DDR-Geschichte am Straßenrand

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Am Kontrollpunkt Dreilinden kamen Reisende aus West-Berlin auf der Transitstrecke in die Bundesrepublik als erstes vorbei. Die Amerikaner nutzten ihn unter dem Namen Checkpoint Bravo.

Jede Urlaubsreise mit dem Auto begann für West-Berliner mit einer Fahrt durch die DDR. Besuch aus dem Westen staute sich vor den Kontrollposten. Auch wenige Flüchtlinge schafften es – versteckt im Kofferraum oder unterm Rücksitz – über die Transit-Strecke in die Freiheit. Die Fotografin Julia Schönstädt hat einige Bauten an den Kontrollposten für ein Kunstprojekt analog fotografiert. Die starke Farbbearbeitung soll eine teils unrealistische kollektive Erinnerung an die Zeit der deutschen Teilung unterstreichen.
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Lübeck, 18. Januar 1996

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Es war ein Brandanschlag, bei dem zehn Menschen starben. Die Täter wurden nie gefasst. Jetzt lässt das Totalversagen der Sicherheitsbehörden bei der Aufklärung des NSU-Terrors auch diesen Fall in einem neuen Licht erscheinen.[/b]

Es ist gegen halb vier in der Nacht. Der Rauch dringt bereits ins Dachgeschoss, als Safwan Eid und seine Brüder von den Schreien ihrer Nachbarin geweckt werden. »Mohammed, Safwan, Ghasswan, helft uns!«, ruft die Syrerin Aida Alias verzweifelt. Gemeinsam versuchen sie, über das Treppenhaus nach unten zu gelangen, doch dichter Qualm schneidet ihnen den Weg ab. Es bleibt nur noch die Flucht aus dem Dachfenster.
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Wiedergutmachung für Israel: Was Adenauer verschwieg

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1952 unterzeichnete Kanzler Adenauer ein milliardenschweres Entschädigungsabkommen mit Israel - aus einer "zwingenden moralischen Verpflichtung" heraus, wie er erklärte. Doch lange zurückgehaltene Kabinettsprotokolle belegen, dass er auch andere Motive hatte.[/b]
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Es bleibt ein Häuflein selbstgewisser Aufrechter

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Die Pille danach oder die Homo-Ehe: Die Kirchen katapultieren sich ins gesellschaftliche Abseits. Kein Zufall, sondern eine jahrzehntelange Entwicklung.[/b]
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Was Brandt über Mitterrand dachte - und lieber verschwieg

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Von wegen gutes Verhältnis unter Sozialisten: Bislang unbekannte Notizen Willy Brandts belegen, dass der langjährige SPD-Vorsitzende hinter der Freundschaft von Frankreichs Präsident Mitterrand zu Kanzler Kohl einen Rachefeldzug gegen die SPD witterte.[/b]

Die Idee war Frankreichs Sozialistenführer François Mitterrand im Sommer 1980 gekommen, beim gemeinsamen Urlaub mit Willy Brandt an der französischen Atlantikküste. Er beabsichtige im nächsten Frühjahr eine Reise in die DDR zu unternehmen, nach Rudolstadt bei Weimar, erklärte Mitterrand seinem Besucher. Von dort war Mitterrand 1941 als Kriegsgefangener geflohen, und der Franzose plante, vierzig Jahre danach die Fluchtroute noch einmal abzufahren. Ob Brandt ihn nicht begleiten wolle.

Der SPD-Chef sagte sofort zu. Und da die DDR-Führung der Einreise zustimmte, trafen sich die beiden Parteiführer in einer Mitropa-Gaststätte am Hermsdorfer Kreuz. Gut zwei Tage lang reisten sie dann gemeinsam von Thüringen über Rothenburg ob der Tauber bis zur bundesdeutsch-schweizerischen Grenze. Und Mitterrand nutzte die Gelegenheit, um sich bei Brandt bitter über dessen prominenten Parteifreund zu beklagen, den damaligen Kanzler Helmut Schmidt (SPD).

Der habe ihn 1974 den Wahlsieg gekostet, schimpfte Mitterrand.
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Adenauers Alleingang

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Wangenkuss der alten Männer: Vor 50 Jahren wurde der deutsch-französische Freundschaftsvertrag unterzeichnet, Charles de Gaulle und Konrad Adenauer fielen sich in die Arme. Seitdem wird das Abkommen mit großer Geste gefeiert - dabei war es bis zur letzten Minute höchst umstritten. Von Christoph Gunkel

Der Bruderkuss: Nach der Unterschrift des Élysée-Vertrags entstand eine kurze, verlegene Pause. Dann zog der 72-jährige de Gaulle seinen 87-jährigen Freund Adenauer mit etwas Nachdruck in seine Arme und gab ihm den Bruderkuss. Die Bilder gingen um die Welt.

Warum sollten sie sich die beiden alten Männer jetzt nicht einfach umarmen und küssen? Herzlich auf die Wangen. Küsschen rechts, Küsschen links. Wie man es Frankreich unter Freunden macht.

Denn: Was hatten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle nicht schon alles zusammen durchgemacht! Sie hatten sich in den letzten vier Jahren 15 Mal getroffen, etwa 100 Stunden miteinander geredet und sich 40 Briefe geschrieben. Auf den einstigen Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs hatten sie im Juli 1962 eine gemeinsame Militärparade abgehalten und danach in der Kathedrale Notre-Dame von Reims gemeinsam gebetet - feierlich und sichtlich bewegt.
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Geheimaufstand der Gauleiter

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Das Ziel? Umwandlung der FDP zur "NS-Kampftruppe". In den fünfziger Jahren unterwanderten hochrangige Altnazis systematisch die liberale Partei. Die Verschwörer um Goebbels' einstigen Staatssekretär Werner Naumann weiteten ihren Einfluss so weit aus, dass die Briten einschritten - in letzter Sekunde. Von Peter Maxwill[/b]

[img]http://einestages.spiegel.de/hund-images/2013/01/11/38/835d6e2a02b99e870a28051ee381bd9a_image_document_large_featured_borderless.jpg[/img]

Der Bericht war spröde formuliert, doch sein Inhalt war explosiv. Nach Erkenntnissen der britischen Besatzungsbehörden gab es in Westdeutschland eine Verschwörung gegen den Staat und die alliierte Autorität im Land - so stand es in dem amtlichen Kommuniqué aus London, das die deutsche Öffentlichkeit am 15. Januar 1953 überraschte. Demnach planten die "Rädelsführer" einer Gruppe hochrangiger Altnazis einen radikalen Umsturz - mit noch radikalerem Ziel: die "Wiederergreifung der Macht in Westdeutschland".
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25 Jahre Waterkantgate: Uwe Barschel darf nicht ruhen

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Der Tod des CDU-Politikers gibt seit 1987 Rätsel auf. Doch vieles spricht dafür, dass er selbstbestimmt aus dem Leben schied – mit einem Helfer.[/b]

Genf, 11. Oktober 1987. Um 12.43 Uhr drückt der Stern-Reporter Sebastian Knauer auf den Kamera-Auslöser und macht das Bild seines Lebens: Darauf zu sehen ist der Tod. Die Aufnahme zeigt die Leiche Uwe Barschels in der Badewanne von Zimmer 317 des Genfer Hotels Beau Rivage. Die Armbanduhr des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten hält die genaue Uhrzeit seines Todes fest, schreibt der Spiegel später.
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"Total unfähig", aber am Ziel

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Es wurde ein langer Weg zur Macht für Helmut Kohl. Doch am 1. Oktober 1982 war es so weit: Der Bundestag wählte ihn zum Kanzler.


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Der Morgen des 1. Oktober 1982: Am Rednerpult steht Helmut Kohl, auf der Regierungsbank sitzt sein Vorgänger, der an diesem Tag gestürzt wurde.

Am 1. Oktober 1982 um 15.12 Uhr geht im Plenarsaal des Deutschen Bundestags in Bonn am Rhein ein Traum in Erfüllung: »Herr Präsident, ich nehme die Wahl an.« Der Abgeordnete Helmut Kohl, ehemals Ministerpräsident in Mainz, Vorsitzender der CDU seit 1973, seit 1976 auch Oppositionsführer in Bonn, ist mit 52 Jahren zum sechsten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt, der Jüngste in diesem Amt.
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Was geschah am 2. Juni 1967?

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Um den Schah-Besuch in Berlin ranken sich viele Mythen. Die beklemmendste Variante lautet: Eigentlich sollte Reza Pahlevi in Deutschland ermordet werden. Der Schlüssel zur Aufklärung des Rätsels liegt in einem Archiv in Washington.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2012-09/benno-ohnesorg/benno-ohnesorg-180x240.jpg[/IMG]Benno Ohnesorg umringt von Helfern des Roten Kreuzes während seiner Einlieferung ins Krankenhaus, wo er kurze Zeit später verstarb.

Jeder, der sich einmal mit den Ursprüngen der Studenten- und der 68er-Bewegung beschäftigt hat, wird sich einer maßgeblichen Irritation ausgesetzt gesehen haben: der Frage, wie der am Abend des 2. Juni 1967 mit tödlicher Wirkung auf den Germanistikstudenten Benno Ohnesorg abgegebene Schuss zu beurteilen ist – als fahrlässige Tötung, als Totschlag oder als gezielter Mord. Und falls Letzteres zutreffen sollte – worin hat das Motiv des Mörders bestanden? Hatte er aus eigenem Antrieb oder im Auftrag anderer, gar einer staatlichen Behörde gehandelt? Von der Beantwortung dieser Fragen ist abhängig, wie der Fall von heute aus politisch und historisch zu bewerten ist.
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Die Anerkennung

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Mit seinem Staatsbesuch im September 1987 bei Kanzler Helmut Kohl in Bonn war SED-Chef Erich Honecker endlich am Ziel: Die Bundesrepublik akzeptierte die DDR als gleichberechtigten deutschen Staat.


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Der Staatsratvorsitzende und SED-Generalsekretär Erich Honecker (rechts) wird am 7. September 1987 von Bundeskanzler Helmut Kohl vor dem Bonner Bundeskanzleramt empfangen.

Eine Premiere war es eigentlich nicht. Bereits 1970 hatte sich Bundeskanzler Willy Brandt mit DDR-Ministerpräsident Willi Stoph in Erfurt getroffen, noch im selben Jahr war Stoph zum Gegenbesuch nach Kassel gekommen, und 1981 hatte es die Begegnung zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker im mecklenburgischen Güstrow gegeben. Auch hatte Honecker schon manchen Westbesuch in Ost-Berlin empfangen: Von Petra Kelly und Hans-Jochen Vogel bis Lothar Späth und Franz Josef Strauß waren alle da gewesen. Doch diese Tage in Bonn vor 25 Jahren – das sollte erstmals ein richtiger Staatsbesuch werden, mit rotem Teppich, Hymne, Fahne und Ehrenformation der Bundeswehr. Es sollte nicht weniger als die Anerkennung der DDR durch die Bundesrepublik werden, vor den Augen der Welt.
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"1972 war kein Wendepunkt"

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Das Olympia-Attentat löste nur einen kurzen Schock aus – und zeigte kaum politische Folgen. Ein Gespräch mit dem Historiker Matthias Dahlke


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1972: Die Delegation Israels bei der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in München

Der 5. September 1972 ist ein schwarzes Datum der jüngeren Geschichte. Ungehindert dringen palästinensische Terroristen am frühen Morgen ins Münchner Olympiadorf ein und nehmen elf israelische Sportler als Geiseln; die Behörden sind überfordert. Befreiungsversuche werden dilettantisch begonnen und wieder abgebrochen, am späten Abend auf dem Militärflughafen von Fürstenfeldbruck dann das finale, blutige Scheitern. Am Ende sind alle Geiseln tot, außerdem ein Polizist und fünf der acht Terroristen.

DIE ZEIT: Herr Dahlke, von heute aus gesehen, wirkt der Münchner Anschlag vor 40 Jahren wie ein tiefer Einschnitt. Tatsächlich aber wurde er schnell verdrängt. Wie kam das?

Matthias Dahlke: Die deutsche Öffentlichkeit, aber auch viele Spitzenpolitiker haben damals vor allem auf den Linksterrorismus geschaut. Im Sommer 1972 schien dieses Problem mit der Festnahme der Baader-Meinhof-Gruppe erledigt zu sein. Dann kam München. Die Experten, die Mitarbeiter von Interpol und den Geheimdiensten wussten natürlich, in welchem Ausmaß der grenzüberschreitende Terrorismus in Europa schon Fuß gefasst hatte, aber die Öffentlichkeit? Die schenkte dem wenig Beachtung.

DIE ZEIT: Erstaunlich! Es hatte doch schon zuvor zahlreiche Angriffe gegeben: 1969 einen Handgranatenanschlag auf die israelische Botschaft in Bonn, 1970 einen Anschlag auf ein El-Al-Flugzeug in München, im selben Jahr ein Bombenattentat auf eine österreichische Maschine in Frankfurt am Main...?

Matthias Dahlke: Man hat diese Attentate eher als eine Art »Ausländerkriminalität« betrachtet. Es herrschte das Gefühl vor: Das geht uns nichts an.
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Als die Welt Peter Fechter an der Mauer sterben sah

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Die Bilder vom Tod des 18-jährigen belegen die Brutalität der deutschen Teilung wie kein Ereignis zuvor. Sie brachten vor 50 Jahren die Westberliner gegen die USA auf.


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Kreuz zum Gedenken an Peter Fechter, aufgestellt am Tag nach seinem Tod (1962)

Die Westberliner wollen sich nicht an die Mauer durch ihre Stadt gewöhnen, auch ein Jahr nach deren Bau nicht. Zum ersten Jahrestag am 13. August 1962 demonstrieren sie gegen die Teilung der Stadt. Aber schon werden Meldungen über Schüsse an der Grenze, über misslungene Fluchtversuche zur Routine. 38 Todesopfer zählt die Westberliner Polizei.

Am Nachmittag des 17. August der 39. Mensch: Peter Fechter, geboren 1944 in Berlin-Weißensee, gelernter Maurer aus einfachen Verhältnissen. Mit seinem Kollegen Helmut Kulbeik verbindet ihn nicht nur die Arbeit beim Wiederaufbau des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Palais' Unter den Linden. Sie teilen auch das Unbehagen über das Leben in der DDR.
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Kristallnacht im August

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"Deutschland den Deutschen": Im Sommer 1992 wütete ein entfesselter Mob in Rostock-Lichtenhagen drei Abende lang gegen "Ausländer" und "Asylanten".


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Das Foto vom 25.08.1992 zeigt eingeschlagene Fenster und die verkohlte Fassade der damaligen Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in einem Wohnblock in Rostock-Lichtenhagen nach schweren ausländerfeindlichen Angriffen.

Vor Kurzem erst enttäuschte Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling amerikanische Touristen. Sie hatten ihn nach dem Friedhof für die Opfer von Lichtenhagen gefragt. Ungläubig hörten sie, es habe keine Toten gegeben, anders als bei den Brandanschlägen in Solingen, Lübeck, Mölln. Obwohl wir keinen Deut besser sind, sagt Methling. Ich schäme mich dafür, was wir 1992 hier zugelassen haben.
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Ikea wegen Zwangsarbeit unter Druck

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Der schwedische Möbelkonzern lehnt ein gemeinsames Forschungsprojekt mit den Opferverbänden zum Thema Zwangsarbeit vorerst ab. Dadurch kommt der schwedische Möbelgigant in der Öffentlichkeit immer stärker unter Druck.[/b]

Der schwedische Möbelkonzern Ikea gerät wegen der im Frühjahr veröffentlichten Medienberichte, er habe einen Teil seiner Produkte von Zwangsarbeitern in der DDR fertigen lassen, abermals in die Kritik.

Nach Angaben der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hat das Unternehmen ein gemeinsames Forschungsprojekt abgelehnt. Man müsse „Prioritäten setzen“, heißt es in einem Brief an die UOKG. „Es gäbe vieles zu unterstützen, doch alles ist selbst uns nicht möglich.“ Der Verbandsvorsitzende Rainer Wagner erklärte daraufhin, bei der anfänglichen Ankündigung zur Zusammenarbeit habe es sich offenbar „um eine reine PR-Show“ gehandelt.

Zudem war der Konzern auch nicht bereit, wie jetzt bekannt wurde, im Mai an einer Podiumsdiskussion mit dem Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn, und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) teilzunehmen.
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"Wir wollten frei sein"

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Peter Fechters Tod an der Berliner Mauer erschütterte 1962 die Welt. Jetzt berichtet erstmals sein Freund und Gefährte Helmut Kulbeik über die dramatischen Stunden der Flucht.


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Die Leiche des 18-jährigen Ostberliner Maurers Peter Fechter wird von DDR-Grenzsoldaten am 17.08.1962 weggetragen. Westliche Polizisten und Journalisten konnten nicht helfen.

Vor fünfzig Jahren, am 17. August 1962, endete das Leben von Peter Fechter beim Versuch, über die Berliner Mauer in den Westen zu gelangen. Der 18-Jährige wurde von DDR-Grenzposten erschossen. Die Kugeln hätten auch Helmut Kulbeik treffen können, der gemeinsam mit seinem Kumpel Peter die Flucht gewagt hatte. Doch Kulbeik kam durch und konnte im Westen ein neues Leben beginnen. Er ist der einzige unmittelbare Zeuge des Fluchtversuchs. Und hat – bis jetzt – über seine Erinnerungen geschwiegen. Ein Foto von sich will er auch heute noch nicht in der Zeitung sehen.

Kulbeik lebt in Berlin. Die Teilung der Stadt ist längst Geschichte, doch die Bilder von damals lassen ihn nicht los. Nein, die Flucht sei kein Fehler gewesen, kein Dummejungenstreich, sagt er. Er habe damals weggewollt, weg aus dem Osten, raus aus der DDR. Das System habe ihn bedrückt. Und eigentlich sei die Flucht ja nicht schwierig gewesen – eine Sache von Sekunden.

Doch die Sache ging schief.
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Als in Schwabing Steine flogen

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Mit Gewalt gegen den "Sauhaufen": Im Juni 1962 schlägt die Stimmung auf der Amüsiermeile Leopoldstraße plötzlich um. Nach einem harmlosen Polizeieinsatz kommt es zu tagelangen Straßenschlachten - den Schwabinger Krawallen. Noch heute ist nur schwer nachvollziehbar, warum ein nichtiger Anlass derart eskaliert ist.[/b]

Der 21. Juni 1962 ist ein Feiertag. Wer katholisch ist und fromm, zieht mit der Fronleichnamsprozession durch die Stadt. Es ist sommerlich warm, eine dieser zauberhaften Nächte steht bevor, die den Menschen vorgaukeln, München läge am Mittelmeer. Da muss man raus, unter freiem Himmel sitzen, am besten in einem der vielen Straßencafés im leichtlebigen Schwabing.

Am späten Abend spielen fünf junge Gitarristen auf der Leopoldstraße Folksongs, um sie herum versammeln sich ein paar Dutzend Zuhörer. Anwohner beschweren sich wegen Ruhestörung, gegen 22:35 Uhr rollt ein Polizei-Auto mit zwei Beamten an. Die Polizisten zwingen die Musiker in den Streifenwagen, augenscheinlich handelt es sich um eine Festnahme. Die Menge protestiert.

Menschen rütteln an der grünen BMW-Limousine, irgendjemand sticht ein Loch in den Reifen. Verstärkung rückt an, es kommt zum Handgemenge. Während drei der Musiker und die ersten Demonstranten ins Polizeipräsidium verfrachtet werden, strömen immer mehr Leute zum Ort des Geschehens.
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Die furchtbare Frau

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Reuelos in Ruinen: In der ARD-Doku "Der Sturz" spricht Margot Honecker erstmals darüber, wie sie und ihr Mann Erich den Untergang der DDR erlebt haben. Die Verstocktheit der Hardlinerin ist schwer zu ertragen - dennoch ist jede der 90 Minuten des Films absolut sehenswert.
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Da sitzt sie nun also, und man muss schon sagen: Gut hat sie sich gehalten. Bald 85 Jahre alt ist Margot Honecker heute, die Witwe des Staatsratsvorsitzenden Erich, ehemals Bildungsministerin der DDR, und das Klima in Chile scheint ihrer Gesundheit zuträglich. Kein Anflug von Gebrechlichkeit, keine Altersdemenz erkennbar. Was aber auch bedeutet: keine Entschuldigung für ihre verstockte, reuelose Sicht auf die DDR und ihre persönliche Verstrickung in die Verbrechen dieses Staates.
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Atomstadt Berlin

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Energie ohne Ende: Deutschlands erstes Kernkraftwerk sollte vor fünfzig Jahren am Wannsee in West-Berlin entstehen.[/b]

Die strahlende Zukunft Berlins sollte in einer aufgelassenen Kiesgrube beginnen. Gleich beim Wannsee, im amerikanischen Sektor, unweit der Glienicker Brücke wäre Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre beinahe Deutschlands erstes Atomkraftwerk gebaut worden, eines der ersten Europas – nur die Russen und die Engländer waren schneller. Das Projekt beschäftigte damals zwei Jahre lang die Westberliner und die Bonner Politik, und seine Geschichte illustriert auf eindringliche Weise die ideologische Technikbegeisterung und naive Wissenschaftsgläubigkeit jener Zeit.
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Geheim ins Reich

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Sie glorifizierte Hitler und nannte Gaskammern eine "revolutionäre Methodik": In den Fünfzigern hetzte die Sozialistische Reichspartei gegen die Demokratie und saß sogar im Bundestag. Die Skandale der braunen Truppe hielten das Land monatelang in Atem - und sorgten für das erste Parteiverbot der Republik.[/b]
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1962 – Land unter in Hamburg

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Vor 50 Jahren suchte die schlimmste Sturmflut der jüngsten Geschichte die Nordseeküste heim. In Hamburg versagten die Vorwarnsysteme. 340 Menschen starben.[/b]

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17. Februar 1962 in Hamburg: Eine Frau wird mit einem Schlauchboot von drei Helfern in Sicherheit gebracht.

Als das Wasser kommt, schläft Hamburg. Mit 130 Stundenkilometern rast der Orkan Vincinette über Norddeutschland, reißt Bäume aus, deckt Dächer ab, drängt das Wasser der Nordsee in die Deutsche Bucht und in die Elbe. An der Küste ziehen sich sturmerprobte Landbewohner aus den Gefahrenzonen auf höheres Gelände zurück. Aber die Städter wähnen sich sicher.

Am Abend des 16. Februar 1962 warnt das Deutsche Hydrographische Institut vor einer Sturmflut an der gesamten Nordseeküste. Von einer Gefahr für Hamburg ist nicht die Rede. Der NDR strahlt die Warnung nur im Radio aus, im Fernsehen will er die beliebte Serie Familie Hesselbach nicht stören. Als die Tagesschau um 22.15 Uhr versucht, die Hamburger in Alarmstimmung zu versetzen, rechnen die nur mit den üblichen vollgelaufenen Kellern, wie schon Dutzende Male zuvor in diesem Winter, zuletzt vor vier Tagen – und gehen zu Bett.

"Hamburg verschlief die Sintflut", schreibt der Spiegel, als er mehr als eine Woche später wieder erscheinen kann. Das Nachrichtenmagazin schildert ein völlig veraltetes Warnsystem, das auf Böllern beruht, eine nur mit Beamten niedrigen Ranges besetzte Einsatzleitung und ein komplettes Versagen der Behörden.
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Der blanke Hass

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Schon einmal zog ein rechtsradikales Terror-Trio durch Deutschland: Zwei Männer und eine Frau. 1980 starben bei einem Anschlag der Gruppe in Hamburg zwei vietnamesische Flüchtlinge.[/b]

Der Papst fand Zeit, Herrn Huynh zu empfangen. "Ich hatte doch so viel Geld für die Missionsarbeit gesammelt", sagt Herr Huynh, weist auf ein Foto an der Wand, das ihn in Rom mit dem Papst zeigt, dann lächelt er. Doch es hätte nicht viel gefehlt, und diese Begegnung wäre nie zustande gekommen. Es hätte nicht viel gefehlt, und Herr Huynh, der gläubige Katholik, wäre in der Nacht vom 21. auf den 22. August 1980 in Hamburg ums Leben gekommen. Und mit ihm seine beiden älteren Kinder, die damals in den Stockbetten lagen und fest schliefen, während ihr Vater zum Glück wach am Tisch saß und Zeitungen aus der Heimat las. "Da war plötzlich im Nebenzimmer so ein Knall", erzählt Thoâng Huynh und lächelt nun nicht mehr.
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Wotansbrüder und Weimarer Front

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Die Neonazis in der DDR waren kein versprengter Haufen, sondern eine gut organisierte Szene, die mehr als 15.000 Anhänger zählte und die Obrigkeit schier kapitulieren ließ.[/b]

Es ist eine gewaltige Menge, fast zu gewaltig für die Zionskirche in Ost-Berlin. Über 2.000 Fans strömen am 17. Oktober 1987 zum Konzert der Westberliner Punkband Element of Crime und ihren DDR-Kollegen Die Firma. Es wird ein denkwürdiges Ereignis: Kurz nach 22 Uhr stürmen 30 Skinheads das Konzert, brüllen »Sieg Heil!«, »Juden raus aus deutschen Kirchen!« und »Kommunistenschweine!« und verletzen viele der geschockten Fans. Anschließend setzen sie ihr Treiben draußen fort – unter den Augen einer Streife der Volkspolizei.

Erst Tage später berichten DDR-Medien über den Überfall. Doch ist dort weder von Skins die Rede noch von Neonazis. Vielmehr von »Rowdytum« – so lautet die verbindliche Sprachregelung für Jugendrandale im SED-Staat. Diesmal aber geht das Verschleierungskalkül nicht auf. Zwar ist der Angriff auf die Zionskirche kein Einzelfall, dennoch läutet er eine Wende im Umgang der DDR-Behörden mit den Neonazis im Lande ein.
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Die drei kleinen Fluchthelfer

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Strichmännchen als Staatsfeinde? Der populäre DDR-Abenteuer-Comic "Mosaik" entführte seine Leser in Länder, die sie selbst nie bereisen durften. Eine Schau widmet sich jetzt den besten Jahren des Hefts - und zeigt auch, wie dessen klein-kapitalistischer Macher mit den Behörden kämpfte.[/b]

Es steckt etwas von "Asterix" in dieser Geschichte. Die ganze Kultur der DDR ist staatlich gleichgeschaltet, und nur einem kleinen Heft gelingt es, sich gegen die Obrigkeit zu wehren.

Das Heft war das "Mosaik", das ab 1955 in Ostberlin erschien. Mit monatlich bis zu 660.000 verkauften Exemplaren war es der erfolgreichste ostdeutsche Comic. Die Geschichten spielten in Rom, in Venedig, in Paris und an anderen Orten, die der realsozialistische Bürger nicht zu sehen hoffen durfte. Damit waren die Hefte im Wortsinn "Fluchtlektüre". Und eine jetzt in Leipzig eröffnete Ausstellung macht deutlich, dass die Bedeutung der Hefte weit darüber hinaus reicht.
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Meine Nazis, deine Nazis

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Wie braun ist Deutschland - und wo stecken die Rechtsextremen? Westdeutsche schieben das Problem gerne nach Ostdeutschland, dort wehrt man sich gegen die Klischees in der Berichterstattung. Dabei hinkt die Debatte den Verhältnissen seit Jahrzehnten hinterher und geht daran vorbei, dass Polizei, Verfassungsschutz und Justiz den Rechtsradikalismus selbst befördert haben.[/b]

Ost-Berlin in den späten achtziger Jahren, kurz vor dem Mauerfall, mit dem damals keiner rechnete: Wer nicht blond und blauäugig war, wer den tänzelnd tuntigen Gang nicht zu kontrollieren vermochte oder wer an Krücken ging, der passte auf, wo er hinging, der wählte in der Nacht seine Wege mit Bedacht, um nicht zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Es hatte sich herumgesprochen, dass in Fußballstadien blockweise "Sieg Heil" gerufen wurde, dass die "Glatzen" keine Hemmungen hatten, zuzuschlagen.

Am 17. Oktober 1987 stürmten ein paar Skinheads die Ostberliner Zionskirche, in der die Rockgruppe Element of Crime spielte. "Juden raus aus deutschen Kirchen", sollen sie gerufen haben. Sie prügelten blitzartig, wild und verschwanden. Die Volkspolizei reagierte behäbig, abwartend. Der Skandal schlug Wellen, es kam zu einem Prozess gegen die "Rädelsführer". Die Angst aber blieb.

Das Vertrauen, im Staat der Antifaschisten, unter Honecker, den die Nazis zehn Jahre ins Zuchthaus gesteckt hatten, vor rechtsextremer Gewalt geschützt zu sein, war dahin.

Die Verunsicherung ist seitdem nicht verschwunden. Bestimmte Landstriche, kleine Städte in den fünf neuen Ländern, Plattenbauviertel in Ost-Berlin meidet man oder betritt sie mit besonderer Vorsicht. Das mag ungerecht sein, ein Vorurteil, aber das Risiko zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, geht man doch lieber nicht ein. Dass auch in Hamburg oder Duisburg Nazi-Schläger wohnen, ändert wenig an der Angst, dem Unbehagen. Die Bilder der Gejagten und der jagenden Meute in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda oder Guben haben sich eingeprägt.

Spätestens seit 1987 humpelt und hinkt auch die deutsch-deutsche Debatte über rechtsextreme Gewalt in der DDR, in Ostdeutschland, in der gesamten Bundesrepublik, ohne recht vom Fleck zu kommen. Dabei sind ziemlich dämliche Routinen entstanden. Wie unter Landsleuten üblich, nutzt man jede Gelegenheit beleidigt zu sein, erst einmal übel zu nehmen. Ostdeutsche wehren sich gegen Klischees der Berichterstattung, Westdeutsche geben sich dem Irrglauben hin, das Problem sei erledigt, wenn man es in Ostdeutschland lokalisiert und die Mitschuld der SED-Herrschaft festgestellt hat. "Meine Nazis" - "Deine Nazis" - es ist ein müßiges Spiel.
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(C) Daniel Oswald