Nov 11
2007
Geschichte light in Computerspiele
News in Geschichtsmedien und Literatur 3 Kommentare »Historische Computerspiele sind beliebt. Doch wie wahr ist die Antike, die über den Bildschirm flimmert? Ein Gespräch mit einem Experten
Weiterlesen »
Weiterlesen »
11. Nov 2007 um 14:51
Ein imho recht oberflächliches Interview. Es muss Stellen in einem Strategie- oder Actionspiel geben, an denen man vom historischen Verlauf abweichen kann, da der Spielverlauf ansonsten zustark vorgegeben wäre und der Spaß auf der strecke bliebe. Wenn man Kritik anbringt, sollte man überlegen inwieweit Alternativen möglich wären. Wie hätte man die Bedeutung von Religion stärker einbringen können. Besonders wichtig fände ich die Frage: Was ist bewusst verfälscht und was nur Vereinfachungen um z.B. Wirtschaftsvorgänge dem Spielaufbau einzugliedern. Hinzu kommt, das er sich nie auf konkrete Spiele bezieht.
Und die Wirtschaftssimulationen sind sehr marktwirtschaftlich orientiert
Nicht zwingend. In manchen Spielen werden Ausgangsrohstoffe für Wirtschaftskreisläufe und Nahrungsmittel frei nach Bedarf verteilt. Bei Stronghold Crusader z.B. werden alle Untertanen in den Nahrungsverbrauch eingerechnet. Portionsgrößen werden vom Burgherren/dem Spiele eingestellt und an alles ausgeteilt. Ob sie nun arbeiten oder nicht. Ein Bäcker liefert die Brote im Nahrungsspeicher ab und erhält erst danach seinen Anteil. Nicht gerade ein marktwirtschaftliches Spielprinzip.
Zugegeben, wenn ein Spiel in der Antike angesiedelt ist, wären Sklaven ein interessanter Faktor und eine Möglichkeit militärischem Sieg auch wirtschaftliche Vorteile folgen zu lassen. Aber ein Feudalsystem darzustellen ist deutlich kniffliger, da man schwer eine Verwaltungshierarchie aufbauen könnte ohne dem Spieler entscheidende Möglichkeiten zu nehmen den Spielverlauf zu beeinflussen.
Hierzu ein schöner Kommentar, der zum Artikel kam:
Genau wie der Handel mit Sklaven - sogenante "political correctness" führt in der Regel sofort zur Selbstzensur, weil sich niemand bei den Herstellern auf die unvermeidliche öffentliche Empörung einlassen möchte. Das die antike Wirklichkeit eine andere war wird ignoriert - bei den Empörten.
Der moralische Teil der Argumentation erinnert mich ein wenig daran, wie unpopulär Militärgeschichte und Schlachtennachstellung in Deutschlan verglichen mit GB oder den USA ist.
11. Nov 2007 um 16:35
Es gibt nun mal viele PC-Freaks, die gern das eine oder andere Spiel mit historischem Hintergrund spielen, weil es eben spannend, optisch gut gemacht und unterhaltsam ist.
Und dann gibt es die Geschichtsfreaks, denen jede Unkorrektheit an solchen Spielen ein Greuel ist. Den zitierten Experten aus dem Zeitungsartikel möchte ich auch dazu zählen.
Man sollte aber nicht vergessen, dass solche Spiele eben genau das sind: Spiele. Und kein historisches Lehrmaterial. Vielen Spielern ist es eh egal, ob es im Alten Rom einen totalen Krieg gegeben hat oder nicht. Hauptsache das Spiel ist gut. Und die wenigsten Spielentwickler haben Geschichte studiert.
Irgendwie erinnert mich die Aussage des Experten an die Diskussionen vergangener Jahre, in denen über die Autentizität historischer Filme gefachsimpelt wurde.
Gruß
Jacobum
PS: Ich spiele immer noch gern AoE2, wo z.B. auf Yucatan die Kelten gegen Mongolen und Sarazenen kämpfen dürfen... :yes:
12. Nov 2007 um 11:27
Irgendwie erinnert mich die Aussage des Experten an die Diskussionen vergangener Jahre, in denen über die Autentizität historischer Filme gefachsimpelt wurde.
Ich glaube die Diskussion wird bleiben. Solange Filmemacher für ihre Filme den Anschein machen, als erheben sie Ansprüche auf Authenzität, sobald wird dieser Anspruch von Fachleuten der Geschichtswissenschaft überprüft, was grundsätzlich immer sinnvoll ist. Die Zuschauer, in diesem Fall die Spieler, bekommen mit den Games und Filmen eine Version von Geschichte vorgesetzt, welche durchaus schnell leichter im Gedächnis haften bleibt als Literatur, zumal ein Film oftmals mehr Aspekte eines Zeitschnittes (Politik-, Gesellschafts-, Kultur- und Kostümgeschichte) auf einmal transportiert als ein Buch, welches abgesehen von Ausstellungskatalogen, eher "abstrakte" oder "spezielle" Themen behandelt. Dass das Bild eines Filmes nicht ganz der Wahrheit der Hintergrundszeit entspricht, ist von daher immer ganz interessant oder im Gegenteil, dass ein Film extrem gut recherchiert ist und die Regisseure von seriösen Wissenschaftlern wirklich beraten. (Wie im Bsp. "Stolz und Vorurteil" (1995) vom V&A London)
[I]Themistokles[/I] bezweifelt meines Erachtens ganz richtig, den Sinn eines solchen holzschnittartigen Interviews. Oftmals laufen so kurze Statements auf verbale Rundumschläge gegen die Medien hinaus. Wenn man näher hinschaut und sieht, dass der History Chanel bspw. mit Hilfe des Basisspieles von "Rome Total War" auch eine kleine Reihe von Schlachten der Antike visualisierte, kann man den eventuellen Nutzen solcher Spiele auch nicht bestreiten. (Siehe u.a.: Total War - Wikipedia ) Grundsätzlich gefallen mir Kommentare von Historikern zu einem speziellen Film oder Spiel besser, wie die Meinung von Dr. Junkelmann zur Rome-Serie vor ein paar Monaten.