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Zu seinem 300. Geburtstag bewegt Friedrich der Große die Gemüter. Nicht nur in Deutschland: In diesem Gespräch streiten der Historiker Christopher Clark aus Cambridge und sein polnischer Kollege Adam Krzemiński über den Preußenkönig.[/b]
DIE ZEIT: Herr Clark, Herr Krzemiński, der 300. Geburtstag Friedrichs des Großen ist zwar erst am 24. Januar, aber schon jetzt gibt es hierzulande Ausstellungen und Artikelserien zum Thema, und es wachsen die Biografienberge. Welche Assoziationen wecken Preußen und Friedrich der Große denn in Ihren Ländern – in England, in Polen?
Christopher Clark: Ich habe, um mich auf dieses Gespräch vorzubereiten, online in den Protokollen der aktuellen britischen Parlamentsdebatten nach den Wörtern Prussia und Prussianism gesucht. Das gab erstaunlich viele Treffer. In politischen Reden kommt Preußen immer wieder vor, je nach Standpunkt auf unterschiedliche Weise. Für die Linken ist Prussianism ein Schimpfwort. Dann heißt es etwa: »Der Minister ist etwas preußisch vorgegangen.« Er hat also eine Sache einfach oktroyiert. Wenn sich die Tories auf Preußen beziehen, dann eher auf einzelne Episoden der preußischen Geschichte, die sie als eine europäische betrachten und der sie sich durchaus nahe fühlen. Frederick the Great ist für sie eine positive Gestalt. Auch erinnern sie sich gern an die Zeit, in der Preußen und England gemeinsam gegen Napoleon kämpften.
Adam Krzemiński: Entscheidend ist, aus welcher historisch bedingten Rolle heraus man Preußen betrachtet. Im Falle Großbritanniens blickt eine imperiale Großmacht auf eine andere. Ein Pole muss sich entscheiden: Will er sich als Opfer des preußischen Aufstiegs begreifen? Oder will er die Rolle des Siegers einnehmen? Schließlich ist Polen wieder da, Preußen hingegen Geschichte. Aus dieser preußisch-polnischen Verzahnung kann sich allerdings auch eine verlockende Erbschaft ergeben: Die Hälfte des heutigen Polens gehörte bis 1918 zu Preußen. Deswegen habe ich vor einigen Jahren mit dem Titel Preußen, das sind wir – als Erben und Nachfolger – provoziert. Die Nationalkonservativen trumpfen natürlich lieber mit der Opfer-und-Sieger-Geschichte auf und feiern zum Beispiel die große Schlacht von Grunwald 1410, die Schlacht von Tannenberg, wie die Deutschen sie nennen. Damals hat das polnisch-litauische Heer den Deutschen Orden geschlagen. Das soll noch 600 Jahre danach das nationale Selbstwertgefühl heben...
DIE ZEIT: Gibt es in Polen nicht auch ein positives Preußenbild?
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