Dez 27
2008
"Er thront über allen"
News in Völkerwanderung und Germanen 6 Kommentare »In der Varusschlacht schlug Arminius die Römer vernichtend, danach bekamen sie Germanien nie mehr unter Kontrolle. Experte Alexander Demandt verrät im SPIEGEL-ONLINE-Interview, warum ohne den Schlachtenführer das Deutsch ausgestorben wäre - und es Europa nie gegeben hätte.
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27. Dez 2008 um 10:31
Der Spiegel leitet das Varusjahr ein mit einem Interview mit dem von mir eigentlich sehr geschätzten Althistoriker Alexander Demandt, dass aber sehr kontrovers betrachtet werden kann.
27. Dez 2008 um 12:12
Ja, da ist einiges diskutabel:
SPIEGEL ONLINE: Warum die Feindschaft [zwischen Römern und Germanen]? Demandt: Es gab enorme Unterschiede. Die Männer im Norden trugen Bärte, die Römer rasierten sich und empfanden es als barbarisch, Felle und Hosen zu tragen. Diese Tracht ist sogar später in Rom verboten worden. So wurde durch die kulturelle auch eine politische Identität erzeugt.
Hier sitzt Demandt alten Klischees auf. http://www.geschichtsforum.de/f300/seltenes-rasiermesser-mit-pferdekopf-gefunden-23943/
SPIEGEL ONLINE: Manche meinen, Arminius sei nur auf Plündern aus gewesen. Demandt: Das glaube ich nicht. Beute machen war für die germanische Führungsschicht zweitrangig. Den Fürsten ging es um Macht und Ansehen. Arminius gehörte zu jener Sorte von Aufrührern, deren Stolz es nicht zuließ, abhängig vom römischen Kaiser zu werden.
Dem könnte man entgegenhalten, dass Arminius zunächst den Rang eines römischen Ritters erreicht hatte und sein Bruder, der ja sicherlich ganz ähnlich dachte wie Arminius, den Römern treu blieb.
Über die kontrafaktische Geschichtsschreibung auf der zweiten Seite möchte ich mich nicht länger verlieren.
27. Dez 2008 um 13:56
Ich finde die Aussage zu den Bärten nun nicht falsch, sondern halte sie einfach so allgemein formuliert, dass sie nur Missverständnisse hervorrufen kann. Ich interpretiere Demandts Formulierung dahin, dass er das augusteiische Ideal des komplett bartlosen Gesichts einem Bart bei nicht-römischen Völkern gegenüberstellt. Das germanische Bärte nicht vollkommen ungepfelegt und "wildwüchsig" waren, sollte jemand wie Demandt hoffentlich wissen.
Problematischer sehe ich allerdings auch die Formulierungen zu Beute/Macht. Selbstverständlich ging es einem Fürsten um Macht und Ansehen, aber gerade da spielte in der Antike die ostentative Darstellung eine gewichtige Rolle. Und Reichtum im Überfluss gehörte sicherlich dazu. Arminius nun rein auf den Stolz und den Wunsch nach Unabhängigkeit zu reduzieren halte ich eigentlich noch viel schlimmer, denn die Informationen über Motive und Gesellschaft der Cherusker sind doch sehr sehr vage und lassen nur Spekulationen zu.
27. Dez 2008 um 14:25
Interessant finde ich folgenden Auszug aus diesem Interview:

Erst als die Römer als Besatzer anrückten, stellten die Leute fest, dass sie sich bei aller Zerstrittenheit auch ähnelten. Sie kleideten sich in Pelze, [I]tranken Bier[/I].
Irgendwie ähneln wir uns doch fast alle, oder?
27. Dez 2008 um 14:36
Ähnliches ist mir vor einiger Zeit auch schon mal durch den Kopf gegangen: Die Römer nannten die ihrer Ansicht nach weniger zivilisierten Völker bzw. Stämme "Barbaren". Heißt das nicht soviel wie "die Bärtigen"?
Es könnte durchaus sein, daß ein langer Bartwuchs, der u. a. auch bei den Germanen durchaus üblich war, ein Zeichen von niederer Kultur der betreffenden Stämme war und die Römer sich somit als eine höherwertige Kultur betrachteten. Ich habe auch schon mehrmals aufgeschnappt, daß die Römer bei ihren Auseinandersetzungen mit den Stämmen der "Barbaren" doch einigermaßen arrogant daher kamen - zumindest anfänglich.
Liege ich hier einigermaßen richtig?
27. Dez 2008 um 15:06
Nein, "Barbar" kommt ursprünglich aus de griechischen und hat mit Spache, bzw dem Nichtverstehen der gesprochenen Sprache (in Abgrenzung zum Griechischen) zu tun. Was der genaue Wortlaut ist, weiss ich nicht mehr, ich glaube aber barbaros war sowas wie Lallen oder andere "unverständliche Laute hervorbringen".