Leó Szilárd: Prophet, Vater und Gegner der Bombe

News in Der Zweite Weltkrieg 1 Kommentar »
[b]Als vor genau 65 Jahren die Atombombe auf Hiroshima fiel, war dies der furchtbare Höhepunkt im Leben des Physikers Leó Szilárd. Der in Ungarn geborene Wissenschaftler hatte ihre Entwicklung aus Angst vor den Nazis angestoßen und ihren Einsatz über Japan wie kein anderer bekämpft. [/b]

Die US-Bürger erfuhren aus dem Radio von der Existenz der Atombombe. "Die Kraft, aus der die Sonne ihre Macht bezieht, ist auf diejenigen losgelassen worden, die dem Fernen Osten Krieg brachten. "Mit diesen Worten verkündete der US-Präsident Harry S. Truman am 7. August 1945 der Welt, dass die USA eine Atombombe auf Japan abgeworfen hatten.

Die wenigsten Amerikaner dürften wirklich verstanden haben, was das Ereignis tatsächlich für die Welt bedeuten würde.

Doch einer, der vor den Geräten gesessen und den Nachrichten aus dem Äther gelauscht hatte, wusste es ganz genau. Bis zuletzt hatte Leó Szilárd gehofft, dass es nicht so weit kommen würde. Denn der Kernphysiker fühlte sich mitverantwortlich für die Entwicklung der furchtbarsten Waffe, über die Menschen je verfügt hatten.

Szilárd, und nicht J. Robert Oppenheimer, der Leiter des Manhattan-Projekts, in dessen Rahmen die Bombe entwickelt und gebaut wurde, war der eigentliche Vater der Atombombe. Auf das Engagement des 1898 in Ungarn geborenen Querdenkers Szilárd, lässt sich das ganze Projekt letztlich zurückführen. Und selten dürfte ein Vater seine Kinder so gehasst haben wie Szilárd die Atombomben Little Boy und Fat Man.
Weiterlesen »

Schicksal, Schuld und Gräueltaten

News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »
[b]
Populäre Geschichtsschreibung aus dem Geist der Kriegspropaganda: Jürgen Thorwalds ewiger Bestseller »Die große Flucht«[/b]

Es gibt Geschichtsbücher, die selbst Geschichte machen. Das können wissenschaftliche Werke sein. Oft aber sind es populäre Bücher. Besonders gut lässt sich dieses Phänomen in den frühen Jahren der Bundesrepublik beobachten. Von Eugen Kogons aufklärendem Werk Der SS-Staat bis hin zu den unsäglichen Wehrmachtglorifizierungen Paul Carells haben etliche Sachbücher enorme Wirkung entfaltet, ja das ganze Genre des populären historischen Sachbuchs wurde in der Nachkriegszeit zu einem Massenmedium, das Sichtweisen prägte und Vergangenheit »bewältigte«.

Dazu gehört – ein frühes und sehr eindrucksvolles Beispiel – Die große Flucht von Jürgen Thorwald. 1949 und 1950 in zwei Bänden (unter den Titeln Es begann an der Weichsel und Das Ende an der Elbe) im Stuttgarter Steingrüben Verlag erschienen, erlebte das Buch seither mehr als 50 Auflagen. Die Gesamtzahl der verkauften Exemplare lässt sich schwer ermitteln, sie geht wohl auf die halbe Million zu. Die vorerst letzte Ausgabe erschien 2005 bei Knaur in München zum 60. Jahrestag des Kriegsendes mit dem neuen Untertitel Niederlage, Flucht und Vertreibung. Thorwalds Die große Flucht dürfte eins der bekanntesten und wirkungsmächtigsten deutschen Sachbücher zur Zeitgeschichte sein.
Weiterlesen »

Als die deutsche Luftwaffe ihren Nimbus verlor

News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »
Die Luftschlacht um England ist heute wichtiger Bestandteil der britischen Geschichte. Im Sommer 1940 besiegte die zahlenmässig schwächere Royal Air Force die deutsche Luftwaffe nicht zuletzt dank einer professionellen Logistik.

Vor 70 Jahren tobte am Himmel über Südengland eine der erbittertsten Luftschlachten des zweiten Weltkrieges. Junge, kaum 20-jährige britische Piloten kämpften in ihren Hurricanes und Spitfires gegen ihre oft gleichaltrigem deutschen Gegner. Die «Battle of Britain» ist heute Teil der englischen Geschichte, Churchills «the few» sind nach 70 Jahren fast zu einem Mythos entrückt.

Es ist unbestritten, dass in der Luftschlacht um England die Nazi-Luftwaffe nach ihrem triumphalen Siegen über die schwache polnische Luftwaffe 1939 und die desorientierten französischen Luftstreitkräfte zum ersten Mal eine deutliche Niederlage erlitten hatte. Die grossmäuligen Ankündigungen des deutschen Reichsmarschalls Hermann Göring, die Luftwaffe werde die Royal Air Force (RAF) in wenigen Wochen am Boden und in der Luft vernichten, hatten sich als reines Wunschdenken herausgestellt.

Rückblickend kann gesagt werden, dass die Luftschlacht um England für die Deutschen schon verloren war, bevor der zweite Weltkrieg überhaupt begonnen hatte. Görings Luftwaffe flösste zwar zu Beginn des Krieges ihren Gegnern Angst und Schrecken ein, war strategisch gesehen aber mehr ein Unterstützungsmittel der Wehrmacht im Blitzkriegkonzept der deutschen Generäle. So verfügte die Luftwaffe über keine grossen strategischen Bomber und eine eher kleine Jagdwaffe, die aber mit der Messerschmitt Bf109 hervorragend ausgerüstet war.
Weiterlesen »

Das Leid der sowjetischen Soldaten

News in Der Zweite Weltkrieg 2 Kommentare »
[b]
Verfolgt und vergessen: 5,7 Millionen sowjetische Soldaten gerieten nach 1941 in deutsche Gefangenschaft. Ein Berliner Verein hilft den letzten Überlebenden.

[IMG]http://images.zeit.de/wissen/2010-06/s19-gedenkstaette/s19-gedenkstaette-540x304.jpg[/IMG]
Den gefallenen Sowjetsoldaten wurden Monumente errichtet wie hier im Berliner Tiergarten, die ehemaligen Gefangenen aber ignoriert man bis heute

Im Lager, schreibt Iwan Dmitrijewitsch Solonowitsch, »begann für mich der Schrecken des Krieges«. Im November 1940 ist er, gerade 19 Jahre alt, eingezogen worden. Wenige Wochen nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 entrinnt er, schwer verletzt, nur knapp dem Tod. Neun Monate später schickt man den jungen Mann erneut an die Front, auf der Krim kesseln die Deutschen seine Einheit ein. Solonowitsch wird ins Reich verschleppt, in ein Kriegsgefangenenlager in Hagen.
Weiterlesen »

Absturzort nach 66 Jahren gefunden

News in Der Zweite Weltkrieg 4 Kommentare »
Historiker Wolfgang Dost hilft bei der Suche nach verunglückten alliierten Piloten bei Wittstock / Zeitzeugen gesucht

Dave Champion lebt in Schweden und wünscht sich nichts sehnlicher, als den Heldentod seines Großvaters, Pilot Flight Sergeant (F/S) Forsyth, endlich genau zu klären. Der war zusammen mit Sergeant James von der Royal Air Force (RAF) mit der Mosquito DZ 597 von einem Einsatz am 20./21. April 1943 in Berlin nicht mehr zurückgekehrt. Dass die beiden Soldaten in dem Holzflugzeug bei Zaatzke abgestürzt sein sollten und auf dem Wittstocker Friedhof in den Gräbern Nummer 19 und 20 für alliierte Gefallene bestattet wurden, weiß der Enkel. Doch ist bisher weder der Absturzort noch die Lage der Gebeine genau bekannt. Beides kann Historiker Wolfgang Dost jetzt nach Zeugengesprächen und Aktendurchsicht ziemlich genau eingrenzen. „Für September hat sich Dave Champion zu einem Besuch in Wittstock angekündigt“, freut sich Wolfgang Dost. Da wird er den Enkel zu jener Stelle begleiten, an der sich einst das Grab des abgestürzten Piloten befunden hat, und zum Absturzort der Mosquito DZ 597 führen. Allerdings wird der Enkel des Piloten Forsyth bei seinem Besuch im September in Wittstock das Grab seines Großvaters nicht mehr als solches erkennen. Die Reihengräber auf dem Stadtfriedhof, in dem alliierte Gefallene bestattet worden waren, sind nicht mehr vorhanden. Wann sie beseitigt wurden, ist unklar. Die für den Friedhof und die für Kriegsgräber verantwortlichen Mitarbeiter besitzen keine Unterlagen.
Weiterlesen »

Die vergessene Odyssee der «Crabs»

News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »
Nach dem deutschen Angriff schickte die belgische Regierung im Mai 1940 Hunderttausende von jungen Männern ins französische Exil. Die dreimonatige Odyssee war ein Debakel ohnegleichen, das auch heute noch gern verdrängt wird.

Am 13. Mai 1940 erteilte die belgische Regierung allen noch nicht eingezogenen 16- bis 35-jährigen Männern des Königreichs den Befehl, sich in zuvor festgelegten Zentren in Westflandern und dem Hennegau (Hainaut) zu sammeln. Drei Tage zuvor hatten die nazideutschen Truppen den Westfeldzug gegen die Niederlande, Belgien und Luxemburg begonnen.

Mit der grossangelegten Evakuierung, die rund 400 000 Männer und Jugendliche betraf, wollte die Brüsseler Regierung den Alliierten eine Reserve für die künftige Rekrutierung verschaffen, anderseits sollte den Angreifern ein attraktives Reservoir an Zwangsarbeitern entzogen werden. Die Planung fusste auf den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs mit seinem langen Stellungskrieg und der Deportation Tausender von arbeitsfähigen Männern im besetzten Teil Belgiens zur Zwangsarbeit in Deutschland.
Weiterlesen »

Sowjetische Arbeitssklaven der Nazis: Hitlers vergessene Opfer

News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »
[b]
Von den Nazis gnadenlos ausgebeutet, in der Heimat als "Verräter" verschrien: 65 Jahre nach Kriegsende kämpfen ehemalige sowjetische Kriegsgefangene um Wiedergutmachung - nicht nur um die materielle.[/b]

Die Erinnerung an seine Leidenszeit fällt Orich Witalij Michailowitsch noch immer schwer. "Das war ein Stück Land, umgeben von Stacheldraht, unter freiem Himmel, bewacht von Soldaten und Schäferhunden. Wir gruben uns kleine Erdhöhlen, damit wir uns hinlegen konnten. Viele starben an ihren Wunden oder verhungerten. Uns wurde verboten, den Schwachen auch nur ein bisschen der Suppe zu bringen. Sie wurden erschossen."

Wie Millionen anderer Rotarmisten war Michailowitsch während des Zweiten Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft geraten - und wurde später in Deutschland zur Arbeit für die NS-Kriegsmaschinerie gezwungen. Eine Entschädigung oder symbolische Anerkennung für ihre Leiden haben die Überlebenden von der Bundesrepublik nie erhalten. Die ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen sind die größte Gruppe derer, die auch Jahre nach dem Ende des Kriegs noch zu den "vergessenen Opfern" zählen.

Die Hoffnung der im Durchschnitt inzwischen 87 Jahre alten Männer, dass sich daran noch etwas ändern könnte, ist nicht besonders groß. Mehrere tausend von ihnen leben noch in Russland, Georgien, der Ukraine, Weißrussland oder Armenien. In ihrer Heimat wird ihr Schicksal kaum gewürdigt, denn sie wurden nach ihrer Rückkehr als "Verräter" beschimpft und oft sofort in sibirische Arbeitslager deportiert, weil sie für den faschistischen Todfeind gearbeitet hatten.
Weiterlesen »

Ein verhängnisvoller Brief

News in Der Zweite Weltkrieg 2 Kommentare »
[b]Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren SS-Mann Erich Steidtmann - er soll an Massakern im besetzten Polen beteiligt gewesen sein. [/b]

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat aufgrund von Recherchen des Süddeutsche Zeitung Magazins Ermittlungen gegen einen ehemaligen SS-Hauptsturmführer wieder aufgenommen. Der 95 Jahre alte Erich Steidtmann steht im Verdacht, als Hauptmann der Polizei mit einer ihm unterstellten Kompanie im Herbst 1943 an zwei Massenerschießungen von Juden beteiligt gewesen zu sein.

Bei den Massakern im Raum Lublin im besetzten Polen wurden etwa 30.500 Menschen ermordet. Außerdem gab das Simon-Wiesenthal-Center bekannt, Steidtmann an diesem Donnerstag auf die Liste der meistgesuchten Naziverbrecher weltweit zu setzen.

Gegen Erich Steidtmann wurde schon in den sechziger und siebziger Jahren ermittelt, allerdings wurde das Verfahren 1974 mangels Beweisen eingestellt. 2007 lenkte er dann den Blick der Öffentlichkeit selbst noch einmal auf seine Rolle im Dritten Reich: Damals klagte er gegen die Autobiografie der ehemaligen Gestapo-Sekretärin Lisl Urban, die in ihrem Buch von einer Liebesbeziehung mit einem SS-Offizier schrieb.
Weiterlesen »

"Winston ist zurück"

News in Der Zweite Weltkrieg 1 Kommentar »

Im Frühjahr 1940 wurde Winston Churchill britischer Premierminister. Hitler hatte seinen Meister gefunden.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2010-04/winston-churchill-london/winston-churchill-london-540x304.jpg[/IMG]
September 1940: Der britische Premier Winston Churchill inspiziert die Schäden der Bombenangriffe auf London

Ich fühlte mich, als ob die Vorhersehung mich begleitet hätte und mein ganzes bisheriges Leben nur eine Vorbereitung auf diese eine Stunde und diese Prüfung gewesen wäre.« So erinnerte sich Winston Churchill später an jenen Nachmittag des 10. Mai 1940, an dem er zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ernannt worden war.

Die Prüfung, vor die er sich und das Land gestellt sah, sollte eine lange und schwere sein – und augenblicklich beginnen. Nur wenige Stunden zuvor, am frühen Morgen desselben Tages, hatte Adolf Hitler den Westfeldzug eröffnet. Sechs Wochen später standen deutsche Truppen in Paris, und Englands Armee sah sich am Strand von Dünkirchen eingeschlossen. Durch Hitlers triumphalen Sieg in Westeuropa war das Königreich auf einmal von einem beängstigenden Gegner bedroht, der keine zwanzig Meilen entfernt am anderen Ufer des Ärmelkanals stand. Militärische oder nennenswerte materielle Unterstützung der Vereinigten Staaten war nicht in Aussicht. Vom britischen Empire durfte man keine praktische Hilfe erwarten. Und die deutsche Invasion schien unmittelbar bevorzustehen.
Weiterlesen »

So war es nicht

News in Der Zweite Weltkrieg 5 Kommentare »
[b]
Ein neues Buch will den Oberbefehlshaber der Schweizer Armee während des Zweiten Weltkriegs zum Widerständler stilisieren.[/b]

Warum heute den General wieder zum Leben erwecken, der in den Jahren 1939 bis 1945 die Schweizer Armee befehligt hat und vor 50 Jahren gestorben ist? Ein Teil der Antwort ist bereits in der Frage gegeben. Es steht ein Jubiläum an, das eine publizistische Präsenz zum Thema ermöglicht, ja erfordert. Ein anderer Teil der Antwort ist inhaltlicher Art. Es geht um die Werte, die man mit diesem Gedenken pflegen kann. Dies ruft freilich noch weitere Fragen auf den Plan: Ob diese Wertezuschreibung richtig ist und was man mit ihr bezweckt. Das von Weltwoche- Redaktor Markus Somm vorgelegte Buch ist der jüngste Beleg für diese instrumentalisierende Gedenkindustrie.

Aus der Sicht der historischen Forschung ist es ein überflüssiges Buch.
Weiterlesen »

Historiker hält Holocaust für "deutsche Kontinuität"

News in Der Zweite Weltkrieg 14 Kommentare »
[b]
Es begann im Dreißigjährigen Krieg: Der US-Historiker Helmut Walser Smith attackiert in seinem jetzt auf Deutsch erscheinenden Buch "Fluchtpunkt 1941" viele seiner deutschen Kollegen. Denn er will den Holocaust mit "Kontinuitäten der deutschen Geschichte" erklären – und scheitert.[/b]

Wie war es möglich? Diese Frage treibt seit 1945 nicht nur deutsche Philosophen und Historiker um: Wie war es möglich, dass ein Staat all seine Machtmittel einsetzt, um eine nach Millionen zählende Gruppe von Menschen möglichst bis zum letzten Kleinkind auszurotten?

Die Opfer stellten keinerlei Gefahr dar; sie waren im Wesentlichen wehrlos. Und wie war es möglich, dass nicht nur ein Staat dieses ungeheuerliche Verbrechen zu begehen befahl, sondern mindestens 100.000 vorwiegend ganz normale Männer, vielleicht auch doppelt oder dreimal so viele, eigenhändig mordeten? Kurz: Wie war der Holocaust möglich?

An möglichen Antworten auf diese Kernfrage sowohl der deutschen wie der Weltgeschichte des 20. Jahrhundert fehlt es nicht; der Bremer Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn hat in seinem Büchlein „Warum Auschwitz?“ 1995 gleich 42 Theorien aufgelistet.

Seither sind einige hinzugekommen – die bekannteste davon stellte Daniel Goldhagen auf, dem zufolge alle Deutschen bis 1945 von einem „eliminatorischen Antisemitismus“ getrieben worden seien. Obwohl sich praktisch alle Fachleute einig waren, dass diese intellektuell bescheidene „Erklärung“ gar nichts erklärt, wurde der US-Politologe 1996 gefeiert wie ein Guru.

Goldhagen habe die richtige Frage gestellt, aber „seine Antwort war verfehlt“, schreibt der US-Historiker Helmut Walser Smith in seinem heute auf Deutsch erscheinenden Buch „Fluchtpunkt 1941“. Der 47-jährige Direktor des Max Kaden Center für European Studies in Nahsville (Tennessee) fragt darin nach den „Kontinuitäten der deutschen Geschichte“, die zum Holocaust führten.

Zentral an Smiths neuem Buch ist die Idee, einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Bisher, so seine These, seien die deutsche Geschichte und der Zivilisationsbruch vor allem mit den Fluchtpunkten 1933 oder 1939 betrachtet worden – also unter dem Aspekt, wie es zur Machtübernahme Hitlers kommen konnte und wie es Hitler schaffte, die Bevölkerung für einen neuen Krieg zu gewinnen.

Durch die Verschiebung der Perspektive auf 1941, den Beginn der massenhaften Judenmorde hinter der Ostfront (auch wenn es ähnliche Untaten in kleinerem Maßstab schon nach der deutschen Besetzung Polens gegeben hatte), werde der „Zusammenbruch der Mitmenschlichkeit“ deutlich, ohne die es nicht zum Holocaust hätte kommen können.

Vier wesentliche Kontinuitätslinien beschreibt Smith, und nur ihr Zusammentreffen im „Fluchtpunkt 1941“ soll seiner Ansicht nach den Zivilisationsbruch ermöglicht haben. Drei dieser Kontinuitäten freilich sind bereits vielfach beschrieben worden: Erstens der Nationalismus in der banalisierten Tradition von Fichtes „Reden an die deutsche Nation“.

Zweitens führt der Autor die gegen die Emanzipation der Juden gerichtete antisemitische Bewegung des 19. Jahrhunderts an. Sie war in ganz Europa festzustellen und brachte keineswegs in Deutschland die schlimmsten Auswüchse mit sich, wie Smith selbst dokumentiert: In einer Tabelle mit 31 antijüdischen Exzessen zwischen 1881 und 1903 in Europa finden sich gerade vier, vergleichsweise kleine Pogrome im Deutschen Kaiserreich.

Eine dritte Kontinuität sieht Smith in der Entgrenzung von ethnischer Gewalt im Kolonialzeitalter, die er als „eliminatorischen Rassismus“ bezeichnet – aber auch das ist keine neue Entdeckung, denn schon seit Jahren wird über eine angeblich oder tatsächlich direkte Verbindung zwischen dem Genozid etwa an den Hereros in Namibia und Auschwitz diskutiert.

Kryptisch dagegen bleibt die vierte, in „Fluchtpunkt 1941“ wohl originär beschriebene Kontinuität. Smiths Ansicht nach hätten die Deutschen die im Dreißigjährigen Krieg blutig gemachte Erfahrung interkonfessioneller Gewalt verdrängt, nicht dagegen die interreligiöse Gewalt gegen Juden.
Weiterlesen »

Nicht zeigen!

News in Der Zweite Weltkrieg 1 Kommentar »
Spaniens früherer faschistischer Diktator Francisco Franco war spätestens von August 1944 an detailliert über die Judenvernichtung im Konzentrationslager Auschwitz informiert. Dies berichtete die Zeitung El País am Sonntag unter Berufung auf bislang geheime Dokumente aus dem spanischen Außenministerium. Sie ruhten in einer Mappe mit der Aufschrift "Nicht zeigen".
Weiterlesen »

Keine Belege für mehr als 25'000 Tote in Dresden 1945

News in Der Zweite Weltkrieg 1 Kommentar »
Historikerkommission legt Bericht zu Luftangriffen am Ende des Zweiten Weltkrieges vor

Keine Belege für mehr als 25'000 Tote in Dresden 1945
Historikerkommission legt Bericht zu Luftangriffen am Ende des Zweiten Weltkrieges vor

Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden im Februar 1945 sind maximal 25'000 Personen ums Leben gekommen. Das teilte die Dresdner Historikerkommission am Mittwoch in ihrem Abschlussbericht mit. Ein Grund für die Untersuchung waren anhaltende Spekulationen zu den Opferzahlen und eine Instrumentalisierung durch Neonazis. ...

Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden im Februar 1945 sind maximal 25'000 Personen ums Leben gekommen. Das teilte die Dresdner Historikerkommission am Mittwoch in ihrem Abschlussbericht mit.

Bei den Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 sind nach Einschätzung von Experten maximal 25'000 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl könne als ausreichend gesichert angesehen werden, sagte der wissenschaftliche Leiter der Historikerkommission, Rolf-Dieter Müller, am Mittwoch bei der Vorstellung des Abschlussberichts. Grundlage sei eine in dieser Art einzigartige umfangreiche und jahrelange Recherche. Für höhere Opferzahlen gebe es keine belastbaren Belege.
Weiterlesen »

Inferno brach über die Auerwerke und ganz Oranienburg herein

News in Der Zweite Weltkrieg 3 Kommentare »
Im Bombenhagel des schwersten Luftangriffs auf Oranienburg starben vor 65 Jahren am 15. März 1945 Hunderte Kinder, Frauen und Männer – sowohl Einwohner Oranienburgs als auch aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter.

204 Oranienburger wurden von Bomben zerfetzt oder unter Trümmern begraben. 382 weibliche KZ-Häftlinge des Außenlagers Auerwerke wurden als Tote registriert. Wie viele Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die bei den Auerwerken eingesetzt waren, diesen Angriff nicht überlebten, ist bis heute unbekannt.
Weiterlesen »

Spalier am Mördergraben

News in Der Zweite Weltkrieg 3 Kommentare »

Der Musikwissenschaftler Hans Heinrich Eggebrecht gehörte im Zweiten Weltkrieg der Feldgendarmerie-Abteilung 683 an, die auf der russischen Halbinsel Krim Greueltaten verübte.


[IMG]http://images.zeit.de/kultur/musik/2009-12/simferopol/simferopol-540x304.jpg[/IMG]
Deutsche Truppen marschieren durch Simferopol – ein Foto vom 22. November 1941. Hans Heinrich Eggebrecht ist nicht zu sehen

Am 9. Dezember 1941 begann in Simferopol, der Hauptstadt der Halbinsel Krim, eine der größten Massenexekutionen von Juden in der südlichen Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs. Bereits in den Tagen zuvor wurden die Juden in mehreren Gebäuden der Stadt zusammengetrieben. Sie mussten, in dem Glauben, umgesiedelt zu werden, zu dem zentral in Simferopol gelegenen ehemaligen Hauptsitz der KP marschieren.

In Kolonnen von Lkw transportierte man sie an die Exekutionsstätte, einen noch von der Roten Armee angelegten Panzergraben, rund 11 Kilometer außerhalb der Stadtgrenze. Dort wurden die Menschen durch ein Spalier von Wachposten getrieben. Sie mussten ihre Schuhe ausziehen, Männer wurden von Frauen und Kindern getrennt.
Weiterlesen »

Der Untergang der »Admiral Graf Spee«

News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »

Im Dezember 1939 kam es in der Mündung des Rio de la Plata zu einem Drama, das bis heute ein dunkler Mythos umgibt.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/2009-12/graf-spee/graf-spee-540x304.jpg[/IMG]
Das modernste Kriegsschiff seiner Zeit wurde vom eigenen Kommandanten versenkt, um die Technologien nicht an den Feind zu verlieren

Ohne Pauken und Trompeten, so unauffällig, als ginge es auf eine ihrer zahlreichen Erprobungsfahrten, verlässt die Admiral Graf Spee in den Abendstunden des 21. August 1939 Wilhelmshaven. Um Mitternacht bleibt Helgoland an Steuerbord zurück. Das Panzerschiff fährt funkstill, abgedunkelt und unter voller Kriegswache, führt zur Tarnung die Positionslichter eines Frachtdampfers. Tagsüber wird nach Flugzeugen Ausschau gehalten.

Am 26. August, die Enge zwischen den Färöern und Island ist unbemerkt passiert, läuft die Admiral Graf Spee in einen Nordoststurm, 8 Beaufort und schwere See. Beim Spannen mannsichernder Strecktaue auf dem Vorschiff wäscht ein Brecher den Oberbootsmaat Herbert Matzker vom Deck. »Es war ein junger Berliner, ein Unteroffizier«, erinnert sich lange danach der Maschinengefreite Bernhard Dells. »Wir sahen ihn winken, dann war er weg.« Nach zwei Stunden wird die Suche eingestellt. Mit südlichem Kurs verschwindet das Panzerschiff in der Weite des Atlantiks.
Weiterlesen »

Die letzten Dinge

News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »

In der Gedenkstätte des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau drohen die Habseligkeiten der Opfer zu verfallen. Die Restauratoren haben große Probleme, die Überbleibsel des Grauens zu konservieren. Es ist ein Kampf gegen die Zeit – und gegen die Tränen.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/2009-12/schuh-auschwitz-restauration/schuh-auschwitz-restauration-540x304.jpg[/IMG]
Restauration eines Schuhs: viele von ihnen offenbaren den Restauratoren Geheimnisse, die sie über sechs Jahrzehnte lang in sich getragen hatten

Die Sandale gehörte einem Kind. Sein Fuß hat einen Abdruck auf der Innensohle hinterlassen, die Spuren der kleinen Zehen sehen aus wie der Schatten einer Perlenkette. Der Fußabdruck ist das Letzte, was blieb. Das Kind musste seine Schuhe ausziehen, bevor es die Gaskammer betrat. Sein Körper wurde im Krematorium entsorgt, für ihn hatte man keine Verwendung mehr. Die Sandalen aber hob man auf, sie kamen in einen Lagerraum, zur Wiederverwertung im Reich.
Weiterlesen »

Churchill: Bomben auf die Schweiz

News in Der Zweite Weltkrieg 8 Kommentare »
Winston Churchill wird als Freund der Schweiz gefeiert, der die schweizerische Neutralität hoch geschätzt hat. Eine Episode aus dem Jahr 1941 verändert das Bild. 1941 wollte Churchill die Eisenbahnlinie für den Kohletransport durch die Schweiz bombardieren.

Am 27. Januar 1941 schickte der britische Premier Winston Churchill dem Luftfahrtministerium eine Anweisung: Es bestehe anscheinend ein intensiver Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland und Italien. Mindestens 200 000 Tonnen würden wöchentlich transportiert: «Es ist offensichtlich äusserst wichtig, dass dies auf jede mögliche Weise verhindert werden soll. In Anbetracht der gebirgigen Natur des Landes» – der Name der Schweiz wird nicht genannt –, «durch das die Züge fahren, sollte dies machbar sein. Bitte lassen Sie mir einen Bericht zukommen, was getan worden ist und was getan werden muss.» Das Dokument findet sich in den im Britischen Nationalarchiv hinterlegten und bereits 1970 freigegebenen
persönlichen Akten Churchills. Die Geschichte ist bisher auch in Fachkreisen kaum beachtet worden.
Weiterlesen »

Wehrmacht: Missbrauchte Verbrechen

News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »
[b]
Die »Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts« war nicht viel mehr als eine Hilfstruppe der NS-Propaganda.[/b]

Mitte September 1939, wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen, erscheint in den Verordnungsblättern von Heer, Luftwaffe und Marine ein auf den 4. des Monats datierter Erlass des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), Wilhelm Keitel, mit dem er bei der Rechtsabteilung des OKW eine »Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts« einrichtet. Ihr Auftrag lautet, »die von den gegnerischen Militär- und Zivilpersonen gegen deutsche Wehrmachtangehörige begangenen Verstöße gegen das Völkerrecht festzustellen und zugleich die vom Auslande gegen die deutsche Wehrmacht in dieser Hinsicht erhobenen Anschuldigungen aufzuklären«.

Eine paradoxe Situation: Ausgerechnet in jener Kommandobehörde, die wenig später den Truppen mit mörderischen Anordnungen wie dem Kriegsgerichtsbarkeitserlass und dem Kommissarbefehl den Weg in den Vernichtungskrieg weisen wird, entsteht so eine Stelle, die sich hauptamtlich mit Kriegsverbrechen auseinandersetzen soll. Hatte sich damit etwa – wie von konservativen Historikern behauptet – mitten in Hitlers militärischer Schaltzentrale eine Zelle redlicher, aber ohnmächtiger Juristen etabliert?
Weiterlesen »

Der letzte Anführer des Aufstandes im Warschauer Ghetto ist tot

News in Der Zweite Weltkrieg 1 Kommentar »
[b]Er kämpfte gegen die Nazis, den Kommunismus und für Minderheiten. Am Freitag verstarb Marek Edelman in Warschau.[/b]

Er war Kriegsheld, Arzt, Regimekritiker und Parlamentarier. "Niemals passiv sein, immer die Schwächeren in Schutz nehmen." Das riet Marek Edelman deutschen Jugendlichen, als er 2002 als Ehrengast am Holocaust-Gedenktag im Berliner Bundestag teilnahm.

Der Anführer des Aufstandes im Warschauer Ghetto gegen die deutsche Besatzungsmacht von 1943 war diesem Prinzip während seines ereignisreichen Lebens treu geblieben. Am gestrigen Freitagabend verstarb er im Familienkreis in seinem Haus in Warschau.

Sein Geburtsdatum ist umstritten, angenommen wird, dass er 1922 in Gomel (heute Weißrussland) geboren wurde, andere Quellen verweisen auf das Jahr 1919. Ende der zwanziger Jahre zog er mit seiner Familie nach Warschau. Zwischen den Weltkriegen war er im Bund einer jüdisch sozialistischen Organisation tätig. Nach der deutschen Besetzung Polens wurde er von den Nationalsozialisten mit seiner Familie ins Ghetto verschleppt. Dort trat er in den Jüdischen Kampfverband ZOB ein.
Weiterlesen »

Angeblicher Hitler-Schädel stammt von einer Frau

News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »
[b]Jahrzehntelang galt ein Schädelteil mit Einschussloch als einer der wenigen handfesten Belege für den Tod Adolf Hitlers. Nun hat eine DNA-Untersuchung ergeben, dass das Knochenfragment auf keinen Fall dem Diktator gehört haben kann. Das Russische Staatsarchiv meldet allerdings Zweifel an der Studie an.[/b]

Alles, was von Adolf Hitler übrig blieb, waren ein Stück vom Kiefer, eine Zahnbrücke und, glaubt man Moskauer Geheimdienstkreisen, ein Schädelfragment. Doch zumindest der Schädelknochen stammt definitiv nicht von dem Diktator, hat jetzt Nick Bellantoni herausgefunden, Professor für Anthropologie und Staatsarchäologe des US-Bundesstaates Connecticut. DNA-Reste, die der Wissenschaftler aus dem Stück gewinnen konnte, zeigen eindeutig: Der Knochen umschloss einst ein weibliches Gehirn.

Am Tod des Diktators gibt es freilich keinen Zweifel: Eingeschlossen von russischen Truppen in Berlin, schoss er sich am 30. April 1945 im Führerbunker in die Schläfe. Seine engsten Vertrauten schafften die Leiche Hitlers und die seiner frisch angetrauten Frau Eva Braun hinaus, verbrannten sie und bestatteten die Reste im Garten der Reichskanzlei.
Weiterlesen »

Die Mörder von Danzig

News in Der Zweite Weltkrieg 18 Kommentare »
Nach dem Sturm auf die Polnische Post am 1. September 1939 sprach die deutsche Justiz blutig Recht. Die Dokumentation eines Dramas, das Günter Grass in seiner »Blechtrommel« beschrieb.

[IMG]http://images.zeit.de/kultur/literatur/2009-09/danzig-1939/danzig-1939-540x304.jpg[/IMG]
Adolf Hitler besichtigt die eingenommene zerstörte Westerplatte. Am 1. September 1939 um 4:45 Uhr hatte das Linienschiff "Schleswig-Holstein" das Feuer auf die polnischen Befestigungen auf der Westerplatte vor Danzig eröffnet

Als der große Danzig-Roman Die Blechtrommel von Günter Grass vor 50 Jahren erschien, oblag es kurz darauf dem Vizepräsidenten des Hanseatischen Oberlandesgerichts Bremen, Dr. Kurt Bode, einen Verbotsantrag gegen das Buch zu überprüfen. Es sei pornografisch. Damals landeten viele inzwischen berühmte Bücher vor deutschen Gerichten – von Henry Millers Sexus, Plexus, Nexus-Trilogie bis zu Vladimir Nabokovs Lolita. Doch Bode hielt sich aus wohlüberlegten, allerdings nicht zensurfeindlichen Gründen zurück. Zu einem Verbot kam es nicht. Zehn Jahre später erinnerte sich der inzwischen pensionierte Richter in einem Gespräch an seine Lektüre der Blechtrommel: »Ich habe es nach zwei Kapiteln wieder weggelegt. Die Polen und die Danziger waren ganz anders.«
Anzeige

Wahrscheinlich war das eine Lüge. Der Richter hatte nach 1945 oft und erfolgreich gelogen, wenn es um seine Rolle im »Dritten Reich« ging. Denn wenige Tage nach Kriegsbeginn hatte Kurt Bode 38 Verteidiger der Polnischen Post in Danzig, unter ihnen Franzciszek Krause, einen Onkel von Günter Grass, zum Tode verurteilt. Sie wurden alle erschossen. Es war ein Justizmord sondergleichen. Die Kapitel 18 bis 20 der Blechtrommel erzählen, wie es dazu kam. Ganz gewiss hatte Bode auch diese Passagen gelesen; denn sie entsprachen in nobelpreiswürdiger dichterischer Ausstattung der historischen Wirklichkeit.
Weiterlesen »

Geschichte mit Lücken

News in Der Zweite Weltkrieg 2 Kommentare »
Der Zweite Weltkrieg hatte auch Auswirkungen auf die Länder der "Dritten Welt". Aber die werden in Kriegserinnerungen selten erwähnt. Das will eine Ausstellung mit erschütternden Fakten ändern.

[IMG]http://www.dw-world.de/image/0,,4650296_1,00.jpg[/IMG]
Frau von der Insel Guam 1944 nach der Befreiung von japanischer Besatzung

"Wenn ihr das nächste Mal Krieg führt, dann bitte nicht bei uns", lautet der bescheidene Wunsch einer alten Frau von der Inselgruppe Palau in Mikronesien. Ihr Bild, der zarte Körper, das zerfurchte Gesicht, brennt sich in das Gedächtnis ein. Denn es klagt an, stellvertretend für all die Opfer aus der Dritten Welt, die in deutschen Statistiken über den Zweiten Weltkrieg nicht genannt werden.

"In den meisten Büchern werden schon die Millionen Toten in China nicht mal erwähnt", sagt Karl Rössel. Mitte der neunziger Jahre war ihm und einigen Kollegen im „Rheinischen JournalistInnenbüro“ in Köln aufgefallen, dass es kaum Material über die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die so genannte "Dritte Welt" gab. Damit begann ein historisches Langzeitprojekt mit Recherchen in 30 Ländern. Es folgten die Gründung des Vereins "Geschichte e.V.", Buch- und Zeitschriftenpublikationen sowie die Veröffentlichung von Unterrichtsmaterialien. Und nun hat Rössel eine Ausstellung zur Geschichte der Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg zusammengestellt, die seit dem 1. September in Berlin zu sehen ist.

[IMG]http://www.dw-world.de/image/0,,4650298_1,00.jpg[/IMG]
Afrikanische Kolonialsoldaten der britischen Streitkräfte beim Training
Weiterlesen »

Täter und Opfer

News in Der Zweite Weltkrieg Noch keine Kommentare »
Im Mai 1944, kurz vor der Landung der amerikanischen und britischen Alliierten in der Normandie, kursierte in Moskau ein bitterer Witz. "Was ist ein Altgläubiger?" - "Jemand, der noch an die Eröffnung einer zweiten Front glaubt." Dabei hatte die Sowjetunion, die seit Jahren an der ersten Front kämpfte, das Schlimmste da schon hinter sich. Am 1. September vor 70 Jahren überfiel Deutschland Polen, 1941 die Sowjetunion, und nichts, was die Nazis im Westen anrichteten, ähnelte dem Vernichtungsfeldzug im Osten auch nur entfernt.

[img]http://pix.sueddeutsche.de/politik/718/486137/180x180_LJ4jSCKrCs.jpeg[/img]

Während die deutschen Besatzer polnische Lehrer erschossen und ukrainische Museen plünderten, planten sie ein gigantisches Kolonialreich, in dem slawische Heloten deutschen Herrenmenschen dienen sollten. 25 Millionen Menschen verlor die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg, 70.000 Städte, Siedlungen, Dörfer wurden zerstört.
Weiterlesen »

Das Regime der Herrenmenschen

News in Der Zweite Weltkrieg 1 Kommentar »

Die Kreishauptleute in Polen waren gebildete Juristen und Verwaltungsexperten. Sie sahen sich als Elite und herrschten als Tyrannen.


Der Einmarsch begann in den frühen Morgenstunden des 1. September 1939. Mit Panzern und Flugzeugen stieß die Wehrmacht vor, Warschau und andere polnische Städte wurden bombardiert. Keine vier Wochen später kapitulierte Polens Armee, zumal inzwischen von Osten, gemäß dem geheimen Teilungsabkommen zwischen Deutschland und der Sowjetunion, auch Stalins Truppen eingefallen waren. Bereits in den ersten Wochen ermordeten die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei Tausende Menschen, die zur polnischen Elite zählten. Die Invasoren steckten Synagogen in Brand, plünderten Kirchen und Museen, Geschäfte und Wohnungen. Es gab Massaker an Kriegsgefangenen, an polnisch-jüdischen Zivilisten, Vergewaltigungen. Die deutschen Soldaten und Polizisten hatten nahezu freie Hand.

Es war der Beginn eines Besatzungsregimes, an dessen Ende Polen den Tod von sechs Millionen seiner Staatsbürger zu beklagen hatte, davon drei Millionen jüdischen Glaubens. Die rasch in das Deutsche Reich eingegliederten westlichen Gebiete sollten auf Verlangen Hitlers »von Juden und Polacken gereinigt« werden. In Städten wie Posen, Gnesen oder Lodz durfte nichts mehr an Polen erinnern; Lodz bekam sogar einen neuen Namen und hieß seit 1940 Litzmannstadt – nach einem vier Jahre zuvor verstorbenen preußischen General und Helden des Ersten Weltkriegs, der ein begeisterter Nazi war. Hunderttausende Polen verloren in den folgenden Jahren ihre Heimat. Sie mussten in das so genannte »Generalgouvernement« übersiedeln, jenes Gebiet, das die Distrikte Warschau, Radom, Lublin, Krakau, später auch Galizien umfasste und zu einer Art Reservat für Polen erklärt wurde.

Oft blieben den Menschen nur wenige Minuten, um ein paar Habseligkeiten zu packen, bevor sie in das Generalgouvernement abgeschoben wurden. In den ersten Wochen indes zeigte sich das dort zuständige Militär überfordert, zum Teil auch unwillig; Chaos breitete sich aus. Schon aus diesem Grund, vor allem aber um möglichst ungebunden von aller internationaler Kriegsordnung agieren zu können, beendete Hitler zum 26. Oktober 1939 die Militärverwaltung, beließ das Generalgouvernement in einem völkerrechtlichen Schwebezustand und errichtete eine zivile Besatzungsverwaltung.
Weiterlesen »

(C) Daniel Oswald