Die Knollen des Wandels

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Auf die Kartoffel gründeten schon die Inka ihre Macht. Sie machte Kolonialismus, Industrialisierung und den Aufstieg Europas möglich. So schreibt eine Sättigungsbeilage Geschichte.[/b]

Keiner konnte ahnen, was in den schmutzigen Klumpen steckte. Die Matrosen nicht, der Kapitän nicht und auch der König nicht. Harmlos sah die Fracht aus, die das Schiff der spanischen Flotte um 1560 auf den Kanarischen Inseln anlandete: verschrumpelte, braune, pflaumengroße Knollen, die auf der Reise von der südamerikanischen Pazifikküste weiß-grünliche Keime hervorgetrieben hatten. Und doch sollten sie die Geschichte Europas, ja der Welt verändern – Kartoffeln.
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Die Kirche als Koch: Ernährung im Mittelalter

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Verbot macht erfinderisch. Im Mittelalter war ein Drittel des Jahres strenge Fastenzeit. Historische Rezepte zeugen davon, wie man die strengen Regeln zu umgehen wusste.[/b]

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In der Karwoche sind sie in aller Munde: Die Maultaschen sind eine alte Fastenspeise

So alt der Glaube, so alt ist auch die Bevormundung – und in wenige Bereiche mischt sich Religion so rigoros ein wie in die Nahrungsaufnahme. Finger weg von heiligen Kühen (Hinduismus)! Sind die Gummibärchen auch [i]ḥalāl[/i] (Islam)? Keine Sahnesoße zum Braten (Judentum)! Glauben und essen, das bedeutete von jeher: auf Ausnahmen achten.

Das 1. Buch Mose empfahl den Menschen zwar »alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten« zur Nahrung (Genesis 1,29–30). Doch der Sonderfall folgte auf dem Fuß: Bloß kein Erkenntnisobst naschen (Genesis 3,1–24)! Wie die Geschichte weiterging, ist als Mahnung allgegenwärtig: Jede kulinarische Verfehlung kann gravierende Konsequenzen haben. Einmal kraftvoll zugebissen, auf ewig aus Eden verstoßen – in eine Welt hinein, in der falsches Essen ebenfalls zu Scherereien führt.

Das Christentum brachte im Laufe seiner Geschichte viele kulinarische Verbote hervor, auch wenn diese im Vergleich zu denen der anderen Weltreligionen weniger kompliziert erscheinen mögen. Und Verbot macht erfinderisch. Es spornte Köche an, im Rahmen der Regeln das Leckerste herauszuholen oder die Grenzen der Norm geschickt zu dehnen. So wurde die Kirche selbst zum Koch, vor allem durch jene umfangreichen Fastenregeln, die sie ab Mitte des ersten Jahrtausends entwickelte und immer weiter elaborierte.
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Glückliches Missverstehen

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Als alemannischer Mundartdichter und Verfasser von Kalendergeschichten ist Johann Peter Hebel in die Literaturgeschichte eingegangen. Im lichten Tonfall des Dialekts und mit unheimlicher Komik hat dieser sanfte Skeptiker und Moralist alles Abgründige in Sprachlust und Dichtkunst verwandelt.
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Wissenschaft geht durch die Nase: Geschichte des Parfums

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In der selbsternannten Welthauptstadt des Parfums, Grasse, werden Düfte noch in Handarbeit hergestellt. Doch was passiert eigentlich bei Destillation und Enfleurage?[/b]

Es ist der Zauber der Provence, der einen schnell in seinen Bann zieht: Das Blau des Meeres wetteifert mit dem des Himmels, von Platanen beschattete Dorfplätze und Häuser leuchten im warmen Licht des Südens. Über allem schwebt ein Duft von Lavendel, Jasmin, Rosen, Orangenblüten und Mimosen.

Zwischen Rhonetal und Italien im Südosten Frankreichs gelegen, findet sich hier nicht nur eine der bekanntesten Urlaubsregionen Frankreichs, sondern auch die 40.000 Einwohner zählende "Weltstadt des Parfums", Grasse. Rund 30 Kilometer im Hinterland der Côte d´Azur, konservieren eine Handvoll alteingesessener Firmen den flüchtigen Schatz Südfrankreichs, und schaffen es, mit immer neuen Kreationen nicht nur die Damenwelt stets aus Neue zu entzücken. Auch das berühmte Chanel No.5 wurde in Grasse komponiert. Neben der Parfumherstellung werden hier auch Geschmacksstoffe und Aromen für die Nahrungsmittelindustrie entwickelt.

"Schon seit 1747 kreiert unser Familienunternehmen ein einzigartiges Sortiment an Düften", erläutert Karine de Azevedo, die bei Galimard arbeitet, dem ältesten Parfumbetriebs Frankreichs. Als Vorsitzender der Vereinigung der Handschuhmacher und Parfümeure belieferte der Firmengründer Jean de Galimard bereits im 18. Jahrhundert den Hof Ludwigs des XV. in Versailles mit Olivenöl, Pomaden und Parfums, deren erste Formeln er in Grasse erdachte. Seit damals hat sich an den Herstellungsmethoden und Qualitätsstandards nur wenig geändert.
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»Verdammt ihr dies?«

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Häretiker, Zweifler, Revolutionär: Der streitbare Philosoph Peter Abaelard war ein großer Liebender und ein Vordenker der Aufklärung.


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Mittelalterliche Erhörung eines Minnen, er wird im Korb nach oben gezogen

Reichlich und fett war das Essen, schwer ist der Wein. Der Mundschenk hat Order bekommen, die Becher der Bischöfe stets gut zu füllen. »Die Kirchenobersten hatten, Philosophen der Gurgel, ihre Rundung mit feurigem Wein angefüllt, dessen Wärme sich in ihrem Schädel so festsetzte, dass sich die Augen aller in der Trägheit eines Nickerchens entspannten«, heißt es in einer Beschreibung der Geschehnisse jenes Abends des 25. Mai 1141. Aus manchen Winkeln der Kirche ist Schnarchen zu hören, lautes Rülpsen und Furzen. Und über allem die heisere Stimme eines Mönches, der den versammelten Würdenträgern aus einem Schriftstück vorliest. »Er schreibt, Christus habe nicht Fleisch angenommen, um uns vom Joch des Teufels zu befreien!«, hallt es durch das Gotteshaus. »Verdammt ihr dies?« Die noch nicht eingedösten Prälaten lachen, johlen und trampeln mit den Füßen. »Damnamus!«, rufen sie, wir verurteilen! Andere, für einen Moment aus trunkenem Schlummer gerissen, bringen lediglich ein gelalltes »namus« heraus, »wir schwimmen«. Und von Neuem erhebt sich die Stimme des Anklägers: »Er schreibt, dass Gott das Böse nicht hindern darf und nicht hindern kann! Verdammt ihr dies?«
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Kölle alaaf! Hanswurst wird frech

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Eine Erinnerung an die Anfänge des politischen Karnevals und seinen Erfinder, den demokratischen Revolutionär Franz Raveaux.[/b]

Kölns Karneval ist ein Fest für alle. Das war immer so. Das galt schon im Mittelalter, als vor allem die Handwerkszünfte die Fastnacht ausrichteten. Ob reich, ob arm, alles feierte. Damals war Köln Deutschlands größte Stadt, die einzige echte Metropole. Der Glanz verging, der 1248 begonnene gotische Dom verwandelte sich eine gewaltige Bauruine. Doch dem Karneval blieb die alte Römerstadt durch die Jahrhunderte treu.
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Gerade die Armen mochten ihn nicht missen. So berichtet im Jahr 1800 naserümpfend ein auswärtiger Besucher, der Münchner Hofrat und Reiseschriftsteller Albert Klebe: »Alle Wirtshäuser ertönten von Musik und Gläserklang und dem Brüllen und Jauchzen des besoffenen Pöbels. Man sah hier nichts als Fuhrleute mit schmutzigen Kitteln, mit verzerrten Larven und lang herunterhängenden Haaren von Werg oder Flachs, Bauern in plumper, schmutziger Tracht, schmierige Caminfeger und altväterlich gekleidete Weiber. In diesem von Tabak, Punsch und Ausdünstungen duftenden Tumult trieb sich der Pöbel mit Entzücken herum.«

In jener Zeit gehörte Köln wie das gesamte Rheinland links des Stroms zu Frankreich. 1794 hatte sich die Stadt den Revolutionstruppen ergeben, 1801 waren im Vertrag von Lunéville die neuen Grenzen festgeschrieben worden. Der Traum manches freiheitlich gesinnten Kölner Bürgers von einer rheinischen, der »cisrhenanischen« Republik hatte sich nicht erfüllt, die vorbereitete Verfassung verschwand in der Schublade.
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Adventskalender – Türchen 23: Warum feiern wir Weihnachten?

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Nächstenliebe, Ruhe, Friedlichkeit: Den Advent beherrscht die Vorfreude auf Weihnachten. Die Entstehung des christlichen Festes ist jedoch alles andere als besinnlich.[/b]

Der früheste Beleg für den Ausdruck "Weihnacht" oder auch "Heilige Nacht" stammt aus dem Jahr 1170. Manche Forscher vermuten, dass der Begriff christlichen Ursprungs ist, andere hingegen behaupten, er stamme bereits aus vorchristlichen Zeiten – belegt ist keine der beiden Theorien.
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Adventskalender – Türchen 18: Warum naschen wir in der Weihnachtszeit?

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Die Weihnachtsbäckerei hält bekanntlich süße Leckereien bereit. Die Gründe dafür sind unklar, vielleicht liegen sie in der Chemie oder Ethnologie.[/b]

Früher war die Weihnachtszeit eine Fastenzeit. Heute wird im Advent nach Herzenslust genascht. Schoko-Weihnachtsmänner, Dominosteine und Lebkuchen finden sich bereits im frühen Herbst in den Auslagen. Vor nicht allzu langer Zeit jedoch, fing das richtige Schlemmen aber erst nach Heiligabend an.

Die Menschen im Mittelalter lebten in enger Abhängigkeit von der Natur. Und sie glaubten, die Natur beeinflussen und sogar bestechen zu können. In der Hoffnung auf eine gute Ernte im nächsten Jahr, stellten die Menschen kurz vor dem Jahreswechsel besonders viele Speisen her. Diese wurden an Arme verteilt, ans Vieh verfüttert oder ins Saatgut gemischt. Einiges aß man allerdings auch selbst oder lagerte es ein.
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Adventskalender - Türchen 11: Was war der Stern von Bethlehem?

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War es ein Komet, ein sterbender Stern oder eine seltene Planetenkonjunktion? In ihrer Freizeit versuchen Wissenschaftler, den Stern von Bethlehem ausfindig zu machen.


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Das Bild des florentinischen Malers Giotto zeigt den Weihnachtsstern als Kometen

Pünktlich zur Weihnachtszeit entbrennt erneut die Diskussion um den Stern von Bethlehem.

Mit seinem berühmten Werk Die Anbetung des Kindes durch die drei Weisen aus dem Morgenlande erschuf der Maler Giotto di Bondone die Legende, dass der Weihnachtsstern der Halley'sche Komet gewesen sei. Mittlerweile ist nachgewiesen, dass dieser zum entsprechenden Zeitpunkt nicht sichtbar war. Vielmehr ließ sich Giotto von dem Kometen bei dessen Wiederkehr im Jahr 1301 zu seiner Kunst inspirieren.

Der Stern von Bethlehem könnte auch eine Supernova gewesen sein, also das helle Aufleuchten einer Explosion eines Sterns – ein Ereignis, dass nur etwa alle 500 Jahre in der Milchstraße auftritt. Gegen diese Theorie spricht allerdings, dass bis heute auch mit modernster Röntgenastronomie keine Überreste einer Supernova um das Jahr 0 gefunden wurden.
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Adventskalender – Türchen 4: Was geschieht am Barbaratag?

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Alljährlich gedenkt man der heiligen Barbara. Sie gehört zu einer der vier besonders heiligen Jungfrauen und die ihr dargebrachten Gaben gelten als Orakel der Liebe.[/b]

Einst wurden am Barbaratag Zweige geschnitten und Weizen gesät. Von ihnen versprach man sich Vorhersagen für die Liebe, das Familienglück und die Ernte im nächsten Jahr. Auch heute noch ist es ein gern gesehener Brauch, doch dessen Ursprung ist umstritten.
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Adventskalender – Türchen 3: Wo liegt der Nordpol?

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In Wirklichkeit gibt es drei Nordpole – den geografischen, den magnetischen und den geomagnetischen. Ein kleiner Überblick zur Orientierung.[/b]

Der amerikanische Entdecker Robert E. Peary und der deutschstämmige Arzt, Frederick A. Cook, machten sich auf, den geografischen Nordpol zu erobern. Beide kamen 1909 von ihren Expeditionen zurück, beide verkündeten ihren Triumph, beide ließen eindeutige Beweise vermissen – und so bleibt die Geschichte des wahren Entdeckers ungewiss.
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Adventskalender - Türchen 2: Wer hat den Nussknacker erfunden?

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Ob zur Zierde oder als Werkzeug: Seit Jahrhunderten sind Nussknacker stetige Begleiter in der Weihnachtszeit. Wer ihn erfunden hat, ist jedoch noch immer ein Rätsel.[/b]

Stattlich steht er da, der Husar – gekleidet in leuchtend rotem Gewand, bewaffnet mit einem Säbel und Zähnen aus Holz. Er ist ein Nussknacker nach dem Vorbild des Königsnussknackers von 1870, den der Zimmermann Friedrich Wilhelm Füchtner aus Seiffen im Erzgebirge erstmals gedrechselt hatte.

Dank dessen Idee begann damals eine neue Ära der Nussknacker. Denn traditionell wurden die kräftigen Holz-Kerle in aufwendiger Kleinstarbeit per Hand geschnitzt und nicht auf der Drehbank gefertigt.
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Um einen gedrechselten Nussknacker wie jene aus dem Erzgebirge herzustellen, braucht es bis zu 130 Arbeitsschritte. Die Gestalt wird aus ungefähr 60 Einzelteilen zusammengesetzt und anschließend mit Fell, Leder und Schnüren dekoriert. Wer den ersten figürlichen Nussknacker entwickelte, ist unbekannt.
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Adventskalender – Türchen 1: Woher kommt der Adventsbrauch?

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Der Adventskranz wurde in Hamburg erfunden. Und Adventskalender gibt es seit ziemlich genau 100 Jahren. Ein Überblick zur Geschichte der Vorweihnachtszeit.[/b]

Advent, Advent ein Lichtlein brennt, so beginnt ein uraltes Kindergedicht. Seine Kernaussage: Beim vierten Lichtlein hat das Warten endlich ein Ende.

Worauf man wartet?
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Die Feierlichkeiten zu Schillers 100. Geburtstag

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Am 10. November 1759 wird der Dichter Friedrich Schiller in Marbach am Neckar geboren. Die NZZ vom 17. November 1859 berichtet ausführlich von den Festlichkeiten in Stuttgart und Marbach, die Ihren Dichter zum hundertsten Geburtstag gebührend feiern. Zu Ehren des Schriftstellers veröffentlicht das Blatt das Gedicht «Gruss zum Schillerfeste aus der Schweiz».

http://static.nzz.ch/files/0/0/1/Schiller+S_1.4040001.+1+17_1.4040001.11_1.4040001.1859_1.4040001.pdf
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Erich Mühsam

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»Sich fügen heißt lügen« – das ist sein Credo, Unerschrockenheit sein Lebensprinzip: Ein Anarchist im edelsten Sinne des Wortes.


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Erich Mühsam (1878-1934), Dichter, Bohemien und Revolutionär

Kein Bürger darf seines Lebens und seines Eigentums mehr sicher sein, so allein kann die moralische Widerstandskraft der Kapitalisten gebrochen werden«: Einen, der so etwas schrieb, wünscht man sich den als Zeitgenossen herbei? Oh ja! Ihn – nicht seine Zeit, das schreckliche 20.Jahrhundert: nicht die fünfjährige Haft, in der er Revolutionen herbeisehnte; nicht die Zensur seiner Schriften und die Ermordung seiner Freunde durch Reichswehr und rechtsnationale Freikorps. Aber ihn sehr wohl, der vor 75 Jahren von den Nazis im Konzentrationslager Oranienburg umgebracht wurde: den Freigeist Erich Mühsam.
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Ferdinand Lassalle

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Wenn heute einer die müde SPD auf Trab bringen könnte, dann er: Der Mann, der sie vor mehr als 140 Jahren gründen half.[/b]

Würden Träume ohne Weiteres Realität, würde er zum Retter der siechen deutschen Sozialdemokratie. Einer ihrer Gründer ist er schon. Vor 146 Jahren stand er in Leipzig in einem verrauchten Versammlungssaal vor den Delegierten aus deutschen Landen, um den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein aus der Taufe zu heben, den Vorläufer der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. Vielleicht würde Ferdinand Lassalle jetzt erneut für die Sozialdemokratie antreten – der Volkstribun und Arbeiterführer, Theoretiker und Praktiker der Macht. Er würde der SPD neues Leben einhauchen, die verzagte und verkümmerte Partei an ihre Wurzeln erinnern, an ihren Geschichtsoptimismus und ihre Erfolge. Im Bundestag wäre er, den der alte Sozialdemokrat Hans-Jochen Vogel einen »gottbegnadeten Agitator« nannte, der geborene Oppositionsführer. Den öligen CSU-Baron zu G. würde der in Dutzenden Gerichtsprozessen geschulte Advokat und aristokratisch wirkende Lebemann mit Verweisen auf Hegel und Heraklit schwindelig reden. Angela Merkel hätte Lassalle rhetorisch sowieso im Sack.

Was könnte er auch heute der Partei noch geben! Heinrich Heine bescheinigte ihm eine »an Irrsinn grenzende Willenszähigkeit«, für Eduard Bernstein war er der »Erwecker der deutschen Arbeiterbewegung«. Um ihr zu ihrem Recht zu verhelfen, schrieb Lassalle 1863 die Forderung nach einem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht in die Statuten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Zugleich verankerte er in der Sozialdemokratie den Glauben an den solidarischen Sozialstaat – nur der könne garantieren, sagte Lassalle, dass Freiheit nicht allein die Freiheit der Mächtigen ist, sondern zur Freiheit für alle wird. Den bürgerlichen Liberalen seiner Zeit warf er dagegen ihre »Nachtwächterideen« des Staates vor. Dessen vermeintliche Neutralität sei schließlich nichts anderes als Parteinahme für die wirtschaftlich Starken, zürnte er.
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Gustav Radbruch

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Gibt es ein Recht über dem Gesetz? Kein Jurist ist in den globalen Konflikten der Gegenwart so aktuell wie er, der Professor aus Heidelberg.[/b]

Wie muss es gebebt haben in diesem Gelehrten während der Nazijahre. Gustav Radbruch, vor dem Krieg Rechtsprofessor in Heidelberg, Königsberg und Kiel, in der Weimarer Republik kurze Zeit SPD-Justizminister, war in Hitlers Reich ein verbannter Jurist, durfte nichts veröffentlichen. Aber wie er dann, 1945, seinen Geist entlädt! Was Radbruch zu sagen hat über die »Schandgesetze« und die Perversion, die dem Recht in den vergangen zwölf Jahren angetan wurde, passt auf eine Zeitungsseite. Dass die nicht Feuer fängt, ist erstaunlich.
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Aus Juristen Demokraten machen

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Gustav Radbruchs langer Kampf für das Recht der Republik – ein Porträt des großen Juristen zu seinem 60. Todestag.[/b]

In der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1989 starb der letzte Flüchtling an der Berliner Mauer. Ein Schuss traf den jungen Mann mitten ins Herz. Der grausigen Tat folgten die üblichen Reaktionen des real existierenden Grenzregimes, gipfelnd in der Belobigung der Schützen mit Ordensverleihung und Geldprämie für den vorbildlichen Einsatz. Dass damit das letzte Wort noch nicht gesprochen war, lag an den Ereignissen im Herbst desselben Jahres, die das Recht der DDR binnen weniger Wochen in gesamtdeutsches Unrecht verwandelten.
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Im September 1991 begann der Prozess gegen die vier beteiligten Grenzsoldaten, der erste dieser Art nach der Wiedervereinigung; der Todesschütze wurde schließlich im März 1994 wegen Totschlags verurteilt.

Juristisch war das nicht ganz unbedenklich. Laut Einigungsvertrag mussten Straftaten aus der DDR nach dem Recht der DDR behandelt werden. Danach war Totschlag zwar grundsätzlich strafbar, im Falle der Grenzsicherung an der Mauer jedoch gesetzlich erlaubt. Doch die Gerichte setzten sich über das Gesetzesrecht der DDR hinweg.

Mithilfe einer rechtsphilosophischen Argumentationskette aus dem Jahr 1946 ermittelten sie das eigentliche, wirkliche, wahre Recht des untergegangenen Nachbarn: Gesetze könnten zwar in aller Regel Verbindlichkeit für sich beanspruchen; eine Grenze finde dieser Grundsatz jedoch dort, wo der Widerspruch zwischen positivem Gesetz und Gerechtigkeit so unerträglich sei, »daß das Gesetz als ›unrichtiges Recht‹ der Gerechtigkeit zu weichen« habe.
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Die Mutter der modernen Universität: 200 Jahre Humboldt-Uni

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[b]1810 öffnete die Berliner Universität ihre Tore. Ihr Gründer Wilhelm von Humboldt konzipierte sie nur widerwillig und bezweifelte den Erfolg. Ein Rückblick zum Jubiläum.[/b]

Wie muss man sich Berlin ohne Universität vorstellen? Kann man sich Berlin ohne Universität vorstellen?
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Machen wir einen Zeitsprung und landen wir, zunächst einmal, im Jahr 1806. Ein Graus! Preußen hat die Schlacht bei Jena und Auerstedt gegen die Franzosen verloren, Napoleon ist durchs Brandenburger Tor einmarschiert, die Moral ist zerrüttet, die Finanzen am Ende. Berlin ist mehr Klein- als Weltstadt und weit davon entfernt, große Geister anzuziehen.

Alexander von Humboldt, der große Naturforscher, seit 1804 zurück aus Amerika, ist entsetzt, als König Friedrich Wilhelm III. ihm nahelegt, nach Berlin zu ziehen statt nach Paris. Als der Kosmopolit 1805 doch in die preußische Hauptstadt kommt, wird er prompt krank. "Es ist mir hier fürchterlich eng und tot", klagt er. Die Menschen seien so oberflächlich, "noch ärger als die Pflanzenöde und der blecherne graue Himmel über Berlin." Sobald er kann, kehrt Humboldt ins weltläufige Paris zurück.

Berlin hatte zwar auch damals mehr als märkischen Sand zu bieten. Ein wissenschaftliches Leben gab es durchaus, es gab die Bergakademie, die Vorläuferin der Technischen Universität, es gab die Akademien der Künste und der Wissenschaften, die Charité, die Bauakademie – Institutionen, an denen entweder nur geforscht oder aber nur Spezialisten ausgebildet wurden.

Und: Es gab die Salons! Ab 1780 die berühmten der Henriette Herz und der Rahel Levin, aber auch viele andere, weniger bekannte, in denen sich Bürgerliche und Adlige, Wissenschaftler, Literaten und Kaufleute trafen und im geselligen Gespräch ihre Meinungen und Kenntnisse weiterentwickelten. Denn auch das ist ja Bildung – das hat der Theologe Friedrich Schleiermacher sogar philosophisch begründet.
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Ach, Siena!

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Europas moderne Demokratie speist sich aus vielen Quellen. Zu ihnen gehören Italiens Stadtrepubliken. Daran erinnert jetzt die viel geliebte Stadt Siena in der Toskana. Sie feiert in den kommenden acht Monaten, von September dieses Jahres bis zum Mai 2010, den 700. Geburtstag ihrer Verfassung. Genau genommen ist diese Verfassung sogar noch um einiges älter, 1296 war die Constitutio auf Lateinisch erschienen. Aber ins Italienische übersetzt – und damit auf ganz neue Weise wirksam und verpflichtend – wurde sie erst in jenem historischen Sommer von 1309.

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Damals hatten die Stadtväter von Siena nämlich nicht nur die Übersetzung des kostbaren Dokuments verfügt, das alle Rechte und Pflichten für Adelige, Bürger und Behörden festlegt und zahlreiche Vorschriften fürs städtische Leben enthält (wie zum Straßenverkehr und zur Hygiene). Sondern sie bestimmten auch, dass diese Übersetzung in einem Saal des Palazzo Pubblico ausgestellt wurde. Damit niemand das Werk klaute, sicherte man es, wie bei wertvollen Büchern damals üblich, mit einer Kette.
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Matsch & Mythos - 40 Jahre Woodstock

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Eigentlich konnte es nur schiefgehen: unfähige Organisatoren, viel zu wenig Essen, die Musiker im Stau und nichts als Regen. Warum Woodstock trotzdem zur Legende wurde.

Als Mr. und Mrs. Filippini dämmert, was an diesem 15. August 1969 auf sie zukommt, ist es zu spät. Die Anfahrtswege zu ihrer Farm in White Lake sind verstopft. So weit das Auge reicht, karren Menschen Zelte, Schlafsäcke und Decken heran und parken ihre Autos auf Weideland. Mister Filippini hat sich auf seine Veranda zurückgezogen, die Flinte auf dem Schoß. Im oberen Stockwerk ist ein Enkel auf Posten, soll Alarm schlagen, falls sich jemand dem Haus nähert.

Doch selbst wenn William Filippini früher begriffen hätte, was sich hinter der Ankündigung "An Aquarian Exposition – 3 Days of Peace & Music" verbarg, was hätte er schon ausrichten können? Er ist doch nur der Nachbar – der Nachbar von Max Yasgur, einem Milchmogul mit 240 Hektar Land und tausend Kühen, einem der reichsten Farmer der Gegend.

Yasgur geht als "Engel von Woodstock" in die Popgeschichte ein, sogar ein Lied wird ihm gewidmet (Yasgurs Farm), doch für seine Nachbarn ist er der Teufel. Er war schuld an alledem, er hatte seine weitläufigen Wiesen 100 Meilen nördlich von New York City für 57.000 Dollar an ein paar Geschäftsleute verpachtet. Wobei, nur zwei von denen schienen Banker zu sein, die anderen beiden sahen mit ihrem wild-lockigen Haar eher wie Drogenhändler aus.
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Diesseits von Eden

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Keiner der vier Evangelisten hat Jesus persönlich gekannt. Thomas Mann ist Goethe nie begegnet. Frank Schäfer war nicht in Woodstock. Dennoch, vielleicht deswegen fabrizierten sie passable Texte zum jeweiligen Thema. Und nun mal langsam.

Frank Schäfer, Braunschweiger Jahrgang 1966, ist etwa Lesern des Rolling Stone als umtriebiger Flaneur zwischen Pop und Literatur bekannt. Auf ein Buch mit dem Titel Woodstock ´69. Die Legende hat man trotzdem nicht brennend gewartet. Ein Verdacht liegt nahe: Jubiläumsprosa. Das Woodstock-Festival respektive "die Legende" wird in diesem Sommer 40 Jahre alt. Man kennt den Film, die Musik von Jimi Hendrix & Co. und hat alles archiviert unter "liebgewordene Erinnerung". Und nun kommt einer und rekonstruiert das Festival noch mal, dass man sich festliest, als wäre man dabei. Warum?
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Weil man dabei war. Woodstocks kulturgeschichtliche Bedeutung ist ungebrochen, seine audiovisuelle Prominenz immer noch gegenwärtig. Jeder Rockfan über vierzig hat Woodstock in seiner Biografie. Unzählige ließen diese Musik ganz nahe an sich heran; später spürten sie Abstand und mit dem eigenen Altern auch das der Musik. Irgendwann enden Ich-Findung und Selbstausdruck via Rockmusik, doch als juveniles Fronterlebnis bleiben die wilden Zeiten ein Kernstück der Lebensgeschichten. Woodstock machte sie simultan sie und schuf damit eine Generation.
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Lyrik und Moral

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Viele behaupten, Stefan George habe Claus Schenk Graf von Stauffenberg zum Attentat auf Hitler ermutigt. Das ist ein Irrtum.

Ein Gespenst geht um in den deutschen Feuilletons – das Gespenst von Stefan George. Vor Kurzem noch hätte es niemand für möglich gehalten, dass der Meister eine so brausend gefeierte Auferstehung jemals erleben könnte. Nachdem ich mich 1994 anschickte, die erste, nicht von einem Adepten verfasste Biografie über George zu schreiben, bin ich immer wieder misstrauisch gefragt worden: »Warum?«

Es bleibt eine gute Frage. Warum schreibt man über den Dichter, der wie kein anderer eben dasjenige so furchtbar vorzuzeichnen schien, was Deutschland in den Abgrund trieb? »Euch all trifft tod«, hat er eisig gepredigt. »Schon eure zahl ist frevel« lautet die wenig Trost spendende Begründung. Allzu oft begegnet man bei George Versen, die einem blutigen Strafgericht gleichen: »Zehntausend muss der heilige wahnsinn schlagen«, verkündet die zischende poetische Stimme. »Zehntausend muss die heilige seuche raffen / Zehntausende der heilige krieg.« Auch das »ärgste«, was es gäbe – die »Blutschmach« –, soll mit ärgsten Mitteln bekämpft werden: »Stämme / Die sie begehn sind wahllos auszurotten.«

Das sind bekannte, berüchtigte Zeilen. Doch was sie genau bedeuten, scheint sich nach wie vor eines weniger geläufigen Einvernehmens zu erfreuen. Die alte Gewissheit, dass George und seine Ideologie maßgebliche Wegbereiter waren für genau das Verhängnis, das er vorauszuahnen vorgab, weicht einer neuen Nachsicht. Heute werden seine düsteren Beschwörungen von Totschlag und Zerfall eher als warnender Mahnruf verstanden. Und doch: Die Unsicherheit, ob George eine gefährliche Verherrlichung der skrupellosesten Machtausübung lieferte oder nur kalten Auges das Teuflische an die Wand malte, ändert nichts an der Tatsache, dass seine Gedichte einige der schrecklichsten Visionen von Grausamkeit und Vernichtung bergen, die die abendländische Literatur aufzubieten hat.

Der jüngste Versuch, George wieder salonfähig zu machen, wenn nicht als Leitfigur einer untergegangenen Kultur, so doch als Beihelfer einer bewundernswerten Tat, kommt aus der Feder seines neuesten Biografen Thomas Karlauf. Die These lautet: George und seine Ideale hätten Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 zum Attentat auf Hitler angespornt und ermutigt.
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Solferino: Wasser, rot vom Blut

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Mörderisch war das Gemetzel von Solferino am 24. Juni 1859. Es wurde zur Geburtsstunde des Roten Kreuzes. Eine Schlachtbeschreibung

Am Abend des 23. Juni 1859 hallt das Getrappel von Pferdehufen über den Platz von Cavriana. Stiefel knallen auf das Pflaster, Säbel klirren, Kommandoschreie erfüllen die Luft. Im Nu verwandelt sich das lombardische Städtchen, 14 Kilometer südlich des Gardasees, in einen Kasernenhof. Die Einwohner stehen unter Schock. Sie haben nicht damit gerechnet, dass österreichische Truppen ausgerechnet hier auftauchen.

Ja, es ist Krieg. Wieder einmal versuchen die Italiener, die verhassten Habsburger loszuwerden, die über den Norden des Landes von Mailand bis Venedig (und in der Toskana) herrschen. Frankreich, Habsburgs alter Widersacher, ist den Italienern zu Hilfe geeilt – am 4. Juni wurden die Österreicher bei Magenta erstmals geschlagen. Sie haben sich hinter den weiter im Osten liegenden Fluss Mincio nicht fern von Verona zurückgezogen. Dort könnten sie abwarten, den Feind erwarten; der Mincio und die österreichischen Festungen Venetiens bieten guten Schutz.
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Virtuose des Ensembles und genialer Marktstratege

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In vielem steht Joseph Haydn, dessen Todestag sich am 31. Mai zum 200. Mal jährt, an einer Schwelle. Ästhetisch ohnehin, wovon etwa sein Beitrag zur Entwicklung des Streichquartetts zeugt, aber auch gesellschaftlich: als Komponist auf dem Weg vom Lakaien am absolutistisch ausgerichteten Hof zum eigenverantwortlichen Künstler mit Breitenwirkung.
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(C) Daniel Oswald