Ein Schlag für Verschwörungstheoretiker

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Fast ein halbes Jahrhundert nach der Ermordung von John F. Kennedy gibt ein wiederaufgefundenes Tondokument die Atmosphäre auf dem Rückflug der Air Force One mit der Leiche des Präsidenten wieder.

Von den vom amerikanischen Nationalarchiv veröffentlichten knapp zweieinhalbstündigen Gesprächsaufzeichnungen waren mehr als 30 Minuten bisher unbekannt. Sie enthüllen unter anderem Codenamen von Mitgliedern der Regierung, wie sie in der Kommunikation der Leibwächter des Secret Service verwendet wurden, sowie Diskussionen, wie mit Kennedys Leiche zu verfahren sei und wohin seine Witwe Jacqueline gebracht werden soll.

Zu hören ist unter anderem auch ein Telefongespräch des neuen Präsidenten Lyndon Johsons mit der Mutter Kennedys und ein Gespräch Johnsons mit Jacqueline Kennedy, unmittelbar nachdem er an Bord der Präsidentenmaschine seinen Amtseid abgelegt hatte.
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Schampusbad im Sündentempel

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Hier gab es Piratenkojen, Foltersäle und Liebessitze. In den Nobel-Bordellen Frankreichs vergnügten sich im frühen 20. Jahrhundert Königssöhne, Hollywood-Stars und Bischöfe - bis ein Gesetz das Treiben beendete. Jetzt erinnert ein Fotoband an die goldene Ära der pikanten Etablissements.[/b]

Fabienne Jamet hatte sofort ein schlechtes Gefühl. Als den Frauen in Frankreich im April 1944 endlich das Wahlrecht zugestanden wurde, wusste sie gleich, "dass es ein böses Ende nehmen wird", wie die Bordellwirtin in ihren Memoiren schreibt. Da half es auch nichts, dass sie ihren Mädels empfahl, General De Gaulle zu wählen: Die Allianz der Puffgegner schien quer durch alle politischen Lager zu gehen.

Um die Stimmen der Frauen zu ergattern, verschworen sich Kommunisten, Sozialisten, Bürgerliche und Radikale zu einer, so Puffmutter Jamet, "nationalen Verbrüderung gegen die Bordelle".
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Wie eine Gaswolke den Römern den Tod brachte

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Es sind die letzten dramatischen Momente in einem Haus in Pompeji. Eine Ausstellung in Halle rekonstruiert, was sich nach dem Ausbruch des Vesuvs abspielte.

Auch Plünderer denken mit: Sie wollen sich nicht zu viel Arbeit machen. Darauf jedenfalls deutet ein lateinisches, aber mit griechischen Buchstaben und orthografisch fehlerhaft geschriebenes Graffito hin, das am Eingang eines besonders reich ausgestatteten Hauses in Pompeji gefunden wurde: "doummos pertousa" steht da, was wohl "domus pertusa" heißen sollte, also "durchlöchertes Haus".

Gerade dieses Haus, die prächtige Casa del Menandro, wird in der sehenswerten Ausstellung "Pompeji, Nola, Herculaneum – Katastrophen am Vesuv" in Halle ausführlich gewürdigt. Der Heidelberger Archäologe Jens-Arne Dickmann, selbst jahrelang Ausgräber in Pompeji und wissenschaftlicher Berater der Schau im Landesmuseum für Vorgeschichte von Sachsen-Anhalt, rekonstruiert anhand der Funde erstmals, was wohl nach dem Vulkanausbruch in diesem Haus geschehen ist.

Pompeji - Nola - Herculaneum .:. Landesausstellung .:. - POMPEJI - Nola - Herculaneum .:. Katastrophen am Vesuv
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Deutschlands erster Superstar

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Heißer Hüftschwung, sinnlicher Mund und erst diese Augen! Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Asta Nielsen der erste Star des deutschen Kinos. Der Hype um die Stummfilmdiva brachte Dichter zum Schwärmen, Fans zum Randalieren - und machte Potsdam zu Deutschlands Hollywood. Von Katja Iken

In Berlin machten die Fans ihr das Leben zur Hölle: Die Frau mit der Wespentaille und den riesengroßen Augen wagte sich kaum noch vor die Tür, an Einkaufen war nicht mehr zu denken. Im Theater zog sie die Vorhänge der Loge so dicht zu, dass sie kaum noch die Vorstellung verfolgen konnte. Die Dänin litt darunter, dass die Menschen Bilder, Postkarten und Büsten von ihr kauften, als wäre sie eine Heilige. Und bei den Premieren ihrer Filme musste die Polizei ausrücken, "damit berittene Truppen das Publikum in Schach halten konnten", wie sie in ihren Memoiren schreibt.
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Der Einstein der Mathematik

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Vor 150 Jahren wurde David Hilbert geboren – ein deutscher Jahrhundertmathematiker[/b]

Paris, August 1900. Die erste Metro-Linie fährt seit einem knappen Monat, die Olympischen Spiele halten die Stadt in Atem, und die Weltausstellung präsentiert Visionen von den Fortschritten des bevorstehenden 20. Jahrhunderts. Vielleicht haben dieser Rummel und das heiße Wetter die Wissenschaftler abgeschreckt: Nur 230 der ursprünglich erwarteten 1.000 Teilnehmer sind zum zweiten Internationalen Mathematikerkongress gekommen.

Unter ihnen ist der 38-jährige David Hilbert, ein Professor aus Göttingen. Man erwartet von dem Vorsitzenden der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) eine Rückschau auf die Entwicklung der Mathematik im 19. Jahrhundert. Doch der Redner blickt nicht zurück, sondern nach vorn. Bis zur letzten Minute hat er an seinem Vortrag mit dem Titel Mathematische Probleme gefeilt. Hilbert will der Disziplin mit seiner Liste von ungelösten Fragen ein Programm für die nächsten Jahrzehnte vorgeben.

»Wer von uns würde nicht gern den Schleier lüften, unter dem die Zukunft verborgen liegt, um einen Blick zu werfen auf die bevorstehenden Fortschritte unsrer Wissenschaft und in die Geheimnisse ihrer Entwickelung während der künftigen Jahrhunderte!«
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Der König der DDR

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Vom Inbegriff des Militarismus zum respektierten Ahnherrn des antifaschistischen Deutschland: Die sonderbare Karriere Friedrichs »des Großen« unter Ulbricht und Honecker. Eine Spurensuche.[/b]

Anno 1997 war’s, im Sommer der großen Flut. Das Oderbruch erwartete den Untergang, jene Provinz, die Friedrich »der Große« nicht mit Waffengewalt, sondern durch Eindeichung gewann. Doch nun drohte der Fluss sich zu rächen, wie einst Maria Theresia, nachdem ihr Friedrich Schlesien entrissen hatte. Das Volk wurde evakuiert, das Oderbruch abgeriegelt. Auf Schleichpfaden gelangte der Reporter ins verwaiste Hauptstädtchen Letschin. An der Friedrichstraße wachte Friedrich, lebensklein, in Bronze. Im Gasthaus Zum Alten Fritz zechten königstreue Wasserfeinde. Sie hieben ihre Krüge auf den Tisch und brüllten kampflustig: Jetzt kommt die Schweinepresse!

Gazetten dürfen nicht genieret werden!, rief der Reporter, im Namen des Königs. Ich denke, hier mussten alle raus?

Frauen und Kinder seien in Sicherheit, erklärte der Wirt Uwe Holeschak. Aber die Letschiner hätten so viel für den Alten Fritz getan, da werde der seine Hand über das Oderbruch halten.

Zur DDR-Zeit, erfuhren wir, versteckten Einheimische den bronzenen Friedrich, um ihn vor der Verschrottung zu bewahren. Jener Bürger, in dessen Schuppen sich die Majestät verbarg, trat dem polizeilichen Suchkommando mit erhobener Axt entgegen und gelobte: Wer hier rinn will, den schloo ick to Boden! Friedrich blieb unentdeckt und dankte es 1997 den Seinen. Die Deiche hielten, das Oderbruch blieb verschont.
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Es bleibt Familiengeheimnis

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Die russischen Behörden versuchen einen Forscher einzuschüchtern, der die Schicksale von Russlanddeutschen während der Stalinzeit dokumentieren will – ein Beispiel für die Nöte russischer Historiker.


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Russlanddeutsche Vergangenheit: wolgadeutsche Kavalleristen der Roten Armee in Gomel 1931

Es war ein absurdes Gerichtsspektakel, und kaum einer war dabei. Die Verhandlung in Archangelsk im Norden Russlands verlief hinter geschlossenen Türen, als berührte sie Staatsgeheimnisse. Auf der Anklagebank saßen ein Historiker und ein Archivar, die sich dafür verantworten mussten, dass sie ihren Beruf ausgeübt hatten. Der eine forschte im Archiv, der andere half ihm dabei. Manche Zeugen der Anklage erinnerten sich vor Gericht kaum mehr, warum sie als Geschädigte auftraten beziehungsweise auftreten sollten. Der Geheimdienst FSB präsentierte die Ergebnisse aufwendiger Ermittlungen: die Aussagen einer informellen Mitarbeiterin, die Bilder einer Videokamera, die im Arbeitszimmer des Historikers versteckt worden war, beschlagnahmte Daten-CDs.

Worum ging es? Um einen Atomunfall? Um ein streng gehütetes militärisches Geheimnis? Um einen Kreml-Skandal?
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«Wozu noch Welt?»

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Das erste Nazi-Vernichtungslager, «Kulmhof» in der Nähe von Lodz, ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben. 150'000 Menschen wurden hier in Gaswagen ermordet. 1944 wurden die Spuren so weit als möglich beseitigt.

«Wenn so etwas möglich war, was gibt es dann noch? Wozu noch Krieg? Wozu noch Hunger? Wozu noch Welt?», fragte der Schriftsteller Oskar Rosenfeld, als im September 1942 15'000 Menschen aus Lodz ins fünfzig Kilometer entfernte Kulmhof (Chełmno) deportiert wurden. Nur drei Menschen überlebten dieses erste Vernichtungslager, wo am 8. Dezember 1941 der systematische Mord an den Juden begonnen hatte. Die von dem Historiker Ingo Loose im Centrum Judaicum in Berlin kuratierte Ausstellung zu dem Vernichtungslager ist kompetent und karg, denn Zeugnisse gibt es nicht viele.
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Kaiser, Kriegsverbrecher, Kommunist

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Als Baby auf den Thron, mit sechs Jahren davongejagt: 1912 wurde Puyi, der letzte Kaiser von China, abgesetzt. Der gefallene "Sohn des Himmels" kämpfte um seine Rückkehr, zweimal wurde er noch Kaiser - und blieb dennoch zeitlebens eine unmündige Marionette. [/b]

Beklagen konnte sich Puyi eigentlich nicht. 1000 Pfund Fleisch und 240 Stück Geflügel wurden jeden Monat für ihn bereitgestellt, jeden Mittag kreierte ein Heer aus Köchen Dutzende exquisite Gerichte, die auf Silbertellern gereicht wurden. Doch Puyi aß kaum etwas. Schließlich war er erst drei Jahre alt. Aber Kaiser von China, "Sohn des Himmels", Mittelpunkt der Welt.

In den folgenden Jahren wurde Puyi täglich in eine neue gelbe Seidenrobe mit Drachenmuster gesteckt und in Sänften durch die Verbotene Stadt in Peking getragen. Auf Ausflügen folgte ihm stets eine endlos lange Prozession aus Eunuchen, die alles mitnahm, was er brauchte und nicht brauchte: Kleider, Gebäck, Tee, das "Elixier der Drei Unsterblichen Genien" (eine Verdauungsspille), sogar seinen Nachttopf. Und auch beim Spielen setzte dem Kind niemand Grenzen.

Erlaubt war, was er wollte. Diener zwingen, Dreck aufzufressen. Sie auspeitschen zu lassen, sie mit eiskaltem Wasser bis zur Bewusstlosigkeit abzuspritzen, ihnen Eisenspäne auf den Kuchen zu streuen, mit dem Luftgewehr auf ihre Fenster zu ballern.

[b]Unmündige Marionette[/b]

So gesehen fehlte es Puyi an nichts. Und doch an allem. An einer echten Kindheit etwa. An der Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben, Entscheidungen ohne all die Berater, Schmeichler und Einflüsterer zu treffen. Den Kaiserpalast in Peking bezeichnete er später als seinen Kerker. Puyi war auf dem Papier der mächtigste Mann seines Landes - und sollte doch zeitlebens eine unmündige Marionette bleiben: erst die seines Hofstaats, dann die der Japaner und zuletzt die der Kommunisten.
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Mythos Weltuntergang - Die Wahrheit über den Maya-Kalender

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Am 21. Dezember 2012 geht die Welt unter - das behaupten selbsternannte Propheten, die sich auf den Maya-Kalender berufen. Doch was steht wirklich in dem Dokument? Wissenschaftler haben den Mythos entzaubert.
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Angeblich, so behaupten selbsternannte Experten und besorgte Bürger, geht am 21. Dezember die Welt unter. Wird der Supervulkan unter dem amerikanischen Yellowstone-Nationalpark ausbrechen? Kommt es im Zentrum der Milchstraße zu einem erhöhten Auftreten von Gammastrahlen? Kehrt sich das Magnetfeld der Erde um? Auf Webseiten gibt es schon heute Survival-Kits.

Und das alles wegen der Maya. Wer auch immer das Ende der Welt erwartet, bezieht sich auf deren angebliche Prophezeiungen. In der Tat weist die Inschrifttafel eines Sarkophags in der alten Maya-Stadt Tortuguero auf ein Ereignis im Jahr 2012. Und am 21. Dezember 2012 endet ein Zyklus im Kalender der Maya.

Weltweit gibt es eine Handvoll Koryphäen der Maya-Forschung, eine davon in Deutschland. Wenn jemand Sinn, Syntax und Mythologie des Kalenders und seiner Aussagen zum Jahr 2012 deuten kann, dann Nikolai Grube von der Universität Bonn.
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Die Oetkers und die Nazis

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Auch die Bielefelder Unternehmerfamilie lässt ihre Geschichte im "Dritten Reich" aufarbeiten.[/b]

Erst der Tod des Patriarchen brachte der westfälischen Unternehmerfamilie Oetker die Freiheit, sich unbefangen mit ihrer Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. 2007 starb Rudolf-August Oetker im Alter von 90 Jahren. Im Jahr darauf schlug sein ältester Sohn August Oetker im Familienkreis vor, die NS-Vergangenheit von Clan und Konzern historisch aufarbeiten zu lassen, und stieß auf Zustimmung. Das Unternehmen beauftragte Historiker der Universität Augsburg unter Leitung von Andreas Wirsching mit der Forschungsarbeit und sicherte ihnen ungehinderten Zugang zu den Archiven zu. Im kommenden Jahr soll die Studie erscheinen – 68 Jahre nach Kriegsende. Dass es so lange dauerte, wirft kein gutes Licht auf die Familie, es ist aber auch ein Armutszeugnis für die deutsche Geschichtswissenschaft.
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Radio hören als Staatsverbrechen

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Vor 70 Jahren nahm die Gestapo Walter Klingenbeck fest. Weil der 16-Jährige mit Freunden ausländische Radiosender hörte und gegen Nazis wetterte, richtete man ihn hin.[/b]

Am Ende ging alles ganz schnell. Die Hinrichtung, die laut Staatsanwalt ohne Zwischenfall verlief, dauerte "vom Verlassen der Zelle angerechnet" eine Minute und vier Sekunden. Der neunzehnjährige Walter Klingenbeck starb am Nachmittag des 5. August 1943 durch das Fallbeil in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim, weil er ausländische Radiosender gehört und zum Widerstand gegen das NS-Regime aufgerufen hatte.
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Meine Nazis, deine Nazis

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Wie braun ist Deutschland - und wo stecken die Rechtsextremen? Westdeutsche schieben das Problem gerne nach Ostdeutschland, dort wehrt man sich gegen die Klischees in der Berichterstattung. Dabei hinkt die Debatte den Verhältnissen seit Jahrzehnten hinterher und geht daran vorbei, dass Polizei, Verfassungsschutz und Justiz den Rechtsradikalismus selbst befördert haben.[/b]

Ost-Berlin in den späten achtziger Jahren, kurz vor dem Mauerfall, mit dem damals keiner rechnete: Wer nicht blond und blauäugig war, wer den tänzelnd tuntigen Gang nicht zu kontrollieren vermochte oder wer an Krücken ging, der passte auf, wo er hinging, der wählte in der Nacht seine Wege mit Bedacht, um nicht zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Es hatte sich herumgesprochen, dass in Fußballstadien blockweise "Sieg Heil" gerufen wurde, dass die "Glatzen" keine Hemmungen hatten, zuzuschlagen.

Am 17. Oktober 1987 stürmten ein paar Skinheads die Ostberliner Zionskirche, in der die Rockgruppe Element of Crime spielte. "Juden raus aus deutschen Kirchen", sollen sie gerufen haben. Sie prügelten blitzartig, wild und verschwanden. Die Volkspolizei reagierte behäbig, abwartend. Der Skandal schlug Wellen, es kam zu einem Prozess gegen die "Rädelsführer". Die Angst aber blieb.

Das Vertrauen, im Staat der Antifaschisten, unter Honecker, den die Nazis zehn Jahre ins Zuchthaus gesteckt hatten, vor rechtsextremer Gewalt geschützt zu sein, war dahin.

Die Verunsicherung ist seitdem nicht verschwunden. Bestimmte Landstriche, kleine Städte in den fünf neuen Ländern, Plattenbauviertel in Ost-Berlin meidet man oder betritt sie mit besonderer Vorsicht. Das mag ungerecht sein, ein Vorurteil, aber das Risiko zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, geht man doch lieber nicht ein. Dass auch in Hamburg oder Duisburg Nazi-Schläger wohnen, ändert wenig an der Angst, dem Unbehagen. Die Bilder der Gejagten und der jagenden Meute in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda oder Guben haben sich eingeprägt.

Spätestens seit 1987 humpelt und hinkt auch die deutsch-deutsche Debatte über rechtsextreme Gewalt in der DDR, in Ostdeutschland, in der gesamten Bundesrepublik, ohne recht vom Fleck zu kommen. Dabei sind ziemlich dämliche Routinen entstanden. Wie unter Landsleuten üblich, nutzt man jede Gelegenheit beleidigt zu sein, erst einmal übel zu nehmen. Ostdeutsche wehren sich gegen Klischees der Berichterstattung, Westdeutsche geben sich dem Irrglauben hin, das Problem sei erledigt, wenn man es in Ostdeutschland lokalisiert und die Mitschuld der SED-Herrschaft festgestellt hat. "Meine Nazis" - "Deine Nazis" - es ist ein müßiges Spiel.
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Die älteste Zeichnung der Welt?

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Neandertaler haben sich möglicherweise mit Bildern in einer spanischen Höhle verewigt - vor mehr als 42.000 Jahren. Sollten spanische Wissenschaftler mit ihrer Vermutung recht behalten, wären es die ältesten bekannten Zeichnungen der Welt, und die ersten, die auf Neandertaler zurückgeführt werden.


Malereien in einer Höhle in der Nähe der spanischen Stadt Málaga sind vermutlich die ältesten bislang entdeckten Zeichnungen der Welt. Darüber hinaus handelt es sich möglicherweise um das erste bekannte Bild, das von Neandertalern angefertigt wurde. Das berichten Forscher der Universidad de Córdoba.

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Vor vermutlich mehr als 42.000 Jahren haben Frühmenschen in den Höhlen von Nerja in Andalusien Robben an eine Wand gemalt. Möglicherweise handelt es sich um die ältesten Höhlenmalereien der Welt - und vielleicht sind es die ersten bekannten Zeichnungen von Neandertalern.

Die rötlichen Zeichnungen in den Höhlen von Nerja hätten "nichts Vergleichbares in der Steinzeitkunst", erklärte José Luis Sanchidrián. Der Forscher und sein Team gehen davon aus, dass die Bilder Seehunde darstellen, die von den Menschen der Urzeit vermutlich gejagt wurden. Reste von Holzkohle, die in der Nähe der Gemälde gefunden wurden, datierten die Wissenschaftler auf ein Alter von 43.500 bis 42.300 Jahren
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Wer falsch sticht, fliegt raus - Die Geschichte der Stechuhr

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Sie brachten den Kapitalismus so richtig in Gang: Seit mehr als hundert Jahren mahnen Stechuhren die Arbeiter zur Pünktlichkeit, denn die Arbeitszeit gehört dem Chef. Allmählich weichen sie subtileren Methoden der Überwachung. Eine Zeitreise.[/b]

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Benediktiner-Mönche leben nach dem Grundsatz "Ora et labora et lege", also "Bete, arbeite und lese". Dieses Motto könnte für viele geistliche Brüder und Schwestern im Kloster gelten, doch die Benediktiner haben sich einen Mythos erarbeitet: Sie gelten als die "ersten Berufstätigen" des Abendlands.

Schon Jahrhunderte, bevor in Europa Fabrikschlote den Himmel vollqualmten und die Heere des Proletariats allmorgendlich am Fabriktor von der Stempeluhr registriert wurden, wussten die Benediktiner, was der Schlüssel zu Produktivität und Effizienz ist: ein strukturierter Tagesablauf, das Zügeln der Zeit.
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Friedhof der Verschleppten

News in Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.) 1 Kommentar »
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Archäologen haben in Brasilien ein Massengrab aus der Hochphase des Sklavenhandels entdeckt. Der gruselige Fund zeigt, wie weit die Menschenjäger auf der Suche nach Opfern gereist sind - und wie würdelos deren Leichen entsorgt wurden.
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Isotop-Analyse zeigt: Die Opfer stammen aus ganz Afrika

Als Petrucio Guimaraes bei der Renovierung seines alten Hauses in Rio de Janeiro plötzlich jede Menge Knochen im Garten fand, dachte er sofort an ein Massaker unter Drogenbanden und rief die Polizei. Doch die gab den Fall schnell weiter an die örtlichen Archäologen, waren die Knochen doch weitaus älter, als dass sie von Drogenopfern der Jetztzeit stammen konnten.
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Fragmente einer Sprache des Körpers

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Sechs Jahre dauerte die Arbeit an der Übersetzung von Péter Nádas monumentalem Roman «Parallelgeschichten», einem Buch der Erinnerung an Wegmarken der ungarischen Geschichte seit der Horthy-Ära. Das Opus wird hier in seiner ungarischen Rezeption vorgestellt. Eine ausführliche Rezension folgt.

Es ist verdächtig still geworden in Ungarn um Péter Nádas in jüngster Zeit. Hat der grosse Erzähler früher gern publizistisch Partei ergriffen, wenn es um das politische Schicksal seines Landes ging, so ist es jetzt sein Schweigen, das beunruhigt. In bürgerlichen, vor allem protestantischen Familien gibt es nichts Schlimmeres, als wenn der Vater schweigt. Er verurteilt mit seinem Schweigen alttestamentarisch: Den Liebsten wird demonstrativ die Liebe entzogen. Sprachverweigerung erweist sich als höchste Form der Verdammung.

Ein unendliches Buch

Das Bild des gestörten Familienfriedens könnte stimmig sein, wäre Nádas ein bürgerlicher Schriftsteller in einem bürgerlichen Land, die ungarische Gesellschaft aber hat nach 1989 den Schritt in die Bürgerlichkeit systematisch verzockt und verweigert, obwohl oder gerade weil Ungarn sich im maroden Staatssozialismus des János Kádár innerlich schon längst ganz weltbürgerlich fühlte. Aus der staatskommunistischen Partei wurde eine korrupte Sozialdemokratie, das konservative Lager gefällt sich in einem beleidigten und panischen Nationalismus, die Liberalen, stark geprägt durch die Nachkommen des aufgeklärten jüdischen Bürgertums vor allem in der Hauptstadt Budapest, haben sich durch Rechthaberei und Korruption blamiert, schliesslich als Partei selbst aufgelöst und dabei durchaus für neue Wellen des Antisemitismus gesorgt und wenig Nützliches hinterlassen, die Grünen liegen noch in den Geburtswehen und sind dennoch schon todmüde, steif und blind. So wankt das gegenwärtige Ungarn dumpf vor sich hin, frustriert und verbittert, eine Irritation für die zivilisierte Welt, sich selbst ein Ärgernis, eine Republik ohne Republikaner.
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Die drei kleinen Fluchthelfer

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Strichmännchen als Staatsfeinde? Der populäre DDR-Abenteuer-Comic "Mosaik" entführte seine Leser in Länder, die sie selbst nie bereisen durften. Eine Schau widmet sich jetzt den besten Jahren des Hefts - und zeigt auch, wie dessen klein-kapitalistischer Macher mit den Behörden kämpfte.[/b]

Es steckt etwas von "Asterix" in dieser Geschichte. Die ganze Kultur der DDR ist staatlich gleichgeschaltet, und nur einem kleinen Heft gelingt es, sich gegen die Obrigkeit zu wehren.

Das Heft war das "Mosaik", das ab 1955 in Ostberlin erschien. Mit monatlich bis zu 660.000 verkauften Exemplaren war es der erfolgreichste ostdeutsche Comic. Die Geschichten spielten in Rom, in Venedig, in Paris und an anderen Orten, die der realsozialistische Bürger nicht zu sehen hoffen durfte. Damit waren die Hefte im Wortsinn "Fluchtlektüre". Und eine jetzt in Leipzig eröffnete Ausstellung macht deutlich, dass die Bedeutung der Hefte weit darüber hinaus reicht.
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Erster Weltkrieg aus neuer Perspektive

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Zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns von 1914 entsteht an der Freien Universität Berlin eine Online-Enzyklopädie über den Ersten Weltkrieg.

Es war die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“: Der Erste Weltkrieg kostete 17 Millionen Menschen das Leben, weitere 20 Millionen Soldaten wurden verwundet, etliche davon bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Etwa 40 Staaten waren direkt oder indirekt beteiligt an dieser Tragödie, die nicht nur in Europa, sondern weltweit verheerende Auswirkungen hatte. An der Freien Universität Berlin entsteht zurzeit eine Enzyklopädie zu diesem Thema – umfassend und für alle im Internet zugänglich. „1914-1918-online“ heißt das digitale Werk, das zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns 2014 fertig sein soll.

Das Projekt ist sowohl technisch als auch inhaltlich ehrgeizig.
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Terror ohne Grenzen

News in Russland | Sowjetunion | Osteuropa 2 Kommentare »
Alles Gerede vom Sinn des Terrors ist falsch, schreibt Jörg Baberowski in seinem aufwühlenden Buch "Verbrannte Erde". Der Stalinismus war keine Modernisierungs-Diktatur, sondern eine Herrschaft des Bösen.

Nicht oft beginnt ein wissenschaftliches Werk mit dem Eingeständnis, den eigenen Standpunkt revidieren zu müssen. Jörg Baberowski, Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität Berlin, erklärt es ohne Umschweife. „Es soll Historiker geben, die ihr Leben lang an Meinungen festhalten und sie in den Rang ewiger Wahrheiten erheben“, schreibt er gleich auf der ersten Seite seines neuen Buches, „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“, und der elektrisierte Leser wird mitgenommen auf den Weg der Zurückweisung all jener Hypothesen, die irgendeinen geschichtlichen Sinn behaupten oder auch nur retten wollen in der jahrzehntelangen Gewaltherrschaft des Stalinismus.
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Ein Preuße, der spaltet

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Zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen porträtiert der Historiker Bernd Sösemann den facettenreichen Staatsmann aus europäischer und transdisziplinärer Perspektive.

Kein Herrscher des 18. Jahrhunderts wird so gefeiert und gehasst wie der Preußenkönig: Die einen preisen Friedrich den Großen als Aufklärer, als Gutmenschen und Philosophen, die anderen verunglimpfen ihn als Despoten, der ausschließlich eigene Interessen im Blick gehabt habe: Macht, Reichtum, Anerkennung und die Stabilisierung Preußens – sei es durch Krieg und Gewalt.

Für den Historiker Bernd Sösemann vom Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin greifen diese Etiketten zu kurz: In Publikationen und langjähriger Forschungsarbeit legte er die Konturen eines klugen, gerissenen Staatsmannes frei, dessen charakterliche Eigenheiten sich nicht allein in „Gut“ und „Böse“ aufteilen lassen.
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Und plötzlich war die Stadt erfunden

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Wie entstanden die ersten Städte? Aus einem Wasservorkommen oder dem Machtstreben eines Herrschers heraus? Neue archäologische Funde im Nahen Osten zeigen eine weitere Möglichkeit auf. Die ersten Metropolen könnten sich aus verstreuten Siedlungen entwickelt haben, die sich allmählich verdichteten.
Es ist ein Ort, wie ihn nur Archäologen lieben können. Wer sonst würde monatelang umgeben von Wüstensand ausgedörrten Boden abtragen? In dieser Ödnis, 40 Kilometer von der glitzernden Kulisse von Kuwait-Stadt entfernt, fand Piotr Bielinski zunächst zerbrochene Tonscherben. Doch dann tauchten im kargen Untergrund Spuren von aufgeschichteten Steinen auf, Überreste rechteckiger Häuser - und schließlich sogar verzierte Keramik, Perlen und bearbeitete Muscheln.

Der Archäologe von der Universität Warschau ist auf eine ehemals hübsche und wohlhabende Siedlung gestoßen, in der vor 7000 Jahren rund hundert Menschen lebten. Bahra, so nennt man den Ort heute, hatte einst Meerblick, denn der Meeresspiegel war damals deutlich höher, sodass die Küste nur einen guten Kilometer entfernt lag.
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Nur seine Pflicht getan

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Karl Jäger war ein feinsinniger Mann, musikalisch begabt, immer korrekt. 1941 ließ er in Litauen innerhalb weniger Monate 137.346 Menschen erschießen.[/b]

Er ist ein Schlüsseldokument des Holocaust: der Jäger-Bericht. Er ermöglicht einen unmittelbaren Einblick in die erste Phase des Völkermords, die gleich nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann. In dieser Zeit wurden die Juden noch nicht in Gaskammern umgebracht, sondern zumeist mit Maschinengewehren erschossen, also Auge in Auge.

Die deutschen Akteure betrachteten das kleine baltische Land Litauen – das sich nach dem Ersten Weltkrieg vom Zarenreich emanzipiert hatte, infolge des Hitler-Stalin-Pakts 1940 von der Sowjetunion annektiert und im Jahr darauf während des Russlandfeldzugs von der Wehrmacht besetzt worden war – gleichsam als ein Testgelände, auf dem sich Wichtiges erproben ließ. Wie rasch konnte man vorgehen, wollte die NS-Führung wissen, und: Würde die Wehrmacht mitspielen? Würde sich unter den nichtjüdischen Litauern Widerstand gegen die Vernichtung ihrer Landsleute formieren? Oder durften die Deutschen mit der Kollaborationsbereitschaft litauischer Nationalisten rechnen?
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Wotansbrüder und Weimarer Front

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Die Neonazis in der DDR waren kein versprengter Haufen, sondern eine gut organisierte Szene, die mehr als 15.000 Anhänger zählte und die Obrigkeit schier kapitulieren ließ.[/b]

Es ist eine gewaltige Menge, fast zu gewaltig für die Zionskirche in Ost-Berlin. Über 2.000 Fans strömen am 17. Oktober 1987 zum Konzert der Westberliner Punkband Element of Crime und ihren DDR-Kollegen Die Firma. Es wird ein denkwürdiges Ereignis: Kurz nach 22 Uhr stürmen 30 Skinheads das Konzert, brüllen »Sieg Heil!«, »Juden raus aus deutschen Kirchen!« und »Kommunistenschweine!« und verletzen viele der geschockten Fans. Anschließend setzen sie ihr Treiben draußen fort – unter den Augen einer Streife der Volkspolizei.

Erst Tage später berichten DDR-Medien über den Überfall. Doch ist dort weder von Skins die Rede noch von Neonazis. Vielmehr von »Rowdytum« – so lautet die verbindliche Sprachregelung für Jugendrandale im SED-Staat. Diesmal aber geht das Verschleierungskalkül nicht auf. Zwar ist der Angriff auf die Zionskirche kein Einzelfall, dennoch läutet er eine Wende im Umgang der DDR-Behörden mit den Neonazis im Lande ein.
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Die wohl älteste Steinschnitzerei Amerikas

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Figürliche Felszeichnung in Brasilien soll mehr als 10.500 Jahre alt sein, vielleicht sogar 12.000 Jahre alt.


[IMG]http://derstandard.at/1329870231312/Seltenheit-Die-wohl-aelteste-Steinschnitzerei-Amerikas[/IMG]São Paulo - Archäologen haben in einem Felsen in Brasilien die wohl älteste Steinschnitzerei Amerikas entdeckt und damit möglicherweise neue Hinweise auf Art und Zeitpunkt der menschlichen Besiedlung des Kontinents gefunden. In einem Artikel im Online-Wissenschaftsmagazin "PLoS ONE" schreiben die Forscher, das 30 Zentimeter große Bild sei mit Sicherheit mehr als 10.500 Jahre, möglicherweise sogar 12.000 Jahre alt.
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Klosterreste unter Handelskammer entdeckt

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Bei Drainagearbeiten kommen Überbleibsel aus dem Mittelalter zum Vorschein. Inzwischen ist klar, um welches Kloster es sich handelt und wer es stiftete - Franziskaner-Mönche sind gerührt.


Archäologen haben in der Hamburger Innenstadt wichtige Spuren zur mittelalterlichen Siedlungsgeschichte der Hansestadt entdeckt. Unter der Handelskammer fanden sie Reste eines im 13. Jahrhundert erbauten Klosters. Am Mittwoch wurden die Grabungsfunde des Klosters St. Maria Magdalenen präsentiert.

[IMG]http://polpix.sueddeutsche.com/polopoly_fs/1.1291409.1329989394%21/image/image.jpg_gen/derivatives/560x315/image.jpg[/IMG]
Grabungsleiter Mustafa Altun und eine Mitarbeiterin bei freigelegten Relikten im Kellerraum der Handelskammer in Hamburg

Weil im Juni vergangenen Jahres die Kellerräume der Handelskammer bei Regen vollgelaufen waren, wurden dort Drainagearbeiten durchgeführt. Dabei wurden Knochen entdeckt. Die Archäologen fanden auch Reste der hölzernen Pfahlgründung der Klosterfundamente.

Das Franziskanerkloster hatte Graf Adolph IV. von Schauenburg und Holstein nach seinem Sieg über die Dänen in der Schlacht von Bornhoeved 1231 gestiftet und dort selbst als Mönch gelebt. Später wurde das Kloster als Stift für höhere Töchter und die Bettelordenskirche als protestantisches Gotteshaus genutzt.
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Der blanke Hass

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Schon einmal zog ein rechtsradikales Terror-Trio durch Deutschland: Zwei Männer und eine Frau. 1980 starben bei einem Anschlag der Gruppe in Hamburg zwei vietnamesische Flüchtlinge.[/b]

Der Papst fand Zeit, Herrn Huynh zu empfangen. "Ich hatte doch so viel Geld für die Missionsarbeit gesammelt", sagt Herr Huynh, weist auf ein Foto an der Wand, das ihn in Rom mit dem Papst zeigt, dann lächelt er. Doch es hätte nicht viel gefehlt, und diese Begegnung wäre nie zustande gekommen. Es hätte nicht viel gefehlt, und Herr Huynh, der gläubige Katholik, wäre in der Nacht vom 21. auf den 22. August 1980 in Hamburg ums Leben gekommen. Und mit ihm seine beiden älteren Kinder, die damals in den Stockbetten lagen und fest schliefen, während ihr Vater zum Glück wach am Tisch saß und Zeitungen aus der Heimat las. "Da war plötzlich im Nebenzimmer so ein Knall", erzählt Thoâng Huynh und lächelt nun nicht mehr.
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Das rechte Auge

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Im Kampf gegen den Terror von rechts haben die deutschen Strafverfolger schon einmal versagt. Der Mann, der ihnen das Zahl für Zahl nachwies, hieß Emil Julius Gumbel. Deutschland hat es ihm nicht gedankt.[/b]

Sie nennen sich Jungdeutscher Orden, Stammtisch der Drei Gleichen oder Bund der Aufrechten und sehen sich als Verteidiger des Deutschtums. Sie beweinen den verlorenen Krieg, sie verachten Demokratie und Parlament, und selbstverständlich hassen sie die neue Republik. Sie wollen »Haß säen, Haß, heiligen, unausrottbaren Haß«, Hass gegen die Demokraten, die Intellektuellen, die Pazifisten, die Weltbürger, die Juden, die Sozialdemokraten, die Kommunisten, die Anderen. Skrupel haben sie keine. So heißt es in den Statuten der Terror-Organisation Consul, die auch hinter den Morden an Finanzminister Matthias Erzberger 1921 und Außenminister Walther Rathenau 1922 steht: »Es dürfen nur Männer in die Truppe, die entschlossen sind, keinerlei Hemmung in sich tragen und bedingungslos gehorchen, die brutal genug sind, rücksichtslos durchzugreifen, wo sie eingesetzt sind. [...] Kein Verhandeln, sondern Schießen und rücksichtslos Befehlen.«
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1962 – Land unter in Hamburg

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Vor 50 Jahren suchte die schlimmste Sturmflut der jüngsten Geschichte die Nordseeküste heim. In Hamburg versagten die Vorwarnsysteme. 340 Menschen starben.[/b]

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17. Februar 1962 in Hamburg: Eine Frau wird mit einem Schlauchboot von drei Helfern in Sicherheit gebracht.

Als das Wasser kommt, schläft Hamburg. Mit 130 Stundenkilometern rast der Orkan Vincinette über Norddeutschland, reißt Bäume aus, deckt Dächer ab, drängt das Wasser der Nordsee in die Deutsche Bucht und in die Elbe. An der Küste ziehen sich sturmerprobte Landbewohner aus den Gefahrenzonen auf höheres Gelände zurück. Aber die Städter wähnen sich sicher.

Am Abend des 16. Februar 1962 warnt das Deutsche Hydrographische Institut vor einer Sturmflut an der gesamten Nordseeküste. Von einer Gefahr für Hamburg ist nicht die Rede. Der NDR strahlt die Warnung nur im Radio aus, im Fernsehen will er die beliebte Serie Familie Hesselbach nicht stören. Als die Tagesschau um 22.15 Uhr versucht, die Hamburger in Alarmstimmung zu versetzen, rechnen die nur mit den üblichen vollgelaufenen Kellern, wie schon Dutzende Male zuvor in diesem Winter, zuletzt vor vier Tagen – und gehen zu Bett.

"Hamburg verschlief die Sintflut", schreibt der Spiegel, als er mehr als eine Woche später wieder erscheinen kann. Das Nachrichtenmagazin schildert ein völlig veraltetes Warnsystem, das auf Böllern beruht, eine nur mit Beamten niedrigen Ranges besetzte Einsatzleitung und ein komplettes Versagen der Behörden.
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Lehramtsstudenten wissen viel zu wenig über die NS-Zeit

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[b]"Nahezu ein schwarzes Loch"

Lehramtsstudenten wissen viel zu wenig über die NS-Zeit. Das sollte sich ändern, sagt Benjamin Ortmeyer.[/b]

[b]DIE ZEIT:[/b] Kürzlich hat eine Studie des sterns für Aufsehen gesorgt: Danach hat in Deutschland jeder Fünfte zwischen 18 und 29 Jahren noch nie von Auschwitz gehört. Sie haben in den vergangenen drei Jahren rund 1000 Studierende befragt. Zu welchen Ergebnissen kommen Sie?

[b]Benjamin Ortmeyer:[/b] Eines vorweg: Wir haben diese Erhebungen nicht gemacht, um Studierende zu blamieren. Ganz im Gegenteil, im Sinne der alten Sokratesmethode ging es darum, Nichtwissen in Wissen zu verwandeln. Aber auch wir sind tatsächlich auf erhebliche Wissenslücken gestoßen. Die Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden oder auch der Begriff Auschwitz sind zwar bekannt, aber fundierte Kenntnisse darüber hinaus fehlen.

[b]ZEIT: In welchem Rahmen hat Ihre Befragung stattgefunden?

[b]Ortmeyer:[/b] Fünf Semester lang haben wir ein Lehr- und Forschungsprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführt, es trug den Titel »Reflexionen über die NS-Zeit und die NS-Pädagogik als Vorbereitung auf den Lehrberuf«. Das hat die Hans-Böckler-Stiftung ermöglicht. Es wurden Verbrechen, Ideologie, aber auch die Pädagogik der Nazis thematisiert. Das Interesse bei den Studierenden war erfreulich groß. An den Vorlesungen haben mitunter mehr als 700 Personen teilgenommen. In diesem Rahmen haben wir Forschungen anhand umfangreicher Fragebogenaktionen durchgeführt, die je circa 300 Studierende der Erziehungswissenschaften in den letzten drei Semestern ausgefüllt haben. Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer betonten in einer abschließenden Befragung, dass gerade diese Fragebogenaktion ihnen ihr Nichtwissen gezeigt hätte und daraus bei ihnen ein Interesse erwachsen sei, sich genauer mit den Verbrechen des NS-Regimes zu befassen.
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(C) Daniel Oswald