Die Kelten ehrten die Köpfe ihrer Ahnen, die ihrer Feinde dienten ihnen als Trophäen: Neue Funde in der Eifel[img]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2011-09/s45-kelten-koepfe/s45-kelten-koepfe-540x304.jpg[/img]
Trophäenschädel mit erhaltenem Nagel aus einer Brunnenfüllung der spätkeltischen EisenzeitDie Zeit drängte. Die Arbeiter wollten weitergraben und wertvollen Bimsstein aus dem Untergrund fördern. Also schulterte Axel von Berg sein Werkzeug und fuhr zur Abbauregion Kobern-Gondorf. Im porösen glasigen Vulkangestein der Osteifel hatten die Baggerführer die Überreste einer alten Siedlung freigelegt. Von Berg machte sich mit seinem leichten Gerät an die Arbeit. Schon bald stieß der Archäologe auf ein auffälliges Objekt. Ein knochiges Gebilde kam zum Vorschein, mit schwerem Kies gefüllt, ein uralter Schädel. Und mitten durch die Kalotte hatte man einen massiven Eisennagel getrieben. Dem Wissenschaftler dämmerte sogleich, was für ein Fundstück er in den Händen hielt: eine Schädeltrophäe aus keltischer Zeit.
Es war nicht der erste eisenzeitliche Knochen, den von Berg, Chef der Koblenzer Landesarchäologie, eigenhändig aus dem Untergrund geborgen hatte. 42 Schädel »im Keltenkontext« zählt seine Sammlung mittlerweile – viele davon mit auffälligen Löchern drin. Die Spuren an deren Rändern verraten, dass die Öffnungen in den Schädeldecken nicht zufällig bei einem Unfall oder im Gemetzel einer Schlacht zustande kamen. Mit roher Gewalt zwar, doch erst post mortem wurden sie in die uralten Crania gehämmert. Das Koblenzer Denkmalamt besitzt nicht nur die umfangreichste Sammlung gelochter Keltenschädel, sondern mit dem genagelten Haupt auch den einzigen deutschen Fund, in dem noch immer das rostige Eisen steckt. Von Bergs bizarre Kollektion belegt, dass im Siedlungsgebiet der eisenzeitlichen Hunsrück-Eifel-Kultur die Knochen von Ahnen und Opfern besondere Wertschätzung genossen haben.
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