«Modern ist, was schnell modert», meinte einmal der Wiener Kunsthändler Benno Geiger, genialer Entdecker etlicher Gemälde Arcimboldos, erbärmlicher Übersetzer Dantes und Verfasser so giftiger Aperçus, dass er den Opfern seiner Bosheit wie ein neuer Aretino vorkam. Man mag es etwas holprig finden, doch lässt sich kaum treffender als mit Geigers Aperçu zusammenfassen, was seit etwa vierzig Jahren die Geschichte des wissenschaftlichen Bibliothekswesens prägt. Da folgt ein Katalog-Regelwerk dem anderen, ein Format für den elektronischen Datenaustausch dem anderen. Im Wechsel ertönen die Schlachtrufe derjenigen, die für das Konzept des elektronischen Publizierens im «Open Access» werben oder für die Wahrung von Urheberrechten der Autoren streiten. Bald gilt der ungehinderte Zugang zu möglichst vielen Büchern in Freihandaufstellung, bald die Bewahrung der vom Papierzerfall bedrohten Druckwerke als dringlichste Aufgabe. Den immerhin seit über hundert Jahren bewährten Mikrofilm sehen die einen als die sicherste Form der Speicherung alter Dokumente an, andere wollen es mit immer neuen Medien versuchen. Einmal galt die CD-ROM als ideale Speicherform; indes wird ihr Ende seit zwei Dezennien für jedes Jahr einmal als unmittelbar bevorstehend vorausgesagt.
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