Jan 27
2010
Brandstifter im Biedermeier
News in Zeitalter der Nationalstaaten 2 Kommentare »Wie man in Minden und andernorts den Hass auf die Juden schürte – und die Epoche zur Ursprungszeit des modernen Antisemitismus in Deutschland wurde.
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1843: In Minden rufen handgeschriebene Pamphlete mit Juden-Karikaturen zum Progrom auf
Im September 1843 kommt es in einem Geschäft der westfälischen Stadt Minden zu einem peinlichen Zwischenfall. Ein jüdischer Ladengehilfe bietet einer christlichen Frau beim Einkauf eine Oblate mit der Frage an: Ob sie auch einen Messias nehmen wolle? Das Ereignis sorgt für große Aufregung.
In den folgenden Nächten werden handgeschriebene Flugblätter verbreitet, auf denen sich Mindener über die angebliche Hostienschändung beschweren und zum »Verderben der Juden« aufrufen: »Christen! Der Jude fängt an, mit unserm grössten Heiligthume Spott zu treiben; er giebt den Kindern unsere Hostien, wodrin wir beim heiligen Abendmahle unsern Heiland verehren – zum Spott – sagt dabei: Hier habt ihr einen Messias. Fresst euren Heiland auf! – Schon das[s] ein Jude unsere Hostien verkauft ist eine Schande für die ganze Christenheit, nun noch dazu dieser Spott – das ist zuviel! – Verderben den Juden + diesen Verräthern unseres Heilands, diesen Blutsaugern der Christen. Der Jude arbeitet nicht und lebt bes[ser] wie wir, also fort mit diesem Ungezief[er], unser Vermögen hat er. Nöthiget ihn die[s] wieder abzugeben und dann: Marsch mi[t] diesen Müssiggängern!!«
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