Dez 08
2008
Das Märchen vom entfärbten Glas
News in Technikgeschichte 1 Kommentar »Das in den deutschen Glashütten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit erzeugte Gebrauchsglas war in der Regel mehr oder minder stark grün gefärbt. Die Bezeichnung „Waldglas“ hierfür geht jedoch nicht auf die „waldgrüne“ Färbung, sondern auf den Standort der Hütten im Walde zurück. Abbildung 1 zeigt einen Nuppenbecher aus leicht grünem Glas; es handelt sich um eine Replik aus Böhmen. Mehr oder minder farblose Nuppenbecher waren im 13./14. Jahrhundert weit verbreitet.
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01. Jan 2009 um 09:45
Das in den deutschen Glashütten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit erzeugte Gebrauchsglas war in der Regel mehr oder minder stark grün gefärbt. Die Bezeichnung „Waldglas“ hierfür geht jedoch nicht auf die „waldgrüne“ Färbung, sondern auf den Standort der Hütten im Walde zurück. Abbildung 1 zeigt einen Nuppenbecher aus leicht grünem Glas; es handelt sich um eine Replik aus Böhmen. Mehr oder minder farblose Nuppenbecher waren im 13./14. Jahrhundert weit verbreitet.
Das meiste im Artikel Gesagte läßt sich auf auch römische Gläser übertragen, allerdings sehe ich die Fixierung auf die Mißverständliche erwendung des Begriffs "Entfärbung" nicht so kritisch. Die "Entfärbung" interpretiere als Erreichen einer subjektiv Wahrgenommenen Farblosigkeit des Glases. Daß es trotzdem noch (wie fast alle transparenten Gläser) noch eine Eigenfarbe hat, ist unbestritten. Allerdings wird vom "deutlich grün" ins "nicht mehr sichtbar gefärbt" umgefärbt, was mindestens umgangssprachlich einer Entfärbung entspricht!
Ergänzend dazu: Farbloses (römisches) Glas wird nur duch beste Rohstoffe erreicht. Hier ist insbersondere reinster (eisenfreier!) Quarzsand gefragt, da dessen Verunreinigungen für die Farbstiche ausschlaggebend sind. Da dieser nicht so oft wie gewünscht zur Verfügung stand, wurde auch in römischer Zeit mit Braunstein "entfärbt".
Viele Grüße & ein frohes Neues Jahr!
fwg
Literaturempfehlung:
[LEFT][FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif]"Glas in Antike und Mittelalter - Geschichte eines Werkstoffs"[/FONT][/FONT][FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif] - Karl Hans Wedepohl, E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung (Mägele und Obermiller), 2003, ISBN 3-510-65207-X[/FONT][/FONT]
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