Sep 23
2008
Platzanweiser der Geschichte
News in Geschichtsmedien und Literatur 7 Kommentare »Nach gut zwanzig Jahren schließt Hans-Ulrich Wehler sein deutsches historisches Großprojekt ab
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(C) Daniel Oswald
23. Sep 2008 um 08:33
Noch ein paar Rezensionen:
Bundesrepublik Deutschland und DDR 1949-1990 - Wehler, Hans-Ulrich - Portofrei bei buecher.de
taz.de - Digitaz-Artikel
23. Sep 2008 um 10:33
Peinlich ist der aggressive Ton, den Wehler zur DDR anschlägt. Diese war für ihn "die totalitäre Parteidiktatur eines Kollaborationsregimes auf der Basis eines Okkupationskommunismus, der in dieser Satrapie im westlichen Vorfeld des sowjetischen Imperiums mit allen Mitteln einer kolonialen Neugründung durchgesetzt wurde." Im Furor des Antikommunismus erkennt Wehler nicht, dass er auf einen toten Gegner eindrischt.
Was ist daran peinlich? Es entspricht der Wahrheit, auch aus marxistischer Betrachtunsgweise, wenn vielleicht auch ein Marxist die Vokabel [I]Okkupationskommunismus[/I] durch etwas anderes ersetzen würde.
23. Sep 2008 um 20:10
Was ist daran peinlich? Es entspricht der Wahrheit, auch aus marxistischer Betrachtunsgweise, wenn vielleicht auch ein Marxist die Vokabel [I]Okkupationskommunismus[/I] durch etwas anderes ersetzen würde.
Den Vorwurf habe ich allerdings auch nicht verstanden, denn wenn man bei einer anderen historischen Betrachtung z. B. die Regimes von Stalin, Mussolini oder Hitler verurteilt, dann "drischt" man auf ebenso tote Gegner ein. :hmpf:
24. Sep 2008 um 11:39
Über die Toten nur Gutes *Hust*
03. Okt 2008 um 15:29
In einer Zeitung stand eine Meinung von dem ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Jens Reich zu diesem Buch:
[SIZE=3]Jens Reich: Wir Ostler waren nicht nur Untertanen
Wo Wehler irrt: Die DDR ist mehr als eine „Fußnote der Geschichte“.
[COLOR=black][FONT=Verdana]Hier lesen: Jens Reich: Wir Ostler waren nicht nur Untertanen[/FONT][/COLOR]
In vielem, was Jens Reich schreibt, kann ich ihm zwar Recht geben, aber wenn er schreibt:
Der Hauptirrtum Wehlers bei dieser Analyse der DDR ist, dass er das System ohne genaue Differenzierung als links-totalitär einstuft. Wenn ein solches System mehr als eine politische Diktatur, nämlich als totalitär gelten soll, dann gehört dazu gerade für eine Sozialgeschichte als Kennzeichen unabdingbar eine gelingende permanente und gewaltsam durchgesetzte Mobilisierungskampagne der Bevölkerung, eine Umerziehungsdiktatur, durch die sie dem Ziel nach zu einer dann spontan handelnden, nach ihrere Ideologie und in den kulturellen Verhaltensmustern homogenen Masse geformt wird. Dieses Kennzeichen mag für andere Diktaturen zutreffen, für die DDR gilt es nicht und auch nicht für Polen, Ungarn oder die Tschechoslowakei. Das Regime hat zu keiner Zeit die Menschen aus der teils störrisch widerstrebenden, teils offenen Verweigerungshaltung, aus der hartnäckig verteidigten Eigenwelt heraustreiben können.
Letzter Satz stimmt zwar, aber warum muß die "Umformung der Menschen" denn zwingend gelingen?
ME genügt es, wenn man genau das versucht - die Menschen nach einem bestimmten politischen System "umzuformen" und danach zu "erziehen", welches auf einer politischen Ideologie basiert. Genau das ist in der "DDR" passiert und zwar vom Kindergartenalter an, wo wir schon sowjetische Kosmonauten usw. gemalt haben und Kasernen der NVA besuchten.
Und "gewaltsam" war das durchaus, und zwar dann, wenn man anfing, gegen das Regime aktiv Widerstand zu leisten - dann bekam man das wahre Gesicht dieses Regimes zu sehen, denn die SED hat nun mal (offiziell) keine anderen Meinungen zugelassen, als die Ihre ("Die Partei, die Partei, die hat immer Recht...")
Das sollte Jens Reich eigentlich wissen.
03. Okt 2008 um 17:24
er schreibt ja selber zuerst, dass es nur eine solche "Kampagne" geben muss und erst am Ende meint er, dass diese auch Erfolg haben muss.
03. Okt 2008 um 19:27
er schreibt ja selber zuerst, dass es nur eine solche "Kampagne" geben muss und erst am Ende meint er, dass diese auch Erfolg haben muss.
Das ist es ja, was ich meinte:
Reich streitet ab, daß die "DDR" eine "links-totalitäre Diktatur" war, weil eine solche Kampagne der politischen Erziehung und Umformung der Bevölkerung erst zum Erfolg führen muß, um als totalitär zu gelten.
Warum?
:grübel: