Mai 19
2006
Bussrituale contra Common Sense
News in Wirtschaftsgeschichte 8 Kommentare »Bristol, im Südwesten des Königreichs gelegen, ist eine der schönsten Städte Grossbritanniens. Zwar wurde sie im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, doch viele alte Gebäude blieben unversehrt, andere wurden wieder aufgebaut. So erfreut sich die Stadt zahlreicher historischer Prachtbauten, etwa des Theatre Royal, erbaut in den Jahren 1764-66. Neuerdings jedoch erscheint die georgianische Fassade des Bühnenhauses in einem anderen Licht, so wie auch weitere Bauten der Stadt, darunter Schulen und Kirchen. Allen haftet derselbe Makel an: Sie wurden erbaut mit Geld, das aus dem florierenden Sklavenhandel stammte, der Bristol im 18. Jahrhundert reich machte, als die örtliche Wirtschaft zu über sechzig Prozent auf der Sklaverei basierte.
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07. Jun 2006 um 19:07
Was nützt es, sich noch nach zweihundert Jahren dafür zu entschuldigen? Das Geld, welches für den Aufwamd aufgewendet werden soll, sollte lieber zur Bekämpfung des heutigen Menschenhandels eingesetzt werden. Den betroffenen Menschen würde das mehr helfen.
07. Jun 2006 um 22:40
Hatte genau darüber mit einem Simbabwer letztens eine Diskussion. Das Thema ist eine heisse Kartoffel, die man nichtmal in die Hand nehmen möchte - geschweige denn in den Mund.
Läßt sich der "Gesamtschaden" an den afrikanischen Völkern irgendwie beziffern? Erste Frage.
Zweite: wie kann man ihn wiedergutmachen?
Aua. Heiss ...
07. Jun 2006 um 22:46
Zweite: wie kann man ihn wiedergutmachen?
...
Gar nicht mehr. Frag mal einen " Farbigen" in den USA, ob er wieder in das Land seiner Vorfahren will.
Das Thema ist gegessen.
07. Jun 2006 um 22:50
Was nützt es, sich noch nach zweihundert Jahren dafür zu entschuldigen? Das Geld, welches für den Aufwamd aufgewendet werden soll, sollte lieber zur Bekämpfung des heutigen Menschenhandels eingesetzt werden. Den betroffenen Menschen würde das mehr helfen.
Nicht, daß ich unbedingt auf Zehen treten will - aber seit wann kosten Entschuldigungen Geld?
07. Jun 2006 um 23:00
aber seit wann kosten Entschuldigungen Geld?
Genau das macht sie verdächtig, wenn sie nichts mehr kosten (wobei "materielle" Entschuldigungen durchaus Sinn machen können).
07. Jun 2006 um 23:13
Genau das macht sie verdächtig, wenn sie nichts mehr kosten (wobei "materielle" Entschuldigungen durchaus Sinn machen können).
Mitunter schon. Ohne sieht es jedoch ein wenig aus wie: Ich hab dir zwar auf den Zeh getreten, aber ich sach ma nix, sonst willst du auch noch ein Pflaster haben.
Das Anerkenntnis, daß mit dem Sklavenhandel Unrecht geschehen ist, aus dem die Vorfahren Profite machten, ist sicher auch nur die eine Seite der Angelegenheit und kann entsprechende Taten (wie zb den Einsatz gegen Sklavenhandel heute) nicht ersetzen und da sind wir ohnehin allesamt in der Verantwortung. Was früher geschehen ist, können wir nicht ungeschehen machen, aber auf das, was heute passiert, können/müssen wir reagieren.
08. Jun 2006 um 12:38
Nicht, daß ich unbedingt auf Zehen treten will - aber seit wann kosten Entschuldigungen Geld?
Die Entschuldiung selber würde nichts kosten, aber das ganze darum herum. Wenn ein Staat sich heute kollektiv entschuldigen will, passiert es selten, dass ein Staatsoberhaupt nach vorne tritt und sich ganz einfach entschuldigt. Nein, das muss zuerst geprüft werden, unter welchen Voraussetzungen dies geschehen soll, ob es geschehen soll etc. Dann wird dann ein Riesenspektakel daraus gemacht, wo dann die eigentliche Entschuldigung untergeht, aber hauptsache, man hat sich mit allem Pomp entschuldigt. Dies hilft niemandem mehr. Wenn man das Geld aber, dass für alle diese Abklärungen etc. verwendet werden würde, zur Bekämpfung des heutigen Menschenhandels steckt, hilft das denn Betroffenen viel mehr.
08. Jun 2006 um 13:56
Das Problem ist nicht, wie lange eine Tat zurückliegt, sondern ob es für opfer wie täter auch heute noch vertreter gibt- die müssen nichts davon selbst erlent haben, es reicht wenn sie derselben organisation/gruppe/nation angehören.
entschädigungen für den sklavenhandel stoßen auf das problem, wem gegenüber sie konkret geleistet werden sollen.
wobei menschenhandel mit sicherheit die folge bestimmter politisch-ökonomischer verhältnisse ist, nicht deren ursache.