In Lucys kalter Küche

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Begann die Steinzeit viel früher? Forscher fanden Knochen mit Werkzeugspuren aus einer Zeit bevor Menschen der Gattung Homo lebten. Vielleicht muss die Geschichte der Steinzeit nun neu geschrieben werden. [/b]

Als sie sich Lendenstücke, Brust und Bauchlappen des Paarhufers einverleibt hatten, kratzten sie mit scharfen Steinklingen die letzten Fleischfetzen von den Knochen. Doch auch damit war ihr Hunger nach tierischem Eiweiß und Fett nicht gestillt. Sie griffen nach einem wuchtigen Gesteinsbrocken, schlugen die Röhrenknochen entzwei und pulten das nahrhafte Mark heraus.

Die frühen Hominiden, die sich vor möglicherweise dreieinhalb Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Äthiopien zum Tafeln versammelt hatten, aßen gründlich auf. Das belegen die Schnitt- und Schlagspuren an zwei Knochen, die Forscher im Wüstenboden in der Gegend von Dikika gefunden haben.
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Eiszeitliches Massensterben

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Bisher wurden steinzeitliche Jäger und der Klimawandel für das Massensterben zum Ende der Eiszeit verantwortlich gemacht. Doch es könnte auch ganz andere Ursachen gehabt haben.[/b]

Der Höhlenlöwe war ein mächtiger Jäger. Mit einer Schulterhöhe von 1,50 Meter und einer Länge von fast drei Metern war die Großkatze eines der fürchterlichsten Raubtiere der eiszeitlichen Mammutsteppe.

Diese Graslandschaft zog sich als breites Band von Spanien bis Sibirien. Doch tatsächlich musste nur eine Tierart den Höhlenlöwen fürchten: "Er hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Rentiere", berichtete Hervé Bocherens auf der Tagung der European Geosciences Union in Wien.

Der Paläontologe von der Universität Tübingen vermutet, dass der Höhlenlöwe an dieser allzu einseitigen Ernährung schließlich zugrunde ging.

Zusammen mit der Raubkatze verschwanden auch Mammut, Wollnashorn, Höhlenbär, Riesenhirsch, Steppenbison und andere große Säugetiere am Ende der Eiszeit von der Bildfläche. Ob steinzeitliche Jäger oder der Klimawechsel an dem Massensterben am Ende des Pleistozäns Schuld waren, darüber diskutieren Paläontologen seit langem - bislang ohne klares Ergebnis.

[b]"Keiner verzehrte so viel Mammutfleisch wie die Neandertaler"[/b]

Bocherens vermutet nun, dass vor allem Tiere mit starren Gewohnheiten ausstarben. "Sie waren nicht in der Lage, sich an die Umweltveränderungen anzupassen." Womöglich fiel auch der Neandertaler in diese Kategorie: Er ernährte sich laut Bocherens überwiegend von Mammuts und Wollnashörnern. "Kein anderer Fleischfresser verzehrte so viel Mammutfleisch wie die Neandertaler. Vielleicht wurde ihnen das zum Verhängnis."
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Die Formel Sapiens

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Von Menschen und Neandertalern: Forscher entdecken in den Genen Spuren einer gemeinsamen Vergangenheit. Unterschiede aber zeigen, was unsere Spezies so einzigartig macht.[/b]

Viel ist nicht geblieben. Aus dem Mittelpunkt des Universums verjagt, dann vom Thron der Schöpfung gestoßen. Der Mensch, eine Existenz ohne Sinn und Bestimmung. Voll seelenloser Tristesse zeichnen die Befunde der Wissenschaft die Stellung des Menschen in der Natur – ein harter Gegenschnitt zum abendländischen Menschenbild. In der vergangenen Woche bekam das Bild des Menschen einen weiteren Makel: Homo sapiens hat sich noch in jüngerer Vergangenheit mit »niederen« Verwandten gepaart, verkündeten internationale Wissenschaftler in der Zeitschrift Science. Auf zwölf Druckseiten, für das Magazin ungewöhnlich üppig, präsentierte das 56-köpfige Team um den Paläogenetiker Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut (MPI) für Evolutionäre Anthropologie den ersten Report zur Entzifferung des Neandertaler-Genoms – und wartete mit einer spektakulären Botschaft auf. »Menschen hatten Sex mit Neandertalern«, verkündeten Tagesschau und heute-journal bereits am Donnerstagabend. Tags darauf war die Nachricht von der humanen Promiskuität in allen Tageszeitungen zu lesen.

»Gratulation an die Jungs, ein außerordentlicher Befund«, urteilt der britische Anthropologe Paul Mellars von der Cambridge University. »Das bedeutet, Menschen und Neandertaler gehörten ein und derselben Spezies an.« Die Menschheit ist demnach nichts weiter als die letzte überlebende Population der Sippe Homo – eine von vielen, die lange Zeit vor und mit ihr existierten. Bis zu vier Prozent des menschlichen Erbmaterials stammten nach den bisherigen Befunden aus dem Genbestand der ausgestorbenen Frühmenschen, rechnen die Forscher vor. Man habe gezeigt, dass Mischlinge zwischen beiden Menschengruppen biologisch möglich waren, versichert Pääbo: »Es konnte passieren, und es ist tatsächlich passiert.«

In der Aufregung um die steinzeitlichen Mesalliancen – sex sells – ging die weitaus brisantere Nachricht beinahe unter.
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Das Stück Neandertaler in jedem von uns

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Er war doch unser Vorfahr: Erstmals haben Forscher das Genom des Neandertalers mit dem menschlichen Erbgut verglichen. Es zeigt, wie viel des Frühmenschen noch in uns steckt.
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Die Formel Sapiens

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Von Menschen und Neandertalern: Forscher entdecken in den Genen Spuren einer gemeinsamen Vergangenheit. Unterschiede aber zeigen, was unsere Spezies so einzigartig macht.
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Weg ist weg

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1627 wurde der Auerochse ausgerottet. Seit Jahrzehnten versucht man ihn "zurückzuzüchten" – vergeblich. Ein Beispiel, das zeigt, was beim rasenden Verlust unserer Artenvielfalt auf dem Spiel steht.[/b]

[img]http://images.zeit.de/wissen/umwelt/2010-04/auerochse-zucht/auerochse-zucht-540x304.jpg[/img]
Ein nachgezüchteter Auerochsbulle auf den Ilkerbruchwiesen bei Wolfsburg

Dunkle, archaische Gestalten blicken den Besucher an. Ihre kräftigen Hörner zeigen nach vorne, scheinen auf den Betrachter zu zielen. Sieht man sie zum ersten Mal, denkt man sofort an die schnaubenden [i]toros[/i] in der spanischen Arena. Dabei grasen sie vollkommen friedlich in der Spreeaue zehn Kilometer nördlich von Cottbus. Im Vordergrund stehen die beiden Stiere, bemuskelt wie die Klitschkobrüder, den mächtigen Schädel von ein paar Locken umspielt. Aus den Augen blitzt eine kräftige Dosis Testosteron. »Das macht die regelmäßige sexuelle Aktivität«, sagt Wolfram Hotzler, Geschäftsführer der Auerochsenreservat Spreeaue GmbH, dem die Herde gehört.

Man sieht den Tieren das Alter der Art nicht an. Doch sie ist Tausende Jahre alt – zumindest sind es einige Gensequenzen des Erbguts. Hier grast auf deutscher Au die Kopie des einst größten Landsäugetieres Europas: Bos primigenius, der Auerochse oder Ur. Er war der mächtige Herrscher der Wiesen und Wälder, Inbild der Kraft und der Wildheit, bis zu einer Tonne schwer, mit fast zwei Metern Stockmaß und gewaltigen Hörnern von bis zu achtzig Zentimetern Länge. Der Stammvater unserer Hausrinder.

Die Cottbusser Nachfahren der Ure sind ein wenig kleiner, aber immer noch Ehrfurcht gebietend. 40 Tiere leben hier auf 52 Hektar Weideland, zwischen Birken- und Kiefernwäldchen. Die Herde ist bildschön und hat doch ein Identitätsproblem. Eigentlich sind dies gar keine Auerochsen, sondern nur Aueroxen, so heißt die neue Kompromissvokabel. Sie liegen irgendwo in der Mitte zwischen Original und Fälschung. Manche nennen sie auch einfach Heck-Rinder.
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Neu entdeckter Hominide schließt eine Lücke der Evolution

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In Südafrika haben Forscher zwei Skelette einer neuen Menschenart entdeckt. Australopithecus sediba könnte ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen Affe und Mensch sein.


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Der Schädel des Hominiden Australopithecus sediba, der in einer südafrikanischen Höhle gefunden wurde

Es ist eine Landschaft, die das Auge entzückt: bis zum Horizont reichende Wiesen neben schroffen Abhängen und vereinzelten Bäumen. Was jedoch Forscher an der südafrikanischen Region Sterkfontein begeistert, liegt unter der Erde – und das seit Jahrmillionen.
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Hier in den Malapa-Höhlen fanden Paläoanthropologen gut erhaltene Überreste einer bisher unbekannten Menschenart. Und nicht nur das. Ihr Fund gilt in Fachkreisen als Sensation: Denn Australopithecus sediba – so nannten die Forscher die neue Art – trägt sowohl Merkmale des affenähnlichen Australopithecus africanus sowie des Homo habilis, der bereits zu den frühen Menschen zählt. Vielleicht ist die jetzt entdeckte Art sogar ein direkter Vorfahre des Homo erectus.
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Die Kannibalen von Herxheim: Mordermittlung an Opfern aus der Steinzeit

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Ritualmorde in der Jungsteinzeit? Spektakuläre Knochen- und Keramikfunde geben Archäologen immer neue Rätsel auf.


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Archäologen werten Spuren in einem 7000 Jahre alten Grab im pfälzischen Herxheim als Zeichen von Massenkannibalismus

Die Arbeit der Archäologin Andrea Zeeb-Lanz gleicht in diesen Tagen der einer Kriminalistin. Für sie geht es um mögliche Ritualmorde, in bis zu 1000 Fällen, begangen vor etwa 7000 Jahren. Bereits im vergangenen Jahr machten die grausigen Knochenfunde aus dem pfälzischen Herxheim Schlagzeilen, denn an den menschlichen Überresten aus der Jungsteinzeit fanden sich zum Teil Beißspuren, wie Zeeb-Lanz und Kollegen damals im Wissenschaftsmagazin Antiquity schrieben. Bis heute sind sich die Forscher nicht einig, ob das ein Hinweis auf klassischen Kannibalismus ist – oder doch eher ein Indiz für steinzeitliche Rituale.
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Neandertaler: Glamour am Flachkopf?

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[b]Der Fund von Schmuck und Kosmetika rüttelt weiter am Bild des tumben Neandertalers. Der Urgeschichtler Nicholas Conard über die Bedeutung der Entdeckung.[/b]

Schon seit Jahren bröckelt das Bild, wonach der Neandertaler ein primitives Wesen war. Aber eine Bastion blieb dem modernen Menschen immer noch: die Kunst. Doch jetzt präsentiert der Wissenschaftler João Zilhão von der englischen Universität Bristol von Neandertalern bemalte Muscheln, die belegen sollen, dass auch der Vetter des Homo sapiens ein Gefühl für Ästhetik und Symbolik hatte. Vier Muscheln haben eine Öffnung, so dass man sie an einer Schnur um den Hals tragen konnte, zwei von ihnen sind in Rot- und Ockertönen bemalt. Entdeckt wurden die Muscheln in zwei Höhlen nahe Murcia im Südosten Spaniens. Das Erstaunliche: Die Muscheln sind 50000 Jahre alt, stammen also aus einer Zeit, als der moderne Mensch noch gar nicht in Europa heimisch war (PNAS, online). In einer fünften, nicht durchbohrten Muschel fand Zilhão schließlich kleine, gelbliche Farbklümpchen. Die Muschel sei als Behälter für die Pigmente verwendet worden, vermutet der Anthropologe. Entweder um sie darin zu lagern oder für die Anwendung vorzubereiten. Die Zusammenstellung lege nahe, dass die Neandertaler sie als eine Art "Glitzer-Make-Up"verwendet hätten.
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Die Wurzeln des Bösen

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Eine Gedankenreise in die Vorgeschichte unserer Art zeigt, was uns zu Menschenfeinden macht.

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Blick zurück in die Stammesgeschichte: Aggression erbte der Mensch von seinen Vorfahren – sie bescherten ihm die Furcht vor dem "Bösen", brachte aber auch die Grundlagen menschlichen Zusammenlebens hervor

Sie sind absolut friedfertig. Die Stammesangehörigen der Mangyan können keiner Fliege etwas zuleide tun. Im Hochland der philippinischen Insel Mindoro leben diese Eingeborenen zwischen Süßkartoffel- und Maniokfeldern und kennen weder Mord noch Totschlag. Sie arbeiten nur gemächlich, statten sich häufig gegenseitig Besuche ab, verschwatzen generell viel Zeit.

In großen Häusern leben fünf Familien unter einem Dach, ohne Wände, aber mit vielen Feuerstellen. Zwanzig Mal am Tag wird gekocht. Gegenseitig biete man sich dann dampfende Süßgerichte an, berichtet der Völkerkundler Jürg Helbling. Eine poetische Szene, fast zärtlich, während draußen kalter Nebel und Regen den Blick auf die bewaldeten Berge nehmen. Gibt es das Paradies also doch? »Dieses Volk ist die absolute Ausnahme«, sagt Helbling. Dreimal hat er die Ureinwohner besucht, sie beobachtet und insgesamt zwei Jahre lang bei ihnen gelebt. »Danach«, sagt der Anthropologieprofessor der Universität Luzern, »hat mich dann die Regel interessiert.«
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Ardi, unsere älteste bekannte Vorfahrin

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[b]Jahrelang puzzelten Forscher an den Überresten einer 4,4 Millionen Jahre alten Affendame. Nun revolutioniert "Ardipithecus ramidus" das Verständnis über unsere Vorfahren.[/b]

Geschickt klettert sie auf allen Vieren durchs Geäst einer mächtigen Feige. Doch sobald das Affenweibchen auf dem Grasboden unter dem lichten Kronendach landet, wandelt sie sich scheinbar zum Menschen: Kurzerhand richtet sie sich auf und läuft auf zwei Beinen zur Palme ein paar Meter weiter.

So ähnlich könnte "Ardi" – eine Affendame, die vor 4,4 Millionen Jahren im Nordosten des heutigen Äthiopiens lebte – den Wald durchstreift haben. Innerhalb der letzten 15 Jahre fanden Wissenschaftler immer wieder Teiles des Skeletts von Ardipithecus ramidus, einer Art, die dem Menschen offenbar weitaus ähnlicher war, als bislang vermutet.
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Auch die Europäer brauchten die Axt schon früh

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In Europa haben Frühmenschen schon sehr viel länger mit Äxten gearbeitet als bisher gedacht. Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass die bis heute gebräuchliche Doppelaxt bereits seit bis zu 900 000 Jahren auf dem europäischen Kontinent verbreitet ist.
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Warum wir Milch trinken

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Milch war nie für Erwachsene gemacht. Eine Simulation zeigt: Vor 7500 Jahren passten sich Europäer an Laktose an – und sicherten das Überleben künftiger Generationen
Einst verhasst, heute nicht mehr wegzudenken: Noch vor rund 8000 Jahren vertrug der Mensch den Milchzucker nicht, bis er sich anpasste.


Die Milch ist eines unserer liebsten Nahrungsmittel. Ob frisch, als Käse, Joghurt oder Butter, die weiße Flüssigkeit ist nicht mehr wegzudenken. Und doch ist der Mensch von Natur aus kein Milchtrinker. Denn in dem weißen Saft steckt neben Eiweiß, Fett und Vitaminen, vor allem der Zucker Laktose, den ursprünglich nur Säuglinge verdauen konnten, solange sie noch Muttermilch bekamen. Den meisten Erwachsenen bereitete die Laktose noch vor wenigen tausend Jahren arge Bauchschmerzen. Erst vor gut 7500 Jahren gewöhnten sich die ersten Europäer an den Milchzucker.

Zuvor war es offenbar äußerst exotisch, wenn jemand Milch vertrug. So entscheidet eine bestimmte Version eines einzelnen Gens darüber, ob wir Milch genießen können oder sie bei uns Bauchgrimmen verursacht. Im Erbmaterial von Skeletten aus dem 6. Jahrtausend vor Christus entdeckte der Paläogenetiker Joachim Burger bereits vor zwei Jahren, dass dieses LCT-Gen in seiner ursprünglichen Form eine Laktoseunverträglichkeit auslöst.
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Frühe Fischliebhaber

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Bereits vor 40.000 Jahren aßen Menschen regelmäßig Fisch - obwohl sie höchstwahrscheinlich keine Fangwerkzeuge hatten.

Bereits vor 40.000 Jahren hatten Menschen regelmäßig frischen Fisch auf der Speisekarte. Darauf deuten zumindest Messergebnisse hin, die ein internationales Forscherteam um den Bioarchäologen Michael Richards vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig in der Fachzeitschrift PNAS (online) veröffentlich hat.

Die Wissenschaftler ermittelten dazu das Verhältnis von Stickstoff- und Schwefelisotopen im Knochenkollagen von Überresten eines Skeletts, das bereits im Jahre 2003 in der Tianyuan Höhle auf dem Stadtgebiet von Peking gefunden worden war.

Erhöhte Stickstoff-Werte deuten nach Angaben der Forscher auf eine Diät, die reich an tierischen Eiweißen war. Der "Tianyuan-1" getaufte Höhlenbewohner habe vermutlich besonders viel Süßwasserfisch gegessen.

"Unsere Studie liefert den ersten Beweis dafür, dass frühe moderne Menschen in China Süßwasserressourcen als Nahrungsgrundlage genutzt haben", erläutert Richards. "Dies ändert unser Verständnis von der Lebensweise und Demographie unserer Vorfahren."

So bestätige die Studie, dass die Nahrungsmittelressourcen damals knapp gewesen sein müssen und wahrscheinlich ein Grund für die Expansion des Menschen nach Europa waren. Da Archäologen bislang keine Fischfangwerkzeuge aus dieser Zeit gefunden haben, müssen die damals lebenden Menschen einen beträchtlichen Aufwand getrieben haben, um an ihre Beute zu kommen.
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Zehntausende Jahre Einsamkeit

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Weshalb starb der Neandertaler aus? Ein Erbgutvergleich von sechs Skeletten der Urmenschen könnte die lange gesuchte Erklärung liefern.

Es war offensichtlich die extrem geringe "Bevölkerungsdichte" des Kontinents, die für die Neandertaler das bislang rätselhafte Ende ihrer Art bedeutet hat: Wohl kaum mehr als 7000 bis allerhöchstens 10.000 dieser frühen Menschen haben in der Spätphase der Neandertaler-Epoche gleichenzeitig Europa besiedelt.
Dies ist eines der überraschenden Ergebnisse der bisher umfangreichsten Neandertaler-Gen-Studie, die an diesem Freitag im US- Fachjournal Science (Bd. 325, S. 318) erscheint.

Seuchen oder schlechte Ernährungsbedingungen hätten damit ein ganz leichtes Spiel bei der Ausrottung der Neandertaler gehabt, meint der Bonner Urgeschichtler Ralf Schmitz als Mitautor der Studie: "Dann ist so eine kleine Population empfindlich und auf einmal sang- und klanglos verschwunden."
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Endete der Neandertaler in unseren Mägen?

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Zu der Frage, woran der Neandertaler starb, gibt es eine erstaunliche neue These: Der moderne Mensch könnte ihn verspeist haben.

Es ist gar nicht so lange her, dass der moderne Mensch und der Neandertaler gleichzeitig in Europa lebten. Was wäre, wenn es beide Menschen-Arten noch heute gäbe? Wären Homo sapiens und Neandertaler Nachbarn im Reihenhaus in Castrop-Rauxel und würden sich zur Teamsitzung im Büro treffen? Würden Menschen Neandertaler als Sklaven halten? Oder sie neben Schimpansen und Orang-Utans im Zoo bestaunen?

An friedliche Koexistenz glaubt Fernando Rozzi jedenfalls nicht. Der Anthropologe vom Centre National de la Recherche Scientifique in Paris hat nämlich an einem alten Knochen neue Spuren entdeckt (Journal of Anthropological Sciences, Bd.87, S.153). Aus diesen schließt er, dass Homo sapiens den Neandertaler aufgegessen hat. Zumindest manchmal.
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Lets rock! - Die Entstehung der Musik

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Warum hat der Mensch die Musik erfunden? Bot sie ihm evolutionäre Vorteile? Drei Theorien versuchen, ihren Ursprung zu erklären.
Unsere unmittelbaren Verwandten, die Menschenaffen, sind denkbar unmusikalische Gesellen. Schon anatomisch sind sie aufgrund ihres Stimmapparates nicht in der Lage, »saubere« Töne zu erzeugen. Schimpansen, Gorillas und Bonobos äußern sich nur mit hechelnden und knarzenden Lauten sowie spitzen Schreien.

Unsere musikalischen Fähigkeiten müssen also nach jener Zeit entstanden sein, in der sich aus dem gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse zwei separate Stammeslinien entwickelten – das war vor fünf Millionen Jahren. Die Urmenschen stiegen von den Bäumen, begannen aufrecht zu gehen, bekamen größere Gehirne. Und irgendwann begannen sie zu singen, später dann einfache Musikinstrumente zu schnitzen. Aber wann war das? Und vor allem – warum taten sie das? Welchen evolutionären Vorteil brachte ihnen die Musik?
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Einmaliger Fund am Bielersee

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Bei Ausgrabungen am Bielerseeufer haben Archäologen eine überraschende Entdeckung gemacht. Der Fund wirft ein neues Licht auf die Pfahlbauer.

In den letzten zwei Jahren haben Archäologen am Bielerseeufer nach Pfahlbauernsiedlungen gegraben. Dabei stellte sich heraus, dass die ältesten baulichen Spuren von zwei Gebäuden in der Gemeinde Sutz-Lattrigen aus den Jahren 3391 und 3389 vor Christus stammen.
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Peking-Mensch 200.000 Jahre älter als gedacht

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Die ersten Spuren des Peking-Menschen, nämlich seine Zähne, wurden von einem Österreicher vor über 80 Jahren entdeckt: Der Anthropologe Otto Zdansky fand sie 1926 in der "Unteren Höhle" von Zhoukoudian in unmittelbarer Nähe Pekings, was dem Hominiden-Fund seinen Namen gab.
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Evolution: Stammbaum des Lebens treibt neue Äste

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Erste Versuche, die Natur in eine systematische Ordnung zu fügen, gab es bereits in der Antike: Doch die Kriterien dafür schienen willkürlich. Zwar wurde mit Darwins Entdeckung, dass alles Leben auf einen Ursprung zurückgeht, vieles anders. Doch bis heute suchen Forscher nach der ultimativen Stammbaumanalyse.
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Hochauflösende "Ötzi"-Bilder im Internet

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48 Stunden lang wurde der Gletschermann Zentimeter für Zentimeter abgelichtet - Nun sind die Aufnahmen für Wissenschaft und das breite Publikum zugänglich
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Ältester Beweis für modernen menschlichen Gang

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Wer war der erste aufrecht gehende Mensch? Diese Frage beschäftigt Anthropologen seit langem. Ein britisch-amerikanische Forscherteam hat jetzt 1,5 Millionen Jahre alte Fußspuren eines Homo ergaster im Norden Kenias analysiert. Dabei handelt es sich um den frühestens Hinweis auf den modernen menschlichen Gang.
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60 Prozent des Neandertaler-Genoms rekonstruiert

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Leipziger Forscher haben die erste Version des Neandertaler-Erbguts vorgelegt: Sie extrahierten DNA aus den fossilen Knochen und konnten so das Neandertaler-Genom zu 60 Prozent rekonstruieren. Nun wollen sie das Erbgut mit dem des Menschen vergleichen.
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Das Genom des Neandertalers ist entziffert

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Wissenschaftler haben das Genom des Neandertalers entziffert. Es soll in den kommenden Tagen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Und dann werden wohl etliche Fragen geklärt, die die Forscher seit langem beschäftigen. Zum Beispiel: Wie viel hat der moderne Mensch mit seinem Verwandten gemein?
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Urahn der Menschen hatte Nussknackerkiefer

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Der Vormensch Australopithecus africanus benutzte sein Gebiss, um Nüsse zu knacken. Möglicherweise half ihm das, Zeiten zu überstehen, in denen andere Nahrung knapp war. Das haben US-Forscher mit Computersimulationen anhand von erhaltenen Schädelknochen des Vorfahren des heutigen Menschen herausgefunden, der bis vor rund zwei Millionen Jahren lebte.
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(C) Daniel Oswald