Tagebuch des Hitler-Ideologen: Was Alfred Rosenberg niederschrieb

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Es ist ein Dokument von großer Brisanz: In den USA wurden persönliche Aufzeichnungen von Alfred Rosenberg präsentiert, Hitlers Chef-Ideologen. Sie galten lange als verschollen. Historiker erhoffen sich neue Erkenntnisse über den Holocaust, Reportern wurde jetzt ein kurzer Einblick gewährt.[/b]

Dies ist der Moment, auf den Henry Mayer gewartet hat. "Seit 17 Jahren", präzisiert er. Leise keuchend und auf einen Stock gestützt, humpelt er in den kleinen Raum, wo sich die Reporter drängen. Sein Gesicht, umkränzt von einem weißen Bart, glüht vor Aufregung.

Auf einem Tisch im Nebenraum, hinter einer Glaswand, liegt der Grund für seine Freude - gut ein Dutzend vergilbter Blätter, einige betippt, andere handbeschrieben, in krakeligem Kursiv. Um letztere geht es: Es sollen Auszüge aus dem seit 1946 verschollenen Tagebuch des Nazi-Chefideologen Alfred Rosenberg sein - heute eines der wohl wichtigsten Dokumente aus dem "Dritten Reich".

Dieser Fund ist Mayers Lebenswerk. Der frühere Chefarchivar des United States Holocaust Museum hat fast seine ganze Karriere dieser Suche gewidmet, bis über seine Pensionierung 2010 hinaus. Und jetzt kann er endlich sagen: "Wir haben das Tagebuch."
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Die braune Gewerkschaft

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In den Maitagen gedenken die Gewerkschaften ihrer von den Nazis verfolgten und ermordeten Mitglieder. Und doch gab es eine, die schon früh größte Sympathien für Hitler hegte: die machtvolle Angestelltengewerkschaft DHV.[/b]

Am Montag das Zuckerbrot: Der 1. Mai ist 1933 zum ersten Mal der Feiertag der "nationalen Arbeit", und nach Goebbels’ Choreografie marschieren die Arbeitermassen durch Deutschlands Straßen. Am Dienstag die Peitsche: NSDAP-Organisationsleiter Robert Ley lässt die SA im ganzen Reich die Gewerkschaftshäuser stürmen. So besetzen die Braunhemden um neun Uhr auch das Hamburger Haus des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes beim Hauptbahnhof, verwüsten Büros, prügeln auf Gewerkschafter ein und entrollen vom Balkon die Hakenkreuzfahne.

Völlig unbehelligt indes bleibt auf Weisung von Ley die Zentrale des Deutschen Handlungsgehilfen-Verbandes (DHV) am anderen Ende der Hamburger Innenstadt, am heutigen Johannes-Brahms-Platz.
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Die braunen Plünderer jüdischer Vermögen

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Nicht nur der NS-Fiskus profitierte: Eine Studie zeigt erstmals, wie einzelne Finanzbeamte aus der Enteigung von Juden ihren Nutzen zogen.


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In der Regensburger Innenstadt erinnern Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig an die Opfer der Nazi-Diktatur.

Fast jeder ist schon einmal an ihnen vorbei gelaufen, hat sie vielleicht genauer angeschaut. Überall in Deutschland erinnern kleine Messingplatten vor Hauseingängen daran, wen die Nationalsozialisten hier deportierten. Diese Menschen ließen Häuser, Geschäfte, Vermögen zurück. Doch wer organisierte die Enteignung und Ausplünderung vor allem von Juden während der NS-Diktatur?

Das Bundesfinanzministerium arbeitet derzeit seine Geschichte auf. Eine Historikerkommission untersucht die Rolle seiner Vorgängerbehörde, einzelne Autoren verfassen dazu umfangreiche Studien. Ähnlich haben es zuvor schon Justiz- und Außenministerium getan. In Berlin stellen die Forscher nun ihre ersten Ergebnisse vor. Es tun sich Abgründe auf.
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Gerettete Erinnerung

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Die KZ-Zeichnungen von Camille Delétang galten als verloren. Jetzt sind diese einzigartigen Dokumente wieder aufgetaucht.

Bahnhof Celle, 8. April 1945. Bis hierhin war es ihnen gelungen, die Mappe bei sich zu tragen. Doch nun, nur wenige Tage vor ihrer Befreiung, verloren die beiden Franzosen Camille Delétang und Armand Roux doch noch, was ihnen so wichtig war: schriftliche Aufzeichnungen und rund 150 heimlich angefertigte Häftlingsporträts aus dem "Kommando Hecht", einem Außenlager des KZs Buchenwald bei Holzen im Weserbergland.
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Horst Tappert: Mitgliedschaft in Waffen-SS bestätigt

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Als Oberinspektor „Derrick“ brachte es Horst Tappert einst zu Weltruhm. Jetzt kommt eine bisher unbekannte Seite des Kult-Schauspielers ans Licht.[/b]

Der Schauspieler Horst Tappert („Derrick“) ist nach Behördenangaben während der Nazi-Zeit Mitglied der Waffen-SS gewesen. Das belege eine Kartei bei der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (WASt) in Berlin, sagte eine Sprecherin der zuständigen Aufsichtsbehörde am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Tapperts Sohn habe die Kartei nun freigegeben, sagte der Leiter der WASt, Hans-Hermann Söchtig, der dpa. Die Angaben in der Kartei wollte er nicht kommentieren.
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Fahnder wollen gegen 50 KZ-Aufseher ermitteln

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Das Demjanjuk-Urteil hat Prozesse gegen KZ-Aufseher aussichtsreicher gemacht. In Deutschland soll nun gegen 50 von ihnen ermittelt werden wegen Beihilfe zum Mord.[/b]

Deutsche Fahnder sind einem Medienbericht zufolge auf eine größere Zahl bisher unbelangter mutmaßlicher NS-Täter aufmerksam geworden. Die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg will nach Informationen der WAZ-Mediengruppe in den nächsten Wochen Vorermittlungen gegen 50 frühere KZ-Aufseher des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau einleiten. Der Vorwurf lautet auf Beihilfe zum Mord, heißt es in dem Bericht.

Den Ermittlern lägen die Namen und die Angaben zu den Wohnorten der Tatverdächtigen vor, bestätigte der Behördenleiter, der Leitende Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm. Die Verdächtigen lebten über ganz Deutschland verteilt. Es handele sich um Personen im Alter um die 90 Jahre.
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Das Grauen von Auschwitz in einem Koffer

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George Brady überlebt den Nazi-Terror, geht nach Kanada. Nach 60 Jahren holt ihn die Vergangenheit ein, als der Koffer seiner in Auschwitz ermordeten Schwester auftaucht.[/b]

Er hat das Versprechen nicht gehalten. Das Versprechen, das er seinen Eltern gab, als sie abgeholt wurden und er sagte, dass er auf seine Schwester Hana achtgeben würde. Er beschützte sie nicht. Nicht genug. Sicher, er konnte es nicht. Was hätte er, Jerzy Brady, der 16-jährige Junge aus dem tschechischen Nové Mesto na Morave, schon ausrichten sollen gegen einen so mächtigen Gegner wie Deutschland. Trotzdem plagen ihn Schuldgefühle bis heute. Da werden immer das 13-jährige Mädchen sein und ein alter Mann, der versagt hat und dem es erlaubt ist, 85 Jahre alt zu werden und einen nächsten Skiurlaub zu planen.
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Dachau: Modell für die Mordlager

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Als "Erziehungsanstalt" verkaufte Himmler das KZ Dachau der Presse, als er 1933 die Errichtung des Lagers bekanntgab. Doch was hinter Stacheldrahtzäunen entstand, war ein grausames Modellprojekt, dessen Terrorstrategien bald in allen Konzentrationslagern angewandt wurden. Von Johanna Lutteroth[/b]
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Benz kritisiert "Größenwahn" von US-Holocaust-Studie

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Sind die Amerikaner den Deutschen in der NS-Forschung überlegen? Nein, sagt Wolfgang Benz im Interview.

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"Wir haben nicht einmal alle Nazi-Lager erfasst"

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42.500 Orte des Naziterrors – waren Tausende davon bisher unentdeckt? Nein, sagt Historiker Geoffrey Megargee im Interview. Nur habe niemand das Puzzle zusammengefügt.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/2013-03/stolpersteine/stolpersteine-540x304.jpg[/IMG]
Aus ganz Deutschland wurden im Nationalsozialismus Menschen verschleppt. Das Projekt "Stolpersteine" will das sichtbar machen.

ZEIT ONLINE: Herr Megargee, Sie gehören zu den Herausgebern einer Enzyklopädie, an der seit 13 Jahren am Holocaust Memorial Museum in Washington geforscht wird. Jetzt ist der erste Teil veröffentlicht und fasst zusammen, welche Orte der Gewalt es im Dritten Reich im besetzen Europa gab. Darunter Konzentrationslager, Arbeitslager, Gettos, Judenhäuser und Orte, an denen Frauen zur Prostitution gezwungen wurden. Insgesamt kommen Sie und Ihre Co-Autoren auf 42.500 von Nazis errichtete Lager. Was bedeutet diese Zahl?

Geoffrey Megargee: Um ehrlich zu sein, übersteigt diese Frage nach der Deutung den Rahmen unserer Forschungsarbeit. Denn die Enzyklopädie verfolgt zunächst einfach das Ziel, die grundlegenden Fakten zu jedem genannten Ort zusammenzutragen und ihn zu kategorisieren.

ZEIT ONLINE: Haben Sie denn darüber nachgedacht, was 42.500 Lager über das System aussagen? Bisher ging man von 7.000, neuere Schätzungen von höchstens 20.000 aus.

Megargee: Natürlich. Und wir sind der Ansicht, dass diese Zahl mehrere Schlüsse zulässt. Sie bestätigt, dass nahezu alle Deutschen generell von solchen Lagern wussten, selbst wenn sie das Ausmaß des Systems dahinter nicht begriffen oder nicht in jedem Fall über die Umstände in den Lagern Bescheid wussten. Und sie sagt etwas über die grundsätzliche Natur des Nationalsozialismus: Für jeden denkbaren Zweck errichteten die Nazis Camps. Mehrere Tausend solcher Lager haben wir in unsere Erhebung nicht einmal aufgenommen, da sie nicht der Verfolgung von Menschen dienten.

ZEIT ONLINE: Was waren das für Lager?
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Der große Raub

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Seit Jahren wird kritisiert, dass in deutschen Museen noch immer Raubkunst lagere, zusammen mit den angehäuften Reichtümern von Hitler bis Himmler. Warum ändert sich das nicht? Wer verhindert die Aufarbeitung?
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Die Wucht der Geschichte

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Es ist die umfassendste Holocaust-Dokumentation in der Geschichte des deutschen Rundfunks: Der BR produziert in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte und dem Oldenbourg-Verlag die Höredition "Die Quellen sprechen".

An einem konkreten Beispiel, an einer einzelnen Begebenheit oder an einem winzigen Detail lässt sich das Grundsätzliche oft viel präziser beobachten, als wenn man aus der Distanz auf das große Ganze blickt. Seit einigen Jahren bedient sich auch die Geschichtsschreibung dieser Methode, speziell die Forschung zur Schoah. Eine herausragende Stellung nimmt hier eine auf 16 Bände angelegte Edition des Oldenbourg-Verlags ein, die bis 2017 komplett vorliegen soll: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 - 1945.
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Braune und weiße Flecken

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Die Ludwig-Maximilians-Universität war nicht brauner als andere. Doch ihre Stellung in München, der "Hauptstadt der Bewegung" der Nazis, brachte Extreme mit sich: Auf dem Campus trafen Fanatiker und Widerständler wie die Mitglieder der Weißen Rose aufeinander.
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"Seid nicht lau!"

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Gedenken an die Geschwister Scholl und die Weiße Rose: Bundespräsident Gauck ruft bei seiner Vorlesung an der LMU München zu mehr Mut und Zivilcourage auf: "Einer muss anfangen."

Joachim Gauck begann mit einem kurzen persönlichen Rückblick. Darauf, wie er schon einmal diese Weiße-Rose-Gedächtnisvorlesung gehalten hatte, damals vor 17 Jahren, als Bürger. Jetzt sprach er ein zweites Mal hier in der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), aber in neuer Rolle: als Bundespräsident. Als Bürger, sagte Gauck, da sei er sich recht sicher, die richtigen Worte zu finden. "Aber habe ich sie auch als Bundespräsident?"

An den Anfang seiner Vorlesung stellte er ein Zitat von Sophie Scholl: "Einer muss ja doch mal schließlich damit anfangen." Diesen Satz habe sie am 22. Februar 1943 dem Präsidenten des so genannten Volksgerichtshofs, Roland Freisler, ins Gesicht gesagt. Noch am selben Tag wurde Sophie Scholl zum Tode verurteilt und hingerichtet, wie ihr Bruder Hans, wie Christoph Probst, wie später die Mitstreiter Alexander Schmorell und Willi Graf, wie ihr Professor, Kurt Huber, und wie zwei Jahre später, im Januar 1945, Hans Leipelt. All diese Namen nannte Gauck an diesem Tag des Gedenkens, 70 Jahre, nachdem Sophie Scholl jenen Satz gesprochen hatte.
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Wie der Terror begann

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Inge Deutschkron überlebte als Jüdin in einem Versteck in Berlin den Holocaust. Hier dokumentieren wir ihre Rede zum Tag des Gedenkens, die sie am 30. Januar im Deutschen Bundestag hielt, zum 80. Jahrestag von Hitlers Machtübernahme.

nge Deutschkron, Jahrgang 1922, war elf Jahre, als die Nazis an die Macht kamen. Ihre Erinnerungen an die Zeit sind präzise und erschütternd – wie sie als Jüdin plötzlich ausgegrenzt wurde, wie die Nazis ihren Vernichtungsfeldzug vorbereiteten. Wie der Terror anfing im Alltag. Wie Menschen verschwanden. Inge Deutschkron und ihre Mutter überlebten den Holocaust in Berlin, weil Freunde sie versteckten. Nach dem Krieg wurde sie Journalistin, arbeitete in Bonn als Korrespondentin einer israelischen Zeitung. 1972 emigrierte sie nach Israel. Ihre Lebensgeschichte schrieb sie in dem Buch „Ich trug den gelben Stern“ nieder. Das Grips-Theater entwickelte 1989 daraus das international erfolgreiche Stück „Ab heute heißt du Sara“, das bis heute auf dem Spielplan steht.

Am Mittwoch sprach Inge Deutschkron im Bundestag. Wir dokumentieren ihre Rede.
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Was im vergessenen Flugblatt der Weißen Rose stand

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Der Entwurf, der den Studenten Christoph Probst neben Hans und Sophie Scholl 1943 aufs Schafott brachte, war lange verschwunden und wurde erst nach 1990 wiederentdeckt. Jetzt wird er ediert.

Nur ein Blatt. Ein einziges Blatt handschriftlich beschriebenes Papier kostete den dreifachen Vater Christoph Probst trotz seiner erst 23 Jahre das Leben. Denn der Text darauf war eine einzige wortmächtige Anklage und gipfelte in der Feststellung: "Hitler und seine Regime müssen fallen, damit Deutschland weiterlebt." So etwas führte im Dritten Reich unausweichlich aufs Schafott.

Dabei ist dieser Text außer von den Beamten der Gestapo genau von zwei Menschen gelesen worden, von Hans und Sophie Scholl. Die beiden Münchner Studenten, die bekanntesten Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose, waren eng befreundet mit ihrem Kommilitonen Christoph Probst. Er gehörte zu dem Freundeskreis, in dem im Frühsommer 1942 die Entscheidung reifte, etwas gegen die Nazi-Herrschaft tun zu müssen.
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Helden, von denen keiner sprach

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Wie viele andere Berliner Juden überlebte die Publizistin Inge Deutschkron die Nazi-Zeit, weil mutige nichtjüdische Deutsche sie jahrelang vor der Gestapo versteckten. Zum Holocaust-Gedenktag spricht sie heute im Deutschen Bundestag.

Immer dann, wenn es überhaupt nicht mehr weiterging, wenn in den zerbombten Häuserruinen die Nächte viel zu kalt zum Schlafen geworden waren, wenn kein Kanten Brot zum Essen mehr da war, begab sich der 19-jährige Walter Frankenstein so unauffällig wie möglich in den Berliner Stadtteil Grunewald, in die stille Menzelstraße, Nummer 9. Die Sekretärin Edith Berlow wohnte dort. Frankenstein ging nicht gerne hin. "Telefonieren war zu gefährlich. Und hinfahren war auch gefährlich. Man konnte sie ja mit hineinreißen", sagt er. "Frankenstein, der kam öfters, weil er halb verhungert war", erinnerte sich Berlow später. "Er kam halb erfroren an, hat sich gewärmt und ein paar Eier gegessen, wenn welche da waren."
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Ausstellungen in Berlin: Eine Stadt zerstört sich selbst

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Kultur und Barbarei: 80 Jahre nach Hitlers Machtantritt erinnern hunderte Ausstellungen in ganz Berlin an die Zerschlagung der Demokratie. Wir haben vorab die wichtigsten für Sie besucht.
Sonnige Tage, lachende Gäste. Die Straßenterrasse des Cafés Wien am Kurfürstendamm ist überfüllt. Herren in dunklen Anzügen und Damen mit eleganten glockenförmigen Hüten lassen sich Kaffee und Kuchen servieren. Das Foto stammt aus der Spätphase der Weimarer Republik, aber von einer Krise ist nichts zu spüren. Ein paar Meter weiter werden Ausschnitte aus Walter Ruttmanns berühmten Stummfilm „Berlin – Sinfonie einer Großstadt“ auf zwei Großleinwände projiziert. Passanten hasten zwischen Limousinen und Straßenbahnen über eine Kreuzung. So beginnt die Ausstellung „Zerstörte Vielfalt“ im Deutschen Historischen Museum: mit einer Beschwörung jener brausenden, kulturell in höchster Blüte stehenden Metropole, die dem Untergang geweiht war, als die Nationalsozialisten heute vor achtzig Jahren, am 30. Januar 1933, die Macht übernahmen (bis 10.11, tgl. 10–18 Uhr).
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Den Opfern des Holocaust ihre Namen wiedergeben

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Die Website der israelischen Gedenk- und Forschungsstätte Yad Vashem gibt es jetzt auch auf Deutsch. Die Friede-Springer-Stiftung hat Übersetzung und Erweiterung des Online-Angebots finanziert.

Ein Poesiealbum erinnert an Freunde und liebe Verwandte, an jene Menschen, an deren Leben man interessiert ist, weil man sie schätzt. Das Album von Ester Goldstein allerdings, in braunes Leder gebunden und mit einer bronzenen Schließe versehen, ist viel eher ein Gedenkbuch. Denn die meisten von Esters Bekannten, die sich darin "verewigt" haben, sind dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer gefallen – einschließlich des Mädchens selbst: Sie wurde in Riga ermordet, wohin sie mit dem 22. sogenannten Osttransport des nationalsozialistischen Reichssicherheitshauptamtes deportiert worden war. Am 26. Oktober 1942 verliert sich ihre Spur.

Das Poesiealbum hatte Ester vor dem Abtransport ins Sammellager einer Nachbarin anvertraut, die es nach 1945 dem Cousin der Familie, David Werner aushändigte. Er hatte das KZ Auschwitz überlebt und kehrte nach der Befreiung zurück. Esters Schwester Margot hatten die Eltern noch 1939 nach Australien schicken können; sie überlebte, bekam das Album von David und schenkte es 2006 der israelischen Gedenk- und Forschungsstätte Yad Vashem. Jetzt ist das ergreifende Dokument erstmals online im Internet zu sehen, auf der gerade freigeschalteten deutschen Website der wichtigsten Erinnerungsinstitution für die Opfer der Schoah, wie der millionenfache Judenmord in Israel genannt wird.
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Nazis pilgerten zum falschen Grab

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Von Hitler als Maskottchen der Partei bezeichnet, galt die Schwedin Carin Göring als erste Frau des späteren Luftwaffen-Oberbefehlshabers schon zu Lebzeiten als Nazi-Ikone. Seit 1951 liegen ihre sterblichen Überreste auf dem Friedhof von Lovö bei Stockholm - so dachte man lange. Die Wallfahrten unzähliger Neonazis an das Grab Carin Görings erweisen sich jetzt jedoch als fehlgerichtet, denn wie schwedische Forscher herausfanden, lag die wahre Nazi-Gattin stets in Berlin.[/b]

Carin Göring, geborene Fock, war bis zu ihrem Tod im September 1931 acht Jahre lang die Frau an Hermann Görings Seite. Während sie für Hitler schwärmte, war sie selbst Vorbild für viele Frauen der NSDAP. Noch heute erinnern sich Neonazis gern an Carin Göring, die nur 42-jährig an Herzversagen starb, und besuchen ihr Grab bei Stockholm, weiß Historiker und Autor Björn Fontander.

„Noch immer tauchen auf dem Friedhof von Lovö Menschen auf - mit erhobenem rechten Arm und einem ‚Heil' auf den Lippen", erzählt Fontander im Schwedischen Fernsehen.
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Heinrich Claß: Hitlers Lehrer für Judenhass

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Ein Lehrbuch für Hitler: 1912 erschien in Leipzig Heinrich Claß' antisemitischer Bestseller "Wenn ich der Kaiser wär'".[/b]

Eine Gesundung unseres Volkslebens, und zwar aller seiner Gebiete, kulturell, moralisch, politisch, wirtschaftlich, [...] ist nur möglich, wenn der jüdische Einfluß entweder ganz ausgeschaltet oder auf das Maß des Erträglichen, Ungefährlichen zurückgeschraubt wird.« Der Autor hatte offensichtlich keine Zweifel, wer für die Misere der Gegenwart, ihre »moralische Entartung« und den »Raubbau an Rassekraft und Volksgesundheit« verantwortlich sein musste.
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Boykottiert, geplündert, liquidiert

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Christoph Kreutzmüller hat die Geschichte jüdischer Unternehmer in Berlin dem Vergessen entrissen.

Draußen lärmt der Verkehr auf der Brunnenstraße, doch der Krach verebbt, sobald man den Hof in der Nummer 188/190 betritt. Früher war das anders. Da fuhren Lastwagen ein und aus, wuchteten Arbeiter schwere Fässer auf die Ladeflächen. Es herrschte geschäftiges Treiben. „Hier residierte in den 1920er und 1930er Jahren Berlins größte Butterhandlung“, sagt Christoph Kreutzmüller und zeigt auf ein Schwarz-Weiß-Foto von 1935 von „Weinbergers Butter“. Drei Jahre später war das jüdische Unternehmen bankrott, geplündert und in Liquidation. „Die Anfeindungen der Nationalsozialisten waren auf Dauer zu heftig“, sagt Kreutzmüller.

Der Historiker hat die Geschichte der jüdischen Gewerbetätigkeit in Berlin untersucht, die bei den Novemberpogromen 1938 ein so brutales Ende fand.
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Rommel und Hitler populärer TV-Stoff

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Mehr als sechs Millionen Menschen haben sich vergangenen Donnerstag den ARD-Film „Rommel“ angesehen, ein neuerlicher Beweis für die Popularität historischer Stoffe. Der Historiker Hans-Ulrich Wehler begrüßt das. Ein Gespräch über Rommel und Hitler im TV.
Herr Wehler, wie hat Ihnen „Rommel“ gefallen?

Wenn man von der konzeptionellen Entscheidung absieht, dass historisch nicht so bewanderte Zuschauer den Nimbus dieses Mannes anhand der Schilderung seiner letzten neun Lebensmonate nicht einschätzen können, ist der Film gelungen. Rommels Ambivalenz ist deutlich geworden. Wir haben eine realistische und historisch genaue Darstellung gesehen, die zeigte, warum er trotz aller Kritik an Hitler dem Attentat nicht zustimmen konnte und sich nicht als populäre Führungsfigur für die Zeit danach zur Verfügung stellen wollte – das hat Ulrich Tukur sehr gut gespielt. Es hätte dabei noch eine schöne Szene gegeben, die der Drehbuchautor nicht genutzt hat: Rommel soll Hitler bei einem Essen gefragt haben: „Warum läuft das mit den Juden so weiter, das bringt uns soviel Kritik aus dem Ausland ein.“ Hitler könne das beseitigen, wenn er „endlich einen jüdischen Gauleiter“ einsetze. Fassungslos antwortete Hitler: „Herr Rommel, ich merke, Sie verstehen überhaupt nicht, was ich vorhabe.“

„Rommel“-Produzent Nico Hofmann hat angekündigt, auch das Leben Adolf Hitlers zu verfilmen, in einem FAZ-Interview sagten Sie, Sie trauen ihm das zu. Befürchten Sie Kritik, zum Beispiel von Opferverbänden oder aus dem Ausland?

Ich fände das unangebracht und kann mir eine derartige Kritik auch nicht vorstellen. Das Ganze läuft ja nicht auf eine Verklärung hinaus, sondern auf Information. Wenn ich Jüngeren erklären wollte, was charismatische Herrschaft durch Hitler bedeutet, dann habe ich immer den Film von Leni Riefenstahl über den Parteitag von 1934 vorgeführt. Riefenstahl hat das auf eine verführerische Weise ins Bild gesetzt. Sie filmte direkt hinter Hitler, aus seiner Sicht, die jubelnde Menge. Die Wirkung dieser Bilder war ungleich größer als die Worte, mit denen ich versucht hatte, den Begriff charismatische Herrschaft zu erklären
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Goebbels' Liebesbriefe empören Holocaust-Überlebende

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Liebestrunken und schlicht, so wirkt der spätere NS-Propagandaminister in seinen frühen Schriften, die nun in den USA versteigert werden. Kritiker nennen das unmoralisch.[/b]

Überlebende des Holocaust haben die geplante Versteigerung von Liebesbriefen des Nazi-Propagandaministers Joseph Goebbels kritisiert. Sie warfen dem Aktionshaus in den USA vor, Profit mit Nazi-Memorabilia zu machen.

Die Unterlagen gehörten zur historischen Forschung in ein Archiv, forderte der Präsident der Amerikanischen Vereinigung Jüdischer Holocaust-Überlebender und ihrer Nachkommen, Menachem Rosensaft. Er befürchtet, dass die Schriften bei der Auktion in die falschen Hände geraten könnten
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Gericht erklärt NS-Verbrecher Aribert Heim für tot

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Jahrzehntelang wurde über den Verbleib des meistgesuchten NS-Verbrechers gerätselt, jetzt hat das Landgericht Baden-Baden Aribert Heim für tot erklärt. Der ehemalige KZ-Arzt starb demnach bereits 1992 als Tarek Hussein Farid in Ägypten an Krebs.
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(C) Daniel Oswald