lässt sich der Monografie »Grüße und Küsse an alle«. Die Geschichte der Familie von Anne Frank entnehmen, die Mirjam Pressler vorlegt. Sie hat Anne Franks Tagebuch aus dem Niederländischen ins Deutsche übertragen und ihr eine Biografie gewidmet.

Presslers in luzider, auch Jugendlichen zugänglicher Prosa gehaltener Bericht öffnet den Blick auf eine weitgehend vergessene Welt: den Lebens- und Erfahrungsraum des deutschen, mehr oder minder assimilierten bürgerlichen Judentums, das – seiner religiösen Ursprünge zwar durchaus noch bewusst – in der deutschen, der deutschsprachigen Kultur seine Erfüllung zu finden wähnte. Aus den Ghettos, etwa dem der Frankfurter Judengasse, befreit, nahmen diese seit Jahrhunderten in den deutschen Ländern ansässigen jüdischen Familien mit Disziplin, Lerneifer und Liebe zur deutschen Kultur ihren Weg in die Gesellschaft.
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Die Tränen der Erinnerung

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Die Geschichtswissenschaft sucht zur Geschichte einen anderen Zugang als das – kollektive – Gedächtnis oder die Vergangenheitspolitik. Die Spannung zwischen den beiden Weisen der Erinnerung kann, sie muss aber nicht zu Konflikten führen.
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Reliquien-Funde in Müstair

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Restauratoren haben in der Heiligkreuzkapelle des Klosters St. Johann in Müstair den Altar geöffnet und ein Glas mit Reliquien Christi entnommen. Anfang Mai soll das blaugrüne Glas in der Klosterkirche feierlich geöffnet werden.

Im Klosterarchiv befindet sich eine Abschrift, welche die Reliquien auflistet und ihre Authentizität bezeugt. Laut diesem am 2. August 1502 datierten Schriftstück enthält das Gefäss von der Grösse eines Marmeladenglases einen Splitter aus Christi Kreuz, eine Dorne seiner Dornenkrone sowie Reliquien von Johannes dem Täufer und weiterer Heiliger.

Alle Reliquien sind in winzige Stoffbündel verpackt. Die Restauratoren wollen den Stoff untersuchen, um herauszufinden, wann die Reliquien ins Kloster gebracht wurden. Die Reliquien selber sollen nicht ausgepackt werden.

Es wird vermutet, dass die Reliquien bereits im 8. Jahrhundert zur Zeit Karls des Grossen im originalen Altar der Kapelle Platz gefunden hatten, 1502 neu verpackt und bei der Neuweihe wieder in den Altar eingemauert wurden.

In der Heiligkreuzkapelle wird seit einigen Jahren restauriert und geforscht. Die Restauratoren haben die Gelegenheit genutzt, um das Reliquienglas im Altar zu suchen, wie das Kloster mitteilte. Dass sich das mit einem Wachsdeckel und einem Siegel verschlossene Glas im Altar befand, war ihnen bekannt, nicht aber seine genaue Lage.
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Mit Fridolin auf der Näfelser Fahrt

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Die Näfelser Fahrt ist der höchste Feiertag im Kanton Glarus. Dann gedenkt man der Schlacht von Näfels von 1388, als die Glarner die Habsburger besiegten. – Das Protokoll einer altehrwürdigen Tradition.
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"Winston ist zurück"

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Im Frühjahr 1940 wurde Winston Churchill britischer Premierminister. Hitler hatte seinen Meister gefunden.


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September 1940: Der britische Premier Winston Churchill inspiziert die Schäden der Bombenangriffe auf London

Ich fühlte mich, als ob die Vorhersehung mich begleitet hätte und mein ganzes bisheriges Leben nur eine Vorbereitung auf diese eine Stunde und diese Prüfung gewesen wäre.« So erinnerte sich Winston Churchill später an jenen Nachmittag des 10. Mai 1940, an dem er zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ernannt worden war.

Die Prüfung, vor die er sich und das Land gestellt sah, sollte eine lange und schwere sein – und augenblicklich beginnen. Nur wenige Stunden zuvor, am frühen Morgen desselben Tages, hatte Adolf Hitler den Westfeldzug eröffnet. Sechs Wochen später standen deutsche Truppen in Paris, und Englands Armee sah sich am Strand von Dünkirchen eingeschlossen. Durch Hitlers triumphalen Sieg in Westeuropa war das Königreich auf einmal von einem beängstigenden Gegner bedroht, der keine zwanzig Meilen entfernt am anderen Ufer des Ärmelkanals stand. Militärische oder nennenswerte materielle Unterstützung der Vereinigten Staaten war nicht in Aussicht. Vom britischen Empire durfte man keine praktische Hilfe erwarten. Und die deutsche Invasion schien unmittelbar bevorzustehen.
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Heimat ohne Grenzen

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Während die Berliner Vertriebenen-Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung von einer Krise in die nächste taumelt, macht sich das Europäische Netzwerk Erinnerung und Solidarität in Warschau an die Arbeit.


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"Keinen Dichter ließ noch seine Heimat los" – Erinnerung an Joseph von Eichendorff in der Schlossruine von Lubowitz in Schlesien

Lang genug hat sich das große Geschichtsprojekt dahingequält. Seit kurzem jedoch lebt das Europäische Netzwerk Erinnerung und Solidarität auf, jetzt kommt Schwung in das Unternehmen. Mit seiner Organisationszentrale mitten in Warschau, in der ulica Zielna 39, mit polnischen und deutschen Mitarbeitern sowie den Vorsitzenden des Stiftungsrates, Andrzej Przewoźnik und dem deutschen Historiker Matthias Weber.

Noch klingen sie ein bisschen abstrakt, all diese Formeln von der »grenzüberschreitenden Aufarbeitung der Geschichte«, den »beiden Totalitarismen des 20. Jahrhunderts« oder der »europäischen Freiheitsgeschichte jenseits des Eisernen Vorhangs«. Aber das ändert sich nun. Neben den Polen und Deutschen sind die Slowaken und Ungarn dabei, die Tschechen sitzen mit im Kuratorium und kommen wohl Ende des Jahres an Bord, Österreich würde dann folgen und das Baltikum.
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Den Kriegern folgten die Beamten

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Wenn ein Häuptling zu viel Land besitzt, um es an einem Tag selbst zu durchqueren, braucht er einen Verwalter. Ist so die Bürokratie entstanden?

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In Monte Albán im heutigen Mexiko bildeten sich schon im ersten Jahrtausend vor Christus staatliche Strukturen.

Unter welchen Bedingungen sind einst die ersten Staaten entstanden? An dieser Frage arbeiten Anthropologen seit vielen Jahren. Charles Spencer vom American Museum of Natural History in New York bietet nun eine Erklärung an, die sich auf folgende Formel reduzieren lässt:

Wenn ein Häuptling mehr Land unterworfen hatte, als er an einem Tag durchschreiten konnte, zwang ihn dies, eine Verwaltung und damit staatliche Strukturen zu schaffen.
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"Houston, wir haben ein Problem"

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Vor 40 Jahren scheiterte die Mondmission Apollo 13. Bis heute sind James Lovell, John Swigert und Fred Haise die Menschen, die am weitesten von der Erde entfernt waren.[/b]

[img]http://images.zeit.de/wissen/umwelt/2010-04/bg-apollo-bilder/Apollo13Test-540x304.jpg[/img]

Zwei Sätze prägen das Apollo-Raumfahrtprogramm. Einer handelt von kleinen Schritten und großen Sprüngen, stammt von Neil Armstrong und markiert den spektakulärsten Erfolg des Programms: die erste Mondlandung. Der andere fällt ein knappes Jahr später: "Houston, wir haben ein Problem."
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Benedikt gab es nicht

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Der »Vater des Abendlandes« ist nur eine Kunstfigur des Mittelalters. Das behauptet der Frankfurter Historiker Johannes Fried.[/b]

[b]DIE ZEIT[/b]: Benedikt von Nursia ist einer der wichtigsten Heiligen der Kirche, er wird verehrt als Vater des Abendlandes, der Papst trägt seinen Namen. Und diesen Mann soll es nicht gegeben haben?
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[b]Johannes Fried[/b]: Ja, das vermute ich. Auch wenn meine These heftig bestritten wird. Es gibt viele Kollegen, die überzeugt sind, Benedikt sei eine reale Gestalt. Er soll von etwa 480 bis 547 in Italien gelebt haben. Ich aber bin der Meinung, dass er eine Art Kunstfigur ist. Eine Kunstfigur, an die man sich wie an eine historische Gestalt erinnert. Oder um es im Vokabular der Neurowissenschaften zu formulieren: Benedikt, die ganze Benedikt-Legende, ist ein Implantat im kollektiven Gedächtnis.

[b]DIE ZEIT[/b]: Was lässt Sie das vermuten?

[b]Johannes Fried[/b]: 1995 stieß ich auf eine Veröffentlichung des britischen Historikers Francis Clark. Er versuchte nachzuweisen, dass die berühmten Dialoge Papst Gregors des Großen, in denen unter anderem erstmals der Sinn des Fegefeuers genauer definiert wird, eine Fälschung seien, erst lange nach Gregors Tod 604 verfasst. In diesen Dialogen aber befindet sich auch die einzige Beschreibung von Benedikts Leben, es gibt kein anderes Zeugnis seiner Existenz. Damit lag der Gedanke nah: Wenn diese Quelle falsch ist – dann ist womöglich auch Benedikt eine »Fälschung«.

[b]DIE ZEIT[/b]: Und? Sind die Dialoge gefälscht?

[b]Johannes Fried[/b]: Es spricht vieles dafür, dass sie erst nach 604 verfasst wurden. Im Stil unterscheiden sie sich deutlich von anderen Schriften Gregors. Vielleicht basieren sie auf realen Gesprächen, die der Papst mit Gelehrten an seinem Hof geführt hat. Doch zu der Unsicherheit über die Entstehung der Dialoge und damit der Benedikt-Legende kommt noch etwas anderes. Und das ist der Duktus des Textes. Er deutet kaum auf eine reale Person hin.

[b]DIE ZEIT[/b]: Warum? Ist es ein Märchenton?
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Der Fall Vera Brühne: Deutschlands berühmtester Justizskandal

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Zwei Leichen in einer Villa am Starnberger See. Waffenhandel. Geheimdienst. Schmiergeld. Der Mord an Otto Praun und Elfriede Kloo vor 50 Jahren gibt bis heute Rätsel auf.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2010-04/vera-bruehne-gericht/vera-bruehne-gericht-540x304.jpg[/IMG]
Das Archivbild zeigt Vera Brühne 1962 mit ihrem Verteidiger Franz Moser im Gerichtssaal in München

Am Morgen des Dienstags nach Ostern, 19. April 1960, kommt Otto Praun nicht in seine Praxis. Die Sprechstundenhilfe des Gynäkologen, Renate M., ruft ihn in seiner Villa in Pöcking an; er nimmt nicht ab. Abends fährt sie an den Starnberger See. Im Keller liegen zwei Leichen: Dr. Praun und Elfriede Kloo, seine Haushälterin, womöglich Geliebte.

Eine Pistole liegt neben beiden. Die Polizei glaubt, Praun habe Elfriede Kloo und sich selbst erschossen. Auch Prauns Sohn Günther geht von einem "erweiterten Suizid" aus. Das sagt er Vera Brühne, als er sie in Bonn anruft, wo sie ihre kranke Mutter besucht.

Die 1,78 Meter große, schlanke, elegante Blondine ist ein gefundenes Fressen für die Boulevard-Presse der biederen Adenauer-Republik. Die Blätter beschreiben sie als geldgierige "Lebedame". In der Tat begleitet Brühne oft großzügige Herren, aber Nachbarn bezeugen, nie habe einer bei ihr übernachtet.

Zurück ins Jahr 1960. Das Testament wird eröffnet. Als Günther Praun hört, dass sein Vater Vera Brühne lebenslanges Wohnrecht in der spanischen Villa in Lloret vermacht, wird er misstrauisch. Er lässt die Leichen exhumieren. Ein Gerichtsmediziner entdeckt in Prauns Schädel eine zweite Kugel – Suizid unwahrscheinlich.
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Der Feind meines Feindes

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Israel und Iran sind erbitterte Gegner. Dabei waren sie bis in die achtziger Jahre hinein Verbündete. Die Geschichte einer seltsamen Freundschaft.[/b]

Am 18. Juli 1977 reist General Hasan Toufanian nach Israel. Irans stellvertretender Verteidigungsminister trifft sich mit Israels legendärem Militärchef Mosche Dajan und mit Ezer Weizmann, dem Außenminister und späteren Präsidenten. Es geht um gemeinsame Rüstungsvorhaben. Eines davon ist das Projekt Flower: die Weiterentwicklung einer israelischen Antischiffsrakete. Auch möchte der Abgesandte des Schahs von Persien gern über U-Boot-Raketen sprechen: Iran ist besorgt über Indiens und Pakistans atomare Raketenrüstung. General Toufanian hat bereits einen Test von Israels nuklearwaffenfähiger Langstreckenrakete Jericho beobachten dürfen, er war begeistert. Das Interesse an dieser Technik ist entsprechend groß.

Das Flower-Geschäft kommt zustande. Als Anzahlung liefert Iran ein Jahr später, 1978, Öl im Wert von 280 Millionen Dollar an Israel. Experten beider Länder beginnen mit dem Aufbau einer Raketenfabrik in der Nähe von Sirdschan im südlichen Iran und einer Testanlage bei Rafsandschan. Als im Februar 1979 die Islamische Revolution das Regime von Schah Mohammed Reza Pahlevi stürzt, bedeutet das auch das Ende von Flower. Die israelischen Ingenieure werden ausgeflogen, die Pläne und Blaupausen der Waffensysteme mit einem stark geschützten diplomatischen Kurier nach Israel zurückgebracht.

Und dennoch: Selbst nach der Machtergreifung durch das Mullahregime ging die iranisch-israelische Zusammenarbeit nach kurzer Pause weiter. Als im September 1980 der Iran-Irak-Krieg begann, stand Israel wieder an der Seite der Iraner.
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In Himmlers Reich

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Auf der Wewelsburg bei Paderborn wurde Deutschlands erstes Museum zur Geschichte der SS eröffnet.[/b]

Vom 12. bis 15. Juni 1941, nur wenige Tage vor Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion, versammelte Reichsführer-SS Heinrich Himmler seine wichtigsten Mitarbeiter zu einer Besprechung auf der Wewelsburg.

Das ehemalige fürstbischöfliche Residenzschloss zwanzig Kilometer südlich von Paderborn befand sich seit 1934 im Besitz der SS. Zwei Fotos haben sich erhalten. Sie zeigen fröhliche Gesichter, eine aufgeräumte Gesellschaft. Es galt, sich auf den bevorstehenden Vernichtungskrieg einzustimmen und jedem seine Aufgabe zuzuweisen. Dabei ging es nicht nur um die Ermordung der Juden, sondern auch um die »Behandlung« der »slawischen Untermenschen«. Während des Treffens, so sagte einer der Teilnehmer 1946 in Nürnberg aus, habe Himmler die »Dezimierung der slawischen Bevölkerung um dreißig Millionen« angekündigt.

Man hätte für ein Museum zur Geschichte der SS keinen besseren Ort finden können. Denn in dem Schloss sollte nach den Plänen Himmlers eine zentrale Kult- und Versammlungsstätte für die höheren SS-Führer entstehen. Dass das imposante Gemäuer mit dem ungewöhnlichen dreieckigen Grundriss im Herzen des alten »Sachsenlandes« liegt, mit den sagenumwobenen Externsteine und dem Detmolder Hermannsdenkmal, erhöhte für den Germanenschwärmer und Heinrich-I.-Bewunderer Himmler die Attraktivität des Platzes.
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Ein verhängnisvoller Brief

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[b]Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren SS-Mann Erich Steidtmann - er soll an Massakern im besetzten Polen beteiligt gewesen sein. [/b]

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat aufgrund von Recherchen des Süddeutsche Zeitung Magazins Ermittlungen gegen einen ehemaligen SS-Hauptsturmführer wieder aufgenommen. Der 95 Jahre alte Erich Steidtmann steht im Verdacht, als Hauptmann der Polizei mit einer ihm unterstellten Kompanie im Herbst 1943 an zwei Massenerschießungen von Juden beteiligt gewesen zu sein.

Bei den Massakern im Raum Lublin im besetzten Polen wurden etwa 30.500 Menschen ermordet. Außerdem gab das Simon-Wiesenthal-Center bekannt, Steidtmann an diesem Donnerstag auf die Liste der meistgesuchten Naziverbrecher weltweit zu setzen.

Gegen Erich Steidtmann wurde schon in den sechziger und siebziger Jahren ermittelt, allerdings wurde das Verfahren 1974 mangels Beweisen eingestellt. 2007 lenkte er dann den Blick der Öffentlichkeit selbst noch einmal auf seine Rolle im Dritten Reich: Damals klagte er gegen die Autobiografie der ehemaligen Gestapo-Sekretärin Lisl Urban, die in ihrem Buch von einer Liebesbeziehung mit einem SS-Offizier schrieb.
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Weg ist weg

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1627 wurde der Auerochse ausgerottet. Seit Jahrzehnten versucht man ihn "zurückzuzüchten" – vergeblich. Ein Beispiel, das zeigt, was beim rasenden Verlust unserer Artenvielfalt auf dem Spiel steht.[/b]

[img]http://images.zeit.de/wissen/umwelt/2010-04/auerochse-zucht/auerochse-zucht-540x304.jpg[/img]
Ein nachgezüchteter Auerochsbulle auf den Ilkerbruchwiesen bei Wolfsburg

Dunkle, archaische Gestalten blicken den Besucher an. Ihre kräftigen Hörner zeigen nach vorne, scheinen auf den Betrachter zu zielen. Sieht man sie zum ersten Mal, denkt man sofort an die schnaubenden [i]toros[/i] in der spanischen Arena. Dabei grasen sie vollkommen friedlich in der Spreeaue zehn Kilometer nördlich von Cottbus. Im Vordergrund stehen die beiden Stiere, bemuskelt wie die Klitschkobrüder, den mächtigen Schädel von ein paar Locken umspielt. Aus den Augen blitzt eine kräftige Dosis Testosteron. »Das macht die regelmäßige sexuelle Aktivität«, sagt Wolfram Hotzler, Geschäftsführer der Auerochsenreservat Spreeaue GmbH, dem die Herde gehört.

Man sieht den Tieren das Alter der Art nicht an. Doch sie ist Tausende Jahre alt – zumindest sind es einige Gensequenzen des Erbguts. Hier grast auf deutscher Au die Kopie des einst größten Landsäugetieres Europas: Bos primigenius, der Auerochse oder Ur. Er war der mächtige Herrscher der Wiesen und Wälder, Inbild der Kraft und der Wildheit, bis zu einer Tonne schwer, mit fast zwei Metern Stockmaß und gewaltigen Hörnern von bis zu achtzig Zentimetern Länge. Der Stammvater unserer Hausrinder.

Die Cottbusser Nachfahren der Ure sind ein wenig kleiner, aber immer noch Ehrfurcht gebietend. 40 Tiere leben hier auf 52 Hektar Weideland, zwischen Birken- und Kiefernwäldchen. Die Herde ist bildschön und hat doch ein Identitätsproblem. Eigentlich sind dies gar keine Auerochsen, sondern nur Aueroxen, so heißt die neue Kompromissvokabel. Sie liegen irgendwo in der Mitte zwischen Original und Fälschung. Manche nennen sie auch einfach Heck-Rinder.
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Erstmals alle Notizen von Anne Frank wieder vereint

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Zum ersten Mal sind jetzt sämtliche Tagebuchaufzeichnungen von Anne Frank wieder dort vereint, wo sie sie geschrieben hat. Sie werden in einem eigens eingerichteten Tagebuchsaal des Amsterdamer Anne-Frank-Hauses ausgestellt.
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(C) Daniel Oswald