Schicksal, Schuld und Gräueltaten

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Populäre Geschichtsschreibung aus dem Geist der Kriegspropaganda: Jürgen Thorwalds ewiger Bestseller »Die große Flucht«[/b]

Es gibt Geschichtsbücher, die selbst Geschichte machen. Das können wissenschaftliche Werke sein. Oft aber sind es populäre Bücher. Besonders gut lässt sich dieses Phänomen in den frühen Jahren der Bundesrepublik beobachten. Von Eugen Kogons aufklärendem Werk Der SS-Staat bis hin zu den unsäglichen Wehrmachtglorifizierungen Paul Carells haben etliche Sachbücher enorme Wirkung entfaltet, ja das ganze Genre des populären historischen Sachbuchs wurde in der Nachkriegszeit zu einem Massenmedium, das Sichtweisen prägte und Vergangenheit »bewältigte«.

Dazu gehört – ein frühes und sehr eindrucksvolles Beispiel – Die große Flucht von Jürgen Thorwald. 1949 und 1950 in zwei Bänden (unter den Titeln Es begann an der Weichsel und Das Ende an der Elbe) im Stuttgarter Steingrüben Verlag erschienen, erlebte das Buch seither mehr als 50 Auflagen. Die Gesamtzahl der verkauften Exemplare lässt sich schwer ermitteln, sie geht wohl auf die halbe Million zu. Die vorerst letzte Ausgabe erschien 2005 bei Knaur in München zum 60. Jahrestag des Kriegsendes mit dem neuen Untertitel Niederlage, Flucht und Vertreibung. Thorwalds Die große Flucht dürfte eins der bekanntesten und wirkungsmächtigsten deutschen Sachbücher zur Zeitgeschichte sein.
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Hinter diesen Mauern

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Wenn du nicht brav bist, kommst du auf den Asperg!« Damit brachte schon manche schwäbische Mutter ihren renitenten Sprössling zur Räson. Weit über die Landesgrenzen Württembergs hinaus galt die Bergveste bei Ludwigsburg als das politische Gefängnis schlechthin. »Demokratenbuckel«, »Freiheitsgrab« oder »Tränenberg« nannte ihn Volkes Stimme. Zu den Häftlingen gehörten im 18. und 19. Jahrhundert Freiheitskämpfer genauso wie in Ungnade gefallene Günstlinge. Später dann, im 20. Jahrhundert, Opfer und Täter des NS-Regimes, in jüngster Zeit gar noch ein Terrorist der RAF.[/b]

Als Staatskerker diente die Festung vom Anfang des 18. Jahrhunderts an, als Württembergs Herren ihr keine militärische Bedeutung mehr beimaßen. Der bekannteste politische Gefangene der frühen Jahre war der im ganzen Reich populäre Journalist, Dichter und Musiker Christian Friedrich Daniel Schubart, der hier von 1777 an für viele Jahre »Frost, Hunger, Höllenangst« erleiden musste.
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Leó Szilárd: Prophet, Vater und Gegner der Bombe

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[b]Als vor genau 65 Jahren die Atombombe auf Hiroshima fiel, war dies der furchtbare Höhepunkt im Leben des Physikers Leó Szilárd. Der in Ungarn geborene Wissenschaftler hatte ihre Entwicklung aus Angst vor den Nazis angestoßen und ihren Einsatz über Japan wie kein anderer bekämpft. [/b]

Die US-Bürger erfuhren aus dem Radio von der Existenz der Atombombe. "Die Kraft, aus der die Sonne ihre Macht bezieht, ist auf diejenigen losgelassen worden, die dem Fernen Osten Krieg brachten. "Mit diesen Worten verkündete der US-Präsident Harry S. Truman am 7. August 1945 der Welt, dass die USA eine Atombombe auf Japan abgeworfen hatten.

Die wenigsten Amerikaner dürften wirklich verstanden haben, was das Ereignis tatsächlich für die Welt bedeuten würde.

Doch einer, der vor den Geräten gesessen und den Nachrichten aus dem Äther gelauscht hatte, wusste es ganz genau. Bis zuletzt hatte Leó Szilárd gehofft, dass es nicht so weit kommen würde. Denn der Kernphysiker fühlte sich mitverantwortlich für die Entwicklung der furchtbarsten Waffe, über die Menschen je verfügt hatten.

Szilárd, und nicht J. Robert Oppenheimer, der Leiter des Manhattan-Projekts, in dessen Rahmen die Bombe entwickelt und gebaut wurde, war der eigentliche Vater der Atombombe. Auf das Engagement des 1898 in Ungarn geborenen Querdenkers Szilárd, lässt sich das ganze Projekt letztlich zurückführen. Und selten dürfte ein Vater seine Kinder so gehasst haben wie Szilárd die Atombomben Little Boy und Fat Man.
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Explosion des Wissens

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Hat Deutschland im 19. Jahrhundert einen industriellen Aufstieg erlebt, weil das Land kein Urheberrecht kannte? Mit dieser Analyse sorgt ein Münchner Wirtschaftshistoriker für Aufsehen.

Das ganze Land befindet sich im Leserausch. Selbst Buchhändlern wird die plötzliche Neigung zur Lektüre unheimlich. Die Deutschen, konstatiert der Literaturkritiker Wolfgang Menzel 1836, seien ein "Volk von Dichtern und Denkern".

"Dieser berühmt gewordene Satz wurde gründlich missverstanden", behauptet nun der Wirtschaftshistoriker Eckhard Höffner, 44. "Er zielte nicht auf die Creme der Literaten wie Goethe oder Schiller, sondern auf die Tatsache, dass in Deutschland eine unvergleichlich große Masse an Lesestoff produziert wurde."

Höffner hat die frühe Blütezeit des Gedruckten hierzulande beleuchtet und kommt zu einem überraschenden Befund: Anders als in den Nachbarländern England und Frankreich habe sich in Deutschland im 19. Jahrhundert eine beispiellose Explosion des Wissens vollzogen.
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Ein neuer Blick auf Pergamon

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Die Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts Friederike Fless erklärt, was man aus der Antike lernen kann.


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Diese Teilrekonstruktion des Pergamonaltars ist auf der Berliner Museumsinsel zu sehen

Frage: Frau Fless, wie öffentlich muss Archäologie sein? Der amtierende Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, Joachim Gehrke, den Sie im April 2011 ablösen, agiert unauffälliger als sein Vorgänger Hermann Parzinger, der mit der aufwendig inszenierten Skythen-Ausstellung Furore machte. Was planen Sie?


Friederike Fless: An solchen großen Ausstellungen muss sich eine Institution wie das DAI einfach beteiligen. Mit meinen Kollegen vomExzellenzcluster Topoi, an dem das DAI ja auch beteiligt ist, bereite ich eine Ausstellung für 2012 vor. Es wird um Raumvorstellungen und Weltkonzepte in der Antike gehen. Joachim Gehrke ist beteiligt an einer großen Schau zu Olympia, die ebenfalls 2012 im Martin-Gropius-Bau zu sehen sein wird.

Frage: Wohin soll es unter Ihrer Leitung für die Archäologie gehen, wollen Sie neue Perspektiven und Gebiete erschließen?
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Geheime Flugstunden in Russland

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1925 übernahm die Reichswehr in der Sowjetunion eine Fliegerschule. Bis 1933 bauten hier Deutsche und Russen gemeinsam ihre Luftwaffen auf.


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Eine Militärmaschine aus den zwanziger Jahren

An einem Apriltag des Jahres 1928 steigt eine Gruppe von Offizieren der Reichswehr am Berliner Bahnhof Zoo in einen Zug nach Moskau. Unter ihnen ist Hans Arens, von Beruf Flieger. Ziel der Reise ist das Städtchen Lipezk, knapp 400 Kilometer südöstlich der sowjetischen Hauptstadt. Die Gruppe reist in Zivil, das Unternehmen ist geheim. Doch bei der Fahrt durch Polen bemerkt Arens, dass er und seine Kameraden unter Beobachtung stehen. Zwei Reisende geben laute Kommentare über die Reichswehr von sich und lassen erkennen, dass sie wissen, worum es geht: um die geheime Ausbildung deutscher Jagdflieger in Russland.
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Späte Gnade für Billy the Kid?

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William H. Bonney alias Billy the Kid gilt als Inbegriff des gesetzlosen Revolverhelden. 129 Jahre nach seinem Tod könnte er nun rehabilitiert werden.[/b]

1881, in einer staubigen dunklen Hütte in Fort Sumner, US-Bundesstaat New Mexico. Es ist kurz vor Mitternacht, als William H. Bonney mit einem Messer in der Hand in Richtung Küche schleicht. "Wer ist da?", fragt er auf Spanisch. Die Antwort wird er nicht mehr hören, nur den Schuss. Ein Stück Blei bohrt sich in Bonneys Herz und löscht sein Leben aus.

So beschreibt die Legende den Tod des Mannes, der als Westernheld Billy the Kid in die Geschichte einging. Er galt als Gesetzloser, Revolverheld und Mörder. Jetzt könnte er begnadigt werden – 129 Jahre nach seinem Tod.

Viele Mythen ranken sich um den Mann, der 1859 in New York auf die Welt gekommen sein soll. Selbst sein richtiger Name ist nicht eindeutig überliefert. 21 Morde soll er begangen haben, geschichtlich nachzuvollziehen sind vier. Mehr als ein Dutzend Kinofilme und unzählige Legenden haben The Kid für Western-Fans dennoch zum Helden gemacht. Sein Leben war aufregend und gilt als Sinnbild für den Wilden Westen. Doch es endete schon mit 21 Jahren.
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Der Mann, der niemals starb

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Berühmt wurde er vor 250 Jahren als Geheimdiplomat in Frankreichs Diensten. Doch der mysteriöse Graf von Saint-Germain war weitaus mehr. Er war Komponist, Alchimist, Unternehmer, Glücksritter. Demnächst tritt er in Hamburg auf – für Frieden und Freiheit.[/b]

Seine diplomatische Laufbahn ist spektakulär, aber kurz – und endet abrupt. Mitten im Siebenjährigen Krieg, zu Beginn des Jahres 1760, reist er im Auftrag des französischen Königs Ludwig XV. in die Niederlande. Er soll bei holländischen Banken die Kredite für Frankreich sichern. So jedenfalls lautet der offizielle Auftrag der inoffiziellen Mission.

Tatsächlich aber ist alles ungleich heikler: Vorbei am Außenminister, dem Herzog von Choiseul, hat Ludwig den eleganten und in vielen Sprachen versierten Emissär, der sich gewöhnlich Graf von Saint-Germain nennt, in den Haag entsandt, um das Terrain für einen Frieden mit den Briten zu sondieren. Das jedenfalls wird später kolportiert. Der Krieg gegen England und Preußen geht bereits ins vierte Jahr, und Ludwig ist des Kampfes müde. Saint-Germain gilt als intimer Kenner der englischen Verhältnisse. Einige Zeit hat er auf den Britischen Inseln gelebt, bevor er in Frankreich die Gunst der Marquise de Pompadour erlangte und damit zum Ohr des Königs fand.
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Sie sind unter uns

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Auch 65 Jahre nach Kriegsende liegen in Deutschland noch Tausende Sprengbomben im Erdreich. Wie gefährlich sind sie?[/b]

Neunzehn Sprengbomben, 116 Stabbrandbomben, 29 Phosphorbrandbomben, 83 Granaten und Geschosse, eine Tellermine, zwei Panzerfäuste, 58 Kilogramm loser Sprengstoff, 23 Handgranaten, zusammen eine Bruttomasse an »Kampfmitteln« von 8,619 Tonnen, das ist die Ausbeute des Kampfmittelräumdienstes – für ein Jahr (2009) in einer einzigen Stadt (Hamburg).

Täglich rücken in Deutschland Räumdienste aus, um Weltkriegsmunition zu bergen. Täglich wird irgendwo eine Straße gesperrt oder ein Wohnviertel evakuiert. Die Meldungen schaffen es meist nur in die Lokalpresse. Wer sie in der Zusammenschau betrachtet, könnte glauben, die unmittelbare Nachkriegszeit sei nie zu Ende gegangen.
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In Lucys kalter Küche

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Begann die Steinzeit viel früher? Forscher fanden Knochen mit Werkzeugspuren aus einer Zeit bevor Menschen der Gattung Homo lebten. Vielleicht muss die Geschichte der Steinzeit nun neu geschrieben werden. [/b]

Als sie sich Lendenstücke, Brust und Bauchlappen des Paarhufers einverleibt hatten, kratzten sie mit scharfen Steinklingen die letzten Fleischfetzen von den Knochen. Doch auch damit war ihr Hunger nach tierischem Eiweiß und Fett nicht gestillt. Sie griffen nach einem wuchtigen Gesteinsbrocken, schlugen die Röhrenknochen entzwei und pulten das nahrhafte Mark heraus.

Die frühen Hominiden, die sich vor möglicherweise dreieinhalb Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Äthiopien zum Tafeln versammelt hatten, aßen gründlich auf. Das belegen die Schnitt- und Schlagspuren an zwei Knochen, die Forscher im Wüstenboden in der Gegend von Dikika gefunden haben.
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Fotos von Verschwundenen

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Während der Militärdiktatur in Argentinien von 1976 bis 1983 verschwanden fast 30.000 Menschen spurlos. Der Fotograf Gustavo Germano gehört zu den Opfern des Staatsterrors. Er verlor seinen ältesten Bruder. Mit seiner Fotoserie zeigt er auf eindrückliche Weise, was mit einer Familie geschieht, aus deren Mitte plötzlich ein Mensch gerissen wird. Germano hat Familienfotos aus den Siebziger Jahren nachfotografiert mit den Menschen, die die Militärdiktatur überlebt haben. Manchmal fehlt ein Familienmitglied, manchmal gleich mehrere.
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Sie wollen die Wahrheit nicht wissen

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Das Schicksal der »gestohlenen Kinder« und der Fall Noble: Wie die Vergangenheit Argentiniens alte Eliten einholt.


Als Ernestina Noble de Herrera 1976 zwei Säuglinge adoptierte, war der genetische Fingerabdruck noch nicht erfunden. Die argentinische Verlegerin ahnte nicht, dass Gerichtsmediziner einige Jahre später mit nur einem Tropfen Blut feststellen könnten, zu welcher Familie ein Kind gehört. Auch wenn die Eltern ermordet wurden und niemand weiß, wo ihre Leichen liegen. Noble nannte die Kinder, ihre künftigen Erben, Marcela und Felipe.

Wenige Monate vor der Adoption hatte eine Militärjunta unter General Jorge Rafael Videla die Macht an sich gerissen. Ernestina Noble de Herrera war die mächtigste Frau im Land und das Flaggschiff ihres Konzerns, die Tageszeitung Clarín, dem Diktator wohlgesinnt. Am 25. März 1976, dem Tag nach dem Putsch, titelte Clarín: »Völlige Normalität. Die Streitkräfte regieren.«

Etwa 30.000 Menschen ließ das Regime in Argentinien zwischen 1976 und 1983 foltern und »verschwinden«. Die Opfer wurden anonym verscharrt oder betäubt aus Flugzeugen über dem Río de la Plata abgeworfen. Für schwangere Häftlinge gab es in den geheimen Foltercamps Kreißsäle, viele der Frauen bekamen ihre Kinder angekettet und mit verbundenen Augen. Die Kinder wurden verkauft, verschenkt oder an Adoptiveltern vermittelt.
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14. August 1660: Kurfürst Friedrich Wilhelm erfindet die Müllabfuhr

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[b]Der Große Kurfürst hatte buchstäblich die Nase voll: In seiner schönen Stadt stank es zum Himmel, und wann immer er vor die Türe trat, lief er Gefahr, seine goldenen Schnallenschuhe mitten in einen der vielen Kothaufen zu setzen.[/b]

Kippten doch seine Untertanen den Inhalt ihrer Nachttöpfe einfach aus dem Fenster. Küchenabfälle landeten ebenfalls in der Gosse, ganz zu schweigen von Pferdeäpfeln, also erließ Friedrich Wilhelm vor 350 Jahren die erste "Brunnen- und Gassenordnung beyder Residenz- und Hauptstädte Berlin und Cölln an der Spree".

Ein Gassenmeister wurde eingestellt, der bimmelnd durch die Straßen zog, um Kehricht und Kot einzusammeln. Voraussetzung für die Einstellung bei der Müllabfuhr anno 1660: der Mann musste "fleißig seyn und sich des Vollsaufens enthalten". Hilfskräfte bekam er auch: Strafgefangene.
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»Bluten wir nicht?«

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Auch in England mussten die Juden lange um Glaubensrecht und Bürgerfreiheit kämpfen. Davon erzählen die Chroniken des Mittelalters genauso wie Shakespeares Dramen.


[I]Kanaph ha’aretz[/I], »Winkel der Erde«, nannten die Juden die Insel jenseits des Ärmelkanals, als der neue Herrscher dort sie rief. Es ist die sehr wörtliche hebräische Übersetzung des französischen Begriffs [I]Angleterre[/I] – zugleich ein Verweis auf Jesaja 11,12, wo prophezeit wird, dass der Tag kommt, an dem der Herr die Verstreuten aus allen vier Winkeln (oder Enden) der Erde versammeln wird.

Der neue Herrscher in [I]Kanaph ha’aretz[/I] ist der Normannenfürst Wilhelm, Wilhelm der Eroberer. 1066 war ihm die Invasion von Frankreich aus geglückt, bei Hastings schlug er das Heer der Sachsen unter ihrem König Harald. Der englische König aus Frankreich will sein Reich von Grund auf neu errichten.

Dazu holt er auch Juden aus Rouen ins Land. Sie haben nur zwei Aufgaben: Sie sollen als Bankiers die Naturalwirtschaft auf Geldwirtschaft umstellen und als Ärzte Kranke heilen. Sie dürfen sich »wie Eigentum des Königs« im ganzen Land frei bewegen, haben vor Gericht Anspruch auf eine paritätisch mit Juden besetzte Geschworenenbank und können ihren Eid nach eigener Formel leisten.

Anfangs geht alles gut.
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«Der Himmel färbte sich purpurrot»

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Die Belagerung Strassburgs durch deutsche Truppen währte vom 12. August 1870 bis zur Kapitulation der französischen Festung am 28. September desselben Jahres. Am 23. August begann ein Bombardement, das bis dato seinesgleichen nicht hatte – und das in die Vorgeschichte des totalen Krieges gehört.
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Taucher bergen 10.000 Jahre altes Skelett

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Zehn Jahrtausende hat der Junge von Chan Hol in seinem nassen Grab gelegen. Jetzt haben Forscher sein Skelett aus einer überfluteten Höhle in Mexiko geborgen - es ist eines der ältesten, die in Amerika gefunden wurden. Es zeigt, dass die Besiedlung des Kontinents wohl anders ablief als gedacht.
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Jäger sein, um nicht Beute zu werden

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Ein Akt des Kolonialismus, von dem man wenig spricht – vor hundert Jahren annektierte Japan Korea

Von 1910 bis 1945 musste Korea die Fremdherrschaft Japans erdulden. Die brutale Okkupation hat das Land später nicht daran gehindert, zu einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt aufzusteigen. Dennoch wiegt die koloniale Schmach schwer in der Psyche der Nation.
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(C) Daniel Oswald