Mär 14
2006
Solidarität zwischen „Erbfeinden“
News in Wirtschaftsgeschichte 1 Kommentar »Courrières nahe der Stadt Lens in Nordfrankreich (Département Nord-Pas de Calais) am 10. März 1906: 1425 Bergleute befinden sich gerade in der weitverzweigten Zeche unter Tage, als eine gewaltige Explosion das Gelände erschüttert. Die ungeheure Detonation sorgt für eine der größten Katastrophen der europäischen Bergbaugeschichte. Insgesamt 1099 Kumpel verlieren ihr Leben: sie werden durch die Wucht der Kohlenstaubexplosion zerfetzt, verbrennen durch die Hitze der Explosionsflamme oder ersticken kurz darauf an den giftigen Schwaden. Das kleine Courrières erlangt in jenen Tagen weltweit traurige Berühmtheit, denn nicht nur über tausend meist junge Männer sind plötzlich aus dem Leben gerissen worden; Hunderte Familien betrauern ihre Söhne, Brüder oder Familienväter und verlieren damit auch ihre Existenzgrundlage.
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14. Mär 2006 um 20:38
Nicht ganz uninteressant:
Im Jahr 1931, als das Thema "Erbfeindschaft" zwischen Deutschland und Frankreich immer noch (oder schon wieder) aktuell war, wurde von Georg Wilhelm Pabst unter dem Titel Kameradschaft (frz.: La tragédie de la mine) ein Spielfilm gedreht, der das Grubenunglück von 1906 zum Vorbild hat, aber in der Gegenwart spielte.
"Kameradschaft" ist eines der bedeutendsten Werke des frühen deutschen Tonfilms und daneben ein Aufruf zur internationalen Solidarität und zur deutsch-französischen Aussöhnung.
Aus einer Fimkritik hierzu:
[I]Ausgehend von einem Exposé von Karl Otten, das in diesem Band abgedruckt ist, berichtet der Film, der die Handlung in die Gegenwart der frühen dreißiger Jahre verlegt, vom Einsatz deutscher Bergleute, die ohne politische Ressentiments über die Grenze fahren, um ihren verschütteten französischen Kameraden zu Hilfe zu kommen.[/I]
Der Film erfuhr eine [I] heftig umstrittene Rezeption in der deutschen Presse: von der kommunistischen "Roten Fahne" über die großen liberal-bürgerlichen Blätter bis hin zu Goebbels' Hetzblatt "Der Angriff". [/I]
Obwohl der Film ein beiden Ländern lief, konnte er sich gegen die patriotischen und kriegsverherrlichenden Filme jener Zeit leider nicht durchsetzen.
Grüße,
Jacobum