Mai 16
2007
Die Besserwisser
News in Geschichtsmedien und Literatur 26 Kommentare »Wikipedia, die Online-Enzyklopädie, gerät an Universitäten in Verruf. Beim Jekami-Projekt lässt die Qualitätssicherung zu wünschen übrig, aber Verbesserungen sind in Sicht.
Was ist eigentlich Blümchensex? Wie heisst der aktuelle Nobelpreisträger für Physik? Und wie viele Beine hat ein Tausendfüsser? Keine Sorge, Wikipedia weiss alles. Längst staubt der Brockhaus im Bücherregal vor sich hin.
Der Klick auf die populäre Online-Enzyklopädie ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Gerade Schüler bedienen sich dort gern, oft mit Lehrers Segen. Doch spätestens an der Uni ist der Traum vom frei verfügbaren Wissen ausgeträumt: Die Professoren rümpfen die Nase, wenn einer in seiner Hausarbeit Wikipedia zitiert. Schon wird den Studenten das Wiki- Copy-Paste-Syndrom diagnostiziert. «Es besteht eine negative Tendenz, nur noch Online-Publikationen zu nutzen», sagt Professor Christian Schwarzenegger von der Universität Zürich. Und seine Kollegen an der Uni Lausanne klagen: «Unser Ziel ist es, das selbstständige, kritische Denken der Studenten zu fördern. Wikipedia ist da keine Hilfe.» Seit das US-College Middlebury Anfang des Jahres ein Wikipedia-Zitier- Verbot verhängte, läuft auch an Schweizer Unis die Diskussion, ob Wiki für Studenten tabu sein sollte.
Weiterlesen »
Was ist eigentlich Blümchensex? Wie heisst der aktuelle Nobelpreisträger für Physik? Und wie viele Beine hat ein Tausendfüsser? Keine Sorge, Wikipedia weiss alles. Längst staubt der Brockhaus im Bücherregal vor sich hin.
Der Klick auf die populäre Online-Enzyklopädie ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Gerade Schüler bedienen sich dort gern, oft mit Lehrers Segen. Doch spätestens an der Uni ist der Traum vom frei verfügbaren Wissen ausgeträumt: Die Professoren rümpfen die Nase, wenn einer in seiner Hausarbeit Wikipedia zitiert. Schon wird den Studenten das Wiki- Copy-Paste-Syndrom diagnostiziert. «Es besteht eine negative Tendenz, nur noch Online-Publikationen zu nutzen», sagt Professor Christian Schwarzenegger von der Universität Zürich. Und seine Kollegen an der Uni Lausanne klagen: «Unser Ziel ist es, das selbstständige, kritische Denken der Studenten zu fördern. Wikipedia ist da keine Hilfe.» Seit das US-College Middlebury Anfang des Jahres ein Wikipedia-Zitier- Verbot verhängte, läuft auch an Schweizer Unis die Diskussion, ob Wiki für Studenten tabu sein sollte.
Weiterlesen »
16. Mai 2007 um 23:44
"Gerade Schüler bedienen sich dort gern, oft mit Lehrers Segen"

Oder sie kommen zu uns, und erhalten manchmal auch Infos jenseits der Wiki...
Wenn ich Prof wäre, dann würde ich nur Wiki Einträge in Hausarbeiten, Dissertationen, usw. akzeptieren, wenn erstens die Wiki-Artikel durch Fussnoten mit Quellenangabe ein wenig abgesichert sind, und zweitens, eine Kopie der Seite zum Zeitpunkt des Zitierens mir auf CD-ROM mitgeliefert würde.
Und bei der Absicherung durch Wiki-Fussnoten sollten die Artikel dann auch nicht durch Public Domain Texte von anno dazumal gestützt sein, wie es zunehmend in Mode kommt. Da werden dann Lexika von 1911 als Belege aufgeführt, was in einigen Bereichen der Historie echt mehr als veraltet ist.
Meine neg. Erfahrungen treffen sicher nicht für alle historischen Themen zu, aber da ich öfters im Bereich Naher Osten dort mal was schaue, bin ich immer wieder erstaunt, was dort geschrieben steht. Das hängt auch mit dem Geschichtsbild der User dort zusammen, siehe hier. Oder der negativen Einstellung dem Islam gegenüber, oder der Türkei gegenüber, weil man keine EU-Mitgliedschaft möchte, und entsprechende Artikel gewichtet und lanciert. Diese Unzitierbarkeit trifft sicher nicht auf unstrittige Themen zu, wie die Franz. Revolution, oder den Palast von Versailles.
Kann mir einer erklären, warum wir in google.de an erster Stelle erscheinen, wenn ich "historiographie der türken" eingebe? Ich dachte google wertet nach Zahl der Verlinkungen auf die Internetseite aus, aber diesen Thread habe ich doch erst gerade erstellt, und es können doch noch gar nicht so viele Verlinkungen in dieser kurzen Zeit erfolgt sein?
Danke und LG, lynxxx
17. Mai 2007 um 00:06
Ich zitiere gerne Professor Henke aus Mainz (Anthropologie):
Nutzen sie jegliche Literatur die sie finden, aber wehe sie arbeiten mit Wikipedia
Also ich überprüfe immer alles was ich dort auf meiner Suche so finde..
17. Mai 2007 um 00:19
Kann mir einer erklären, warum wir in google.de an erster Stelle erscheinen, wenn ich "historiographie der türken" eingebe? Ich dachte google wertet nach Zahl der Verlinkungen auf die Internetseite aus, aber diesen Thread habe ich doch erst gerade erstellt, und es können doch noch gar nicht so viele Verlinkungen in dieser kurzen Zeit erfolgt sein?
Danke und LG, lynxxx
Habe ich mich bei meinen [I]Sackfranken[/I] auch gefragt.
Hängt wohl mit dem [I]PageRank [/I]zusammen, das sich mir nach wie vor nicht wirklich erschließt.
http://de.wikipedia.org/wiki/PageRank
17. Mai 2007 um 00:31
danke dir. dann haben wir allgemein vielleicht ne reputation, also nicht nur der thread wird einzeln im pagerank erfasst, sondern vielleicht die domaine...
17. Mai 2007 um 09:43
Wenn ich Prof wäre, dann würde ich nur Wiki Einträge in Hausarbeiten, Dissertationen, usw. akzeptieren, wenn erstens die Wiki-Artikel durch Fussnoten mit Quellenangabe ein wenig abgesichert sind, und zweitens, eine Kopie der Seite zum Zeitpunkt des Zitierens mir auf CD-ROM mitgeliefert würde.
Kopie ist unnötig. Wenn du den genauen Zeitpunkt angibst, an dem das Zitat entnommen wurde, kann die Version jederzeit aufgerufen werden, da die Wikisoftware alle Veränderungen speichert.
Datums- und Zeitangaben gehörten an meinem Gymnasium zu Internetquellen auch sonst immer dazu, bloß dass sie bei anderen Seiten der praktische Wert geringer ausfällt.
17. Mai 2007 um 09:56
Ich finde jedes Extrem schlecht: Man sollte als Lehrer/ Gutachter/ Prof wie auch im eigenen (Lern)Leben weder nur auf Internet zurückgreifen bei der Quellensuche als auch nur auf Printmedien. Ich denke, beides hat seine Berechtigung und auch die Bewertung durch einen selbst ist wichtig.
Klar ist das bei Wiki, wo Jeder sich beteiligen kann, sowohl die Texte selber bearbeiten als auch Themen bestimmen kann, etwas schwieriger als bei einem Lexikon oder Sachbuch.
Aber gerade das ist auch ein Riesenvorteil, ballt sich doch hier Wissen von Vielen.
Ich ergänze also Wikiartikel mit anderen Quellen - sowohl im Netz gefundenen als auch gedruckter Art, vor allem wenn es wichtig ist (also nicht nur kurz mal was nachzuschlagen gilt) und schaue auch mal an, was und warum geändert wurde. Da kann ich Themistokles zustimmen.
Ordentliche und vollständige Quellenangaben sollten ja generell eine gute Angewohnheit sein.
17. Mai 2007 um 10:30
Ich kann dir in einem Punkt nicht zustimmen, Anish:
Wenn ich das "Extrem" nehme, und nur mit Internet/Wiki eine Hausarbeit schreibe, ohne Fachzeitschriften oder Fachbücher zur Absicherung, kann es gewaltig in die Hose gehen.
Anders das andere "Extrem", wenn ich nur mit Fachartikel und Fachbücher offline arbeite, dann habe ich wenigstens wissenschaftlich gearbeitet, auch wenn natürlich die Hausarbeit auch in die Hose gehen kann. Es gab schließlich noch eine Zeit, vor dem Internet. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine...
Ein Problem bei Wiki ist eben auch die Gewichtung, wichtig für eine Enzyklopädie. In der Wiki wird halt häufiger auf "Randthemen" unverhältnismäßig stark eingegangen, eben weil man sich dafür interessiert und so schön diskutieren kann. Da wird über die Anzahl von Soldaten in der Schlacht gestritten, über die Taktik und Schlachtaufstellung gestritten, ohne die gleiche Energie darauf zu verwenden, die Schlacht historisch einzuordnen, ihre Auswirkungen ebenso ausführlich zu behandeln.
Da werden seitenweise alle möglichen Hypothesen der Entdeckung Amerikas aufgelistet, aber zu der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus steht dann nur eine Seite was dazu... usw.
Da wird als ein Beispiel lange über die Herkunft des osm. Architekten Sinan gestritten, ohne die wichtigere Frage seiner architektonischen Kunst zu erörtern:
Diskussion um Sinan
Solche Beispiele finde ich häufiger, und ein unbedarfter Schüler und Student erhält ein schiefes Bild der Wichtigkeit von Themen, selbst wenn die Fakten in Wiki stimmen sollten.
Cheers, LG lynxxx
17. Mai 2007 um 15:07
Ich kann dir in einem Punkt nicht zustimmen, Anish:
Wenn ich das "Extrem" nehme, und nur mit Internet/Wiki eine Hausarbeit schreibe, ohne Fachzeitschriften oder Fachbücher zur Absicherung, kann es gewaltig in die Hose gehen.
Anders das andere "Extrem", wenn ich nur mit Fachartikel und Fachbücher offline arbeite, dann habe ich wenigstens wissenschaftlich gearbeitet, auch wenn natürlich die Hausarbeit auch in die Hose gehen kann. Es gab schließlich noch eine Zeit, vor dem Internet. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine...
Ich weiß, was du meinst. Aber wir haben jetzt die Zeit mit dem Internet, also sollte es auch in wissenschaftlichen Arbeiten herangezogen werden. Schließlich fahren wir auch nicht mehr nur mit Segelschiffen.
17. Mai 2007 um 15:35
Es geht ja nicht darum, [I]ob[/I] man aus dem Internet zitiert, sondern [I]was[/I] (seriös/unseriös) und [I]wie[/I] (copy+paste?).
17. Mai 2007 um 16:46
Vorweg, meine Erfahrungen bei dem ganzen beschränken sich auf den Bereich der Naturwissenschaften.
Das Grundsätzliche Problem ist aber das selbe.
In der Chemie an der Uni ist auf jeden Fall Wiki nicht gerne als Quelle gesehen.
Dies hat auch mehrere Gründe.
Zum einen sollen die Leute lernen mit Fachbüchern umzugehen.
Denn so leicht wie man sich das denkt ist das nicht.
Diese weisen nämlich eigenarten auf an die sich die Leute gewöhnen sollen und müssen.
Ein weiteres Problem ist aus der Stillen Post bekannt.
Die dinge die in Wiki stehen sind aus anderen Quellen wiedergegeben.
Das heißt man hat in seiner Arbeit mindestens ein Zitat von einem Zitat. Und wahrscheinlich ist die Kette in wirklichkeit sogar noch langer.
Je kürzer die Kette gehalten werden kann umso besser.
Unsere Erfahrungen zeigen zudem das die Arbeiten die mit Hilfe von Fachbüchern angefertigt wurden Qualitativ wesentlich besser sind als die Leute die sich auf Wiki berufen, was zugegebenermaßen mehrere Urachen haben kann.
Wiki sollte eine erste Hilfe sein für den Einstieg und die Orientierung. Alles andere überlasse ich Lieber den Büchern.
17. Mai 2007 um 19:39
Ich weiß, was du meinst. Aber wir haben jetzt die Zeit mit dem Internet, also sollte es auch in wissenschaftlichen Arbeiten herangezogen werden. Schließlich fahren wir auch nicht mehr nur mit Segelschiffen.

Hi,
anscheinend habe ich mich doch nicht so deutlich ausgedrückt, denn du hast meine Intention nicht so richtig verstanden.
El-Quijote hat es schon auf den Punkt gebracht. Auch M.A.Hau-Schild.
Ich bin nicht skeptisch wegen der Technik. Von mir aus kann jeder einen Hypertext auf dem PC programmieren, ist sowieso leserlicher und da man seine Hausarbeit auf dem PC in der Regel schreibt kein großes Ding. Von wegen Segelschiff und so...
Es geht darum, dass in Onlinequellen häufig, nicht immer, aber besonders bei Wiki eine eigentümliche Gewichtung erscheint. Die verleitet dazu, sich nicht auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren, beim Verfassen. Ausserdem muss man sowieso die Originalzitate auf Richtigkeit verifizieren, und daher ist ein Gang in die Bibliothek eh vonnöten, gerade bei Onlinerecherchen.
Klar, kann man auch online recherchieren, z.B. werden auch Fachzeitschriften gelegentlich online umsonst angezeigt, aber die meisten kosten etwas, und wenn man keine Lust auf ein Online-Abo hat, dann muss man eben wiederum in die Bibliothek gehen.
Insgesamt lassen sich schon ne ganze Menge online finden, z.B. auch Dissertationen. Aber Wiki ist oft nicht mehr als eine laienhafte Auskunft. Zumindest in den oben genannten Bereichen.
Man merkt spätesten bei einer mündlichen Prüfung, ob jemand es sich leicht gemacht hat mit Copy-Paste, und nur flüchtigem Lesen und umformulieren, oder ob jemand ein Buch, einen Artikel durchgelesen hat, auf der Suche nach der Intention des Autors. Klaro kann auch jemand am PC ganze Bücher intensiv lesen, aber meistens ist es am Bildschirm nach ner Zeit zu ermüdend und langsam, verglichen mit einem Papierbuch.
So, ich glaube nun wird es deutlicher.
17. Mai 2007 um 20:40
Klar, kann man auch online recherchieren, z.B. werden auch Fachzeitschriften gelegentlich online umsonst angezeigt, aber die meisten kosten etwas, und wenn man keine Lust auf ein Online-Abo hat, dann muss man eben wiederum in die Bibliothek gehen.
Da bist du nicht unzureichend informiert. Schon mal was von Open Access gehört?
Allgemein:
Zugang zum Wissen im digitalen Zeitalter
http://www.zugang-zum-wissen.de/
Allgemeines zu Open Access in den Geschichtswissenschaften
http://openaccess-germany.de/de/oa_in_verschiedenen_faechern/geschichtswissenschaften/
Elektronische Zeitschriftenbibliothek
http://rzblx1.uni-regensburg.de/ezeit/fl.phtml?bibid=BISOL&colors=7&lang=de
Ich nutze diese Angebote reichlich.
17. Mai 2007 um 20:47
hi mercy, danke für die links. Ich kenne sie z.t. auch, aber bei der Orientalistik ist man noch nicht soweit, mit den free Angeboten, und bei "normalen" hist. Zeitschriften, gibt es selten mal was über den Orient.

17. Mai 2007 um 21:55
@ lynxxx
wir haben doch gar keine so unterschiedliche Meinung.
Ich betrachte Onlinerecherchen immer nur als Beginn. Klar das dann der Weg zur Bibo folgt und auch Unibibo oder Staatsbibo. Aber es gibt im Internet auch sehr seriöse und auch Primärinformationen. Ich bin u.a. Abonnent einiger Onlineanbieter verschiedenster Fachrichtungen (was man so braucht in seiner Selbständigkeit) und es handelt sich dabei um Informationen, die man garnicht mehr in Fachbüchern erhält, evtl. noch in Fachzeitschriften und die wiederum hat nicht jede Bibo.
20. Jul 2007 um 14:20
Na ja - beim Zitieren von Wikipedia gibt es ein Problem: Bis der Dozent den Link anklickt, steht da vielleicht schon längst wieder etwas anderes. :grübel: Von daher kann ich es schon verstehen, dass man solche Zitate in den Arbeiten nicht gerne sieht. Aber der Begründung kann ich nicht zustimmen.
Meiner Meinung nach fördert vor allem Wikipedia das kritische Denken - man kann sich nie ganz darauf verlassen, dass das, was da steht, auch stimmt, und muss das Gelesene daher hinterfragen und ggf. durch andere Quellen absichern.
Übrigens, ich verwende für meine Übersetzungen ständig Wikipedia. Denn Wörter wie SmartPhone, VoIP, dBase, Symbian, etc. finden sich in keinem Wörterbuch oder Lexikon. Wenn man wissen möchte, was das ist, bleibt nur google, und einer der ersten Links führt nun einmal oft zu Wikipedia. Für meine Zwecke reicht es, denn ich muss dieses Zeug weder programmieren noch eine Kaufentscheidung treffen, sondern nur wissen, was das überhaupt ist.
Schöne Grüße
Petra
20. Jul 2007 um 15:50
@ Petra_44: zwecks des nicht mehr aktuell seins eines links, sollte man immer in eckigen klammern dahinter das datum des letzten abrufens aufführen.
Bsp.: "http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite" [20.7.2007] - ohne ""
20. Jul 2007 um 21:43
Meiner Meinung nach fördert vor allem Wikipedia das kritische Denken - man kann sich nie ganz darauf verlassen, dass das, was da steht, auch stimmt, und muss das Gelesene daher hinterfragen und ggf. durch andere Quellen absichern.
Wer Räuberpistolen mag, dem reicht Wikipedia. Schon mal nachgedacht, wen man eigentlich personell bei Wikipedia-Texten zitieren sollte?
Wikipedia-Autoren (gibt es da auch Autoren mit bürgerlichem Namen/Nick?) berufen sich auf einige wenige Quellen wenn überhaupt. Großen Raum nehmen Literatur-Verweise und Links ein.
Ein anderes Kaliber ist Wikisource, eine Quellensammlung.
Hauptseite - Wikisource
19. Mär 2008 um 18:47
Du meine Güte. Da sucht man sich ja halbtot noch diesem Thread hier. Ich habe schon bestimmt 300-400 Threadtitel angeschaut, weil in fast jedem Thread im Forum das Wort "wikipedia" vorkommt.

Ich wollte nur mal einen interessanten Artikel einbringen, der mal hinterfragt, woher eigentlich die Artikel kommen, die wir alle so lieben...
"Kommen nach den "science wars" die "reference wars"?
Stefan Weber 29.09.2005
Wandel der Wissenskultur durch Netzplagiate und das Google-Wikipedia-Monopol
Wer eben mal schnell wissen will, wann sich Habermas habilitierte oder was nun Gotthard Günther mit "Polykontexturallogik" genau meinte, der befragt Google oder gleich die Wikipedia. Die Vorteile sind unübersehbar: Es müssen keine dicken Bände durchforstet werden, der Gang in die Bibliothek und zum vergilbten Zettelkasten ist nicht mehr notwendig. Mittlerweile sind Google-Ergebnisse und Wikipedia-Beiträge zu Wissensautoritäten, zu Wissensmonopolen neuer Art geworden: Veröffentlicht und öffentlich zugänglich erscheint oft nur noch, was von Google gefunden wird und/oder in die Wikipedia aufgenommen wurde. ... "
TP: Kommen nach den "science wars" die "reference wars"?
25. Mär 2008 um 14:40
Moin,
)
ist euch schon mal aufgefallen, dass in der Wikipedia sehr viele Bilder verwendet werden, die gegen das Copyright verstoßen?
Ist mir aufgefallen, weil viele Miniaturmalereien verwendet werden, die natürlich mehr als 70 Jahre alt sind, aber nicht die Bücher aus denen das abgescannt wurde.
Wenn man die Bilder vergrößert erkennt man nämlich die Druckstruktur oder sog. Moiré-Muster.
Nur ein Bruchteil der Illuminationen sind wahrscheinlich vom Original im Museum abfotografiert worden, und auch da kann man meistens nicht einfach dieses Foto ohne Genehmigung des Museums verwenden.
Das ist doch sicherlich nicht nur in Deutschland so, oder wer hat Ahnung, wie es in den Museen mit der photographischen Veröffentlichung ihrer Ausstellungsstücke gehandhabt wird?
Ich dachte immer, in der Wiki gibt es Mods, die ein bischen ein Auge drauf werfen?
(Vielleicht muss ich da mal durchfegen...
Ciao und LG.
29. Mär 2008 um 15:09
Hmmm, hat keiner ne Ahnung? Niemand bei Wiki tätig? Oder fällt dieser Forumsbereich kaum auf, dazu noch in dem Subforum Pressenachrichten?
29. Mär 2008 um 15:21
Hmmm, hat keiner ne Ahnung? Niemand bei Wiki tätig? Oder fällt dieser Forumsbereich kaum auf, dazu noch in dem Subforum Pressenachrichten?
Letzteres glaub ich nicht unbedingt, die meisten schauen doch auf die "neuen Beiträge" unabhängig von der Rubrik. Aber evtl. ist die Themenüberschrift ungünstig gewählt? :confused:
29. Mär 2008 um 17:19
Naja, die Überschrift ist ja der Pressemeldung geschuldet.

Ich wollte mal das eine oder andere der Wiki beitragen, aber wenn ich mir die Diskussionen anschaue, dann hat es wohl keinen Zweck (zumindest im Bereich des Nahen Ostens/Osm. Reich). Mannomann, was für ein Palaver, oftmals um die Abstammung der Leute oder Dynastien, da werden Forscher aus aller Welt zitiert, wo kaum einer einen Überblick hat, ob diese von Belang sind, oder nur "interessengeleitete" Forschung betreiben.
Zudem herrscht oft ein Meinungsbild vor, dass man annehmen kann die Autoren und Admins kämen vom PI-Blog.
Wenn ich Besitzer von Wiki wäre, würde ich in bestimmten Wiki-Bereichen nur Angaben aus deutschen Standardwerken der Unis zulassen, selbst wenn diese Angaben veraltet wären. Die neuen Erkenntnisse kämen erst dann rein, wenn diese sich in der Zunft durchsetzen konnten und nicht mehr wilde Spekulationen sind. Dann stehen sie nämlich wiederum in der neuen Auflage der Standardwerke. Ist zwar dann nicht direkt am Puls der Forschung, aber wenigstens ein seriöses Nachschlagewerk. Wer hat denn Lust, sich immer seitenweise Diskussionen durchzulesen...
Schönen Samstag noch.
29. Mär 2008 um 18:14
Alles, was hier in diesem Thread gesagt wurde, kann ich nur unterstreichen.
Und ja, es gibt "Mods" für gewisse Sachgruppen bei Wikipedia, die sich gegenseitig rekrutieren, in der Regel aus kompetenten Schreibern entstanden. Dann heißt es: "Willst Du nicht..?"; und je "kompetenter" man ist, um so häufiger muss man sagen: "Keine Zeit!"
Aber es ist unsinnig, Wikipedia in irgendeiner Weise mit
- Kleiner Brockhaus
- die von mir früher so geliebte "Encyclopedia Britannica"
- Fachzeitschriftenartikeln
- Büchern, die in etablierten Fachverlagen erschienen sind
zu vergleichen. (Obwohl es mich juckt, will ich diese vier Informationsquellen jetzt nicht bewerten...)
Die Wikipedia ist vollständig und absolut vergleichbar mit den Wandzeitungen der Chinesischen Kulturrevolution. Nichts steht fest, und alles ist möglich... Die einzige Grenze, die es gibt, ist die "andere Meinung", doch das ist Freud' und Leid zugleich. Die "Freiheit" ist absolut: Selbst auf der Diskussionsseite kann in belieber Weise editiert werden. Doch ALLES steht in der Versionskontrolle....
Es ist mir nicht klar, wie der augenblicklich hohe Qualitätsstand überhaupt erreicht werden konnte. Wenn irgendjemand ein Beispiel für das Positive und Konstruktive im Menschen sucht, dann kann er ohne Zögern: "Die Existenz der Wikipedia" sagen - sie ist eigentlich unmöglich.
Ansonsten stellt 90% des Webs im "Selbstverlag veröffentlichte Tendenzliteratur" dar: Keine "presse-rechtliche" Verantwortlichkeit, keine "Peers", kein gar nichts.
Ich habe gelegentlich astronomische Daten benötigt, und auch immer gefunden; z.B. den Sternkatalog des Ptolemäus, den es damals eigentlich nur im Anhang vergriffener Bücher gab. Das sind im Prinzip 3600 Zahlen. Welche von diesen Zahlen von wem eventuell "verfälscht" wurde, kann ich nicht herausbekommen. Solchen "groben Unfug" begeht keiner - oder doch?
Wenn ich auf eine Seite der NASA, des Census, der Vereinten Nationen, eines Max Planck Instituts oder irgendeiner Uni bin, dann GLAUBE ich das einfach, was da steht. Aber solche Grenzen sind schwer zu ziehen.
Was die "Sicherheit" von Information angeht, hat das Web die gleiche Qualität wie der mittelalterliche Bänkelsänger!!
Und einer schreibt vom anderen ab (was man wegen Google gut verfolgen kann...) Und immer mehr schreiben aus der Wikipedia ab. Und irgend eine "freier Autor" schreibt dann in die Wikipedia, was jemand anderes aus der Wikipedia abgeschrieben hat......
30. Mär 2008 um 01:09
Die Wikipedia ist vollständig und absolut vergleichbar mit den Wandzeitungen der Chinesischen Kulturrevolution. Nichts steht fest, und alles ist möglich... Die einzige Grenze, die es gibt, ist die "andere Meinung", doch das ist Freud' und Leid zugleich. Die "Freiheit" ist absolut: Selbst auf der Diskussionsseite kann in belieber Weise editiert werden. Doch ALLES steht in der Versionskontrolle....
Es gibt bei Wikipedia Schlagworte und dazugehörigen Text, den anscheinend bisher nur Einzelne geschrieben und gelesen haben.
30. Mär 2008 um 10:41
Aber es ist unsinnig, Wikipedia in irgendeiner Weise mit
- Kleiner Brockhaus
- die von mir früher so geliebte "Encyclopedia Britannica"
- Fachzeitschriftenartikeln
- Büchern, die in etablierten Fachverlagen erschienen sind
zu vergleichen.
Nichtsdestotrotz wurden einige dieser Vergleiche durchgeführt und Artikel aus Wikipedia und Standartlexika auf Aktualität, Stil und Inhalt geprüft.
30. Mär 2008 um 11:49
Meine Anmerkung (es was ja keine Kritik!) geht nicht vom [U]Produkt[/U] "Artikel" aus, sondern vom [U]Herstellungsprozess[/U], und der daraus folgenden Qualitätsfrage.
Ein Artikel in einer angesehenen Fachzeitschrift wird (wurde?) nur nach einem Peer-Review veröffentlicht; ein Lexikon hat eine Fachredaktion, die - als Angestellte - dem Renommee eines angesehenen Verlags verantwortlich sind (oder - wie bei der Macropedia der Encyclopedia Britannica, nach dem Vorbild der ursprünglichen "Encyclopedy" - ein ausgewiesener Experte schreibt den Artikel, der oft ein kleines Fachbuch ist! ).
BeiWikipedia wird ein Artikel "nach bestem Wissen und Gewissen" geschrieben. Das hat gewisse Ähnlichkeit mit den Kultur- und Wissenschaftsbeilagen großer Zeitungen, populärer Zeitschriften (PM-Magazin, Computer Bild,...) oder Fernsehsendungen: Ein Redakteur (!) hat mehr oder weniger genau recherchiert. Nur ist auch dieser Redakteur verantwortlich! Das "Echo" auf seine Arbeit muss positiv (oder wenigstens "im Sinne" des Verlags/der Rundfunkanstalt) sein.
Dies setzt Inhalt und Umfang von "klassischen" Veröffentlichungen (enge) Grenzen!
Der Produktionsprozess bei der Wikipedia ist aber ein anderer, auch wenn die gedruckten Seiten auf den ersten Blick genauso aussehen wie ein Fachartikel in den "Mathematischen Annalen".
Grundsätzlich ist so etwas wie die Wikipedia unstabil, sobald Gruppen oder einzelne Personen mit alternativen Ansichten, ideologischer Ausrichtung oder wandalistischen Neigungen auftauchen. Ich halte es - wie gesagt - für ein kleines Wunder, dass sich dies - durch unermesslichen Aufwand bei den Wikipedia Mods! - immer noch beherrschen lässt.
"Pluralität" der Meinung ist kein echter Ausweg (s. etwa Scientologie, "Intelligent Design",....). Sonst werden zukünftige Wikipedia-Artikel nur noch so aussehen
"Quorkel: Die häufigste Ansicht ist, das Quorkel grün sind. Manche meinen auch, dass Quorkel rot sind. Eine weitere Gruppe behauptet, dass es Quorkel gar nicht gibt.
Verweise: Bitte mit Google nach "Quorkel" suchen."