Okt 05
2006
Tauchgang zum Kriegszeppelin
News in Geschichte der Naturwissenschaften 5 Kommentare »Sie sollte als schwebender Flugzeugträger den Luftraum über dem Pazifik beherrschen. Doch die "USS Macon" versank - und liegt seit über 70 Jahren unberührt auf dem Meeresboden. Jetzt haben Forscher mit einem Tauchroboter Fotos von dem Wrack geschossen.
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05. Okt 2006 um 21:30
Ein interessantes Thema, das mir völlig neu war.
Ich war immer davon ausgegangen, dass nur die Deutschen so stark auf das Luftschiff gesetzt hatten. Dass die USA sogar konkrete Maßnahmen für einen eventuellen Krieg im Pazifik mit Hilfe von Kampf-Luftschiffen der Extraklasse getroffen haben, hat mich doch überrascht.
Jacobum
05. Okt 2006 um 23:28
Über die "Macon" gab es vor ein paar Jahren einen interessanten Artikel im "National Geographic" (da, wo es fast ausschießlich interessante Artikel gibt). Neben den (damals wahrscheinlich ersten) Fotos gab es kleine Anekdoten - z. B. wie die Flieger der "Macon" dem Präsidenten, der Urlaub an der kalifornischen Küste auf seiner Yacht machte, eine Tageszeitung zustellten. Die kleinen "Sparrowhawks" hatten kein Fahrwerk, aber einen Haken, und ein seitlich aufgemaltes Emblem "Flying Circus" … sehr passend.
05. Okt 2006 um 23:50
http://de.wikipedia.org/wiki/USS_Macon_(ZRS-5)
Im Rumpf des Starrluftschiffes war ein Hangar untergebracht, von dem aus die Flugzeuge unter den Rumpf abgelassen werden konnten um zu starten. Für die Landung war ein Fanghaken oben(!) an den Flugzeugen angebracht, mit dem der Pilot sich in ein Trapez unter dem Rumpf einklinken konnte. Anschließend wurde das Flugzeug in den Rumpf gezogen und verstaut.
Absolut abgefahren... ein Hangar im Rumpf !!!
06. Okt 2006 um 07:57
Im Friedrichshafener Zeppelin-Museum haben sie ein Modell stehen.
Grüße Repo
06. Okt 2006 um 14:41
Sie sollte als schwebender Flugzeugträger den Luftraum über dem Pazifik beherrschen...............................................................................
Der Verlust der "Macon" 1935 hat dem damals schon 20 Jahre laufenden Luftschiff-Programm der US-Marine den Todesstoß versetzt.
Die Aussage beider Sätze ist völlig falsch.
Die US Navy hatte in den zwanziger Jahren 5 starre Luftschiffe.
ZR-1 [I]USS Shenandoh[/I] war der Nachbau eines deutschen Weltkrieg 1- Marine Luftschiffs. Es ging am 3. September 1925 verloren.
ZR-2 war das britische starre Luftschiff R-38, das die Navy beschafft hatte. Es ging vor der Abnahme in England am 24. August 1921 verloren, als bei Kurvenfahrt mit voller Leistung die Struktur brach und das Schiff explodoerte.
ZR-3 [I]USS Los Angeles[/I] war das Zeppelin-Reparationsluftschiff LZ 126. Es machte seine letzte Fahrt am 25 Juni 1932 und wurde später abgebrochen.
ZR-4 [I]USS Akron[/I] war ein Entwurf von Dr. Karl Arnstein, dem Chefkonstrukteur der Goodyear-Zeppelin Corp., eines Gemeinschaftsunternehmens von Goodyear und dem Luftschiffbau Zeppelin.
Dieses Schiff wie das nachfolgende trug einige kleine Jagd-Doppeldecker für die Selbstverteidigung. Es ging am 4. April 1933 vor der Atlantik-Küste verloren, als in sehr turbulente Luft in einer extremen Kaltfront eine starke Abwärtsströmung das Schiff trotz voller Leistung aller 8 Motoren aufs Meer drückte.
ZR-5 [I]USS Macon[/I], ein Schwesterschiff von [I]USS Akron[/I] ging verloren am 12. Februar 1935 vor der Pazifikküste, als durch eine extreme Bö Strukturbrüche auftraten und mehrere Gaszellen ausfielen.
Alle diese großen starren Luftschiffe hatten ein Einsatzkonzept, das dem der deutschen Marineluftschiffe glich: Sie sollten vor Flottenverbänden als "Scout" aufklären. Von irgendwelcher Beherrschung des Luftraums war nicht die Rede, sondern davon, dass sich das Luftschiff gegen Angriffe feindlicher trägergestützter Jagdfluzeuge schützen sollte.
Nach dem Verlust der [I]USS Akron[/I] stellte die US Navy ihr Konzept auf kleinere halbstarre Luftschiffe um. Von denen hatte sie bereits im 1. Welkrieg etwa 35 im Einsatz. Die Navy betrieb bis Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg nur wenige Luftschiffe, legte dann aber ein großes Bauprogramm auf und hatte im Sommer 1944 rd. 120 Luftschiffe im Einsatz. Mit diesen Luftschiffen wurden die Küsten von Labrador bis Brasilien patroulliert, um U-Boote möglichst früh zu erkennen. Es kam zwar vereinzelt auch zu Kampfeinsätzen gegen U-Boote, aber die eigentliche Aufgabe der Luftschiffe war, U-Boote unter Wasser zu drücken und Überwasserstreitkräfte zur Bekämpfung herbeizurufen. Wegen der langen möglichen Einsatzdauer konnten die Luftschiffe dabei solange über der Tauchstelle des U-Bootes bleiben, bis eine Sonar-Ortung durch Überwasserstreifkräfte möglich war.
Vier Luftschiffe wurden über den Atlantik verlegt, um die Straße von Gibraltar zu überwachen. Nach dem Krieg waren sie noch einige Zeit in Südfrankreich im Einsatz, um Hilfestellung bei der Ortung von Seeminen zu leisten.
Kurz nach dem Ende des Krieges wurden die meisten Luftschiffe außer Dienst gestellt.
Eine Reihe von erheblich größeren halbstarren Luftschiffen stellte die US Navy dann in den 50-er Jahren in Dienst. Diese Schiffe waren zunächst ebenfalls für die U-Boot-Abwehr ausgerüstet und konnten jetzt auch mit bordgestützten Sonargeräten U-Boote orten. Als weitere Aufgabe wurde jetzt die Luft-Frühwarnung definiert. Die Luftschiff sollten über dem Meer lange Zeit stationiert bleiben und mittels einer in die Hülle des Schiffs integrierten Radarantenne angreifende Flugzeug möglichst früh orten. Es war kalter Krieg, und die Bedrohung existierte noch nicht durch Raketen, sondern durch sowjetische Bomber. Am 6. Juli 1961 ging das Luftschiff ZPG-3W vor der Küste von New Jersey durch Zusammenbruch der Hülle verloren. Daraufhin wurde bis August 1962 das Luftschiff-Programm der US-Navy endgültig beendet.
Das Einsatzkonzept der US-Navy im 2. Weltkrieg erinnert an das der Royal Navy im 1. Weltkrieg. Auch die britsche Marine betrieb eine große Anzahl kleinerer unstarrer und halbstarrer Luftschiffe, um die Küsten-Geleitzüge vor U-Bootangriffen zu schützen. Zur Zeit des 1. Weltkrieges war die Küstenschifffahrt für Großbritannien von höchster Bedeutung für die Versorgung, da das Eisenbahnsystem nicht in der Lage war, dies zu leisten. Das Konzept war erfolgreich. Während des ganzen 1. Weltkrieges ging durch U-Boote kein einziges Schiff aus Küsten-Geleitzügen verloren, die von Luftschiffen begleitet waren.
In Deutschland ist über die amerikanischen und über die britischen Luftschiffeinsätze in den beiden Weltkriegen kaum etwas bekannt.
Allerdings sollte man dieses Thema nicht unbedingt in der Rubrik "Wissenschaftsgeschichte" unter "Geschichte der Naturwissenschaften" diskutieren.