Mai 07
2008
Hügelstadt Cahokia: Amerikas mysteriöse Megacity
News in Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen 5 Kommentare »Es war die größte Stadt Nordamerikas: Vor 800 Jahren stand mitten in der Prärie des Mississippi-Gebiets eine pulsierende Metropole. Ihre Bewohner lebten auf künstlichen Hügeln, waren versierte Astronomen - und opferten junge Frauen zu Dutzenden. Woher kamen die Menschen von Cahokia?
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07. Mai 2008 um 10:31
Wenn das Verschwinden der Cahokias richtig datiert ist - nämlich um 1400 - müssen sie das ohne Europäische Hilfe geschafft haben, so wie die Anasazi oder die Maya.
Natürlich erhebt sich die Frage nach dem Grund des Verschwindens, und zwar nicht nur der Hochkultur als Organisationsform, sondern auch der Menschen (im Gegensatz zu den Mayas, die es - als Ethnie - noch heute gibt).
Der erwähnte klimatische Einfluss kann ein Auslöser für eine demoskopische Katastrophe sein, jedoch nicht die alleinige Ursache. Schließlich sind die Europäer oder Asiaten auch nicht in der Kleinen Eiszeit ausgestorben.
Leider wird in dem Artikel nicht viel über die Nahrungsgrundlage dieser leute gesagt. Der Hinweis auf ausgelaugte Böden lässt auf Landwirtschaft schließen. Aus der Methankonzentration in den Lufteinschlüssen des Grönlandeises kann man übrigens erkennen, dass die Indianer viel Brandrodung betrieben haben müssen; in der Mitte des Jahrtausends ging diese schlagartig zurück.
Grundsätzlich kann eine Instabilität durch das Wechselspiel von guten und schlechten Zeiten entstehen :
Zunächst muss sich die Kultur über einen längeren Zeitraum prächtig entwickeln. Dadurch kann die Ernährungsgrundlage bis an das Maximum der Möglichkeiten gesteigert werden (mehr als maximal geht dann nicht mehr). Die Bevölkerungsdichte passt sich diesem Maximum an, bis keine Reserven mehr da sind.
Wenn dann widrige klimatische Bedingungen eintreten, gibt es selbst bei kleinen Schwankungen keine Ausweichmöglichkeiten mehr und das System wird instabil.
Die Massenopferungen, gerade von jungen Menschen, können einfach kein normaler religiöser Akt gewesen sein - keine Kultur kann es sich leisten, seine eigenen Leistungsträger systematisch abzuschlachten - sondern muss der Ausdruck von höchster Ratlosigkeit gewesen sein, ein letzter verzweifelter Versuch, die Götter doch noch umzustimmen.
Militätische Auseinandersetzungen um die schrumpfenden lebenswichtigen Ressourcen hat es - laut Spiegel-Artikel - zwar gegeben, aber nur in geringem Umfang. Damit entfiel auch ein "bewährtes" Mittel, die Bevölkerungszahl in Einklang mit den gesellschaftlichen Werten (weil die jeweils anderen ja "Feinde" sind) zu reduzieren und damit das System auf einem niedrigeren Niveau zu stabilisieren.
07. Mai 2008 um 10:36
Die deutsche Seite gibt nix her, aber hier:
Natchez people - Wikipedia, the free encyclopedia
07. Mai 2008 um 12:39
Natürlich erhebt sich die Frage nach dem Grund des Verschwindens, und zwar nicht nur der Hochkultur als Organisationsform, sondern auch der Menschen
Jein. Wenn die später dort lebenden Indianerstämme keine historische Überlieferung zu dieser Stadt mehr kannten heißt das ja nicht, daß sie nicht doch die Nachkommen dieser Leute waren.
Der erwähnte klimatische Einfluss kann ein Auslöser für eine demoskopische Katastrophe sein, jedoch nicht die alleinige Ursache.
Richtig. Ich stimme Dir zu, daß die Klimaverschlechterung wohl eher eine schon ausgereizte Ökonomie über die Kante schubste - und das hat dann mittelbar die Aufgabe dieser Stadt verursacht.
Aber "ausgestorben" sind die Bewohner m. E. nicht, sondern eher von Nachbarstämmen besiegt worden.
Die Massenopferungen, gerade von jungen Menschen, können einfach kein normaler religiöser Akt gewesen sein - keine Kultur kann es sich leisten, seine eigenen Leistungsträger systematisch abzuschlachten
Demographisch wäre das bei einer doch recht großen Bevölkerung kein Problem. Die Opfer müssen ja nicht nur aus der Stadtbevölkerung selber mit ihren 40 000 Leuten gekommen sein, sondern es werden in einer Region ringsum noch viel mehr Menschen gelebt haben, die diesem Kult anhingen.
Militätische Auseinandersetzungen um die schrumpfenden lebenswichtigen Ressourcen hat es - laut Spiegel-Artikel - zwar gegeben, aber nur in geringem Umfang.
Das weiß man nicht. Man hat nur am Ort selber keine Spuren z. B. einer Schlacht gefunden.
Die Auseinandersetzungen, die vielleicht den Untergang des Reichs und seiner Hauptstadt herbeiführten, können ganz woanders stattgefunden haben.
Insgesamt ein sehr interessantes Thema. Ist schon ein Jammer, daß bei einer so großen und entwickelten Kultur wg. Schriftlosigkeit jede Überlieferung fehlt.
07. Mai 2008 um 12:44
Die deutsche Seite gibt nix her,
Die englische aber auch nicht wirklich etwas.
Die Natchez machen tatsächlich den Eindruck, als hätten sie in vielen Punkten ähnlich gelebt wie die Einwohner dieser Stadt.
Aber sie lebten 1000 km südlich und einige Jahrhunderte später - da muß man sehr vorsichtig sein mit Parallelen.
08. Mai 2008 um 18:00
Man kann ja die weiter nördlichen Mounds und deren Geschichte zu Hilfe nehmen. Also der späten Woodlands.