Mai 23
2008
Historiker Segev: Erfolgsgeschichte Israels ein "Mythos"
News in Judentum | Israel | Naher Osten 11 Kommentare »Der israelische Journalist, Historiker und Buchautor Tom Segev hat am Montag im Jüdischen Museum in Wien die erste deutschsprachige Auflage seines Buches "Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates" präsentiert. Die sechzigjährige israelische Erfolgsgeschichte bezeichnete er darin als "Mythos" und verwies auf die Schwierigkeiten der Kulturenvielfalt.
Statt der erwarteten Lesung hielt der Historiker einen Impulsvortrag, der den Inhalt des Buches zum Thema hatte. "Die Geschichte Israels hat sehr viel zu tun mit Hoffnung", sagte er. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen aus der ganzen Welt Juden zusammen, um hier ihr "Glück zu finden", sagte Segev. Sie kamen aus verschiedenen Kulturen und mussten erst eine eigene israelische Identität entstehen lassen. Segev bezeichnete Israel als "buntes Mosaik" an Kulturen.
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Statt der erwarteten Lesung hielt der Historiker einen Impulsvortrag, der den Inhalt des Buches zum Thema hatte. "Die Geschichte Israels hat sehr viel zu tun mit Hoffnung", sagte er. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen aus der ganzen Welt Juden zusammen, um hier ihr "Glück zu finden", sagte Segev. Sie kamen aus verschiedenen Kulturen und mussten erst eine eigene israelische Identität entstehen lassen. Segev bezeichnete Israel als "buntes Mosaik" an Kulturen.
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23. Mai 2008 um 09:30
Wenn man Ralph Giordano liest, [I]Israel, um Himmels Willen Israel[/I], dann bekommt man dies bestätigt. Giordano beschreibt darin zwei Sachverhalte der israelischen Gesellschaft, die nicht ins Bild passen:
- die Israelis kennen eine herkunftsbasierte Zweiklassengesellschaft, danach gelten (west-)europäischstämmige Israelis mehr als aus dem arabischen Raum stammende Israelis (gemeint sind nicht die israelischen Araber, sondern Israelis jüdischen Glaubens bzw. jüdischer Herkunft). Die "Europäer" sammelten sich in Mapai, die "Araber" im Likud, seit 1991 verstärkt durch die "Osteuropäer"/"Russen".
- Überlebende des Holocausts stören den israelischen Nationalmythos: Ausnahmen sind die Kämpfer des Jüdischen Widerstandes. Während der Staat Israel aus der Situation des Kampfes heraus entstanden ist, haben sich die Holocaust-Opfer in einer inoffiziellen israelischen Wahrnehmung zur Schlachtbank führen lassen, ohne sich zu wehren. Auf der anderen Seite wäre der Staat Israel ohne eben diese überlebenden Holocaust-Opfer niemals möglich gewesen.
23. Mai 2008 um 10:54
- Überlebende des Holocausts stören den israelischen Nationalmythos: Ausnahmen sind die Kämpfer des Jüdischen Widerstandes. Während der Staat Israel aus der Situation des Kampfes heraus entstanden ist, haben sich die Holocaust-Opfer in einer inoffiziellen israelischen Wahrnehmung zur Schlachtbank führen lassen, ohne sich zu wehren. Auf der anderen Seite wäre der Staat Israel ohne eben diese überlebenden Holocaust-Opfer niemals möglich gewesen.
Ein Überlebender sagte mal, als ihn jüngere Leute fragten, wieso sie sich von den Nazis haben umbringen lassen und nicht gekämpft haben, dass es Kampf genug war, wenn sie nach der harten Lagerarbeit lebend zurück in die Baracken kamen.
Vorher spielten die Ostler aber auch eine Rolle im Likud, wenn ich mir als Beispiel Sharon ansehe.
23. Mai 2008 um 11:03
Klar gibt es auch in Israel Publizisten, die die medienwirksame Provokation beherrschen. Die funktioniert am besten, in dem man den "staatstragenden" Legenden ans Bein pinkelt. Ich kenne die Materie zu wenig, um mir ein Bild machen zu können.
Ich darf aber gar nicht daran denken, was los wäre, kämen diese Thesen aus Deutschland. Die "Sonderstellung" des Verhältnisses Deutschland - Israel wird wohl noch ein paar Generationen andauern.
23. Mai 2008 um 15:29
Vorher spielten die Ostler aber auch eine Rolle im Likud, wenn ich mir als Beispiel Sharon ansehe.
Sharon kam aus einer Mapai-Familie und begann seine politische Karriere selber als Mapainik.
23. Mai 2008 um 16:12
Sharon kam aus einer Mapai-Familie und begann seine politische Karriere selber als Mapainik.Ist Ariel Sharon gemeint? Der begann seine politische Laufbahn meines Wissens in der Liberalen Partei. Die Liberalen und die Cherut bildeten später einen gemeinsamen Block (Gachal, Menachem Begin als führender Politiker), der wiederum im Likud- Block aufging. Von einer "Mapai- Vergangenheit" Sharons ist mir nichts bekannt, was aber nichts heißen soll.
23. Mai 2008 um 16:32
Letzte Tage lief eine Doku auf arte - [I]Sharons letzter Kampf[/I] - darin wurde das behauptet.
25. Mai 2008 um 11:22
- Überlebende des Holocausts stören den israelischen Nationalmythos: Ausnahmen sind die Kämpfer des Jüdischen Widerstandes. Während der Staat Israel aus der Situation des Kampfes heraus entstanden ist, haben sich die Holocaust-Opfer in einer inoffiziellen israelischen Wahrnehmung zur Schlachtbank führen lassen, ohne sich zu wehren. Auf der anderen Seite wäre der Staat Israel ohne eben diese überlebenden Holocaust-Opfer niemals möglich gewesen.
Ehrlich gesagt verstehe ich das sogar. Es ist - ohne pietätlos sein zu wollen - schon demütigend, dass ein ganzes Volk tatsächlich zur Schlachtbank geführt wurde, diese Hilflosigkeit gegenüber dem monströsen Vorgehen der Nazis ist schon etwas sehr Schwieriges für die nachfolgenden Generationen.
Denn Holocaust-Opfern gegenüber ist das wohl ungerecht, aber - wie gesagt - verstehen kann ich dies gut.
25. Mai 2008 um 13:23
Wenn man Ralph Giordano liest, [I]Israel, um Himmels Willen Israel[/I], dann bekommt man dies bestätigt. Giordano beschreibt darin zwei Sachverhalte der israelischen Gesellschaft, die nicht ins Bild passen:
- ...
- Überlebende des Holocausts stören den israelischen Nationalmythos: Ausnahmen sind die Kämpfer des Jüdischen Widerstandes. Während der Staat Israel aus der Situation des Kampfes heraus entstanden ist, haben sich die Holocaust-Opfer in einer inoffiziellen israelischen Wahrnehmung zur Schlachtbank führen lassen, ohne sich zu wehren. Auf der anderen Seite wäre der Staat Israel ohne eben diese überlebenden Holocaust-Opfer niemals möglich gewesen.
So plakativ sehe ich persönlich es nicht. "Das Führen zur Schlachtbank" durch Nazi- Schergen hat aber zur Folge, dass kein Israeli vorhat, sich- von wem auch immer- "abschlachten" zu lassen. Ich kann aus meinen eigenen Erfahrungen nicht bestätigen, dass Überlebende des Holocaust den Nationalmythos stören. Das scheint mir zu krass formuliert. Diese Einschätzung basiert aber- wie gesagt- nur auf meinen persönlichen Erfahrungen. Und dass eine Wiederholung auf jeden Fall vermieden werden soll, erscheint mir mehr als verständlich. Dabei möchte ich nicht auf eventuell daraus resultierende Überreaktionen in einzelnen Fällen eingehen, weil das zu politisch würde und hier keinen Platz hätte.
25. Mai 2008 um 19:43
Giordano lässt durchaus durchblicken, dass er - obwohl Israel-Kenner - bei seiner Buchrecherche 1989/90 selber davon überrascht war. Es scheint auch eine Art Tabu-Thema in Israel zu sein. Wenn ich das Buch gerade fände, würde ich ein paar Passagen zitieren.
25. Mai 2008 um 20:14
Giordano lässt durchaus durchblicken, dass er - obwohl Israel-Kenner - bei seiner Buchrecherche 1989/90 selber davon überrascht war. Es scheint auch eine Art Tabu-Thema in Israel zu sein. Wenn ich das Buch gerade fände, würde ich ein paar Passagen zitieren.Hat ja Zeit...Solltest Du es finden, hätte ich großes Interesse an diesen Passagen.
26. Mai 2008 um 17:14
Es ist - ohne pietätlos sein zu wollen - schon demütigend, dass ein ganzes Volk tatsächlich zur Schlachtbank geführt wurde, diese Hilflosigkeit gegenüber dem monströsen Vorgehen der Nazis ist schon etwas sehr Schwieriges für die nachfolgenden Generationen.
Da muß man halt den historischen Hintergrund sehen.
Die Juden waren über viele Jahrhunderte von Verfolgung und Mißhandlungen bedroht. Immer wieder gab es Schikanen, Morde, Deportationen.
Überlebt haben sie nur, weil sie eben nie Widerstand leisteten - bei Gegenwehr wären sie schon viel früher ausgerottet worden.
Diese Passivität ist also eine tiefverwurzelte Überlebensstrategie - und setzte voraus, daß die Juden letztlich in zivilisierten Gesellschaften lebten, in denen Mord etc. im Prinzip illegal waren und die Obrigkeit zwar oft passiv blieb oder Pogrome in gewissen Maßen begünstigte, letztlich aber größere Ausschreitungen verhinderte.
Genau diese Voraussetzung fehlte bei den Nazis, denen ging es gezielt um die Ausrottung des ganzen Volkes. Da half der Verzicht auf jede Gegenwehr überhaupt nichts.
Die alte Überlebensstrategie war gegen die Nazis falsch (und wäre auch heute für Israel falsch), aktiver Widerstand dagegen wäre in allen Zeiten vorher falsch gewesen.