Sep 27
2007
Schlechte Noten für Schulbücher - auch in Geschichte
News in Geschichtsmedien und Literatur 19 Kommentare »Berlin (AP) An deutschen Schulen wird teilweise mit fehlerhaften und didaktisch schwachen Schulbüchern unterrichtet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Stichprobe der Stiftung Warentest, die am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurde. Untersucht wurden 17 Biologie- und Geschichtsbücher aus drei Bundesländern, es gab mehrfach die Note «mangelhaft».
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27. Sep 2007 um 15:50
Interessant, dann wissen wir nun woher manche Fragen hier im Forum kommen?:grübel:
Andererseits ist es natürlich auch schockierend, Fehlerquoten von Büchern zu erfahren, durch welche ein ganzer Teil der hiesigen User ihr Basiswissen bezogen hatten.
27. Sep 2007 um 16:45
Eigentlich gibt es noch ein viel größeres Dilemma: An vielen Schulen sind die Schulbücher oft bis zu 10 Jahre und mehr alt. In der Oberstufe wurde bis vor kurzem noch ein Buch unterrichtet, dass in den 80ern geschrieben wurde (Zeiten und Menschen).
Darin heißt es z.B. in der Einleitung zur Industriellen Revolution, dass der Computer ein Jobkiller sei. Klar, in den 80ern war die Wirtschaftskrise der 70ger noch präsent, die durch den Ölschock ausgelöst wurde und das Ende des vierten Kondratieff-Zyklus (Petrochemie und Automobile) markierte. Heute wissen wir jedoch, dass der Computer und das Internet seit den 1990er Jahren einen unglaublichen Wirtschaftsaufschwung ausgelöst hat. Auch moderne Entwicklungen, wie das Ende des Ostblocks und die neue internationale Situation seit 9/11 (inzwischen auch schon 6 Jahre her) kommt in solchen Büchern nicht vor.
Warum ist das so? Weil es sich die Schulen nunmal nicht leisten können, häufig neue Schulbücher anzuschaffen. Andererseits ist der Zustand dieser Bücher oft erbärmlich. Klar, jedes Jahr ein neues Buch anschaffen, geht nicht. Aber etwas häufiger neue Bücher anschaffen wäre schon wünschenswert.
27. Sep 2007 um 16:49
Warum ist das so? Weil es sich die Schulen nunmal nicht leisten können, häufig neue Schulbücher anzuschaffen.
Seit wann gibt es denn bundesweite Lehrmittelfreiheit?
Hab ich da irgendwas verpaßt? :confused:
27. Sep 2007 um 16:59
In meiner alten Schule haben durchaus die Fachkonferenzen ihre Bücher selbst ausgewählt.
27. Sep 2007 um 22:57
Interessant, dann wissen wir nun woher manche Fragen hier im Forum kommen?:grübel:
Im NDR-Regionalfernsehen (MeckPom) wurden heute Schulkinder befragt, was DDR heisst und was da war.
Einer meinte, das waren die Bösen, die mit den Russen gemeinsame Sache machten.
Ein Anderer meinte, die hätten als erste die Idee des Baus einer Mauer gehabt. Ob sie die auch gebaut haben, war er sich nicht sicher.
27. Sep 2007 um 23:00
In meiner alten Schule haben durchaus die Fachkonferenzen ihre Bücher selbst ausgewählt.
Das müssen ja noch gute Zeiten gewesen sein.
In meiner Heimatstadt sucht die Stadtverwaltung nach dem billigsten Angebotspaket die Schulbücher für alle Schulen aus (Ausnahme die Privatschulen).
28. Sep 2007 um 12:25
Die Stiftung Warentest ist ja ein honoriger Verein und recht zuverlässig wenn sie Sachen testen, mit denen sie sich auskenne - also so die typischen Vergleichstests von Waschmaschinen, Radios oder Küchenquirls.
Aber immer wieder bringen sie Tests, da kann man nur den Kopf schütteln.
Ich erinnere mich da an einen Fall, da haben sie Brettspiele getestet, so nach ihren üblichen Kriterien - und das hat so überhaupt nicht gepaßt, die Ergebnisse waren eine Lachnummer.
Hier ist es ein bißchen ähnlich. Natürlich ist es etwas peinlich, wenn in einem Schulbuch Fehler stehen. Aber besonders gravierend ist das nicht, wenn auf jeder fünten Seite Fehler sind à la "Honeckers Rücktrittsdatum ist falsch".
Das hat mit der eigentlichen Qualität des Buchs nur recht marginal zu tun, und die Schüler sollen ohnehin die Zusammenhänge begreifen, nicht solche Details auswendig lernen.
Und wenn die Stiftung sich dann berufen fühlt, aus diesen "Testergebnissen" politisch fragwürdige Forderungen wie die nach der Zentralisierung unseres Bildungssystems abzuleiten, dann finde ich das schon deutlich daneben.
28. Sep 2007 um 14:24
Seit wann gibt es denn bundesweite Lehrmittelfreiheit?
Hab ich da irgendwas verpaßt? :confused:
Ich habe nie behauptet, dass es eine bundesweite Lehrmittelfreiheit gibt. In den Ländern mit Lehrmittelfreiheit (z.B. Hessen, Baden-Württemberg) ist dies aber ein übliches Problem.
28. Sep 2007 um 17:28
Und wenn die Stiftung sich dann berufen fühlt, aus diesen "Testergebnissen" politisch fragwürdige Forderungen wie die nach der Zentralisierung unseres Bildungssystems abzuleiten, dann finde ich das schon deutlich daneben.
Die Stiftung hat resümiert, dass die Fehler in den Büchern die mittelmäßige Unterrichtung unserer Kinder in Deutschland nicht gefährde.
28. Sep 2007 um 22:25
Die Stiftung Warentest...bringen...Tests, da kann man nur den Kopf schütteln...Hier ist es ein bißchen ähnlich. Natürlich ist es etwas peinlich, wenn in einem Schulbuch Fehler stehen. Aber besonders gravierend ist das nicht, wenn auf jeder fünten Seite Fehler sind à la "Honeckers Rücktrittsdatum ist falsch".
Das hat mit der eigentlichen Qualität des Buchs nur recht marginal zu tun, und die Schüler sollen ohnehin die Zusammenhänge begreifen, nicht solche Details auswendig lernen...
Ist aber ein Fehler, der zu kritisieren ist. Wenn in einem Schulbuch schon Dinge falsch drin stehen, dann ist es kein Wunder, wenn die Lernergebnisse dann auch nicht besonders sind.
Und außerdem:
Ich kann mich erinnern, daß wir in der Schule noch Jahreszahlen auswendig lernen wußten.
28. Sep 2007 um 22:50
Hier ist es ein bißchen ähnlich. Natürlich ist es etwas peinlich, wenn in einem Schulbuch Fehler stehen. Aber besonders gravierend ist das nicht, wenn auf jeder fünten Seite Fehler sind à la "Honeckers Rücktrittsdatum ist falsch".
Das hat mit der eigentlichen Qualität des Buchs nur recht marginal zu tun, und die Schüler sollen ohnehin die Zusammenhänge begreifen, nicht solche Details auswendig lernen.
Es stimmt zwar schon, dass heute das Auswendiglernen von Jahreszahlen im Geschichtsunterricht nicht mehr den Stellenwert hat, wie früher. Aber was R.A. da schreibt ist das andere Extrem.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Lernen der Zusammenhänge zwar schön und gut und wichtig ist, aber ohnen einen marginalen Leitfaden in Form einer chronologischen Abfolge schleichen sich geradezu grausige Fehler in die Tests ein. Da wird dann z.B. Hitler zum "Boss der DDR".
Ich gebe inzwischen auch schon mal als Hausaufgabe auf, eine Chronologie zu erstellen, anhand derer wir dann die Zusammenhänge besser erklären können.
29. Sep 2007 um 02:54
Zu meiner Schulzeit waren etliche Schulbücher über 15, einiger sogar älter als 20 Jahre. In Geschichte war das ein dreibändiger Band, der schon zur Zeit meines Vaters in Gebrauch war. In Geografie erinnere ich mich an ein Buch aus den 50ern frühen 60ern, in der der Libanon als "ausgesprochenes Touristenland" und "Schweiz des Nahen Ostens gepriesen wurde. Meistens aber fiel Geschichte ohnehin aus. In einem Lateinbuch, das zu Zeiten Caesars spielt, gingen die Typen ins Colosseum. Das war allerdings keine Assischule, sondern ein Gymnasium der evangelischen Kirche. Manche dieser Schwarten hatte noch meine Schwester, 5 Jahre jünger, als ich.
29. Sep 2007 um 16:08
Ich habe mal ein hessisches Geschichtsbuch aus den 60ern in der Hand gehabt, in dem eine Darstellung des Obergermanischen Limes abgebildet war. Da patroullierte ein römischer Legionär auf einem hinter der Palisade aufgeschütteten Erdwall. Der Graben befand sich dabei vor der Palisade.
01. Okt 2007 um 12:12
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Lernen der Zusammenhänge zwar schön und gut und wichtig ist, aber ohnen einen marginalen Leitfaden in Form einer chronologischen Abfolge schleichen sich geradezu grausige Fehler in die Tests ein.
Da gebe ich Dir völlig recht.
Und natürlich müssen die Fakten in solchen Chronologien stimmen, und (nicht nur) deswegen sind die Fehler in den Büchern peinlich und sollten verbessert werden.
Ich bezweifele nur, daß sie eine solche Tragweite haben, wie das die Stiftung behauptet. Für einen guten Unterricht sind solche Mängel lästig, aber nicht entscheidend - da gibt es wichtigere Aspekte.
02. Okt 2007 um 02:25
Der Chef der Bundeszentrale für politische Bildung hat sich auch geäußert:
in diesem Link
02. Okt 2007 um 10:46
Ich kann die Studie der Stiftung Warentest durchaus nachvollziehen. Ich habe die Fehler in unseren Geschichtsbüchern live miterlebt. Das erste, was wir im Geschichtsunterricht gemacht haben, war, die ganzen Fehler zu korrigieren.
02. Okt 2007 um 20:09
Das erste, was wir im Geschichtsunterricht gemacht haben, war, die ganzen Fehler zu korrigieren.

Na, dann haben sowohl Lehrer als auch Schüler gleich ihren Arbeitsauftrag. Der Lehrer kann nicht bloß das Buch vorlesen. Und die Schadenfreude, dass andere auch nicht perfekt sind, sorgt dafür, dass das Richtige besser hängen bleibt.
26. Okt 2007 um 09:44
Es gibt Neues zu diesem Thema.
Laut FR scheint die Studie noch mehr Schwächen zu haben, als ich oben vermutet hatte:
Was eigentlich ist ein Fehler?
26. Okt 2007 um 13:48
Interessant finde ich vor allem die zweite Seite des Artikels. Als Lehrer ist man natürlich immer froh, wenn man über viele verschiedene Schulbücher verfügt, aus denen man sich die Bausteine für den Unterricht (z.B. Quellen) holen kann. Die Forderungen der Frau Ministerin scheitern übrigens schon daran, dass Bildung noch immer Ländersache ist. Jedes Bundesland macht seine eigenen Lehrpläne, und solange diese nicht bundesweit einheitlich sind, muss für jedes Land ein eigenes Schulbuch gemacht werden.