Nov 04
2011
Schädel im Schrank
News in Die großen Kolonialreiche Noch keine Kommentare »Das düstere koloniale Erbe der deutschen Rasseforschung muss endlich aufgeklärt werden.
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Die namibische Delegation nimmt in einer Zeremonie an der Berliner Charité rund 20 Schädel entgegen.
Der feierliche Akt war ebenso ungewöhnlich wie verstörend. Vor wenigen Tagen, am 30. September, erschien im Hörsaal des traditionsreichen Berliner Universitätsklinikums Charité eine große Delegation aus dem afrikanischen Land Namibia, um zwanzig Schädel entgegenzunehmen. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts waren die Gebeine aus »Deutsch-Südwest« ins Reich gebracht worden. Hier sollten sie der gerade heftig im Aufwind befindlichen Rasseforschung dienen.
Die wilhelminischen Wissenschaftler hatten sich ihr »Material« unter erschreckenden Umständen beschafft. Denn von 1903 bis 1908 überzog die deutsche Schutztruppe das Land mit Krieg. Den verzweifelten Kampf der Ovaherero und Nama gegen den Verlust ihrer Existenzgrundlagen beantwortete sie mit gezielten Vernichtungsstrategien. Zehntausende Menschen fielen der deutschen Gewalt zum Opfer – bis zu 80 Prozent der Ovaherero und über 50 Prozent der Nama. Die Rasseforscher witterten die Gelegenheit und ließen sterbliche Überreste von Gefallenen, Hingerichteten und in Konzentrationslagern Umgekommenen konservieren. Dabei sind die nun zurückgegebenen zwanzig Schädel nur ein Bruchteil der damals nach Deutschland geschafften Körperteile.
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