Feb 22
2008
Alte Wunden
News in Die großen Kolonialreiche 1 Kommentar »Wie eine Festung erhebt sich das mächtige Massiv aus der Ebene: 250 Meter hoch thront der Waterberg über dem kargen Buschfeld von Namibia. Blutrot versinkt die Sonne am Horizont und wirft ihre letzten Strahlen auf die gezackten Felsen am oberen Bergrand, die wie Orgelpfeifen in den afrikanischen Himmel ragen. Wenn es auf dem fast 50 Kilometer langen und 16 Kilometer breiten Plateau regnet, läuft das Wasser durch eine Schicht Sandstein, ehe es auf hartes Gestein trifft. Hier quillt es dann in unzähligen kleinen Quellen aus dem Fels. Es ist ein spektakuläres Schauspiel, das dem Berg seinen Namen gab.
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02. Mär 2008 um 18:40
Positiv ist, dass der Autor zumindest ansatzweise versucht hat, sich mit den Fakten vertraut zu machen. So schreibt er beispielsweise: "Die Bevölkerungszahl (der Herero) vor dem Krieg ist indes nur grob bekannt: Schätzungen reichen von 35 000 bis maximal 100 000 Herero." und "Wie viele Hereros in dem Krieg mit den Deutschen umkamen, lässt sich heute nicht mehr ermitteln." Damit unterscheidet sich der Autor von zahlreichen anderen Autoren, welche behaupten, die Opferzahlen berechnen zu können.
Positiv ist auch, dass der Autor den Bogen weiter spannt und auch über Ereignisse der jüngeren namibianischen Geschichte berichtet. Auch dieses unterscheidet ihn von anderen Autoren, welche an Namibia und den Herero im Grunde genommen nicht das geringste Interesse zeigen, statt dessen den Hererokrieg für billigen Sensationsjournalismus instrumentialisieren.
Daneben sind sind dem Autor allerdings zahlreiche Fehler unterlaufen. Dies ist typisch in der Auseinadersetzung mit dem komplexen Thema des Hererokrieges. Um hier mitreden zu können, ist schon eine weitergehende Beschäftigung mit dem Thema geboten.
So behauptet der Autor beispielsweise, dass Trotha über 4.000 Mann in die Schlacht am Waterberg geführt habe. Tatsächlich verfügte Trotha am Waterberg lediglich über 2.000 Soldaten. Mit 4.000 Mann wäre es Trotha zweifellos gelungen, seinen Schlachtplan umzusetzen und das Entkommen der Herero in die Omaheke zu verhindern. Wenig geschickt ist es auch, ein Bild von Hendrik Witboi im Zusammenhang mit einem Artikel zu verwenden (und diesen dann auch noch als "Kämpfer gegen den Kolonialismus" zu bezeichnen), dessen Aufhänger die Waterbergschlacht ist. Hendrik Witboi war in den Augen der Herero ein Warlord, unter dessen Kriegs- und Raubzügen vor allem die Herero zu leiden hatten. Nach seiner Unterwerfung infolge des Naukluftfeldzuges war Hendrik Witboi dann jahrelang der engste Verbündete der deutschen Kolonialherren gewesen. In der Waterbergschlacht und der anschließenden Verfolgung der Herero haben die Witbois auf deutscher Seite gekämpft.
Fazit: Der Autor hat sich ansatzweise bemüht, der Artikel taugt aber nicht als verlässliche Quelle.
Gneisenau