Vom Pesthaus zur weltberühmten Charité

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »

Einst war sie Anlaufstelle für Bettler, dann eine medizinische Forschungsstätte. Heute ist sie das größte Uniklinikum Europas: Die Berliner Charité wird 300 Jahre alt.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2010-05/charite-historisch/charite-historisch-180xVar.jpg[/IMG]
Die Charité im Jahr 1740: Das königliche Militärhospital, dessen Name aus dem Französischen stammt, was übersetzt Barmherzigkeit bedeutet

Das hätten die Berliner sich sparen können. Da bauen sie aus Angst vor der Pest eine Quarantänestation in sicherem Abstand vor den Toren der Stadt – doch die Krankheit erreicht die königlich-preußische Residenzstadt gar nicht. König Friedrich I. ergeht es wie seinen modernen Nachfahren mit der Schweinegrippe: Vorausschauende Klugheit wirkt hinterher wie blinder Aktionismus.

Doch das kann niemand wissen, als die ersten Spatenstiche am 13. Mai 1710 die Erde nordwestlich der Stadtgrenzen Berlins durchpflügen. Seit 1709 wütet die Pest in Polen und Ostpreußen, Hunderttausende Menschen sterben. 1711 verebbt der schwarze Spuk, ohne in Berlin angekommen zu sein. Das "Pesthaus" bleibt leer. Zunächst quartieren die Berliner sozial Benachteiligte in dem Gebäude ein – damals heißen sie Bettler und Streuner. Auch mittellose alte Menschen wohnen hier. Und das Haus dient als Entbindungseinrichtung für unehelich Schwangere – mit den Hebammen hält die Medizin Einzug. Bald werden auch Soldaten der nahen preußischen Garnison hier behandelt.
Anzeige

Der nächste Preußenkönig, Friedrich Wilhelm I., erklärt per Kabinettsorder: "Seine Königliche Majestät in Gnaden erlauben, dass in dem Garnison-Lazarett vor dem Spandowschen Thor auch ein Bürger-Lazarett angelegt werden soll." Und er notiert: "Es soll das Haus die Charité heißen." Am 1. Januar 1727 wird dieses Bürger-Lazarett eröffnet.
Weiterlesen »

Revolution und Weltuntergang – die Mythen um Islands Vulkane

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
[b]
Der Vulkanausbruch am Eyjafjalla-Gletscher ruft Erinnerungen wach: Eruptionen auf Island verdunkelten 1783 den Himmel über Europa. Mythen darum halten sich bis heute.[/b]

Im Jahr 1783 erlebte Island eine Naturkatastrophe, die auf der gesamten nördlichen Hemisphäre Spuren hinterließ. Damals brach der Vulkan Lakagígar im Süden der Insel aus. Monatelang floss Lava aus mehr als 100 Kratern in der Laki-Spalte. Gleichzeitig spuckten die Krater Asche – eine verhängnisvolle Mischung aus Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Schwefel und anderen hochgiftigen Stoffen. Wochenlang verdunkelten Aerosole in der Troposphäre den Himmel – nicht nur auf Island, sondern auch auf dem europäischen Festland.

Auf Island wurde die Ernte durch die vergifteten Niederschläge weitgehend vernichtet. Große Teile des Viehbestandes verendeten qualvoll. So wurde ein Kreislauf in Gang gesetzt, der etwa 10.000 Menschen in den zwei folgenden Jahren das Leben kostete. Die "Nebelhungersnot" hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der Isländer eingebrannt.
Weiterlesen »

Preußische Präzision

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »

Zuckende Froschschenkel, selbst gewickelte Magnetspulen und zornige junge Männer: Wie Berlin zum Zentrum der aufstrebenden Naturwissenschaften wurde.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2010-01/apoll-labor-bois-reymond/apoll-labor-bois-reymond-540x304.jpg[/IMG]
Apoll im Labor. Mit diesem Experiment ermittelte der Berliner Physiologe Emil Du Bois-Reymond um 1850 elektrische Ströme im Muskel

Ein Abend im November 1847. Ort der Handlung: Berlin. Genauer: das dicht bevölkerte "Medizinerviertel" südlich der Charité, in etwa das, was man heute ein "Szeneviertel" nennen würde. Hier leben Künstler, Studenten, Lebedamen neben Handwerkern, Kaufleuten, Gelehrten und Offizieren. Die meisten Häuser sind schon dunkel. Nur in einer kleinen Wohnung in der Karlstraße 21, der heutigen Reinhardtstraße, brennt noch Licht.

Beim Schein einer Petroleumlampe beugt sich ein junger Mann über einen Experimentiertisch. Zwischen zwei Metallstativen ist ein enthäuteter Froschmuskel eingespannt. Feine Drähte führen von der Aufhängung zu elektrischen Apparaturen. Das blasse, kaum bleistiftdicke Gebilde zieht sich zusammen – der Muskel zuckt. Der junge Mann ist begeistert. Freudig erregt notiert er das Ergebnis des Versuchs. Dann springt er auf, geht in der halbdunklen Stube auf und ab. "Elektrizität!", ruft er aus. Sein Name: Emil Du Bois-Reymond, 28, Arzt und Wissenschaftler, Spross einer Hugenottenfamilie.
Weiterlesen »

Medizingeschichte: Wie Operationen schmerzfrei wurden

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
[b]
Alraunenwein, Lachgas und moderne Narkose: Die Geschichte der Anästhesie ist so alt wie die Menschheit. Der Schmerzlinderung verdanken wir den Siegeszug der Chirurgie.[/b]

[img]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2009-12/anaesthesie-geschichte/anaesthesie-geschichte-540x304.jpg[/img]
Im Operationssaal Ende der 1930er Jahre: Die moderne Narkose, bei der Patienten über die Atemwege betäubt werden, machte schwierigste chirurgische Eingriffe erst möglich

Das waren noch paradiesische Zustände, als Gott ganz schmerzfrei eine Rippe aus Adams Körper entfernte. "Da ließ der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm seiner Rippen eine und schloss die Stätte mit Fleisch zu", erzählt uns die Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments.

Die erste Narkose (von griechisch "Narkos", der Schlaf) war zugleich für lange Zeit auch die letzte. Nach der Vertreibung aus dem Paradies mussten die Menschen nicht nur ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts verdienen, sondern auch Kinder unter Schmerzen gebären. Der Körper musste aufgeschnitten werden, um eine Geschwulst zu entfernen. Ein nach einer Verletzung lebensgefährlich infiziertes Bein musste amputiert werden.
Weiterlesen »

Chirurgie des 19. Jahrhunderts - Theater der Höllenqualen

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
London. Mehr Späne, bitte! Das Blut läuft und hat sich in der Holzbox unter dem Operationstisch mit Holzspänen zu einem "bloody porridge" vermischt – das Zeichen für den Chirurgen, nach mehr Spänen zu verlangen, auf dass es in der Barockkirche unter dem Operationssaal nicht von der Decke tropfe.

[IMG]http://www.fr-online.de/_em_daten/_multicom/2009/10/23/teaser/091023_pan_op_teaser.jpg[/IMG]
Säge zum Amputieren: Operationsbesteck aus dem 19. Jahrhundert.

Die Schreie des Patienten, dessen Bein mangels Anästhesie in weniger als zehn Minuten amputiert sein muss, werden lediglich durch einen Holzstock abgemildert, in den er sich verbissen hat. Doch zum Glück befinden wir uns nicht am Beginn des 19. Jahrhunderts, und auch die Amputation ist nur eine Vorführung. Das Umfeld ist freilich original. Der Operationssaal datiert von 1822. Betäubung und antiseptische Behandlungsmethoden waren damals nicht bekannt.
Weiterlesen »

Das Leben von Charles Darwin

News in Geschichte der Naturwissenschaften 1 Kommentar »
Das Jahr 2009 wird auch sein Jahr: Zum 150. Mal jährt sich die Veröffentlichung von Charles Darwins bahnbrechendem Grundlagenwerk „Über die Entstehung der Arten". Da zudem im Februar der 200. Geburtstag des Naturforschers ansteht, wurde 2009 international zum Darwin-Jahr ausgerufen.
Weiterlesen »

66 Millionen Lichtjahre weit weg

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Lange hatten die Astronomen darauf gewartet - und waren am Ende doch vom Zeitpunkt der Entdeckungsmeldung überrascht. Kürzlich berichteten Nasa und die Europäische Südsternwarte Esa gemeinsam über das erste Foto des Hubble-Weltraumteleskops vom Planeten eines anderen Sterns, rund 25 Lichtjahre von der Sonne entfernt.
Vor 400 Jahren dürfte die Situation ganz ähnlich gewesen sein. Jahrtausende hindurch hatten Sternenkundige sich auf das bloße Vermessen der Gestirnsbewegungen beschränken müssen und daraus ein einfaches, naives Weltbild abgeleitet. Es sah die Erde und den Menschen im Mittelpunkt, umgeben von sieben kristallenen Sphären für die Planeten oder Wandelsterne und der alles einhüllenden Fixsternkugel. Vor vierhundert Jahren eröffnete dann
Weiterlesen »

Deutsche Naturforscher im 18. Jahrhundert

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Sie waren Teilnehmer berühmter europäischer Expeditionen bei der Erforschung bisher unbekannter Regionen der Erde im 18. Jahrhundert – deutsche Naturforscher. Sie verarbeiteten eine Flut an neuen Informationen über Flora, Fauna und Völker außereuropäischer Erdteile - deren Vermittlung traf hier auf ein überaus interessiertes, begeistertes Publikum und erweiterte den Wissenshorizont sprunghaft.

Deutsche Naturforscher im 18. Jahrhundert / Kassel und Göttingen
Weiterlesen »

Darwins gesammelte Geistesblitze im Internet

News in Geschichte der Naturwissenschaften 2 Kommentare »
Charles Darwins Evolutionstheorie kann erstmals vollständig und kostenfrei im Internet nachgelesen werden: Die Universität Cambrige hat 20.000 Fotos, und wissenschaftliche Texte des britischen Naturforschers veröffentlicht. Der öffentliche Zugang zu den Primärquellen sei eine Revolution, so der Projektleiter.
Weiterlesen »

Die Frage der Woche: Was war die größte Entdeckung aller Zeiten?

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Was war der größte Durchbruch in der Wissenschaft, die wichtigste Entdeckung der Menschheit? Darüber lässt sich natürlich trefflich diskutieren.

War es die Erfindung des Rads? Die Relativitätstheorie oder der Kunstdünger? Die Elektrizität? Oder der Kartoffelschäler? Natürlich hängt das Urteil ab davon, was man als Maßstab nimmt, um die Bedeutung einer Entdeckung einzuschätzen:

Durch manches wurde die Technologie nach vorn gebracht und unser Leben erleichtert oder sogar verlängert. Anderes hat uns eine neue Perspektive auf die Welt, in der wir leben, ermöglicht.
Weiterlesen »

Wie Galilei die Mondgebirge entdeckte

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Die wohl ersten Mondbilder von Galileo Galilei sind vor kurzem aufgetaucht. Seine künstlerische Begabung ermöglichte ihm die richtige Deutung der Mondflecken
Weiterlesen »

Isaac Newtons Weltuntergangsprognose für 2060

News in Geschichte der Naturwissenschaften 1 Kommentar »
Isaac Newton, einer der einflussreichsten Wissenschafter der Welt, hat Anfang des 18. Jahrhunderts das Ende der Welt für das Jahr 2060 vorausgesagt. In der Ausstellung "Newtons Geheimnisse" präsentiert die Hebräische Universität in Jerusalem seit Sonntag unter anderem einen Brief von 1704, in dem der Forscher das Weltende auf 1.260 Jahre nach der (800 nach Christus erfolgten) Gründung des Heiligen Römischen Reiches festsetzte.
Weiterlesen »

Der Garten Eden als System

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Er gab Pflanzen und Tieren ihre Namen. Seine Zuordnung des Individuums zu Gattung und Art hat noch heute Bestand. Carl von Linnés Botschaft bis heute ist: Das Paradies ist ein botanischer Garten. Eine Würdigung des Pioniers der Gärtner anlässlich seines 300. Geburtstags.
Weiterlesen »

Papst weist Naturwissenschaft in die Schranken

News in Geschichte der Naturwissenschaften 6 Kommentare »
Die Evolution ist nicht beweisbar, Wissenschaftler dürfen nicht alle Fragen beantworten: Mit einem Beitrag in einem theologischen Fachbuch will Benedikt XVI. der Kirche die Deutungshoheit über zentrale Themen sichern. Immerhin gibt er zu: Auch der Glaube kann nicht alles erklären.
Weiterlesen »

Galileis erste Mond-Bilder entdeckt

News in Geschichte der Naturwissenschaften 3 Kommentare »
In New York ist ein Buch mit Zeichnungen von Galileo Galilei aufgetaucht. Die Bilder zeigen die zerklüftete Oberfläche des Mondes, wie der Forscher sie vor fast 400 Jahren als Erster gesehen hat. Experten glauben, dass sie es mit der Urfassung von Galileis berühmtestem Werk zu tun haben.
Weiterlesen »

Die ersten Erd-Fotos aus dem All

News in Geschichte der Naturwissenschaften 12 Kommentare »
Vor 60 Jahren haben Forscher erstmals die Erde aus dem All fotografiert. Die historischen Schnappschüsse waren Nebenprodukte des ersten Raumfahrtprogramms der USA. Deutsche Raketen trugen die Premieren-Kamera - doch die ersten Bilder sind verschollen.
Weiterlesen »

Einstein-Manuskript bringt halbe Million Euro

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
ls 16-Jähriger hatte er darauf eine der ersten wissenschaftlichen Arbeiten seines Lebens zu Papier gebracht - "Entschuldigungsbrief" war beigelegt.
Weiterlesen »

Tauchgang zum Kriegszeppelin

News in Geschichte der Naturwissenschaften 5 Kommentare »
Sie sollte als schwebender Flugzeugträger den Luftraum über dem Pazifik beherrschen. Doch die "USS Macon" versank - und liegt seit über 70 Jahren unberührt auf dem Meeresboden. Jetzt haben Forscher mit einem Tauchroboter Fotos von dem Wrack geschossen.
Weiterlesen »

Historische Schätze der Wissenschaft online

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Für Originalschriften von Wissenschafts-Größen wie Faraday und Newton müssen Leser derzeit keine Handschuhe mehr anziehen oder Mundschutz aufsetzen. Dokumente aus 300 Jahren stehen im Internet.
Weiterlesen »

Überreste des Onkels von Kopernikus gesucht

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Polnische Archäologen haben am Dienstag in der Kathedrale von Frombork (Frauenburg) mit der Suche nach den sterblichen Überresten von Lukas Watzenrode, dem Onkel des Astronomen Nikolaus Kopernikus, begonnen. Watzenrode (1447-1512) war ermländischer Bischof und erzog Kopernikus nach dem frühen Tod des Vaters. Mit einer DNA-Untersuchung der Überreste Watzenrodes soll im Falle eines Sucherfolgs geklärt werden, ob ein im vergangenen Jahr bei einer archäologischen Ausgrabung entdeckter Schädel wirklich der von Kopernikus ist, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP.
Weiterlesen »

"Antiker Computer" soll letzte Geheimnisse preisgeben

News in Geschichte der Naturwissenschaften 12 Kommentare »
Forscher sind kurz davor, die Geheimnisse eines mysteriösen Gerätes aus der griechischen Antike zu lüften, den „Mechanismus von Antikythera“.
Weiterlesen »

Medizingeschichte: Götter, Gifte und Gebrechen

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Ob Priapos und Ödipus, Achilles oder Ires: Im medizinischen Fachvokabular haben viele antike Mythen überlebt - oft als Namenspatronen für delikate Diagnosen. Eine Entdeckungsreise durch die Geschichte von Medizin und Pharmazie.
Weiterlesen »

Briefe von Albert Einstein entdeckt

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Ein einzigartiges historisches Fundstück wurde soeben im Österreichischen Volkshochschularchiv entdeckt: Es handelt sich um die Korrespondenz Albert Einsteins mit dem Präsidium der Wiener Urania rund um seinen Vortrag bis Jänner 1921.
Weiterlesen »

Die ersten Luftbilder Deutschlands

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
In Luxemburg sind die wahrscheinlich ersten Luftbilder Deutschlands aufgetaucht. Die rund 120 Jahre alten Fotos zeigen, mit welchem Geschick und Wagemut die Technik-Pioniere der Kaiserzeit vorgingen - und mit welchen technischen Problemen sie zu kämpfen hatten.
Weiterlesen »

Unergründliche Katastrophen

News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »
Eines der größten Erdbeben der Geschichte zerstörte vor 100 Jahren San Francisco. Das Unglück gilt als Geburtsstunde der Seismologie. Aber wo, wann und wie stark es wieder bebt, ist bis heute nicht vorauszusagen.
Weiterlesen »

(C) Daniel Oswald