Buchhaltung von Hitlers schwarzer Kasse entdeckt

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Das amerikanische Auktionshaus Alexander versteigert zahlreiche NS-Devotionalien. Darunter ein geheimes Kassenbuch und Liebesbriefe an Joseph Goebbels.[/b]

Bedingungslose Treue kann sich lohnen. Gleich eine Viertelmillion Reichsmark bekam Fritz Sauckel zum 50. Geburtstag im Oktober 1944 von seinem "Führer" geschenkt, natürlich steuerfrei. Adolf Hitler war offensichtlich zufrieden mit den Erfolgen seines "Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz". Mehr als fünf Millionen Fremd- und Zwangsarbeiter hatte Sauckel ins Dritte Reich verschleppen lassen, die in der Rüstungsindustrie schuften mussten.

Diese und viele hundert weitere diskrete Zahlungen im Auftrag des Diktators sind in einem Kassenbuch dokumentiert, das am 8. Dezember beim Auktionshaus Alexander in Stamford (US-Bundesstaat Connecticut) unter den Hammer kommen soll. Unter anderen lassen sich daran detailliert die exorbitanten Zahlungen ablesen, die Hitler zugunsten seines Leibmediziners, des Prominentenarztes und Kurpfuschers Theodor Morell anwies.
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Erinnerung an böse Zeit

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Es ist ein guter Tag für Sachsen-Anhalt gewesen, ohne Zweifel. Einer, der die Würde der Nazi-Opfer in den Mittelpunkt rückt und die Position des Landes in dieser Frage deutlich macht: In Prettin an der Elbe ist am Donnerstag nach jahrelangem Ringen endlich eine Gedenkstätte eingeweiht worden, die angemessen an die Häftlinge der Konzentrationslager im Schloss Lichtenburg erinnert.

Allerdings kam keiner der Redner in der eisigen Schlosskirche St. Annen umhin, auch die Widrigkeiten wenigstens anzudeuten, die das Projekt und seine Befürworter jahrelang behindert haben.
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Bei Kerzenschein und bestem Wein

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Was wussten deutsche Unternehmer und Bankiers vom Holocaust?


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15. Januar 1947: Der Industrielle Friedrich Flick, flankiert von zwei amerikanischen Wachen, im Justizpalast Nürnberg.

Die Gedanken sind frei heißt ein beliebtes Lied, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Gut ein Jahrhundert später machte in der hessischen Provinz der Justizrat Friedrich Kellner von der Freiheit des Denkens Gebrauch. Sein zwischen 1938 und 1945 verfasstes und soeben erstmals veröffentlichtes Tagebuch mit Alltagsbeobachtungen und Gesellschaftsanalysen löste eine neue Debatte darüber aus, wie viel die Deutschen vom Judenmord wissen konnten und wussten.
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Der Gröfaz war auch ein Gröfak

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Das Haus der Kunst in München war während der NS-Zeit ein Ort für Propagandakunst. Eine Forschungsdatenbank im Netz enthüllt nun erstmals, welche Werke dort zu sehen war.

Es gibt die Angst vor Mundgeruch (Halitophobie), eine Angst vor Licht (Photophobie), sogar Angst vor Handyfunklöchern (Nomophobie). Nur von einer Kunstangst war bislang nichts zu hören, obwohl gerade deutsche Museen darunter besonders zu leiden scheinen. Vor allem fürchten sie Bilder und Skulpturen der Hitlerzeit, so als könnten diese ansteckend wirken und womöglich unschuldige Besucher nationalsozialistisch schwer benebeln. Alle Werke dieser Zeit wurden 1945 ins Depot verbannt und waren seither nicht zu sehen. Erst jetzt, von manchen misstrauisch beäugt, bekommen sie wieder eine größere Öffentlichkeit.

Fast alle 12.550 Werke, die von 1937 bis 1944 auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München zu sehen waren, lassen sich von diesem Donnerstag an in einer großen Internetdatenbank nachschlagen. Dort ist auch vermerkt, wer einst welche Bilder für wie viele Reichsmark erwarb.
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Bislang kaum bekanntes Jugend-KZ Uckermark soll Gedenkstätte werden

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Ravensbrück (dapd-lbg). "Dann hinein ins Bad, unter die Dusche … Die Hände hab ich am Kopf gehalten, ich hab gedacht, wenn ich kein Haar hab, tut mir das weh auf der Glatze. Im Bad sind zwei SS-Männer gestanden, links einer, rechts einer, und wir mussten nackt, in Reih und Glied zu denen hingehen."[/b]
So gibt der Historiker Bernhard Strebel in seinem 2003 erschienen Buch über das KZ Ravensbrück den überlieferten Bericht der Wienerin Käthe Anders über deren Ankunft im Sommer 1942 im Konzentrationslager für Mädchen in der Uckermark wieder.

18 Jahre war sie jung, als sie in das 'Jugendschutzlager' kam, in das die Nationalsozialisten sogenannte 'asoziale' Mädchen zwischen 14 und 21 Jahren brachten. Verglichen mit den ehemaligen Konzentrationslagern in Sachsenhausen und Ravensbrück spielt das ehemalige Jugend-KZ Uckermark in der öffentlichen Darstellung der Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit des Landes Brandenburg bisher eine eher untergeordnete Rolle.
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Der Judenälteste, der mit Hitler verglichen wurde

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Steve Sem-Sandberg hat einen Roman über das Getto von Lodz geschrieben. Und über einen rätselhaften Juden, der Opfer und Täter zugleich war. Ein Gespräch.

Es war ein Ort unmenschlichen Lebens. Bis zu 200.000 Bewohner waren zwischen 1939 und 1944 im Getto Lodz/Litzmannstadt eingesperrt. In Todesnähe fristeten sie ihr Dasein, litten an Unterernährung und mussten durch Schwerstarbeit einem ebenso grausamen wie kühnen Überlebensprojekt dienen. Das Getto und seine jüdischen Gefangenen sollten für die deutsche Kriegswirtschaft unentbehrlich werden. Der Plan des Judenältesten Chaim Rumkowski war ein Pakt mit dem Teufel, wie sich bald herausstellte. Zehntausende entkräftete Menschen starben im Getto. Von den Bahnhöfen rollten weiterhin die Züge in die Vernichtungslager. Auch Kinder und Kranke wurden nach Auschwitz-Birkenau oder nach Kulmhof deportiert. „Transporte zur Arbeit außerhalb des Gettos“ wurden diese Aktionen genannt.

An Literatur zum Getto Lodz/Litzmannstadt mangelt es nicht. Es gibt die Briefe und Berichte von Zeitzeugen, die handschriftlichen Notizen des Gettobewohners Oskar Rosenfeld, vor allem aber die Lodzer Getto-Chronik, ein 2000 Seiten umfassendes kollektives Tagebuch aus dem Alltag einer unvorstellbaren Welt. In Steve Sem-Sandbergs Roman „Die Elenden von Lodz“ mischen sich diese historischen Dokumente mit fiktiven Geschehnissen aus dem Getto-Alltag, historische Personen mit einer Unzahl erfundener Figuren. Im Mittelpunkt steht Chaim Rumkowski, der Judenälteste und Lagermanager, dessen monströse Persönlichkeit Romanstoff genug ergibt. War er Täter oder Opfer? Die Frage bleibt in Steve Sem-Sandbergs Buch letztlich offen.
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"Man fühlt sich grauenvoll und schämt sich"

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Die Quandts stellen sich erstmals dem Gespräch: Der BMW-Erbe Stefan und seine Cousine Gabriele reden über die Nazivergangenheit ihrer Familie.[/b]

[b]DIE ZEIT:[/b] Frau Quandt, Herr Quandt, als Reaktion auf eine Fernsehdokumentation haben Sie und Ihre Geschwister einen Historiker beauftragt, Ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten. Diese Studie liegt vor. Sie enthält neue belastende Fakten.

[b]Stefan Quandt:[/b] Das ist richtig, aber in ihren Kernaussagen hat die Studie mich nicht überrascht und meine Erwartungen bestätigt. Dass unser Großvater Günther Quandt kein Antisemit war. Kein überzeugter Nationalsozialist. Und kein Kriegstreiber. Dass er aber Zehntausende Zwangsarbeiter in seinen Unternehmen beschäftigt hat. Auch schmerzhaft zu sehen ist die Rolle, die Günther Quandt bei einigen Arisierungen gespielt hat, also bei Übernahmen von Firmen aus jüdischem Besitz, mit denen er seinen Konzern erweiterte. Das war mir vorher so nicht klar.

[b]Gabriele Quandt:[/b] Der Fernsehfilm hat unsere Familie sehr getroffen, weil die NS-Geschichte darin anders gewichtet wurde, als wir sie für uns gewichtet hatten. Wir wussten natürlich, dass der Großvater, der gut durch die Nazizeit gekommen war und einen Großteil seines Vermögens gerettet hat, kein Held gewesen ist. Dass Günther Quandt jemand war, der sich mit den Umständen arrangiert hat. Aber wir haben es weggeschoben. Der Film hat uns dann die Lupe vor das Foto gehalten.

[b]DIE ZEIT:[/b] Was erkannten Sie?
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Und sonntags in die Kirche - Horst Wessel: Vom Pfarrerssohn zum Nazihelden

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Erstmals wird jetzt die "politische Autobiografie" des SA-Führers Horst Wessel veröffentlicht. Ein Gespräch mit dem Mitherausgeber Manfred Gailus.


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NSDAP-Mitgliedsausweis von Horst Wessel (datiert 24. Februar 1928)

DIE ZEIT: Herr Gailus, die Erinnerungen des Nazihelden Horst Wessel sind ein bizarres Dokument: eine »politische Autobiografie«, verfasst von einem gerade 21-Jährigen. Was hat Sie und ihren Kollegen Daniel Siemens gereizt, dieses Buch herauszugeben?

Manfred Gailus: Der SA-Führer war eine der wichtigsten Kultfiguren der Nazizeit. Sein Lied Die Fahne hoch wurde nach 1933 zur zweiten Nationalhymne. Wessel lebte da schon nicht mehr; Anfang 1930 war er von einer Gruppe Berliner Kommunisten unter nicht restlos geklärten Umständen erschossen worden. Kurz zuvor hatte er eine Schilderung seines Werdegangs verfasst. In der Tat ist das ein ungewöhnliches Dokument – und ein extrem aufschlussreiches, denn hier begegnet uns ein junger Mann, der sich nicht dadurch auszeichnet, etwas Besonderes geleistet zu haben, wie es der Mythos will, sondern einer, der zunächst einmal sehr typisch ist für seine Generation. Ein Nazi im Werden, ein Jugendlicher, der während der Weimarer Jahre in der »Bewegung« aufgeht. Was er schreibt, steht noch nicht unter dem Eindruck des Triumphes von 1933. So gibt uns diese »Autobiografie« einen ganz unverstellten Einblick in die frühen Jahre der NSDAP.

ZEIT: Der Horst Wessel der NS-Propaganda ist eine Schöpfung des damaligen Berliner Gauleiters Joseph Goebbels. Er stilisierte den jungen Mann zu einem Märtyrer, zu einem nationalrevolutionären »Christussozialisten«. Was hat dieser Mythos mit der Realität zu tun?
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„Es ist falsch, alles auf Hitler zu reduzieren“

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Im Gespräch mit unserer Zeitung hat sich der Historiker Hans Mommsen unter anderem über Hitler, einen deutschen Nationalcharakter und die 68er geäußert.

Hans Mommsen forscht seit vielen Jahrzehnten über die deutsche Geschichte zwischen 1918 und 1945. Zuletzt erschien sein Buch „Zur Geschichte des 20. Jahrhunderts“. In dem Werk sind Essays des renommierten Historikers zusammengefasst. Unsere Zeitung besuchte den emeritierten Professor am Starnberger See.

Sie haben sich eingehend mit der Gewichtung der Rolle Adolf Hitlers beschäftigt. Wäre ohne ihn die deutsche Katastrophe mit Weltkrieg und der Vernichtung der Juden so denkbar gewesen?

Hans Mommsen: Die unglaublichen Exzesse hätte es vielleicht nicht gegeben. Aber vieles, was passierte, war in der Tendenz schon angelegt. Die Radikalisierung Hitlers ist wiederum auch ein Produkt der damals herrschenden Ressentiments. Es ist einfach falsch, alles, was geschehen ist, auf die Person Adolf Hitler zu reduzieren.
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Warum tilgte der BND die Akte des Eichmann-Helfers?

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Der gesuchte NS-Massenmörder Alois Brunner lebte unbehelligt in Damaskus. Der BND sammelte Material. In den Neunzigern wurde es vernichtet.

Nachrichtendienstler sind Messies: Sie suchen emsig Informationen und legen riesige Archive an. Wissen ist Macht – wenn man es allein hat. Umso mehr erstaunt die Information, mit der Bodo Hechelhammer, Leiter der „Forschungs- und Arbeitsgruppe für Geschichte“ beim Bundesnachrichtendienst, kürzlich vom „Spiegel“ zitiert wurde: Der BND habe in den Neunzigern gezielt eine Akte vernichtet, die des Eichmann-Freunds und NS-Verbrechers Alois Brunner.
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Warum die Deutschen Hitler bis zuletzt folgten

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Der britische Hitler-Biograf Sir Ian Kershaw analysiert in seinem neuen Buch die Schuld der Eliten und den deutschen Charakter. Ein Gespräch.

Britische Historiker sind durchweg auch vorzügliche Erzähler, aber unter allen Vertretern der Zunft pflegt Ian Kershaw einen besonders fesselnden Stil, er spricht selber von seinem neuen Buch gerne als einer „narrative“, einer Erzählung. Die ist freilich erschütternd genug. „The End – Hitler’s Germany, 1944-45“, soweben bei Penguin erschienen und für den November bei DVA unter dem Titel „Das Ende. Kampf bis in den Untergang – NS-Deutschland 1944/45“ vorgesehen, geht über Kershaws monumentale Hitler-Biografie noch hinaus und zeichnet das Uhrwerk nach, von dem das System NS-Staat bis zum bitteren Ende in Gang gehalten wurde. Ein unerforschtes Gebiet bisher. Im Gespräch mit "Welt Online" führt der Historiker durch die Abgründe einer Zeit, die uns weiterhin fesselt als ein Paradigma des Schreckens und Erschreckens.
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"Ich traf Hitler am Swimmingpool im Olympia-Dorf"

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Gustav Adolph Kiefer, der letzte lebende Olympiasieger von 1936, spricht im Exklusiv-Interview mit "Welt Online" über die Sommerspiele vor 75 Jahren in Berlin.

Bei den vor 75 Jahren am 1. August eröffneten Olympischen Spielen wurden Olympiasieger in 129 Wettbewerben gekürt. Der letzte noch lebende Goldmedaillengewinner ist Gustav Adolph Kiefer. Der damals 18-jährige Amerikaner, von seinen Schwimmkollegen "Sonny Boy" genannt, triumphierte als Weltrekordhalter über 100 Meter Rücken in der olympischen Rekordzeit von 1:05,9 Minuten. Der heute 93-Jährige wohnt mit seiner zwei Jahre jüngeren Frau Joyce in einem idyllisch gelegenen Haus in Wadsworth unweit von Chicago.
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Die Wahrheit der Propaganda

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Ein Gespräch mit dem Historiker Peter Longerich über Friedrich Kellners Tagebücher und das Zeitunglesen in der NS-Diktatur.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2011-07/s17-friedrich-kellner/s17-friedrich-kellner-540x304.jpg[/IMG]
Friedrich Kellner war zur NS-Zeit Justizinspektor. Seine Tagebücher zeigen, das etwas von den Naziverbrechen in der Gesellschaft sichtbar wurde.

DIE ZEIT: Herr Longerich, die Kriegstagebücher des Friedrich Kellner haben die Diskussion um die Frage neu entfacht, was die Deutschen von den NS-Verbrechen gewusst haben. Worin liegt die Besonderheit dieser Aufzeichnungen?

Peter Longerich: Kellners Tagebücher bestätigen auf beeindruckende Weise, dass sehr viel mehr Informationen über die Verbrechen verfügbar waren, als man lange Zeit angenommen hatte. Wobei man unterscheiden muss zwischen bloßer Information und tatsächlichem Wissen. Wissen setzt voraus, dass man sich Dinge in einem unter Umständen mühsamen Prozess bewusst macht. Kellner las zum Beispiel Propagandameldungen gegen den Strich, indem er ältere Tageszeitungsberichte heranzog oder auch Programmschriften wie Hitlers Mein Kampf.

DIE ZEIT: Was hielt andere Menschen davon ab, diese Quellen wirklich zu nutzen?

Peter Longerich: Unter anderem eine Art psychischer Selbstblockade. Kellner glaubte, dass Hitler nur durch eine militärische Niederlage beseitigt werden könne. Für die meisten Deutschen war diese Vorstellung wegen der damit verbundenen Schrecken schwer zu akzeptieren. Viel einfacher war es, über die Verbrechen des Regimes hinwegzusehen.
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Hellas statt Holocaust

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Vergangenheit, die nicht vergehen will: Egon Flaigs wundersame Wiederbelebung des westdeutschen Geschichtsbilds der fünfziger Jahre.[/b]

Was mag im Kopf eines Zeitgenossen vorgehen, der zum ersten Mal im Leben am 13. Juli 2011 durch einen Beitrag des Rostocker Althistorikers Egon Flaig auf den Wissenschaftsseiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung etwas über den »Historikerstreit« des Jahres 1986 erfahren hat? Nur auf diesen Artikel angewiesen, wird er vermuten müssen, dass der berühmte Philosoph Jürgen Habermas – Flaig zufolge ein ziemlich ungebildeter Patron – am 11. Juli 1986 in der ZEIT über den Berliner Historiker Ernst Nolte und drei seiner Kollegen hergefallen ist, um sie mithilfe von Zitatverkrümmungen und »Tricks«, wie sie im »Lumpenjournalismus« (Flaig) üblich sind, an den Pranger zu stellen. Dabei hätten, meint Flaig, die Beschuldigten nur eine »Mahnung« ausgesprochen, »nämlich, dass die Vergangenheit der Deutschen nicht zwölf Jahre beträgt, sondern ein gutes Jahrtausend und [...] dass die Vergangenheit der Deutschen als Teil der europäischen Kultur mindestens bis zur griechischen Klassik zurückreicht«.

Dankenswerterweise nennt Flaig das Buch, in dem man die Debatte von 1986 nachlesen kann: den im Jahr darauf erschienenen Band »Historikerstreit«. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Wer sich dort kundig macht, wird freilich feststellen, dass der Disput anders verlief, als Flaig es darstellt. Den »Historikerstreit« löste Ernst Nolte am 6. Juni 1986 mit seinem in der FAZ veröffentlichten Aufsatz Vergangenheit, die nicht vergehen will aus. Darin versuchte er, die Vernichtung der europäischen Juden aus Stalins Verbrechen abzuleiten und Hitlers Vorgehen als einen Akt der Putativnotwehr verstehbar zu machen. Nolte stellte Fragen, die sich von selbst zu beantworten schienen. »Vollbrachten die Nationalsozialisten, vollbrachte Hitler eine ›asiatische‹ Tat vielleicht nur deshalb, weil sie sich und ihresgleichen als potentielle oder wirkliche Opfer einer ›asiatischen‹ Tat betrachteten? War nicht der ›Archipel GULag‹ ursprünglicher als Auschwitz? War nicht der ›Klassenmord‹ der Bolschewiki das logische und faktische Prius des ›Rassenmords‹ der Nationalsozialisten?« Das war der Text, der Habermas den Anstoß zu seiner scharfen (und, was Noltes angebliche Mitstreiter anging, nicht eben differenzierten) Replik gab – der Text, ohne den der »Historikerstreit« nicht stattgefunden hätte.
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NS-Vergangenheit: Späte Aufklärung

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Eine Liste mit Nazi-Deportierten ist im Suchdienst-Archiv in Bad Arolsen gefunden worden. Es könnte sich um einen Sensationsfund handeln, der das Schicksal vieler Opfer des Nationalsozialismus klären könnte.
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Jeder konnte es wissen

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Ein Jahrhundert-Dokument: Von 1939 bis 1945 führte Friedrich Kellner, ein kleiner Justizbeamter in der hessischen Provinz, sein politisches Tagebuch. Es zeigt, wie viel der Normalbürger von den Verbrechen des NS-Regimes mitbekam. Jetzt wird Kellners Journal erstmals veröffentlicht.[/b]

Laubach, Oberhessen, Anfang September 1939. In seiner Dienstwohnung im Amtsgericht der kleinen Stadt bei Gießen beginnt der Justizinspektor Friedrich Kellner damit, ein Tagebuch anzulegen. »Es ist heute so«, schreibt er, »daß das Leben überhaupt nicht mehr lebenswert ist. Ein drangsaliertes, gequältes, eingeschüchtertes, überaus unfreies Volk soll sich für einen Tyrannen totschießen lassen. Terror ohnegleichen! Die Bonzen als Spitzel. Der anständige Deutsche hat kaum mehr den Mut, überhaupt zu denken, geschweige denn etwas zu sprechen.« Wovor Sozialdemokraten wie Kellner in den letzten Jahren der Weimarer Republik immer gewarnt hatten, das war nun eingetreten – mit dem Überfall auf Polen brach das NS-Regime einen Krieg vom Zaun, der Millionen Menschen das Leben kosten sollte.

Friedrich Kellners an die 900 Seiten zählendes Tagebuch aus den Jahren 1939 bis 1945 gehört zu den großen historischen Dokumenten des 20.Jahrhunderts, von Stil und Anlage her allenfalls vergleichbar mit den Aufzeichnungen des Celler Ingenieurs Karl Dürkefälden. Erst jetzt wird es, nachdem es lange in Familienbesitz geblieben war, endlich veröffentlicht. Kein unmittelbar Verfolgter spricht hier, wie etwa Victor Klemperer in seinem berühmten Journal, sondern ein deutscher Normalbürger, ein stiller, aber kritischer Beobachter tief in der Provinz. Sein Tagebuch wirft erneut die Frage auf: Was konnte der Einzelne während der NS-Zeit wissen? Was las er in der Zeitung, hörte er im Radio (ohne heimlich den »Feindsendern« zu lauschen)? Was war von den großen Verbrechen in Erfahrung zu bringen, wenn ihm jeder Zugang zu den internen Kreisen des Regimes fehlte?
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Geldmangel – NS-Gedenkstätte Sobibor geschlossen

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Die Nazis ermordeten 250.000 Juden in den Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibor in Polen. Die Gedenkstätte musste nun aus Finanzgründen schließen.

Mehr als zehn Jahre hat Marek Bem hartnäckig um einen festen Platz der NS-Gedenkstätte Sobibor in der polnischen Museumslandschaft gekämpft. Der langjährige Leiter der Einrichtung im Osten Polens legte wegen des Personalmangels auch selbst Hand an, etwa wenn er den Kiesweg zum Museum per Harke in Ordnung brachte.

Doch nun hat der 50-jährige Anthropologe das Handtuch geworfen: „Wir haben das Museum dichtgemacht“ sagte Bem. Bis auf weiteres soll das Museum mit seiner ständigen Ausstellung wegen Geldmangels für Besucher geschlossen bleiben.

„Ohne das Geld kann die Einrichtung nicht funktionieren“, so Bem. Deshalb hätten er und seine Mitarbeiter das Gelände verlassen und alle Aktivitäten, auch die Führungen für Touristen, eingestellt. Nur privat schaue er manchmal vorbei, er fühle sich mit diesem Ort sehr verbunden, erzählt Bem, der seit 2010 Sprecher der Gedenkstätte ist. Das 60 Hektar große Gelände des ehemaligen Lagers mit historischer Bahnrampe ist aber nicht eingezäunt und bleibt weiterhin zugänglich.
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"Die Mörder blieben geschätzte Bürger"

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In dem Buch "Goldene Ernte" schreiben zwei polnische AutorInnen darüber, wie ihre Landsleute vom Holocaust profitiert haben. Sie sehen sich heftigen Anfeindungen ausgesetzt.
taz: Frau Grudzinska-Gross, Herr Gross, Sie werfen den Polen in Ihrem Buch "Goldene Ernte" vor, vom Holocaust materiell profitiert zu haben. Die Reaktionen in Polen waren sehr heftig. In Gdansk klebten sogar Zettel an den Schaufenstern der Buchhandlungen mit der Warnung: "Hier werden antipolnische Bücher verkauft. Kauft nicht in diesem Laden!" Hatten Sie solche Reaktionen erwartet?

Irena Grudzinska-Gross: Das stimmt. Es gab Boykottaufrufe. Fanatiker starteten eine Cyber-Attacke gegen den Verlag Znak in Krakau, sodass dort für kurze Zeit keine Bestellungen mehr eingehen konnten. Aber das war keine Massenerscheinung.
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Eichmann-Prozess: Das Entsetzliche übersetzen

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Eichmann-Prozess Das Entsetzliche übersetzen

Zwei Glasscheiben, eine davon aus Panzerglas, trennen Adolf Eichmann und Ruth Levy-Berlowitz. Sie sitzen in eigenen Kabinen, 20 Meter voneinander entfernt. Und doch ist da eine Nähe zwischen ihnen, die etwas Intimes hat. Wenn Eichmann, der Massenmörder, umständlich seine Kopfhörer aufgesetzt hat, hört er die Stimme von Ruth Levy-Berlowitz.

»Ich habe ihm ins Ohr geflüstert. Intimer geht es doch kaum«, sagt die Frau heute, 50 Jahre später. Sie war Eichmanns Dolmetscherin. Sie sucht ein Wort, das beschreiben könnte, wie sie diese ungewollte Nähe damals empfunden hat. Sie sagt: »Es war irgendwie unheimlich.« Ruth Levy-Berlowitz, 85, entstammt einer jüdischen Dresdner Familie. 1936, sie war gerade zehn Jahre alt, emigrierten die Eltern mit ihr nach Palästina. Zwei Tanten, denen die Flucht nicht mehr gelang, kamen im Konzentrationslager Majdanek um. Eine Cousine überlebte in Berlin, versteckt in einer Hundehütte.

Adolf Eichmann war in der NS-Zeit Leiter des »Judenreferats« im Reichssicherheitshauptamt, er war einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung von Millionen Juden. Am 11.April 1961 begann in Jerusalem der Prozess gegen ihn.
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Männer-Kommunen für den Führer-Nachwuchs

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In drei "Ordensburgen" sollten die künftigen Leiter der NSDAP geformt werden. Viele Ordensjunker begingen später Verbrechen an der Ostfront.[/b]

Der Tag war bis zur letzten Minute durchgeplant und Freizeit nicht vorgesehen. Stattdessen gab es regelmäßig mindestens zwei gemeinsame Zeremonien täglich. Alle Bewohner trugen die gleiche Kluft; ihre individuelle Kleidung hatten sie abgeben müssen. Ausflüge kamen ohnehin nicht in Frage, weil sie weit ab von jeder Stadt untergebracht waren. Körperliche Anstrengung und geistige Arbeiten hielten einander die Waage, und kein weibliches Wesen sollte die volle Konzentration der jungen Männer ablenken. Was nach dem Leben in einem Kloster besonders strenger Observanz klingt, war in Wirklichkeit das Programm der "Ordensjunker“ der NSDAP. Sie sollten in vierjährigen Lehrgängen vorbereitet werden auf künftige Führungspositionen in Hitler-Deutschland; der erste begann im Oktober 1937.
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Im Angesicht eines Massenmörders

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Er galt als das Böse in Person: Adolf Eichmann organisierte die Vernichtung der Juden. Vor 50 Jahren wurde sein Prozess zu einem der ersten weltweiten Medienereignisse.[/b]

Bis zuletzt hatte er noch Tausende von Juden, vor allem auch viele Frauen, auf endlosen Fußmärschen in den Tod getrieben, dann musste er einsehen, dass auch in Ungarn die Voraussetzungen für eine Weiterführung des Vernichtungsprogramms nicht mehr gegeben waren, weil es inzwischen an jeglichen Transportmöglichkeiten mangelte.

Am 24. Dezember 1944 machte Adolf Eichmann der erzwungenen Untätigkeit ein Ende, setzte sich in seinen Mercedes und suchte das Weite. Am 11. April 1961 wurde im Bezirksgericht von Jerusalem der Prozess gegen ihn eröffnet. Diese beiden Daten umspannen eine bewegte Zeit. Ein Teil des Geschehens liegt noch immer im Dunkeln, was auch damit zusammenhängt, dass ein Teil der Akten, etwa beim BND, bis heute gesperrt ist.
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Ein Mörder aus der Mitte der Gesellschaft

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WALDKIRCH. Vor 20 Jahren kam es im Zuge der erst damals breiter bekanntgewordenen Tatsache, dass ein Bürger der Stadt Waldkirch im Nationalsozialismus zum Massenmörder geworden ist, zu heftigen Auseinandersetzungen in der Stadt. Jetzt legt der in Waldkirch lebende Historiker Professor Wolfram Wette nach mehrjähriger Forschungstätigkeit in den Archiven und vielen Zeitzeugengesprächen eine Biografie unter dem Titel "Karl Jäger – Mörder der litauischen Juden" vor.[/b]

Wette folgt darin den Spuren eines Mannes, der in seiner Jugend zunächst durch seinen Sinn für Musik auffiel und im damals größten Waldkircher Orgelbauunternehmen als technischer Leiter und Prokurist Verantwortung trug. Nach seinem Freiwilligendienst im Ersten Weltkrieg trat Karl Jäger bereits 1923 der NSDAP bei und baute später einen SS-Sturm in Waldkirch auf. Nach längerer Arbeitslosigkeit in den 1930er Jahren, verbunden mit finanziellem persönlichen Niedergang und der Trennung von seiner Frau und drei Kindern, boten ihm die Nationalsozialisten ab 1936 in der SS eine hauptberufliche Perspektive mit Stationen unter anderem in Ludwigsburg, Ravensburg und Berlin. Ab 1941 war Jäger als SS-Standartenführer verantwortlich für den Mord an mehr als 130 000 Juden und anderen Menschen in Litauen, indem er die Befehle zum Töten gab (auch an schwangeren Frauen und an Kindern) oder selbst an diesen Massakern beteiligt war.

Wolfram Wette beschäftigt auch die Frage, warum es für viele Waldkircher – und andere Deutsche – heute noch immer so schwer ist, diese Ereignisse als das wahrzunehmen, was sie sind: ein grauenhafter Bestandteil der Geschichte, mit Berührungspunkten direkt vor der eigenen Haustür und in Familien hinein, die man kennt.
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«Polizeilich näher charakterisierte Juden»

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Das deutsche Auswärtige Amt und der Beginn der «Endlösung» in Frankreich.

Die Kontroverse um den Bericht einer internationalen Historikerkommission über die Beteiligung des deutschen Auswärtigen Amts an der Ermordung der europäischen Juden ist noch immer nicht beendet. Gelegentlich werden im Eifer des Gefechts historische Fakten und Hintergründe ignoriert.

Was treibt eigentlich die seit Monaten in den deutschen Medien geführte Debatte um den Kommissionsbericht zur NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amts an? Ist es die «nachgeholte Empörung», von der Raphael Gross spricht, der Leiter des Frankfurter Jüdischen Museums? Der Nachweis der Verstrickung des Ministeriums und seiner akademisch gebildeten Elite in den Mord an den europäischen Juden und die Aufdeckung personeller Kontinuitäten nach 1945 jedenfalls können Historiker kaum überrascht haben; und der Bericht kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem keine politischen oder juristischen Konsequenzen mehr zu befürchten sind. Anders auch als bei den Kontroversen um die Wehrmachtsausstellung in den 1990er Jahren, als die Lebenslüge einer ganzen Soldatengeneration zerbrach, scheinen sich die Befunde der Historikerkommission für eine Skandalisierung nicht zu eignen. So verlagert sich die mediale Diskussion auf Nebenschauplätze: Haben die Kommissionsmitglieder sich die Akten im Original angesehen? Haben sie Funde für neu ausgegeben, die längst bekannt waren? – Oder es werden Nachhutgefechte ausgetragen, die an die Fronten des «Historikerstreits» von 1986 erinnern.
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Auf Hitlers Spuren durch Deutschland

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Eine Pauschalreise zum "Gesicht des Bösen" beschäftigt die Briten.[/b]

Die Orte der größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts – die Vernichtungslager des Holocaust – bemühen sich seit Jahrzehnten um mahnende Erinnerung, Betroffenheit, millionenfach wachen Schülerverstand. Auch Lokalitäten wie das Haus der Wannseekonferenz in Berlin, an denen die Täter über das Schicksal ihrer Opfer entschieden, wollen als Gedenkstätten den Schrecken jener Zeit vermitteln.

Wie viel Aufklärung aber erlaubt eine Urlaubstour auf Hitlers Spuren? Das fragen sich die Briten, wo jetzt erstmals zu einer solchen Reise eingeladen wurde. Statt Loreley, Oktoberfest und Weihnachtsmärkten soll das Publikum von der Insel in Germany Stationen aus dem Leben des Führers präsentiert bekommen. 2000 Pfund (2400 Euro) pro Nase kostet die Reise, die eine exklusive Begegnung mit dem "Gesicht des Bösen" verspricht. Veranstaltet wird der Trip von britischen Historikern und Autoren, die am "Aufstieg und Fall des Dritten Reiches" interessiert sind. Nur 30 Personen können an der ersten Tour teilnehmen.
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Das Erbe der NSDAP sind 10,7 Millionen Namen

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1945 fiel den Amerikanern die Mitgliederkartei der NSDAP in die Hände. Eine Berliner Ausstellung zeigt ihre Geschichte.[/b]

Der Schlag war genau gezielt: „Heute ist es westlich der Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik direkt eine Empfehlung, wenn man eine Karte mit seinem Namen darauf in der großen Kartothek der Nationalsozialistischen Partei hat.“ Der DDR-Schriftsteller Stefan Heym formulierte diesen Satz 1953 für seine Erzählung „Eine wahre Geschichte“. Die „große Kartothek“ waren die rund 10,7 Millionen Pappkarten mit den Namen der NSDAP-Mitglieder, die im Wasserkäfersteig im US-Sektor der vormaligen Reichshauptstadt Berlin ausgewertet wurden, im Berlin Document Center (BDC).
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(C) Daniel Oswald