Feb 25
2010
Wer Wucher trieb, war des Teufels
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Warum das Mittelalter noch nicht dem kapitalistischen Denken verfallen war: Ein Gespräch mit dem großen französischen Mediävisten Jacques Le Goff[/b]
Der 86-jährige Historiker Jacques Le Goff begeisterte sich schon als Schulkind für das Mittelalter, nachdem er die Werke Walter Scotts, des Begründers des historischen Romans, gelesen hatte. Wir haben Le Goff in seinem Arbeitszimmer in Paris besucht, wo er inmitten unzähliger Bücher liest, schreibt, Rundfunksendungen moderiert und Gäste empfängt.
[b]ZEIT Geschichte[/b]: Monsieur Le Goff, das Mittelalter kannte drei gesellschaftliche Rollen: Priester, Krieger und Arbeiter. Wie war in einer solch starren Ordnung Fortschritt möglich?
[b]Jacques Le Goff[/b]: Die von Ihnen genannte Formel tauchte in der Karolingerzeit auf und nahm ihre definitive Form im 11. Jahrhundert an: Die oratores beten, die bellatores kämpfen, die laboratores arbeiten. Unter Mediävisten wird darüber debattiert, was unter laboratores zu verstehen sei. Manche glauben, es seien alle Handarbeiter gemeint, also Bauern und Handwerker, aber nach meiner Ansicht bezeichnet diese Formel nur die Eliten: die kirchlichen Amtsträger, die Ritter und jene Schicht landwirtschaftlicher Produzenten, die über ökonomische und intellektuelle Mittel verfügten, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen.
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Warum das Mittelalter noch nicht dem kapitalistischen Denken verfallen war: Ein Gespräch mit dem großen französischen Mediävisten Jacques Le Goff[/b]
Der 86-jährige Historiker Jacques Le Goff begeisterte sich schon als Schulkind für das Mittelalter, nachdem er die Werke Walter Scotts, des Begründers des historischen Romans, gelesen hatte. Wir haben Le Goff in seinem Arbeitszimmer in Paris besucht, wo er inmitten unzähliger Bücher liest, schreibt, Rundfunksendungen moderiert und Gäste empfängt.
[b]ZEIT Geschichte[/b]: Monsieur Le Goff, das Mittelalter kannte drei gesellschaftliche Rollen: Priester, Krieger und Arbeiter. Wie war in einer solch starren Ordnung Fortschritt möglich?
[b]Jacques Le Goff[/b]: Die von Ihnen genannte Formel tauchte in der Karolingerzeit auf und nahm ihre definitive Form im 11. Jahrhundert an: Die oratores beten, die bellatores kämpfen, die laboratores arbeiten. Unter Mediävisten wird darüber debattiert, was unter laboratores zu verstehen sei. Manche glauben, es seien alle Handarbeiter gemeint, also Bauern und Handwerker, aber nach meiner Ansicht bezeichnet diese Formel nur die Eliten: die kirchlichen Amtsträger, die Ritter und jene Schicht landwirtschaftlicher Produzenten, die über ökonomische und intellektuelle Mittel verfügten, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen.
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