Apr 01
Der Schnee von gestern
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Dichtung, Wahrheit, Welterfolg: Das Nachkriegsdrama So weit die Füße tragen war auch deshalb so beliebt, weil ihm eine wahre Geschichte zugrunde lag. Ein Radiofeature bezweifelt deren Echtheit. [/b]
Der Roman war ein Bestseller, seine Verfilmung zu einer sechsteiligen Fernsehserie ein Straßenfeger. Sie passte perfekt in jene Zeit, diese Geschichte einer Flucht aus russischer Kriegsgefangenschaft und der drei Jahre währenden Odyssee des Wehrmachtssoldaten Clemens Forell bis zur Heimkehr nach München: So weit die Füße tragen, 1955 im Münchner Ehrenwirth Verlag erschienen und 1959 von Fritz Umgelter verfilmt, war der größte Erfolg des Schriftstellers Josef Martin Bauer.
[b]Das Entlastungsbedürfnis der Nachkriegsgesellschaft[/b]
Der Erfolg war auch deshalb so groß, weil Bauers Werk eine vermeintlich wahre Geschichte zugrunde lag. Wie wichtig das Authentische in dieser Art Erlebnisliteratur war, verdeutlichen viele Kritiken über den Roman, die sehr auf die Wahrhaftigkeit der Handlung rekurieren. So weit die Füße tragen hat geholfen, das Entlastungsbedürfnis der Nachkriegsgesellschaft zu stillen. Nun, mehr als ein halbes Jahrhundert später, sät Arthur Dittlmann in seinem hervorragenden Radio-Feature [i]So weit die Füße tragen. Dichtung, Wahrheit und ein Welterfolg[/i] Zweifel an der Echtheit des Abenteuers (Bayern2, Karfreitag, Ostersonntag und -montag, jeweils 12.05Uhr in der Reihe Zeit für Bayern).
Hinter der Romanfigur Clemens Forell verbirgt sich Cornelius Rost, 1919 in Kufstein geboren und vor sowie nach seiner Rückkehr aus dem Krieg bis zum Tod 1983 in München lebend. 1953 hat Rost in der Druckerei von Franz Ehrenwirth gearbeitet; er hatte vor dem Krieg Reproduktionstechniker gelernt. Der Verleger zitierte den Arbeiter zu sich, nachdem dieser zum wiederholten Mal Buchumschläge verdruckt hatte - so erzählt es Martin Ehrenwirth. Rost habe daraufhin eingestanden, farbenblind zu sein. Sein Vater, so Martin Ehrenwirth gegenüber Dittlmann, habe nachgebohrt, wie das seine Art gewesen sei, wenn ihn jemand interessierte. Also habe Cornelius Rost ihm von seiner Arbeit in einem Bleibergwerk während der Kriegsgefangenschaft erzählt und auf welchem beschwerlichen Irrweg er in die Heimat zurückgekehrt sei.
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Dichtung, Wahrheit, Welterfolg: Das Nachkriegsdrama So weit die Füße tragen war auch deshalb so beliebt, weil ihm eine wahre Geschichte zugrunde lag. Ein Radiofeature bezweifelt deren Echtheit. [/b]
Der Roman war ein Bestseller, seine Verfilmung zu einer sechsteiligen Fernsehserie ein Straßenfeger. Sie passte perfekt in jene Zeit, diese Geschichte einer Flucht aus russischer Kriegsgefangenschaft und der drei Jahre währenden Odyssee des Wehrmachtssoldaten Clemens Forell bis zur Heimkehr nach München: So weit die Füße tragen, 1955 im Münchner Ehrenwirth Verlag erschienen und 1959 von Fritz Umgelter verfilmt, war der größte Erfolg des Schriftstellers Josef Martin Bauer.
[b]Das Entlastungsbedürfnis der Nachkriegsgesellschaft[/b]
Der Erfolg war auch deshalb so groß, weil Bauers Werk eine vermeintlich wahre Geschichte zugrunde lag. Wie wichtig das Authentische in dieser Art Erlebnisliteratur war, verdeutlichen viele Kritiken über den Roman, die sehr auf die Wahrhaftigkeit der Handlung rekurieren. So weit die Füße tragen hat geholfen, das Entlastungsbedürfnis der Nachkriegsgesellschaft zu stillen. Nun, mehr als ein halbes Jahrhundert später, sät Arthur Dittlmann in seinem hervorragenden Radio-Feature [i]So weit die Füße tragen. Dichtung, Wahrheit und ein Welterfolg[/i] Zweifel an der Echtheit des Abenteuers (Bayern2, Karfreitag, Ostersonntag und -montag, jeweils 12.05Uhr in der Reihe Zeit für Bayern).
Hinter der Romanfigur Clemens Forell verbirgt sich Cornelius Rost, 1919 in Kufstein geboren und vor sowie nach seiner Rückkehr aus dem Krieg bis zum Tod 1983 in München lebend. 1953 hat Rost in der Druckerei von Franz Ehrenwirth gearbeitet; er hatte vor dem Krieg Reproduktionstechniker gelernt. Der Verleger zitierte den Arbeiter zu sich, nachdem dieser zum wiederholten Mal Buchumschläge verdruckt hatte - so erzählt es Martin Ehrenwirth. Rost habe daraufhin eingestanden, farbenblind zu sein. Sein Vater, so Martin Ehrenwirth gegenüber Dittlmann, habe nachgebohrt, wie das seine Art gewesen sei, wenn ihn jemand interessierte. Also habe Cornelius Rost ihm von seiner Arbeit in einem Bleibergwerk während der Kriegsgefangenschaft erzählt und auf welchem beschwerlichen Irrweg er in die Heimat zurückgekehrt sei.
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