Enthüllung aus dem Archiv: Warum Thomas Mann den Nobelpreis wirklich bekam

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"Der Zauberberg"? Viel zu modern! Als die Schwedische Akademie 1929 den Nobelpreis für Literatur an Thomas Mann verlieh, leistete sie sich aus heutiger Sicht eine echte Peinlichkeit. Ein Blick in alte Sitzungsprotokolle der Nobel-Jury offenbart Abgründe.[/b]

Am kommenden Samstag wird in Stockholm der diesjährige Nobelpreis für Literatur an den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer verliehen. Grund genug, einmal in alten Sitzungsprotokollen der Schwedischen Akademie nachzublättern, um nachzuvollziehen, wie frühere Entscheidungen des Komitees zustande kamen. Aus dem Blick in die Akten geht nicht nur hervor, wie knapp und umstritten manche Abstimmung verlief, sondern auch, dass bisweilen der richtige Autor für das falsche Buch ausgezeichnet wurde. So erging es Thomas Mann, der 1929 im zweiten Anlauf den Literaturnobelpreis erhalten hatte - nicht jedoch für sein damals aktuelles und im Rückblick bedeutenderes Werk "Der Zauberberg", sondern für sein dreißig Jahre zurückliegendes Debüt "Buddenbrooks".

Dass Thomas Manns Roman "Der Zauberberg" bei seinem Erscheinen in den zwanziger Jahren manche Leute die Nase rümpfen ließ und dem Verfasser bei seiner Nobel-Kandidatur kaum Pluspunkte einbrachte, mag sich für heutige Leser wie ein Lügenmärchen anhören. Aber so und nicht anders war die Situation, als Mann für den prestigeträchtigsten aller Literaturpreise vorgeschlagen wurde.
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Alphabet aus der Wüste

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Unsere Schrift haben die Phönizier erfunden, hieß es immer. Der Bonner Ägyptologe Ludwig Morenz hat eine andere Theorie dazu.


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Beschriftete Stelen in der Wüstenstadt Serabit el-Chadim im Sinai

Die Phönizier haben uns vor 3.100 Jahren das Alphabet beschert. So lehrt man es noch immer in der Schule. Wer einen guten Geschichtslehrer hatte, lernte zudem, dass die Kulturschöpfung der Buchstabenschrift erst durch die Griechen vollendet wurde, die 800 Jahre vor unserer Zeitrechnung zu den Konsonanten die Vokale dazuerfanden.

Aber auch das ist maximal die halbe Wahrheit. Die Genese des Alphabets – und damit des Prinzips: ein Zeichen für einen Laut – setzte fast ein Jahrtausend früher ein und hat ihre Wurzeln in den ägyptischen Hieroglyphen. Die Ägyptologen disputieren seit fast einem Jahrhundert, wie diese für die europäische Kulturentwicklung so bahnbrechende Zivilisationsstufe erklommen wurde. Und wer sie wann und wo initiierte.

Jetzt prescht in der Debatte ein deutscher Ägyptologe vor. Ludwig Morenz lehrt an der Universität Bonn, und in seinem jüngsten Buch [I]Die Genese der Alphabetschrift[/I] traut er sich nicht nur zu, den Ursprung unserer Alphabetschrift präzise verorten zu können, sondern er ist sich sogar sicher, wer die Urheberschaft für sich beanspruchen darf.
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Alles Recht geht vom Volksgeist aus

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Friedrich Carl von Savigny hat die moderne deutsche Rechtsgeschichte geprägt wie kein anderer. Ein Porträt des Juristen zu seinem 150. Todestag


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Friedrich Carl von Savigny, porträtiert 1856 von Franz Krüger

Wenn er im Ornate stehet / Und kreieret die Doktoren, / Fließet ihm die stolze Rede / Gleich dem zweiten Cicerone.« So erdachte sich Clemens Brentano 1812 in seinen Romanzen vom Rosenkranz den berühmten Juristen Jacopone, der die größten Fürsten mit Rechtssprüchen versorgte und Tausende Schüler an seiner Weisheit teilhaben ließ. Und obwohl Juristen im echten Leben nur selten Gegenstand lyrischer Gesänge sind, hatte Brentanos Jacopone ein reales Vorbild: Friedrich Carl von Savigny, den Schwager des Dichters – und bedeutendsten Rechtsgelehrten der deutschen Geistesgeschichte.
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Handgeschriebene Strauss-Werke online

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Handgeschriebene Musikstücke der Komponistenfamilie Strauss sind nun in der digitalen Wienbibliothek der Stadt Wien kostenlos online abrufbar. "Die digitale Wienbibliothek trägt viel zur Identität der Stadt bei", sagte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in einer Aussendung am Montag. In den nächsten Jahren sollen auch literarische Werke von Johann Nestroy und Ferdinand Raimund digital zugänglich gemacht werden.

Der Schwerpunkt der digitalen Wienbibliothek liegt im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Im kostenlosen Portal befinden sich bereits einige Werke von Hugo Wolf sowie historische Sammlungen zu Adressbüchern, Stadtbeschreibungen oder Reiseführern. Daneben sollen in den nächsten Jahren Musik- und Handschriftensammlungen zugänglich gemacht werden.

"Mit der Digitalisierung wichtiger Strauss-Autographen, wie der Originalpartitur der Operette 'Die Fledermaus', setzt die Stadt Wien nun einen weiteren wichtigen Schritt zur weltweiten Verbreitung eines ihrer bedeutendsten Kulturgüter", betonte Mailath-Pokorny. Bereits online sind rund 320 Werke der Strauss-Familie, darunter etwa der "Radetzky-Marsch" oder der Walzer "An der schönen blauen Donau". In den kommenden Jahren solle die digitale Wienbibliothek stetig erweitert werden

Home - Wienbibliothek
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Eure Rede sei: Ja, ja – nein, nein

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Geschichtsschreibung lebt aus der Debatte: Zu seinem 80. Geburtstag ein Gespräch mit dem Historiker und Polemiker Hans-Ulrich Wehler.

DIE ZEIT: Herr Wehler, Sie feiern an einem geschichtsträchtigen Datum Ihren Geburtstag: Am 11. September werden Sie 80 Jahre alt. Wie haben Sie Ihren 70. Geburtstag erlebt?

Hans-Ulrich Wehler: Es war eine sonderbare Situation. Meine Frau und ich machten gerade Urlaub auf Kreta, als es geschah. Alle Hotelgäste standen atemlos um den Fernseher und sahen diese Kino-Bilder – ausgerechnet dort, auf allerältestem Boden der europäischen Zivilisation.

ZEIT: Wie ordnen Sie den Anschlag zehn Jahre später ein: Ist das Datum eine Zäsur wie 1917 oder 1989?

Wehler: Nein. Die letzte historische Zäsur fand tatsächlich 1989/91 statt, als das einst mächtige sowjetische Imperium zusammenbrach und von der weltpolitischen Bühne abtrat. Nie hätte ich geglaubt, das Ende der Sowjetmacht einmal miterleben zu können. Der 11. September war dagegen nur eine Steigerung in den bereits laufenden politisch-religiösen Auseinandersetzungen – auch wenn er die Amerikaner in zwei Kriege geführt hat. Ich habe Samuel Huntingtons Rede vom Clash of Civilizations ja immer verteidigt, weil er präzise prophezeit hatte, dass nach dem Ende des Ost-West-Konflikts neue Fronten aufbrechen würden. Francis Fukuyamas Idee vom Ende der Geschichte hingegen, wonach fortan alles nach dem Muster der amerikanisch-liberalen Demokratie verlaufen würde, erwies sich rasch als reiner Schwachsinn.
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Woanders hat der Hase frei

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Ostern wird weltweit ganz unterschiedlich gefeiert. In New York geht es karnevalistisch zu, in Polen feucht-fröhlich und in Australien hat der Hase gar nichts zu melden.[/b]

Was haben Norderney und das Weiße Haus in Washington gemeinsam? Antwort: fast den gleichen Osterbrauch. Auf Norderney heißt er "Trüllen" und ist eine Art Ostereier-Wettkugeln: einfach mit der Hand Rinnen in die Dünen ziehen und die Eier darin hinunterkullern lassen. Weil es hinter dem Weißen Haus keine Sandberge gibt und die Eier auf dem präsidialen Rasen nicht von selbst in Fahrt kommen, dürfen die Kinder sie dort mit Löffeln anschubsen. Für alle Teilnehmer gibt’s wertvolle Preise: Holzeier mit den Unterschriften des Präsidenten und der First Lady. Damit kann Norderney nicht aufwarten.
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Rudolf Steiner - Genie oder Spinner?

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Für Anthroposophen ist er das größte Idol des 20. Jahrhunderts, für Kritiker ein Sektengründer. Trotz wenig Rückhalt in der Wissenschaft werden Steiners Ideen gelebt.[/b]

In den zwanziger Jahren hält Rudolf Steiner vor Bauarbeitern, die an seinem Goetheanum werken, einen Vortrag. Er fragt sich, was passieren würde, fräße ein Ochse Fleisch statt Pflanzen. "Er lässt die ganzen Kräfte ungenützt, die in ihm Fleisch erzeugen können", sagt Steiner, mit der Folge, dass "riesige Mengen von Harnsäuresalzen" sein Gehirn vergiften – "der Ochse würde verrückt werden". Steiner-Anhänger sagen: Prima, der Mann hat den Rinderwahnsinn vorhergesagt. Kritiker sagen: Fleisch erzeugende Kräfte, Harnsäuresalze, unwissenschaftlicher Blödsinn. Irgendwie stimmt beides.

Auch mit dem Lebenslauf des Begründers der Anthroposophie haben sich lange Zeit teils schwärmerische Anhänger einerseits und harsche Abrechnungsliteraten andererseits befasst. Jetzt, im Jubiläumsjahr, sind gleich mehrere Biografien von Nichtanthroposophen erschienen. Die Konstanzer Historikerin Miriam Gebhard etwa sieht als Leitmotiv in Steiners Leben radikale Modernität: "Er verweigerte einen klassisch-bürgerlichen Lebenszuschnitt und ‚erfand‘ sich immer wieder neu."
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Psychohistoriker Aby Warburg: In Bildern versteckte Symbole waren seine Leidenschaft

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Aby Warburg gilt als Vater der modernen Ikonologie. Günter Grass fordert die Rückkehr der 1933 nach London verlegten Warburg-Bibliothek nach Hamburg.


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In dem Gemälde "Frühstück im Grünen" (Le Déjeuner sur l'herbe) von Edouard Manet erkannte Aby Warburg antike Symbole in modernem Gewand

In dem berühmten Text von Aby Warburg zum "Schlangenritual" über des Verfassers "Indianische Reise" nach Neu-Mexiko findet sich ein erstaunlicher Satz: "Ein paar tausend jüdische Offiziere mehr und wir hätten vielleicht die Schlacht an der Marne gewonnen." In diesem Satz aus dem Frühjahr 1923 bündelt sich die ganze Tragik seines Autors. Aby Warburg (1866-1929), Sohn einer wohlhabenden Hamburger Bankiersfamilie, war Jude und deutscher Patriot zugleich. Er selbst bezeichnete sich als "Hamburger im Herzen, Jude von Geburt, Florentiner im Geiste". Die Niederlage im Krieg hat er, wie so viele seiner Zeitgenossen, nicht verkraftet. Eine psychische Erkrankung zwang ihn nach Kriegsende für fünfeinhalb Jahre in Sanatorien, aus denen er erst 1924 "zur Normalität beurlaubt wurde", wie er selbstironisch anmerkte.
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Wikileaks 1699

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Seitdem es Zeitungen gibt, locken sie mit echten und angeblichen Enthüllungen.[/b]

Ort: vor den Toren einer belagerten Stadt, irgendwo in Deutschland. Zeit: das Jahr 1699. Zwei Kuriere der Thurn- und Taxisschen Ordinari-Post – die Post war damals (wie heute wieder) privat organisiert – haben den Ort verlassen. Unversehens werden beide von Wegelagerern angehalten, die sich mit Waffengewalt der Depeschen bemächtigen wollen. In den Felleisen der Kuriere finden die Bösewichter genau das, worauf sie es abgesehen haben: eine geheime, wohl zwischen zwei Diplomaten oder Regierungsbeamten geführte Korrespondenz mit Kommentaren und Mutmaßungen vor allem zum politischen Geschehen in Europa, teils auch zu neuen wissenschaftlichen Entdeckungen. Einer der Nachrichtenräuber kann, mit der Waffe in der Hand, die erbeuteten Schreiben wegtragen – zu demjenigen, der sie bei der Bande »bestellt« hat.

Wer aber ist dieser Auftraggeber? Was will er mit den geraubten Depeschen? Er will sie veröffentlichen! Vollständig und ohne Veränderungen lässt er sie, Brief für Brief und Antwort für Antwort, in einer eigens zu diesem Zwecke eingerichteten Zeitschrift abdrucken, die monatlich erscheint und etwa 100 kleine Seiten zählt. So werden die diskreten Botschaften nun zum Allgemeingut eines jeden, der endlich einmal einen Blick hinter die sonst so sorgsam verhängten Kulissen des politischen Betriebes werfen möchte.
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¡Viva el Krausismo!

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[b]Krause? Karl Christian Friedrich Krause? Selbst mancher deutsche Philosophieprofessor dürfte da in Verlegenheit kommen. Es sei ihm nachgesehen. Denn K. C. F. Krause und sein Werk sind tatsächlich völlig vergessen, eine Fußnote in den einschlägigen Kompendien der Philosophiegeschichte, und sie hatten auch nie Bedeutung – in Deutschland. Ganz anders jedoch in Spanien, wo die meisten gebildeten Menschen den Namen wohl schon einmal gehört haben.[/b]

Es ist eines der verrücktesten, unglaublichsten Kapitel der europäischen Kulturgeschichte: Ein in seinem Heimatland unbekannt gebliebener Philosoph wird Jahre nach seinem Tod in einem anderen Land mit einer anderen Sprache und Kultur zu einer Leitfigur, zu einer Art geistigem Übervater, der einer ganzen Bewegung seinen Namen gibt – dem [i]Krausismo[/i].
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Die Knollen des Wandels

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Auf die Kartoffel gründeten schon die Inka ihre Macht. Sie machte Kolonialismus, Industrialisierung und den Aufstieg Europas möglich. So schreibt eine Sättigungsbeilage Geschichte.[/b]

Keiner konnte ahnen, was in den schmutzigen Klumpen steckte. Die Matrosen nicht, der Kapitän nicht und auch der König nicht. Harmlos sah die Fracht aus, die das Schiff der spanischen Flotte um 1560 auf den Kanarischen Inseln anlandete: verschrumpelte, braune, pflaumengroße Knollen, die auf der Reise von der südamerikanischen Pazifikküste weiß-grünliche Keime hervorgetrieben hatten. Und doch sollten sie die Geschichte Europas, ja der Welt verändern – Kartoffeln.
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Die Kirche als Koch: Ernährung im Mittelalter

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Verbot macht erfinderisch. Im Mittelalter war ein Drittel des Jahres strenge Fastenzeit. Historische Rezepte zeugen davon, wie man die strengen Regeln zu umgehen wusste.[/b]

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In der Karwoche sind sie in aller Munde: Die Maultaschen sind eine alte Fastenspeise

So alt der Glaube, so alt ist auch die Bevormundung – und in wenige Bereiche mischt sich Religion so rigoros ein wie in die Nahrungsaufnahme. Finger weg von heiligen Kühen (Hinduismus)! Sind die Gummibärchen auch [i]ḥalāl[/i] (Islam)? Keine Sahnesoße zum Braten (Judentum)! Glauben und essen, das bedeutete von jeher: auf Ausnahmen achten.

Das 1. Buch Mose empfahl den Menschen zwar »alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten« zur Nahrung (Genesis 1,29–30). Doch der Sonderfall folgte auf dem Fuß: Bloß kein Erkenntnisobst naschen (Genesis 3,1–24)! Wie die Geschichte weiterging, ist als Mahnung allgegenwärtig: Jede kulinarische Verfehlung kann gravierende Konsequenzen haben. Einmal kraftvoll zugebissen, auf ewig aus Eden verstoßen – in eine Welt hinein, in der falsches Essen ebenfalls zu Scherereien führt.

Das Christentum brachte im Laufe seiner Geschichte viele kulinarische Verbote hervor, auch wenn diese im Vergleich zu denen der anderen Weltreligionen weniger kompliziert erscheinen mögen. Und Verbot macht erfinderisch. Es spornte Köche an, im Rahmen der Regeln das Leckerste herauszuholen oder die Grenzen der Norm geschickt zu dehnen. So wurde die Kirche selbst zum Koch, vor allem durch jene umfangreichen Fastenregeln, die sie ab Mitte des ersten Jahrtausends entwickelte und immer weiter elaborierte.
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Glückliches Missverstehen

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Als alemannischer Mundartdichter und Verfasser von Kalendergeschichten ist Johann Peter Hebel in die Literaturgeschichte eingegangen. Im lichten Tonfall des Dialekts und mit unheimlicher Komik hat dieser sanfte Skeptiker und Moralist alles Abgründige in Sprachlust und Dichtkunst verwandelt.
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Wissenschaft geht durch die Nase: Geschichte des Parfums

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In der selbsternannten Welthauptstadt des Parfums, Grasse, werden Düfte noch in Handarbeit hergestellt. Doch was passiert eigentlich bei Destillation und Enfleurage?[/b]

Es ist der Zauber der Provence, der einen schnell in seinen Bann zieht: Das Blau des Meeres wetteifert mit dem des Himmels, von Platanen beschattete Dorfplätze und Häuser leuchten im warmen Licht des Südens. Über allem schwebt ein Duft von Lavendel, Jasmin, Rosen, Orangenblüten und Mimosen.

Zwischen Rhonetal und Italien im Südosten Frankreichs gelegen, findet sich hier nicht nur eine der bekanntesten Urlaubsregionen Frankreichs, sondern auch die 40.000 Einwohner zählende "Weltstadt des Parfums", Grasse. Rund 30 Kilometer im Hinterland der Côte d´Azur, konservieren eine Handvoll alteingesessener Firmen den flüchtigen Schatz Südfrankreichs, und schaffen es, mit immer neuen Kreationen nicht nur die Damenwelt stets aus Neue zu entzücken. Auch das berühmte Chanel No.5 wurde in Grasse komponiert. Neben der Parfumherstellung werden hier auch Geschmacksstoffe und Aromen für die Nahrungsmittelindustrie entwickelt.

"Schon seit 1747 kreiert unser Familienunternehmen ein einzigartiges Sortiment an Düften", erläutert Karine de Azevedo, die bei Galimard arbeitet, dem ältesten Parfumbetriebs Frankreichs. Als Vorsitzender der Vereinigung der Handschuhmacher und Parfümeure belieferte der Firmengründer Jean de Galimard bereits im 18. Jahrhundert den Hof Ludwigs des XV. in Versailles mit Olivenöl, Pomaden und Parfums, deren erste Formeln er in Grasse erdachte. Seit damals hat sich an den Herstellungsmethoden und Qualitätsstandards nur wenig geändert.
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»Verdammt ihr dies?«

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Häretiker, Zweifler, Revolutionär: Der streitbare Philosoph Peter Abaelard war ein großer Liebender und ein Vordenker der Aufklärung.


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Mittelalterliche Erhörung eines Minnen, er wird im Korb nach oben gezogen

Reichlich und fett war das Essen, schwer ist der Wein. Der Mundschenk hat Order bekommen, die Becher der Bischöfe stets gut zu füllen. »Die Kirchenobersten hatten, Philosophen der Gurgel, ihre Rundung mit feurigem Wein angefüllt, dessen Wärme sich in ihrem Schädel so festsetzte, dass sich die Augen aller in der Trägheit eines Nickerchens entspannten«, heißt es in einer Beschreibung der Geschehnisse jenes Abends des 25. Mai 1141. Aus manchen Winkeln der Kirche ist Schnarchen zu hören, lautes Rülpsen und Furzen. Und über allem die heisere Stimme eines Mönches, der den versammelten Würdenträgern aus einem Schriftstück vorliest. »Er schreibt, Christus habe nicht Fleisch angenommen, um uns vom Joch des Teufels zu befreien!«, hallt es durch das Gotteshaus. »Verdammt ihr dies?« Die noch nicht eingedösten Prälaten lachen, johlen und trampeln mit den Füßen. »Damnamus!«, rufen sie, wir verurteilen! Andere, für einen Moment aus trunkenem Schlummer gerissen, bringen lediglich ein gelalltes »namus« heraus, »wir schwimmen«. Und von Neuem erhebt sich die Stimme des Anklägers: »Er schreibt, dass Gott das Böse nicht hindern darf und nicht hindern kann! Verdammt ihr dies?«
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Kölle alaaf! Hanswurst wird frech

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Eine Erinnerung an die Anfänge des politischen Karnevals und seinen Erfinder, den demokratischen Revolutionär Franz Raveaux.[/b]

Kölns Karneval ist ein Fest für alle. Das war immer so. Das galt schon im Mittelalter, als vor allem die Handwerkszünfte die Fastnacht ausrichteten. Ob reich, ob arm, alles feierte. Damals war Köln Deutschlands größte Stadt, die einzige echte Metropole. Der Glanz verging, der 1248 begonnene gotische Dom verwandelte sich eine gewaltige Bauruine. Doch dem Karneval blieb die alte Römerstadt durch die Jahrhunderte treu.
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Gerade die Armen mochten ihn nicht missen. So berichtet im Jahr 1800 naserümpfend ein auswärtiger Besucher, der Münchner Hofrat und Reiseschriftsteller Albert Klebe: »Alle Wirtshäuser ertönten von Musik und Gläserklang und dem Brüllen und Jauchzen des besoffenen Pöbels. Man sah hier nichts als Fuhrleute mit schmutzigen Kitteln, mit verzerrten Larven und lang herunterhängenden Haaren von Werg oder Flachs, Bauern in plumper, schmutziger Tracht, schmierige Caminfeger und altväterlich gekleidete Weiber. In diesem von Tabak, Punsch und Ausdünstungen duftenden Tumult trieb sich der Pöbel mit Entzücken herum.«

In jener Zeit gehörte Köln wie das gesamte Rheinland links des Stroms zu Frankreich. 1794 hatte sich die Stadt den Revolutionstruppen ergeben, 1801 waren im Vertrag von Lunéville die neuen Grenzen festgeschrieben worden. Der Traum manches freiheitlich gesinnten Kölner Bürgers von einer rheinischen, der »cisrhenanischen« Republik hatte sich nicht erfüllt, die vorbereitete Verfassung verschwand in der Schublade.
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Adventskalender – Türchen 23: Warum feiern wir Weihnachten?

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Nächstenliebe, Ruhe, Friedlichkeit: Den Advent beherrscht die Vorfreude auf Weihnachten. Die Entstehung des christlichen Festes ist jedoch alles andere als besinnlich.[/b]

Der früheste Beleg für den Ausdruck "Weihnacht" oder auch "Heilige Nacht" stammt aus dem Jahr 1170. Manche Forscher vermuten, dass der Begriff christlichen Ursprungs ist, andere hingegen behaupten, er stamme bereits aus vorchristlichen Zeiten – belegt ist keine der beiden Theorien.
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Adventskalender – Türchen 18: Warum naschen wir in der Weihnachtszeit?

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Die Weihnachtsbäckerei hält bekanntlich süße Leckereien bereit. Die Gründe dafür sind unklar, vielleicht liegen sie in der Chemie oder Ethnologie.[/b]

Früher war die Weihnachtszeit eine Fastenzeit. Heute wird im Advent nach Herzenslust genascht. Schoko-Weihnachtsmänner, Dominosteine und Lebkuchen finden sich bereits im frühen Herbst in den Auslagen. Vor nicht allzu langer Zeit jedoch, fing das richtige Schlemmen aber erst nach Heiligabend an.

Die Menschen im Mittelalter lebten in enger Abhängigkeit von der Natur. Und sie glaubten, die Natur beeinflussen und sogar bestechen zu können. In der Hoffnung auf eine gute Ernte im nächsten Jahr, stellten die Menschen kurz vor dem Jahreswechsel besonders viele Speisen her. Diese wurden an Arme verteilt, ans Vieh verfüttert oder ins Saatgut gemischt. Einiges aß man allerdings auch selbst oder lagerte es ein.
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Adventskalender - Türchen 11: Was war der Stern von Bethlehem?

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War es ein Komet, ein sterbender Stern oder eine seltene Planetenkonjunktion? In ihrer Freizeit versuchen Wissenschaftler, den Stern von Bethlehem ausfindig zu machen.


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Das Bild des florentinischen Malers Giotto zeigt den Weihnachtsstern als Kometen

Pünktlich zur Weihnachtszeit entbrennt erneut die Diskussion um den Stern von Bethlehem.

Mit seinem berühmten Werk Die Anbetung des Kindes durch die drei Weisen aus dem Morgenlande erschuf der Maler Giotto di Bondone die Legende, dass der Weihnachtsstern der Halley'sche Komet gewesen sei. Mittlerweile ist nachgewiesen, dass dieser zum entsprechenden Zeitpunkt nicht sichtbar war. Vielmehr ließ sich Giotto von dem Kometen bei dessen Wiederkehr im Jahr 1301 zu seiner Kunst inspirieren.

Der Stern von Bethlehem könnte auch eine Supernova gewesen sein, also das helle Aufleuchten einer Explosion eines Sterns – ein Ereignis, dass nur etwa alle 500 Jahre in der Milchstraße auftritt. Gegen diese Theorie spricht allerdings, dass bis heute auch mit modernster Röntgenastronomie keine Überreste einer Supernova um das Jahr 0 gefunden wurden.
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Adventskalender – Türchen 4: Was geschieht am Barbaratag?

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Alljährlich gedenkt man der heiligen Barbara. Sie gehört zu einer der vier besonders heiligen Jungfrauen und die ihr dargebrachten Gaben gelten als Orakel der Liebe.[/b]

Einst wurden am Barbaratag Zweige geschnitten und Weizen gesät. Von ihnen versprach man sich Vorhersagen für die Liebe, das Familienglück und die Ernte im nächsten Jahr. Auch heute noch ist es ein gern gesehener Brauch, doch dessen Ursprung ist umstritten.
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Adventskalender – Türchen 3: Wo liegt der Nordpol?

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In Wirklichkeit gibt es drei Nordpole – den geografischen, den magnetischen und den geomagnetischen. Ein kleiner Überblick zur Orientierung.[/b]

Der amerikanische Entdecker Robert E. Peary und der deutschstämmige Arzt, Frederick A. Cook, machten sich auf, den geografischen Nordpol zu erobern. Beide kamen 1909 von ihren Expeditionen zurück, beide verkündeten ihren Triumph, beide ließen eindeutige Beweise vermissen – und so bleibt die Geschichte des wahren Entdeckers ungewiss.
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Adventskalender - Türchen 2: Wer hat den Nussknacker erfunden?

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Ob zur Zierde oder als Werkzeug: Seit Jahrhunderten sind Nussknacker stetige Begleiter in der Weihnachtszeit. Wer ihn erfunden hat, ist jedoch noch immer ein Rätsel.[/b]

Stattlich steht er da, der Husar – gekleidet in leuchtend rotem Gewand, bewaffnet mit einem Säbel und Zähnen aus Holz. Er ist ein Nussknacker nach dem Vorbild des Königsnussknackers von 1870, den der Zimmermann Friedrich Wilhelm Füchtner aus Seiffen im Erzgebirge erstmals gedrechselt hatte.

Dank dessen Idee begann damals eine neue Ära der Nussknacker. Denn traditionell wurden die kräftigen Holz-Kerle in aufwendiger Kleinstarbeit per Hand geschnitzt und nicht auf der Drehbank gefertigt.
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Um einen gedrechselten Nussknacker wie jene aus dem Erzgebirge herzustellen, braucht es bis zu 130 Arbeitsschritte. Die Gestalt wird aus ungefähr 60 Einzelteilen zusammengesetzt und anschließend mit Fell, Leder und Schnüren dekoriert. Wer den ersten figürlichen Nussknacker entwickelte, ist unbekannt.
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Adventskalender – Türchen 1: Woher kommt der Adventsbrauch?

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Der Adventskranz wurde in Hamburg erfunden. Und Adventskalender gibt es seit ziemlich genau 100 Jahren. Ein Überblick zur Geschichte der Vorweihnachtszeit.[/b]

Advent, Advent ein Lichtlein brennt, so beginnt ein uraltes Kindergedicht. Seine Kernaussage: Beim vierten Lichtlein hat das Warten endlich ein Ende.

Worauf man wartet?
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Die Feierlichkeiten zu Schillers 100. Geburtstag

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Am 10. November 1759 wird der Dichter Friedrich Schiller in Marbach am Neckar geboren. Die NZZ vom 17. November 1859 berichtet ausführlich von den Festlichkeiten in Stuttgart und Marbach, die Ihren Dichter zum hundertsten Geburtstag gebührend feiern. Zu Ehren des Schriftstellers veröffentlicht das Blatt das Gedicht «Gruss zum Schillerfeste aus der Schweiz».

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Erich Mühsam

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»Sich fügen heißt lügen« – das ist sein Credo, Unerschrockenheit sein Lebensprinzip: Ein Anarchist im edelsten Sinne des Wortes.


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Erich Mühsam (1878-1934), Dichter, Bohemien und Revolutionär

Kein Bürger darf seines Lebens und seines Eigentums mehr sicher sein, so allein kann die moralische Widerstandskraft der Kapitalisten gebrochen werden«: Einen, der so etwas schrieb, wünscht man sich den als Zeitgenossen herbei? Oh ja! Ihn – nicht seine Zeit, das schreckliche 20.Jahrhundert: nicht die fünfjährige Haft, in der er Revolutionen herbeisehnte; nicht die Zensur seiner Schriften und die Ermordung seiner Freunde durch Reichswehr und rechtsnationale Freikorps. Aber ihn sehr wohl, der vor 75 Jahren von den Nazis im Konzentrationslager Oranienburg umgebracht wurde: den Freigeist Erich Mühsam.
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(C) Daniel Oswald