Einen Doktor für den Prinzen

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Mauscheleien um akademische Titel haben eine lange Tradition. Sie kamen in den besten Kreisen vor.

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Die Uni Bonn Anfang des 20. Jahrhunderts: Hier war Prinz August Wilhelm nicht erfolgreich

Schon der spätere Kaiser Wilhelm II. hatte eine Universität besucht. Für einen gottbegnadeten Thronprätendenten war das allerhand. Doch sein Studium diente weniger einer wissenschaftlichen Ausbildung, es war eine wohlwollende Geste gegenüber dem bürgerlichen Bildungsideal. Folglich frönte Prinz Wilhelm vor allem dem feuchtfröhlichen Korpsleben, vier Semester lang, ohne Abschluss. Prägender wurde für ihn der Militärdienst. So sollten es auch seine fünf Söhne halten: zweckfrei studieren. Alle taten das – bis auf einen: August Wilhelm, Jahrgang 1887. Der wollte einfach kein Soldat sein. Ersatzweise wurde für ihn eine Karriere im höheren preußischen Verwaltungsdienst ins Auge gefasst. Doch das setzte ein achtsemestriges Jurastudium mit gutem Staatsexamen voraus. War das einem Kaisersohn zuzumuten?
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Der Mann im Hintergrund

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Der Mann im Hintergrund

Im Mai 1909 starb in Berlin Friedrich von Holstein, die Graue Eminenz des Kaiserreichs, der große Unbekannte, der Dämon im Auswärtigen Amt.

Er war der bekannteste Unbekannte des Kaiserreichs, die Graue Eminenz der deutschen Politik von den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bis zu seinem Tod im Mai 1909. Otto von Bismarck hatte ihn »entdeckt«, und in gewissem Sinne ist Friedrich von Holstein wohl sein Schüler geblieben, sein Zauberlehrling. Vielen Menschen war er unheimlich, nicht zuletzt seinem Meister. Den »Mann mit den Hyänenaugen« nannte Bismarck ihn einmal, und die stets wohlinformierte Fürstin Marie Radziwill verglich ihn gar mit Joseph Fouché, dem berüchtigten Polizeiminister Napoleons: So wie Fouché arbeite er »im verborgenen und fischt geheimnisvoll in mehr oder minder trübem Wasser.« Kaiser Wilhelm II. selbst soll ihn einen »Höllensohn« genannt haben.
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Wilhelm, der Moderator

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Verkannt und umstritten: Heute vor 150 Jahren wurde der letzte deutsche Kaiser geboren.

Kaiser Wilhelm II. ist noch immer ein Problem, und zwar nicht nur für aktenverliebte Historiker. Denn die Beurteilung seiner dreißigjährigen Herrschaftszeit mit all ihren politischen Wirrnissen, Skandalen und Erfolgen ist eng verbunden mit unserer Sicht auf die Katastrophe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wie weit haben seine lauten Reden, sein Militarismus, die häufige Verachtung der Parlamente Preußens und des Reichs beigetragen zum Ersten Weltkrieg, zur Instabilität der Weimarer Republik, zum Aufstieg Hitlers, zum Aufgeben aller zivilisatorischer Standards der Deutschen gegenüber den Nazis? War Wilhelm II. mit Schuld an Hitler? Oder war er der erste moderne, bürgernahe Herrscher Deutschlands?
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Ludwig-Forscher fordert virtuelle Autopsie für toten "Märchenkönig"

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Zur endgültigen Klärung der Todesursache von König Ludwig II. hat der Berliner Geschichtsforscher Peter Glowasz eine "virtuelle Autopsie" des Märchenkönigs gefordert. Diese neuartige Technik könne bei geschlossenem Sarkophag eingesetzt werden, sagte Glowasz am Donnerstag. Für ihn und viele Königsverehrer sei es 121 Jahre nach dem Tod des Märchenkönigs unerträglich, dass Ludwig II. als Mörder und geisteskranker Selbstmörder dargestellt werde.
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Kaiser Wilhelms berstender Nachttisch

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Der Amerikaner Ben Hecht war einer der wichtigsten Drehbuchautoren Hollywoods. Am 9. November 1918 und einige Monate danach war er US-Reporter in Berlin. Hecht sah die Revolution als Sturm im Wasserglas. Sie war das Gegenteil davon.
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Medienstar Kaiser Wilhelm II.

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Ein Vordenker des PR-Geschäfts, ein Medienstar, ein Meister der Illusion: Der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) war schon ein Profi der Mediengesellschaft, bevor es sie überhaupt gab.

Nur um die großen Diktatoren des 20. Jahrhunderts wie Hitler, Stalin oder Mao rankte sich ein ähnlicher Personenkult wie um den Spross des Hohenzollerngeschlechts. Allein rund 12 000 Fotografien ließ sich Wilhelm II. nach seiner Abdankung 1918 ins niederländische Exil nachschicken. Eine Auswahl seiner Porträts zeigt bis Ende September eine große Schau von 300 Fotos im Stadtmuseum Kiel.
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Deutschlands vergessene Blütejahre

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Wir stehen unter dem Eindruck, daß plötzlich eine ungeheure Macht in unserer Mitte aufgetaucht ist", schrieb die Londoner "Times" über die Ereignisse, die sich zu Beginn des Jahres 1871 zutrugen: Frankreich war von Preußen-Deutschland besiegt worden. In Versailles hatte Otto von Bismarck den preußischen König Wilhelm I. am 18. Januar 1871 zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Die Nation taumelte im Glück der Einheit, schien doch die alte Zwietracht überwunden zu sein.
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„Bismarcks Reichstag“ in Bad Kissingen

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In Bismarcks Kurquartier in der Oberen Saline in Bad Kissingen kann derzeit auch ein Blick auf seine politische Tribüne im Berlin geworfen werden. Die Ausstellung „Bismarcks Reichstag“, die noch bis 15. September 2005 im Bismarck-Museum Bad Kissingen zu sehen ist, gibt einen umfassenden Einblick in die Anfänge des deutschen Parlamentarismus.
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Krieg in Sicht

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Vor 130 Jahren - am 8. April 1875 - erschien in einer als regierungsnah geltenden deutschen Zeitung ein Artikel mit der Überschrift: "Ist der Krieg in Sicht?" Der Krieg ließ noch 39 Jahre auf sich warten. Doch mit der Krieg-in-Sicht-Krise blieb der seltene Umstand verbunden, dass eine Zeitungsüberschrift in die Geschichtsbücher einging.
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Bismarcks Sturz

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»Der Lotse verläßt das Schiff«, hieß es in der englischen Presse, als Otto von Bismarck nach 28 Dienstjahren am 20. März 1890 seine Entlassung entgegennahm. Zwischen dem jungen Kaiser Wilhelm II. und seinem Kanzler war es zu einer tiefen Entfremdung gekommen. Der seit 1888 regierende Wilhelm II. wollte die Staatsgeschäfte nicht mehr dem Kanzler überlassen und verlangte von Bismarck über dessen Gespräche mit Abgeordneten informiert zu werden. Bismarck wies dieses Ansinnen jedoch unter Verweis auf eine fast 40 Jahre alte Kabinettsorder zurück und legte am 18. März sein Abschiedsgesuch vor. Sein Nachfolger wurde der General der Infanterie Leo von Caprivi.
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Lernen Sie von Bismarck, Mr. President!

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Schockieren und beruhigen: Wenn George W. Bush das Beispiel des großen Preußen beherzigt, könnte er ein bedeutender Staatsmann werden.
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(C) Daniel Oswald