Apr 20
2010
Benedikt gab es nicht
News in Das Christentum 9 Kommentare »[b]
Der »Vater des Abendlandes« ist nur eine Kunstfigur des Mittelalters. Das behauptet der Frankfurter Historiker Johannes Fried.[/b]
[b]DIE ZEIT[/b]: Benedikt von Nursia ist einer der wichtigsten Heiligen der Kirche, er wird verehrt als Vater des Abendlandes, der Papst trägt seinen Namen. Und diesen Mann soll es nicht gegeben haben?
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[b]Johannes Fried[/b]: Ja, das vermute ich. Auch wenn meine These heftig bestritten wird. Es gibt viele Kollegen, die überzeugt sind, Benedikt sei eine reale Gestalt. Er soll von etwa 480 bis 547 in Italien gelebt haben. Ich aber bin der Meinung, dass er eine Art Kunstfigur ist. Eine Kunstfigur, an die man sich wie an eine historische Gestalt erinnert. Oder um es im Vokabular der Neurowissenschaften zu formulieren: Benedikt, die ganze Benedikt-Legende, ist ein Implantat im kollektiven Gedächtnis.
[b]DIE ZEIT[/b]: Was lässt Sie das vermuten?
[b]Johannes Fried[/b]: 1995 stieß ich auf eine Veröffentlichung des britischen Historikers Francis Clark. Er versuchte nachzuweisen, dass die berühmten Dialoge Papst Gregors des Großen, in denen unter anderem erstmals der Sinn des Fegefeuers genauer definiert wird, eine Fälschung seien, erst lange nach Gregors Tod 604 verfasst. In diesen Dialogen aber befindet sich auch die einzige Beschreibung von Benedikts Leben, es gibt kein anderes Zeugnis seiner Existenz. Damit lag der Gedanke nah: Wenn diese Quelle falsch ist – dann ist womöglich auch Benedikt eine »Fälschung«.
[b]DIE ZEIT[/b]: Und? Sind die Dialoge gefälscht?
[b]Johannes Fried[/b]: Es spricht vieles dafür, dass sie erst nach 604 verfasst wurden. Im Stil unterscheiden sie sich deutlich von anderen Schriften Gregors. Vielleicht basieren sie auf realen Gesprächen, die der Papst mit Gelehrten an seinem Hof geführt hat. Doch zu der Unsicherheit über die Entstehung der Dialoge und damit der Benedikt-Legende kommt noch etwas anderes. Und das ist der Duktus des Textes. Er deutet kaum auf eine reale Person hin.
[b]DIE ZEIT[/b]: Warum? Ist es ein Märchenton?
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Der »Vater des Abendlandes« ist nur eine Kunstfigur des Mittelalters. Das behauptet der Frankfurter Historiker Johannes Fried.[/b]
[b]DIE ZEIT[/b]: Benedikt von Nursia ist einer der wichtigsten Heiligen der Kirche, er wird verehrt als Vater des Abendlandes, der Papst trägt seinen Namen. Und diesen Mann soll es nicht gegeben haben?
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[b]Johannes Fried[/b]: Ja, das vermute ich. Auch wenn meine These heftig bestritten wird. Es gibt viele Kollegen, die überzeugt sind, Benedikt sei eine reale Gestalt. Er soll von etwa 480 bis 547 in Italien gelebt haben. Ich aber bin der Meinung, dass er eine Art Kunstfigur ist. Eine Kunstfigur, an die man sich wie an eine historische Gestalt erinnert. Oder um es im Vokabular der Neurowissenschaften zu formulieren: Benedikt, die ganze Benedikt-Legende, ist ein Implantat im kollektiven Gedächtnis.
[b]DIE ZEIT[/b]: Was lässt Sie das vermuten?
[b]Johannes Fried[/b]: 1995 stieß ich auf eine Veröffentlichung des britischen Historikers Francis Clark. Er versuchte nachzuweisen, dass die berühmten Dialoge Papst Gregors des Großen, in denen unter anderem erstmals der Sinn des Fegefeuers genauer definiert wird, eine Fälschung seien, erst lange nach Gregors Tod 604 verfasst. In diesen Dialogen aber befindet sich auch die einzige Beschreibung von Benedikts Leben, es gibt kein anderes Zeugnis seiner Existenz. Damit lag der Gedanke nah: Wenn diese Quelle falsch ist – dann ist womöglich auch Benedikt eine »Fälschung«.
[b]DIE ZEIT[/b]: Und? Sind die Dialoge gefälscht?
[b]Johannes Fried[/b]: Es spricht vieles dafür, dass sie erst nach 604 verfasst wurden. Im Stil unterscheiden sie sich deutlich von anderen Schriften Gregors. Vielleicht basieren sie auf realen Gesprächen, die der Papst mit Gelehrten an seinem Hof geführt hat. Doch zu der Unsicherheit über die Entstehung der Dialoge und damit der Benedikt-Legende kommt noch etwas anderes. Und das ist der Duktus des Textes. Er deutet kaum auf eine reale Person hin.
[b]DIE ZEIT[/b]: Warum? Ist es ein Märchenton?
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