Erinnerung an böse Zeit

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Es ist ein guter Tag für Sachsen-Anhalt gewesen, ohne Zweifel. Einer, der die Würde der Nazi-Opfer in den Mittelpunkt rückt und die Position des Landes in dieser Frage deutlich macht: In Prettin an der Elbe ist am Donnerstag nach jahrelangem Ringen endlich eine Gedenkstätte eingeweiht worden, die angemessen an die Häftlinge der Konzentrationslager im Schloss Lichtenburg erinnert.

Allerdings kam keiner der Redner in der eisigen Schlosskirche St. Annen umhin, auch die Widrigkeiten wenigstens anzudeuten, die das Projekt und seine Befürworter jahrelang behindert haben.
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Als Großbritanniens Feministinnen rabiat wurden

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Der Streit um das Frauenwahlrecht wird 1911 gewalttätig: Bei einem Zug zum britischen Parlament schlagen Suffragetten Fenster ein. Brandsätze und Bombenattentate folgen.


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Die britische Frauenrechtlerin und Suffragette Emmeline Pankhurst wird 1914 während einer Demonstration vor dem Buckingham Palast festgenommen.

Großbritannien ist eine alte Demokratie, doch dass Frauen etwas mitzureden haben könnten, darauf kam lange niemand – sie tauchten in Wahlgesetzen gar nicht erst auf. Doch ausgerechnet am Great Reform Act von 1832, der die Wahlkreise neu ordnet und den Kreis der Stimmbürger erweitert, lässt sich ablesen, dass das Frauenwahlrecht denkbar geworden ist: Es wird erstmals ausdrücklich ausgeschlossen.
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Die Herren der Ringe

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Deutsche Konzerne mit Geschichte und Tradition gibt es viele. Doch keiner ist so mythenumweht wie die Firma Krupp, die nächste Woche ihren 200. Gründungstag feiert. Wie aber ist dieser Mythos entstanden?[/b]

Diesem Anfang wohnte ganz gewiss kein Zauber inne. Er war so glanzlos, wie man ihn nur denken kann: Am 20.November 1811 lässt sich der gerade einmal 24-jährige Friedrich Krupp von einem Notar in dem Landstädtchen Essen – das damals zum napoleonischen Großherzogtum Berg gehört– die Gründung einer Gussstahlfabrik bescheinigen. Der junge Krupp ist nicht unbedingt das, was man unter einem angehenden Aufsteiger oder Selfmademan versteht. Im Gegenteil: Die Krupps gehören zu den einflussreichen Familien der kleinen Stadt. Sie sind, im 16. Jahrhundert aus dem Niederländischen zugewandert, erfolgreiche Kaufleute gewesen und haben schon den Bürgermeister gestellt.

Auch war Friedrich Krupps »Gründungsakt« eigentlich ein Neustart, ein zweiter Versuch. Schon 1807 war der Jüngling in die Eisenverarbeitung eingestiegen. Damals hatte ihm seine Großmutter Helene Amalie kurzzeitig die Führung der Gutehoffnungshütte in Oberhausen-Sterkrade übertragen, einer der ersten Eisenhütten an der Ruhr überhaupt. Doch das Werk wurde verkauft; erst nach Großmutters Tod und als Erbe ihres Vermögens gelingt es Friedrich, ein Verfahren für die fabrikmäßige Herstellung von hochwertigem Gussstahl zu entwickeln. Es ist die »Nacherfindung« eines streng gehüteten englischen Verfahrens, Deutschland hinkt technisch noch mächtig hinterher.
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Genial? Schwul? Nazi?

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Zu seinem 300. Geburtstag bewegt Friedrich der Große die Gemüter. Nicht nur in Deutschland: In diesem Gespräch streiten der Historiker Christopher Clark aus Cambridge und sein polnischer Kollege Adam Krzemiński über den Preußenkönig.[/b]

DIE ZEIT: Herr Clark, Herr Krzemiński, der 300. Geburtstag Friedrichs des Großen ist zwar erst am 24. Januar, aber schon jetzt gibt es hierzulande Ausstellungen und Artikelserien zum Thema, und es wachsen die Biografienberge. Welche Assoziationen wecken Preußen und Friedrich der Große denn in Ihren Ländern – in England, in Polen?

Christopher Clark: Ich habe, um mich auf dieses Gespräch vorzubereiten, online in den Protokollen der aktuellen britischen Parlamentsdebatten nach den Wörtern Prussia und Prussianism gesucht. Das gab erstaunlich viele Treffer. In politischen Reden kommt Preußen immer wieder vor, je nach Standpunkt auf unterschiedliche Weise. Für die Linken ist Prussianism ein Schimpfwort. Dann heißt es etwa: »Der Minister ist etwas preußisch vorgegangen.« Er hat also eine Sache einfach oktroyiert. Wenn sich die Tories auf Preußen beziehen, dann eher auf einzelne Episoden der preußischen Geschichte, die sie als eine europäische betrachten und der sie sich durchaus nahe fühlen. Frederick the Great ist für sie eine positive Gestalt. Auch erinnern sie sich gern an die Zeit, in der Preußen und England gemeinsam gegen Napoleon kämpften.

Adam Krzemiński: Entscheidend ist, aus welcher historisch bedingten Rolle heraus man Preußen betrachtet. Im Falle Großbritanniens blickt eine imperiale Großmacht auf eine andere. Ein Pole muss sich entscheiden: Will er sich als Opfer des preußischen Aufstiegs begreifen? Oder will er die Rolle des Siegers einnehmen? Schließlich ist Polen wieder da, Preußen hingegen Geschichte. Aus dieser preußisch-polnischen Verzahnung kann sich allerdings auch eine verlockende Erbschaft ergeben: Die Hälfte des heutigen Polens gehörte bis 1918 zu Preußen. Deswegen habe ich vor einigen Jahren mit dem Titel Preußen, das sind wir – als Erben und Nachfolger – provoziert. Die Nationalkonservativen trumpfen natürlich lieber mit der Opfer-und-Sieger-Geschichte auf und feiern zum Beispiel die große Schlacht von Grunwald 1410, die Schlacht von Tannenberg, wie die Deutschen sie nennen. Damals hat das polnisch-litauische Heer den Deutschen Orden geschlagen. Das soll noch 600 Jahre danach das nationale Selbstwertgefühl heben...


DIE ZEIT: Gibt es in Polen nicht auch ein positives Preußenbild?
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Das Todesspiel der deutschen Militärauswahl

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1942 treten Ukrainer gegen deutsche Besatzer an: ein Duell, das wohl vier Fußballer mit dem Leben bezahlen und das bis heute in der Ukraine präsent ist.[/b]

Das Spiel seines Lebens hat Fritz Walter nicht 1954 in Bern gemacht. Sondern neun Jahre zuvor, der Krieg war gerade zu Ende gegangen, und Walter wartete in einem Gefangenenlager der Roten Armee im rumänischen Mármos-Sziget auf seine Deportation nach Sibirien. Beim gemeinsamen Kick mit den Wachleuten wurden diese auf ihn aufmerksam und erzählten dem fußballbegeisterten Lagerkommandanten, wen sie da gerade entdeckt hatten. Ein paar Wochen später war Fritz Walter daheim in Kaiserslautern.
Das ist eine anrührende Geschichte, und sie steht für das Bild, das sich die Deutschen von ihrem Lieblingsspiel in den Jahren des Terrors lange Zeit gemacht haben.
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Bauernopfer, Soldatensterben

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Der britische Historiker Orlando Figes erzählt vom entsetzlichen Vorläufer der Weltkriege: Dem Krimkrieg von 1853 bis 1856.


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Angriff auf Balaklava auf der Krim am 25. Oktober 1854, hier in einem historischen Stich von J J Crewe

Von allen Bildern der Gräuel des Krieges, die der Welt je geboten wurden«, berichtete ein Korrespondent der Times am 27. September 1855, »lieferte das Krankenhaus von Sewastopol die herzzerreißendsten und abscheulichsten. Nachdem ich durch eine dieser Türen getreten war, bot sich mir ein Anblick, den wenige Menschen, Gott sei Dank, haben ertragen müssen: die verfaulten und verwesenden Leichen der Soldaten, die man unter extremen Qualen hatte sterben lassen, unbehütet, unversorgt, so dicht aneinandergedrängt, wie man sie hatte verstauen können.«

Niemals zuvor waren in einem europäischen Krieg so viele Menschen in so kurzer Zeit getötet worden, und niemals zuvor hatten Waffen solch verheerende Zerstörungen verursacht.
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Buchhaltung von Hitlers schwarzer Kasse entdeckt

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Das amerikanische Auktionshaus Alexander versteigert zahlreiche NS-Devotionalien. Darunter ein geheimes Kassenbuch und Liebesbriefe an Joseph Goebbels.[/b]

Bedingungslose Treue kann sich lohnen. Gleich eine Viertelmillion Reichsmark bekam Fritz Sauckel zum 50. Geburtstag im Oktober 1944 von seinem "Führer" geschenkt, natürlich steuerfrei. Adolf Hitler war offensichtlich zufrieden mit den Erfolgen seines "Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz". Mehr als fünf Millionen Fremd- und Zwangsarbeiter hatte Sauckel ins Dritte Reich verschleppen lassen, die in der Rüstungsindustrie schuften mussten.

Diese und viele hundert weitere diskrete Zahlungen im Auftrag des Diktators sind in einem Kassenbuch dokumentiert, das am 8. Dezember beim Auktionshaus Alexander in Stamford (US-Bundesstaat Connecticut) unter den Hammer kommen soll. Unter anderen lassen sich daran detailliert die exorbitanten Zahlungen ablesen, die Hitler zugunsten seines Leibmediziners, des Prominentenarztes und Kurpfuschers Theodor Morell anwies.
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Was vom Kriege übrig blieb: Weltkriegsmunition im Meer

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Bomben und Minen, Granaten und Torpedos: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Nord- und Ostsee als billige Endlager für Munition genutzt. Bis heute sind Mensch und Umwelt gefährdet.


Mehr als 65 Jahre nach Kriegsende lagern noch immer gewaltige Mengen Bomben und Munition in Nord- und Ostsee: Noch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Meere als billige Endlager für Munition genutzt. Allein in deutschen Hoheitsgewässern werden mindestens 1,6 Millionen Tonnen konventionelle und weitere 5000 Tonnen chemische Kampfmittel vermutet. Das ergab die Bestandsaufnahme der Arbeitsgruppe von Behörden aus Bund und Ländern "Munitionsaltlasten im Meer", die am Montag in Hamburg vorgestellt wurde.

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Explosive Reste: Eine US-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird vor Rügen gesprengt. Immer noch lagern gewaltige Mengen an Munition in Nord- und Ostsee. (© dpa)

Diese Schätzung sei aber aufgrund der unklaren Datenlage besonders für die Ostsee wenig belastbar, heißt es in dem rund 1100 Seiten starken Bericht. Eine großräumige und akute Gefahr gehe von den Kampfmitteln nicht aus, wohl aber eine latente und kleinräumige. "Diese Stoffe gehören nicht in unsere Meere", sagte Jens Sternheim vom schleswig-holsteinischen Innenministerium.
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Enthüllung aus dem Archiv: Warum Thomas Mann den Nobelpreis wirklich bekam

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"Der Zauberberg"? Viel zu modern! Als die Schwedische Akademie 1929 den Nobelpreis für Literatur an Thomas Mann verlieh, leistete sie sich aus heutiger Sicht eine echte Peinlichkeit. Ein Blick in alte Sitzungsprotokolle der Nobel-Jury offenbart Abgründe.[/b]

Am kommenden Samstag wird in Stockholm der diesjährige Nobelpreis für Literatur an den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer verliehen. Grund genug, einmal in alten Sitzungsprotokollen der Schwedischen Akademie nachzublättern, um nachzuvollziehen, wie frühere Entscheidungen des Komitees zustande kamen. Aus dem Blick in die Akten geht nicht nur hervor, wie knapp und umstritten manche Abstimmung verlief, sondern auch, dass bisweilen der richtige Autor für das falsche Buch ausgezeichnet wurde. So erging es Thomas Mann, der 1929 im zweiten Anlauf den Literaturnobelpreis erhalten hatte - nicht jedoch für sein damals aktuelles und im Rückblick bedeutenderes Werk "Der Zauberberg", sondern für sein dreißig Jahre zurückliegendes Debüt "Buddenbrooks".

Dass Thomas Manns Roman "Der Zauberberg" bei seinem Erscheinen in den zwanziger Jahren manche Leute die Nase rümpfen ließ und dem Verfasser bei seiner Nobel-Kandidatur kaum Pluspunkte einbrachte, mag sich für heutige Leser wie ein Lügenmärchen anhören. Aber so und nicht anders war die Situation, als Mann für den prestigeträchtigsten aller Literaturpreise vorgeschlagen wurde.
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Können Tiere Mitleid empfinden?

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[b]Nachdem im Oktober an dieser Stelle geklärt wurde, dass es Freundschaft zwischen Tieren geben kann, fragten gleich mehrere Leser nach, ob denn der Mensch beim Mitleid noch eine Monopolstellung habe. Oder können auch Tiere sich in die Pein ihrer Mitgeschöpfe einfühlen?[/b]

Mitleid oder Empathie ist die Fähigkeit, zu erkennen, dass ein anderes Wesen leidet, und dieses Gefühl zu »spiegeln«. Es ist die Grundlage für die menschliche Moral – Serienkillern und anderen Psychopathen fehlt meist jegliches Empathievermögen. Schon seit mehreren Jahren weiß man, dass Primaten Emotionen ihrer Artgenossen deuten können. Schimpansen leiden mit, wenn sie im Fernsehen Bilder von gequälten Schimpansen sehen. Rhesusaffen, denen man eine Belohnung anbot, wenn sie anderen Rhesusaffen Elektroschocks versetzten, lehnten die Nahrung ab (was bei Menschen keine Selbstverständlichkeit ist).

In der vergangenen Woche berichteten nun Forscher von der University of Chicago in Science von Hinweisen, dass auch Ratten Empathie empfinden: Im Experiment befreiten die Nager eingesperrte Artgenossen, die sichtbar litten, aus einem Gefängnis. Das Leiden des Mitgeschöpfs war also nicht nur »ansteckend«, es führte sogar zu einer altruistischen Handlung, aus der die Ratten keinen unmittelbaren Nutzen zogen. Und sogar wenn ihnen als Alternative Schokolade angeboten wurde, ließen sie zunächst die andere Ratte frei und teilten danach mit ihr die Süßigkeit: ihr Mitgefühl war noch stärker als die Naschsucht.
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40.000 Jahre altes Mammut entdeckt

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Im sibirischen Dauerfrost haben russische Forscher ein gut erhaltenes Mammut gefunden. Bei dem Jungtier sind Muskeln und Teile der Organe erhalten.[/b]

Ein etwa 40.000 Jahre altes, gut erhaltenes Mammut haben Jäger im Norden Sibiriens entdeckt. Nicht nur Haut und Knochen, sondern sogar Muskeln und einige innere Organe habe der Permafrost konserviert, teilte die Russische Akademie der Wissenschaften jetzt mit.

Die Überreste fanden sich bereits im August in einer Höhle an der Küste des Nordpolarmeers nahe dem Fischerdorf Jukagir in der Teilrepublik Jakutien knapp 5.000 Kilometer nordöstlich von Moskau. Zu Ehren des Fundorts wurde das Mammut "Jukka" getauft. In Sibirien kam es in den vergangenen Jahren immer wieder wegen des schmelzenden Permafrosts zu Mammut-Funden.
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Für Volk und Nation

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Der Rechtsterrorismus ist keine Folge der Wiedervereinigung. Er begleitet die Bundesrepublik seit den fünfziger Jahren.[/b]

Rechter Terror? Das hat es doch früher in der Bundesrepublik nicht gegeben! Die Chroniken, die jetzt in den Zeitungen erscheinen, gehen meist nur bis in die frühen neunziger Jahre zurück. Als wäre der Rechtsterrorismus ein Produkt der Wiedervereinigung oder allein ein Restgift, eine Altlast der implodierten DDR. Tatsächlich hat es in der Bundesrepublik schon lange zuvor rechten Terror gegeben. Besonders in den siebziger Jahren stieg die Zahl der Gewalttaten rasant an, eine Entwicklung, die 1980 in eine in der Bundesrepublik bis dahin unbekannte Häufung terroristischer Taten aus dem neonazistischen Spektrum mündete.

Die Verblüffung ist groß.
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Mit dem Zug unter Volldampf über die DDR-Grenze

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Vor 50 Jahren kappte die DDR die Zugverbindung Berlin-Hamburg. Einen Tag davor war 25 Menschen in einem Zug die Flucht über die Grenze gelungen.


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Eine Lok aus der Baureihe 78 – ähnlich wie diese – durchbrach am 5. Dezember 1961 die Absperrung an der Grenze der DDR zum Westen.

Ein Ausflug zur Tante – so hatten es die Eltern dem kleinen Manfred und seinen drei Brüdern gesagt. Seltsam nur, dass die Familie abends aufbrach und er seinen Ranzen mitnehmen sollte. Der war nicht mit Schulfibel und Schreibtafel, sondern frischer Wäsche gefüllt, doch das wusste er nicht.
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"Jelzin wollte die Sowjetunion erhalten"

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Vor 20 Jahren zerbrach die UdSSR. Gennadij Burbulis war dabei – als Stellvertreter von Jelzin. Im Interview berichtet er, wie er diesen Teil der Geschichte erlebt hat.[/b]

Am 8. Dezember 1991 haben die Präsidenten Russlands, der Ukraine und Weißrusslands die Sowjetunion aufgelöst. Der erste russische Präsident Boris Jelzin gilt deshalb vielen als Zerstörer der UdSSR. Sein engster Mitstreiter Gennadij Burbulis widerspricht. Der damalige russische Staatssekretär und stellvertretende Regierungschef war dabei, als das Imperium mit einer Erklärung von der Weltkarte getilgt wurde.

[b]ZEIT ONLINE:[/b] Mitte November 1991 hat Boris Jelzin bei den Verhandlungen mit Gorbatschow noch gesagt: "Ich habe den Willen, die Union zu erhalten." Drei Wochen später hat er die UdSSR aufgelöst. Warum?

[b]Gennadij Burbulis:[/b] Das ist nicht wahr, dass Jelzin die UdSSR aufgelöst hat. Wir waren daran interessiert, einen neuen Unionsvertrag aufzusetzen. Bei unserer Reise nach Weißrussland in den Urwald von Belowesch war es das wichtigste Ziel von Boris Jelzin, die ukrainische Delegation und ihren Präsidenten Leonid Krawtschuk davon zu überzeugen, zu einer erneuerten Union zurückzukehren. Tag und Nacht haben wir diese Perspektive diskutiert. Der hartnäckigste und konsequenteste war dabei ausgerechnet Jelzin.
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Herodes war doch kein Kindermörder

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Eine grausamere Szene als jene, die im Londoner Auktionshaus Sotheby's vor zehn Jahren die Rekordsumme von 76 Millionen Dollar einbrachte, ist kaum vorstellbar: "Das Massaker der Unschuldigen", das Peter Paul Rubens 1610 auf die Leinwand gebracht hatte. Der Mord an den Kindern von Bethlehem, aus den Händen ihrer flehenden Mütter gerissen, zerschmettert, erstochen, erwürgt. Angeordnet hatte die Tat um die Zeitenwende der grausame, machtgierige und auf Eindruck bedachte König Herodes von Judäa. [/b]

So haben wir es jedenfalls in den 60er-Jahren im Religionsunterricht gelernt: Als Herodes nach der Geburt Jesu hörte, es sei ein neuer König auf die Welt gekommen, wollte er umgehend diesen Konkurrenten seiner und seiner Söhne Macht ausschalten. Weil er trotz Beratung durch die Weisen von Israel das Kind nicht dingfest machen konnte, ließ er eben alle Jungen im entsprechenden Alter umbringen. Nur Jesus entkam dem Massaker. So steht es im Matthäus-Evangelium des Neuen Testaments.
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Krieg gegen Amerika

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Am 11. Dezember vor 70 Jahren erklärte das Deutsche Reich den USA den Krieg. Bis heute rätseln Historiker, warum.[/b]

Am 7. Dezember 1941 überfallen die Japaner Pearl Harbor. Sie versenken im Hafen der US-Basis auf der Pazifikinsel Hawaii ein Dutzend Schiffe und zerstören weit über hundert Flugzeuge, zweieinhalbtausend Soldaten sterben. Die USA, die bislang den deutschen Krieg in Europa und die japanische Aggression in Asien ungeachtet zahlreicher Hilfeleistungen an Großbritannien und China primär aus der Beobachterposition verfolgt haben, stehen unter Schock. Am Morgen danach fährt Präsident Franklin D. Roosevelt in Washington zum Kongress. Das amerikanische Volk werde, so verkündet Roosevelt, »in all seiner rechtschaffenen Kraft« bis zum vollständigen Sieg über das Kaiserreich Japan kämpfen. Er spricht seinen Landsleuten aus dem Herzen. Für Amerika ist die Zeit des Abwartens vorbei. Es ist ein Krieg, den der Senat auf Antrag Roosevelts an jenem 8. Dezember einstimmig und das Repräsentantenhaus mit überwältigender Mehrheit erklärt, nur die Radikalpazifistin Jeannette Rankin aus Montana stimmt dagegen.

Doch es ist der falsche Krieg. Gegen den falschen Feind. Denn Roosevelt plant seit Jahren die Niederringung eines Diktators, den er für viel gefährlicher hält als Japans Militärkaste: Adolf Hitler. Jetzt, nach Pearl Harbor, aber richtet sich die Empörung der Amerikaner allein gegen Japan. Die Finsternis von Tyrannei, Krieg und Völkermord, die sich über weite Teile Europas gesenkt hat, gerät aus dem Blick. Roosevelt lässt sich keine Verunsicherung anmerken. Und in der Tat wird der Präsident binnen drei Tagen erfahren, dass er sich auf Hitler verlassen kann: auf dessen Verachtung für die größte Demokratie der Welt – und auf Hitlers Hass auf ihn persönlich, auf den »Herrn Rosenfeld«.
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Frankreichs Kinder aus Tonkin sind greis geworden

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Am Ufer des Lot im französischen Département Lot-et-Garonne neigt sich ein Stück Kolonialgeschichte dem Ende zu. In den Baracken eines alten Militärlagers leben die letzten Repatriierten aus einem fast vergessenen Krieg in Indochina.

Schon lange vor der Niederlage in Dien Bien Phu hatten sich die Bewohner in Sainte-Livrade-sur-Lot an das sporadische Auftauchen fremder Gesichter und ihrer Kriegsgeschichten gewöhnt. An den Ufern des Lot, in sicherer Distanz zum Dorf, wurde hier etwa in den dreissiger Jahren auf gutem Agrarland eine Pulverfabrik gebaut, deren Produktion aber genauso kurzlebig war wie der aktive Widerstand gegen Hitler-Deutschland. Auch andere, die später ausserhalb des heute 6000 Einwohner zählenden Provinznestes Fuss fassten, schienen stets auf der Verliererseite zu sein oder auf Provisorien ausgerichtet: französische Einheiten, für die die Militärbaracken errichtet wurden, oder die republikanischen Soldaten aus Spanien, die 1939 aus ihrer Heimat flüchten mussten und vorübergehend Unterkunft fanden; ferner billige Bauarbeiter aus allen Himmelsrichtungen, Harkis aus Algerien und natürlich jene, die von ganz weit herkamen, die «Chinesen».
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Kriegserklärung an die eigene Gesellschaft

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Vor 30 Jahren verhängte Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht über Polen. Damit endeten 16 Monate der Freiheit und des gesellschaftlichen Aufbruchs.[/b]

Als die Führung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarność am 10. Dezember 1981 zu Beratungen in Danzig zusammenkam, herrschte im gesamten Land eine eigentümliche Spannung. Der Ton zwischen der Staatsmacht und der Opposition war in den vergangenen Monaten schärfer geworden. Beide Seiten beschuldigten sich, die Konfrontation zu suchen, statt die drängenden Probleme des Landes zu beheben: Wiederkehrende Streiks, Lohnerhöhungen, der Ausbau von Sozialleistungen, steigende Rohstoffpreise und die wachsende Auslandsverschuldung führten zum Kollaps der Volkswirtschaft. Die Lebensmittelmarken waren nicht ausreichend gedeckt, selbst Grundnahrungsmittel Mangelware. Vor den Geschäften bildeten sich lange Schlangen.

Vermittlungsversuche der Kirche zwischen dem kommunistischen Regime und der Opposition scheiterten. Und über allen schwebte die Forderung des großen sowjetischen Bruders und der DDR an die polnischen Genossen, die "Konterrevolution" der Solidarność endlich zu zerschlagen.
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Duell im Eis

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Im Dezember 1911 fiel die Entscheidung zwischen Robert Scott und Roald Amundsen im Wettlauf zum Südpol.[/b]

Sie waren im Nebel die Gletscher hinaufgeklettert, hatten sich blind durch Eisspalten und Abgründe getastet, sich im Schneesturm über Felsklippen gequält, die Gesichter voller Schorf und Frostbeulen. Waren morgens aus dem Zelt gekrochen, hatten sich gegen den Wind gestemmt, die Hunde angeschirrt, sie angetrieben und die Schlitten über Gletscherspalten gelenkt. Hatten nachmittags die Hunde ausgespannt, das Zelt aufgestellt, ihr karges Zwieback-Mahl verspeist und Tagebuch geschrieben. An guten Tagen las es sich so: »–28°, Südwind [...], etwas kalt, wenn die Haut im Gesicht aufgesprungen ist.« Traumloser, unruhiger Schlaf.

Und dann – endlich das Ziel: 90 Grad Süd, der Südpol. Am 14. Dezember 1911 stehen fünf Norweger am südlichen Punkt der gedachten Achse, um die sich die Erde dreht. Sie sind die Ersten am Mittelpunkt des antarktischen Kontinents. Fünf Norweger haben es geschafft: Roald Amundsen und seine Expeditionsgruppe mit Olav Bjaaland, Helmer Hanssen, Sverre Hassel und Oscar Wisting.

Sie sind zufrieden und erschöpft. Große Worte findet keiner von ihnen.
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(C) Daniel Oswald