Das Reis-Phone

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Was Steve Jobs gelang, wäre Philipp Reis vielleicht auch gelungen, aber es fehlten ihm der Geschäftssinn und die verständige Umgebung. Eine Erinnerung an den glücklosen Deutschen, der vor 150 Jahren das Telefon erfand.


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Philipp Reis mit einem Telefon (Radierung von J. D. Cooper, 1862)

Er ist einer unserer Besten gewesen – können wir das ganz patriotisch mal so sagen? Ein Deutscher, der im 19. Jahrhundert das Medium der Moderne entwickelt! Offen, wissbegierig, geschickt, ohne akademische Weihen, ohne großes Geld, und seine Erfindung verändert die Welt!

Ach, es wäre eine so schöne Geschichte, aber sie geht etwas anders. Sie spielt eben nicht im quicken Amerika, sondern in einem vielfach geteilten Deutschland, an dessen inneren Grenzen noch jeder Zwieback zollpflichtig ist, in einer Ständegesellschaft mit wenig durchlässigen Sphären. Verweile ein jeder dort, wo er sich befindet: Schuster, bleib bei deinem Leisten! Was hätte ein Steve Jobs unter solchen Umständen erreichen können?
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Fast zehn Minuten in der Luft

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Vor 100 Jahren lancierten die Gebrüder Wright nach der Ära des Motor- auch jene des Segelfliegens.

Am 24. Oktober 1911 blieb der Amerikaner Orville Wright mit einem antriebslosen Flugzeug während 9 Minuten und 45 Sekunden in der Luft. Wright war auf einer rund 30 Meter hohen Sanddüne südlich von Kitty Hawk (Kill Devil Hill) an der Atlantikküste in North Carolina gestartet und exakt gegen den Wind geflogen. Augenzeugen beobachteten, dass der Doppeldecker in der Luft scheinbar stehenblieb und eine maximale Höhe von 15 Metern erreichte. Die Fachpresse berichtete über den Segelflug-Weltrekord, doch das Ereignis fand im Schatten des aufstrebenden Motorfluges wenig Beachtung.
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Drunten gab’s ein großes Aah!

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Meisterwerk der Ingenieurskunst: Vor 100 Jahren wurde in Hamburg der legendäre Elbtunnel eröffnet.[/b]

»In einer Stadt, auf kleinem Raum, stoßen zwei Nationen [...] aufeinander, die sich nicht verstehen, nichts miteinander gemeinsam haben, die sich bekämpfen.« Das sozialdemokratische Hamburger Echo brachte es Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Punkt: In der Freien und Hansestadt prallten die Gegensätze einer Epoche aufeinander wie kaum irgendwo sonst im Deutschen Reich. Die »zwei Nationen«, das waren einerseits atemraubender technischer und wirtschaftlicher Fortschritt, andererseits eine noch halb mittelalterliche Gesellschaftsverfassung; einerseits eine selbstbewusste, sozialdemokratisch orientierte und organisierte Arbeiterschaft, andererseits der behäbig-patriarchalische Kaufmannsgeist. Am Hafen, dort, wo etwa hunderttausend Menschen arbeiteten, zeigten sich die Hamburger Ungleichzeitigkeiten besonders krass.

Seit der Eröffnung des Freihafens 1888 war Hamburg Deutschlands Tor zur Welt, Außenhandelszentrum einer unaufhaltsam aufstrebenden Wirtschaftsgroßmacht. »Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser«, hatte Kaiser Wilhelm II. proklamiert, und das natürlich an Bord eines Hapag-Dampfers. Die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actiengesellschaft war die größte Reederei der Welt. 1903 hatte sie am südlichen Elbufer Anlagen in Betrieb genommen, die ein Viertel der gesamten Hafenfläche bedeckten. Die Werft von Blohm & Voss, Hamburgs größter Industriebetrieb, dessen Name schon ein Markenzeichen war, lag auf der Elbinsel Steinwerder, direkt gegenüber der Innenstadt. 1900 beschäftigte sie 4.500 Menschen und expandierte bis 1914 auf knapp 12.000 Angestellte. Auf ihren Helligen entstanden die gewaltigsten Schiffe der Zeit, doch die Männer, die sie bauten, mussten die Elbe überqueren wie einst zu Hansezeiten: per Fähre oder im Ruderboot.

So mochte Deutschlands Zukunft zwar auf dem Wasser liegen – doch für die Arbeiter im boomenden südlichen und westlichen Hafengebiet war die Gefahr groß, buchstäblich ins Wasser zu fallen.
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Betonköpfe gab es bereits in der Antike

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Beton gilt als Baustoff der Moderne. Dabei war die geniale Mischung aus Steinen, Sand, Kalk und Asche bereits den Römern bekannt.

Beton ist der Stoff der Moderne, Beton hat gewaltige Brücken ermöglicht und Wolkenkratzer. Staumauern, Stadien; auch Bunker, große Denkmäler und Skulpturen sind Betonbauten. Mit dem Stoff wurde es möglich, die hochfliegenden Träume der Menschheit zu verwirklichen. Die Stilrichtung des heute eher umstrittenen „Brutalismus“ (etwa 1953-1967) verdankt sich, klar, diesem Baustoff.

Nicht alles war schön und gut und wahr. Beton wurde zum Symbol für Bausünden. Aus Beton ist auch die Berliner Mauer. Zunächst aus Hohlblocksteinen erbaut, dann aus Betonplatten mit Doppel-T-Träger, bekam sie ihre heute bekannte Form, als L-förmige Bauelemente zum Einsatz kamen.
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Als Mona Lisa die Kriminalistik aufmischte

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Vor 100 Jahren verschwand die Mona Lisa. Trotz Daumenabdruck blieb der Dieb anonym. Als er gefasst war, wurde der Fingerabdruck-Vergleich zum Standard unter Ermittlern.


[IMG]http://images.zeit.de/wissen/geschichte/2011-08/mona-lisa/mona-lisa-540x304.jpg[/IMG]
Ein Foto der wohl berühmteste Frau der Kunstgeschichte: Mona Lisa, gemalt von Leonardo da Vinci.


Als Sherlock Holmes seine ersten Fälle löste, war eine seiner Methoden noch neu: die Suche nach Fingerabdrücken. 1892 – da hatte der Schriftsteller Arthur Conan Doyle seinen Meisterdetektiv gerade von der Hand des erzbösen Professors Moriarty sterben lassen – legte der britische Naturfoscher Francis Galton in seinem Buch Fingerprints Grundlagen für eine Kategorisierung der Abdrücke dar. Doch erst eine Ermittlungspanne in einem spektakulären Diebstahlsfall machte den Nutzen sinnvoll sortierter Abdruck-Sammlungen allen europäischen Polizisten klar. Bis es soweit war, vergingen noch 19 Jahre und Conan Doyle hatte Holmes längst wiederbelebt.

Am 22. August 1911 stellte ein Künstler namens Louis Béroud seine Staffelei im Salon Carré auf, dem ältesten Saal des Louvre. Innenansichten des Pariser Museums verkauften sich bei ausländischen Sammlern gut. Doch in Bérouds Motiv klaffte eine Lücke: Zwischen Tizians Allegorie des Alfonso d'Avalos und Corregios Vermählung der Heiligen Katharina fehlte eine 76,8 mal 53 Zentimeter großes Ölgemälde auf Pappelholz.

Béroud fragte einen Wachmann, wo denn La Gioconda sei, besser bekannt als Mona Lisa. Die Wache nahm an, Leonardo da Vincis Porträt einer lächelnden Frau sei wohl beim Fotografen. Erst als Béroud später nachhakte, begann die Suche. Die Polizei kam, komplimentierte die Besucher hinaus – und fand keine Spur der Mona Lisa. Eine Woche lang blieb das Museum geschlossen. Als es wieder öffnete, wollten Scharen von Neugierigen die leere Stelle an der Wand sehen.
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Seefahrt: Windkraft trieb Handel und Entdecker an

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Ohne den Wind hätte die Menschheit keinen Handel treiben und die Welt nicht entdecken können. Denn er bewegte bis ins 20. Jahrhundert hinein alle Schiffe.

Bahnhöfe, Containerterminals und Lufthäfen lassen vergessen, dass der Reichtum Europas einst mit Windenergie befördert wurde. Vorbei sind die Zeiten, als die Rückkehr der ersten Ostindienfahrer im 16. Jahrhundert den Niedergang des Handels via Seidenstraße und Mittelmeer signalisierte. Vergessen ist die Ära der niederländischen Retourschiffe, die im Takte des Monsuns zwischen Batavia und Amsterdam verkehrten. Vorbei das Zeitalter der Entdecker, die ihre Welt auf winzigen Nussschalen und jahrelangen Reisen umrundeten. Vorbei freilich auch sind die Zeiten, in denen man mit der Unberechenbarkeit des Windes zu leben wusste.
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Held des Himmels

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Vor fünfzig Jahren flog der Kosmonaut Jurij Gagarin als erster Mensch ins All. Die Propaganda jubilierte: Der Erfolg verlieh der kommunistischen Idee neuen Glanz – und machte Gagarin zu einem Weltstar.[/b]

Schneller noch, als Jurij Gagarin in seiner engen Kapsel die Erde umkreist, fliegt die Nachricht vom ersten Menschen im All um die Welt. Am 12. April 1961 um 10.02 Uhr unterbricht das Moskauer Radio sein Programm, und eine vertraute Stimme spricht: »Achtung, Achtung! Hier sind alle Rundfunkstationen der Sowjetunion. Wir verlesen eine Mitteilung der Nachrichtenagentur Tass.«

Es ist die Stimme von Jurij Lewitan; er hat die Menschen in der Sowjetunion durch den Zweiten Weltkrieg begleitet, die Kapitulation Hitlerdeutschlands verkündet und 1953 den Tod Josef Stalins. Die Meldung, die Lewitan jetzt vorträgt, bedeutet den größten Triumph des Landes seit dem Sieg über den Faschismus: »Am 12. April 1961 ist von der Sowjetunion aus zum ersten Mal ein Raumschiff mit einem Menschen an Bord auf die Reise um die Erde geschickt worden. Der Pilot des Sputniks Wostok ist der Bürger der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Fliegermajor Jurij Alexejewitsch Gagarin.« Der Kosmonaut habe den Eintritt in die Erdumlaufbahn gut überstanden und fühle sich wohl. Alle Systeme arbeiteten normal.
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Der lange Kampf gegen die Atomenergie in der Bundesrepublik. Eine Chronik

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Beschaulich, weltanschaulich und reichlich reaktionär – so beginnt es: Am 25. Juni 1960 trifft sich im hessischen Bad Hersfeld eine Gruppe älterer Herren zur Gründung des »Weltbunds zum Schutz des Lebens«. Die Versammlung schart sich um den steirischen Forstverwalter Günther Schwab, ein ehemaliges NSDAP-Mitglied. Schwab hat schon 1958 in Salzburg den österreichischen Weltbund gegründet.

Die deutsche Sektion definiert sich als »Aktionsgemeinschaft zur Erhaltung gesunder Lebensgrundlagen für Natur, Landschaft, Tier und Mensch«. Die Lebensschützer kämpfen für die Bewahrung des Mischwalds, gegen Jauche im Wasser und die »Verzwergung des menschlichen Geistes« (Schwab). Und sie beschwören die Gefahr der »Atomkernspaltung«. Mit der späteren Anti-AKW-Bewegung haben die grünbraunen Kämpen nichts gemein. Aber sie sind die ersten aktiven Atomgegner der Bundesrepublik.
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Held des Himmels

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Vor fünfzig Jahren flog der Kosmonaut Jurij Gagarin als erster Mensch ins All. Die Propaganda jubilierte: Der Erfolg verlieh der kommunistischen Idee neuen Glanz – und machte Gagarin zu einem Weltstar.[/b]

Schneller noch, als Jurij Gagarin in seiner engen Kapsel die Erde umkreist, fliegt die Nachricht vom ersten Menschen im All um die Welt. Am 12. April 1961 um 10.02 Uhr unterbricht das Moskauer Radio sein Programm, und eine vertraute Stimme spricht: »Achtung, Achtung! Hier sind alle Rundfunkstationen der Sowjetunion. Wir verlesen eine Mitteilung der Nachrichtenagentur Tass.«

Es ist die Stimme von Jurij Lewitan; er hat die Menschen in der Sowjetunion durch den Zweiten Weltkrieg begleitet, die Kapitulation Hitlerdeutschlands verkündet und 1953 den Tod Josef Stalins. Die Meldung, die Lewitan jetzt vorträgt, bedeutet den größten Triumph des Landes seit dem Sieg über den Faschismus: »Am 12. April 1961 ist von der Sowjetunion aus zum ersten Mal ein Raumschiff mit einem Menschen an Bord auf die Reise um die Erde geschickt worden. Der Pilot des Sputniks Wostok ist der Bürger der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Fliegermajor Jurij Alexejewitsch Gagarin.« Der Kosmonaut habe den Eintritt in die Erdumlaufbahn gut überstanden und fühle sich wohl. Alle Systeme arbeiteten normal.
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Alles unter Kontrolle

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Im März 1979 kommt es im US-Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg erstmals zu einer Kernschmelze – Auslöser ist eine unbedeutende Panne. Das Protokoll einer Beinahekatastrophe
Das AKW Three Mile Island bei Harrisburg in dem US-Bundesstaat Pennsylvania nach dem Unglück.[/b]

Vor 30 Jahren, im März 1979, geschah, was nach Prognosen von Atomgutachtern praktisch ausgeschlossen war: Der Reaktorblock eines Atomkraftwerks geriet außer Kontrolle. Es passierte im AKW Three Mile Island bei Harrisburg, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Pennsylvania. Eine ganze Woche lang kämpften die Operateure der Betreiberfirma Metropolitan Edison Company und eine kontinuierlich anschwellende Expertenschar gegen das Inferno. Die erste Kernschmelze in einem Großreaktor konnten sie nicht verhindern. Als tonnenschwerer Sturzbach ergoss sich das weiß glühende Reaktorherz auf den Grund des Druckbehälters. Fast drei Viertel des Kerns aus 36.816 Brennstäben, gebündelt in 177 Brennelementen, waren bei Temperaturen nahe 2800 Grad geschmolzen. Noch lange grübelten Fachleute, warum das Stahlgefäß der ungeheuren Belastung standhielt und die radioaktive Glut sich nicht durch den Reaktor hindurchfressen konnte. Bis heute gibt es keine überzeugendere Antwort als: Glück gehabt.
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Der geflügelte Mensch

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Vor 200 Jahren wagt Albrecht Berblinger erstmals den Gleitflug. Das Experiment misslingt, der "Schneider von Ulm" wird zur Witzfigur. Heute feiert man ihn zu Recht als Deutschlands ersten Flugpionier.
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Tüfteln für den Endsieg

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Wir befinden uns im »Zuse-Jahr«. Erinnert wird an den Computerpionier Konrad Zuse, der vor 100 Jahren, am 22. Juni 1910, in Berlin geboren wurde. Zuse brachte nicht nur als Erster auf der Welt eine programmgesteuerte, binäre Rechenmaschine zum Laufen; Zuse erfand auch die erste höhere Programmiersprache für Computer. Und dies mitten im Bombenkrieg von Berlin. Darüber wird in den Festreden weniger gesprochen. Viele seiner Verehrer würden über diese Zeit und Zuses Verstrickungen am liebsten schweigen.[/b]
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Luftkriege vergangener Jahrhunderte

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Aus der NZZ vom 8. Juni 1941

Der illustrierte Bericht der NZZ «Vom Schreckdrachen zum lenkbaren Ballon» zeigt die Luftwaffen und Strategien der Kriegsführung vergangener Jahrhunderte auf.

bsa. Eine Abbildung von 114 nach Christus beweist das Mitführen von fliegenden Drachen als Feldzeichen einer thrakischen Heeresgruppe. Den Illustrationen in der NZZ vom 8. Juni 1941 sind weitere Taktiken der Kriegsführung auf dem Luftweg zu entnehmen. So wurde am 2. April 1794 die erste Luftschiffkompanie der Welt, die «Compagnie d`aérostiers militaires» in Frankreich dekretiert. Der erste Aufstieg erfolgte am 2. Juni 1794. Ziel war das von den Österreichern belagerte Maubeuge. Eine Darstellung zeigt französische Pläne zur Invasion Englands mit Luftballons aus dem Jahr 1795.

http://static.nzz.ch/files/0/0/0/Kriegsf%C3%BChrung+der+Luft+vergangener+Jahhunderten_1.5802000.pdf
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Das Ende des "Vatikanischen Roulettes"

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Ein Hormon verändert die Welt: Als die Pille vor fünfzig Jahren auf den Markt kam, machte sie Frauen unabhängiger. Von Hellmuth Vensky[/b]

Der biblische Onan "ließ es auf die Erde fallen und verderbte es", seinen Samen nämlich – klassischer Coitus Interruptus. Im Mittelalter trug man Kondome aus Schafdarm, Fischblasen oder Leder. Und seit 1929 halfen Hermann Knaus und Kyasuko Ogino, die Enthaltsamkeit auf die fruchtbaren Tage der Frau zu beschränken. Ihre Kalendermethode ist bis heute die einzige von der katholischen Kirche abgesegnete Verhütungsmethode, auch "Vatikanisches Roulette" genannt.

Aber dann, vor 50 Jahren, kam Carl Djerassi und schenkte den Liebenden der Welt (Katholiken ausgenommen), die Antibabypille. Der heute vor allem als Science-Fiction-Autor und Theaterschriftsteller tätige Chemiker nennt sich gern "die Mutter der Pille". Dabei ist er nur der prominenteste von vielen Vätern.
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"Houston, wir haben ein Problem"

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Vor 40 Jahren scheiterte die Mondmission Apollo 13. Bis heute sind James Lovell, John Swigert und Fred Haise die Menschen, die am weitesten von der Erde entfernt waren.[/b]

[img]http://images.zeit.de/wissen/umwelt/2010-04/bg-apollo-bilder/Apollo13Test-540x304.jpg[/img]

Zwei Sätze prägen das Apollo-Raumfahrtprogramm. Einer handelt von kleinen Schritten und großen Sprüngen, stammt von Neil Armstrong und markiert den spektakulärsten Erfolg des Programms: die erste Mondlandung. Der andere fällt ein knappes Jahr später: "Houston, wir haben ein Problem."
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Einfrieren wie die Eskimos

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Was den Deutschen Käpt'n Iglo, ist den Amerikanern Captain Birdseye. Letzteren gab es wirklich, vor fast hundert Jahren schaute er sich die Tiefkühlkost von den Inuit ab.[/b]

So recht wissen die braven Bürger von Springfield im amerikanischen Massachusetts nicht, was sie mit dem knallhart gefrorenen Spinat und den eisigen Fischen anfangen sollen, die am 6. März 1930 in ihrem Supermarkt liegen. Tiefkühlkost haben sie noch nie gesehen. Zum Glück stehen Berater hinter der Auslage. So wird die Ware, hier erstmals für ganz gewöhnliche Kunden käuflich zu erwerben, zum Riesenerfolg.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte dieses Erfolges schon viel früher, zwischen 1912 und 1915. Da ist ein junger Wissenschaftler im Auftrag der US-Behörden in der kanadischen Arktis unterwegs, um das Leben der Ureinwohner zu studieren – und nebenbei ein paar Felle zu handeln. Er heißt Clarence Birdseye.

Stünde diese Geschichte in einer englischen Zeitung, würden die Leser jetzt stutzen: Birdseye? Captain Birdseye? Denn so heißt auf dem britischen Markt die Werbefigur, die auf Deutsch als Käpt'n Iglo über die Weltmeere schippert und immer neue Abenteuer erlebt. Im Polarmeer zum Beispiel.

Tatsächlich heißt der Erfinder der Tiefkühlkost Clarence Birdseye. Ohne Captain. 1886 in Brooklyn, New York, geboren, Biologiestudent. 1910 und 1911 arbeitet er erstmals für die US-Behörden, sammelt im Bitterroot Valley in Montana Hunderte kleiner Säugetiere, um ihr Ungeziefer der Forschung in Sachen Rocky-Mountains-Fleckfieber zuzuführen.

Dann verschlägt es Birdseye in den hohen Norden, nach Labrador. Die Inuit nehmen ihn zum Eisfischen mit. Der neugierige Forscher stellt fest, dass die gefangenen Fische bei den eisigen Temperaturen von minus 40 Grad Celsius sofort frieren – und nach dem Auftauen frisch schmecken, viel frischer als der gekühlte Fisch, den er aus New York kannte. Diese Erkenntnis macht Birdseye ein paar Jahre später zum Millionär.
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Werner von Siemens: Ein Kabel zu Ruhm und Ehre

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Vor 150 Jahren sollte ein Telegrafenkabel Suez mit Karachi verbinden. Es funktionierte nie richtig – aber für Werner von Siemens war das Projekt ein Schritt zum Erfolg.[/b]

Triumphe der Technik sind manchmal kurzlebig: Das erste Telegrafenkabel auf dem Boden des Atlantik hält gerade mal einen Monat. Am 16. August 1858 gratulieren Queen Victoria und US-Präsident James Buchanan einander durch den Draht zur Leistung der Ingenieure, im September ist Funkstille. Die Isolierung hält dem Wasserdruck nicht stand.

Das Scheitern der einen ist das Glück des anderen. Werner von Siemens erhält nach dem transatlantischen Debakel von der britischen Regierung den Auftrag, alle öffentlichen Telegrafenleitungen auf der Insel zu prüfen. Und die Firma Newall & Co. heuert ihn an, um das Verlegen eines Kabels zwischen Indien und Ägypten zu überwachen. Für seine 1847 gegründete "Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske" bedeutet der Einstieg in den wichtigen britischen Markt einen Schub an internationalem Renommee.
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Siemens hat mit Johann Georg Halske den Zeigertelegrafen zur Serienreife entwickelt, ein Gerät, das die Stellung eines Zeigers auf einer Buchstabentafel auf ein Empfangsgerät mit der gleichen Tafel überträgt. Auch, als sich das schnellere Morse-System durchsetzt, benutzen zum Beispiel Eisenbahner noch den Zeigertelergrafen, weil jeder ihn ohne Kenntnisse eines besonderen Alphabets bedienen kann.
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Ein Telefon für die Westentasche

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Im Jahr 2010 werde jeder Mensch ein Taschentelefon haben, prophezeite Robert Sloss vor 100 Jahren. Seine Vision wurde übertroffen: Heute haben viele sogar mehrere Handys.[/b]

"Netz besetzt": Da will man noch während des Feuerwerks per Handy Neujahrsgrüße loswerden – und kommt einfach nicht durch. Kein Wunder, denn zum Jahreswechsel verschicken die Deutschen etwa 300 Millionen SMS, fünfmal so viele wie an einem Durchschnittstag.

Vor 20 Jahren noch waren diese Massen an Mobiltelefonen undenkbar – dabei prophezeite Robert Sloss bereits vor 100 Jahren in einem Aufsatz für das 1910 erschienene Buch Die Welt in 100 Jahren: "Jedermann [wird] sein eigenes Taschentelefon haben, durch welches er sich, mit wem er will, wird verbinden können, einerlei, wo er auch ist." Wer Robert Sloss war, ist nicht genau überliefert; es heißt, er sei ein US-Journalist gewesen. Seine Vision vom "drahtlosen Jahrhundert" jedenfalls wurde Wirklichkeit.
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Alles unter Kontrolle

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Im März 1979 kommt es im US-Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg erstmals zu einer Kernschmelze – Auslöser ist eine unbedeutende Panne. Das Protokoll einer Beinahekatastrophe.


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Das AKW Three Mile Island bei Harrisburg in dem US-Bundesstaat Pennsylvania nach dem Unglück

Vor 30 Jahren, im März 1979, geschah, was nach Prognosen von Atomgutachtern praktisch ausgeschlossen war: Der Reaktorblock eines Atomkraftwerks geriet außer Kontrolle. Es passierte im AKW Three Mile Island bei Harrisburg, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Pennsylvania. Eine ganze Woche lang kämpften die Operateure der Betreiberfirma Metropolitan Edison Company und eine kontinuierlich anschwellende Expertenschar gegen das Inferno. Die erste Kernschmelze in einem Großreaktor konnten sie nicht verhindern. Als tonnenschwerer Sturzbach ergoss sich das weiß glühende Reaktorherz auf den Grund des Druckbehälters. Fast drei Viertel des Kerns aus 36.816 Brennstäben, gebündelt in 177 Brennelementen, waren bei Temperaturen nahe 2800 Grad geschmolzen.
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Die Ära der schwebenden Stoffwürste

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Als Passagiere noch in mahagonigetäfelten Gondeln unter gasgefüllten Zigarren saßen: Vor 100 Jahren wurde in Deutschland die erste Fluggesellschaft der Welt gegründet.[/b]

Die Geschichte der Passagierluftfahrt beginnt mit einem Crash. Am 28. Juni 1910 fährt der Zeppelin LZ 7Deutschland aus Düsseldorf ab. Er soll von nun an regelmäßig Gäste via Frankfurt nach Baden-Baden und zurück befördern. Unter den 23 Passagieren sind etliche Journalisten, die über die erste kommerzielle Zeppelin-Fahrt – nicht Flug, darauf besteht der Luftschiffer ebenso wie der Ballonfahrer – berichten sollen.

Die Flug-, Pardon Fahrgäste reisen bequem: Die Mahagonitäfelung der Passagierkabine ist mit Perlmutt eingelegt, Teppiche liegen in der Gondel unter der 127 Meter langen Zigarre aus Stoff und gasdichtem Rinderblinddarm. Doch einer der Daimler-Motoren stottert, ein Unwetter zieht auf.
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Zurück in die Zukunft

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[b]Es ist der Star der IAA 2009 – und dabei schon mehr als 100 Jahre alt: das Elektroauto[/b]

Jetzt gibt’s richtig Geld: 2,4 Milliarden Dollar steckt die US-Regierung in die Entwicklung des Elektroautos, und auch in Deutschland beeilt man sich, nichts zu verpassen. Ein »nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität« soll es richten.

Bis 2020, so hofft man, wird eine Million der neuen Wagen über unsere Straßen rollen: »Deutschland muss zum Leitmarkt werden und die Führungsrolle behaupten.« China, Japan, Frankreich, Großbritannien und die EU fördern die neuen [i]green cars[/i] ebenfalls mit ambitionierten Programmen. Es scheint, als habe die angerostete Autoindustrie eine neue Vision gefunden – den vermeintlichen Ausweg aus Umweltkrisen und Ölpreisexplosionen.

Von Wasserstoff oder Brennstoffzelle, den Erlöserfantasien der neunziger Jahre, redet kaum noch jemand. Selten war sich die Branche, die jetzt in Frankfurt auf der IAA zu ihrem jährlichen Hochamt zusammenkommt, so einig: Das Auto der Zukunft fährt elektrisch.

Was dabei gern vergessen wird: Schon das Auto der Vergangenheit fuhr elektrisch. Ende des 19. Jahrhunderts kämpfte »der elektrische Wagen« in einem dramatischen Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den Benziner. Und er hatte gute Chancen, dieses Rennen zu machen.
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Der große Flug vor dem «kleinen Schritt»

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Das Unternehmen Mondlandung gipfelte in dem berühmten Schritt von Neil Armstrong, begeistert beobachtet von Millionen TV-Zuschauern. Vor genau 40 Jahren hob das Raumschiff «Apollo 11» von der Erde ab.
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Museum zeigt online historische Glasaugen

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Glasaugen, Prothesen und Studienobjekte von anno dazumal: "Zum Leben erweckt" heißt eine Ausstellung, die ab dem 2. März im Londonder Science Museum und online zu sehen sein wird. Die Exponate stammen aus der Geschichte der Medizin - und manche wirken ein bisschen gruselig.
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Das Märchen vom entfärbten Glas

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Das in den deutschen Glashütten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit erzeugte Gebrauchsglas war in der Regel mehr oder minder stark grün gefärbt. Die Bezeichnung „Waldglas“ hierfür geht jedoch nicht auf die „waldgrüne“ Färbung, sondern auf den Standort der Hütten im Walde zurück. Abbildung 1 zeigt einen Nuppenbecher aus leicht grünem Glas; es handelt sich um eine Replik aus Böhmen. Mehr oder minder farblose Nuppenbecher waren im 13./14. Jahrhundert weit verbreitet.
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Kompasse: Eine wegweisende Erfindung

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Zu allen Tages- und Nachtzeiten, bei Nebel, Sturm und Flaute – der Kompass ist seit Jahrhunderten Richtungszeiger und Garant fürs Überleben auf dem Meer. Erfunden wurde er aber eigentlich für die Reise über Land.
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(C) Daniel Oswald