Nov 02
2011
"Völlig unreife Thesen"
News in Der Erste Weltkrieg 18 Kommentare »Die Fischer-Kontroverse um die Mitschuld der Deutschen am Ersten Weltkrieg wurde vor 50 Jahren der erste große Historikerstreit der Bundesrepublik. Eine persönliche Erinnerung
Die Häupter der Zunft waren in heller Aufregung, schon bevor das Werk überhaupt in den Buchläden lag. Er kenne das Werk von Fritz Fischer noch nicht, schrieb der Doyen der westdeutschen Geschichtswissenschaft, der Freiburger Gerhard Ritter, Mitte Oktober 1961 an den Leiter des Politischen Buches der ZEIT, Paul Sethe. Aber nach allem, was er darüber erfahren habe, dränge sich ihm der Eindruck auf, dass der Hamburger Historiker »den Sachverhalt in sehr gefährlicher Weise vereinfacht«. Glücklicherweise ließ sich Sethe durch den Alarmruf nicht beeindrucken. Seine ganzseitige Rezension in der ZEIT vom 17. November 1961 begann mit den Sätzen: »Es gibt viele historische Werke, die unsere Kenntnis nur bereichern und die wir deshalb dankbar aus der Hand legen. Es gibt auch andere, aber wenige, die uns erschüttern, ja umwerfen. Sie treffen den Kern von Vorstellungen, die uns teuer gewesen sind. Zu ihnen gehört [...] das neue Buch des Hamburger Historikers Fritz Fischer Griff nach der Weltmacht.«
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Die Häupter der Zunft waren in heller Aufregung, schon bevor das Werk überhaupt in den Buchläden lag. Er kenne das Werk von Fritz Fischer noch nicht, schrieb der Doyen der westdeutschen Geschichtswissenschaft, der Freiburger Gerhard Ritter, Mitte Oktober 1961 an den Leiter des Politischen Buches der ZEIT, Paul Sethe. Aber nach allem, was er darüber erfahren habe, dränge sich ihm der Eindruck auf, dass der Hamburger Historiker »den Sachverhalt in sehr gefährlicher Weise vereinfacht«. Glücklicherweise ließ sich Sethe durch den Alarmruf nicht beeindrucken. Seine ganzseitige Rezension in der ZEIT vom 17. November 1961 begann mit den Sätzen: »Es gibt viele historische Werke, die unsere Kenntnis nur bereichern und die wir deshalb dankbar aus der Hand legen. Es gibt auch andere, aber wenige, die uns erschüttern, ja umwerfen. Sie treffen den Kern von Vorstellungen, die uns teuer gewesen sind. Zu ihnen gehört [...] das neue Buch des Hamburger Historikers Fritz Fischer Griff nach der Weltmacht.«
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