Okt 15
2004
Verkanntes Objekt der Geschichte
News in Das Osmanische Reich 20 Kommentare »Alle reden von der Türkei, niemand von den langen osmanischen Jahrhunderten, in denen die Türken europäische Geschichte schrieben, mit dem Blut der Schlachten wie mit der Tinte der Verträge.
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14. Aug 2005 um 04:17
Schön! Hier wird aber überwiegend negativ über Türken berichtet.
Ich möchte etwas neues anregen. Was haben wir eigentlich den Türken zu verdanken?
14. Aug 2005 um 11:04
Die Verbeitung von Süßspeisen in Österreich.
Die Reformation (warum erkläre ich gerne auf Nachfrage).
Den Roman [i]Don Quijote de la Mancha.[/i]
14. Aug 2005 um 11:13
Die Verbeitung von Süßspeisen in Österreich.

Aber bitte in einem kalorienreduzierten Pfad.
14. Aug 2005 um 11:18
Die Verbeitung von Süßspeisen in Österreich.
Die Reformation (warum erkläre ich gerne auf Nachfrage).
Den Roman [i]Don Quijote de la Mancha.[/i]
Erklär doch mal, bitte.
14. Aug 2005 um 12:01
Also "Verbreitung der Süßspeisen in Österreich" habe ich mal unbesehen einem Prof abgenommen, der über die "Soziologie des Essens" eine Vorlesung gehalten hat. Der meinte, das käme von den zwei Belagerungen Wiens durch die Türken.
Die Reformation, das ging natürlich über viele geistesgeschichtliche Umwege á la "Stille Post". Von den Türken bekam man im Spätmittelalter in Mitteleuropa ja eher wenig mit, nur vage Nachrichten über Grausamkeiten (in diesem Zusammenhang steht auch der - vermutlich 'christliche' - Graf [font=Verdana][size=2][font="]Vlad Ţepeş[/font]). Die Türken jedenfalls wurden bald mit einem der Heere der Apokalypse identifiziert, was eine Welle der Volksfrömmigkeit ausgelöst haben soll, aufgrund derer verstärkt Kritik an den oberen Reihen der Kirche geübt wurde, was schleißlich zu Reformationsbewegungen führte.[/size][/font]
Und Miguel de Cervantes Saavedra verkrüppelte bei der Schlacht von Lepanto derart, dass er den Soldatenberuf nicht mehr ausüben konnte und einen anderen Beruf ausüben musste (Steuereintreiber), der ihm einerseits die Erfahrungen bescherte, die er brauchte, um den Roman zu schreiben und andererseits ins Gefängnis brachte, und ihm so die Zeit gab, den Roman überhaupt zu beginnen.
14. Aug 2005 um 12:34
"Also "Verbreitung der Süßspeisen in Österreich" habe ich mal unbesehen einem Prof abgenommen, der über die "Soziologie des Essens" eine Vorlesung gehalten hat. Der meinte, das käme von den zwei Belagerungen Wiens durch die Türken."
. Die Türken jedenfalls wurden bald mit einem der Heere der Apokalypse identifiziert, was eine Welle der Volksfrömmigkeit ausgelöst haben soll, aufgrund derer verstärkt Kritik an den oberen Reihen der Kirche geübt wurde, was schleißlich zu Reformationsbewegungen führte."
Das ist so etwa auch mein Wissensstand. Weißt Du ne Quelle wo es mehr dazu gibt, interessiert mich nämlich schon lange.
"Die Reformation, das ging natürlich über viele geistesgeschichtliche Umwege á la "Stille Post". Von den Türken bekam man im Spätmittelalter in Mitteleuropa ja eher wenig mit, nur vage Nachrichten über Grausamkeiten (in diesem Zusammenhang steht auch der - vermutlich 'christliche' - Graf Vlad Ţepeş
Die türk. Eroberung von Ungarn, die 1. Belagerung von Wien waren aber nach Luthers Thesenanschlag und lange nach den Hussiten usw. also die Reformation halte ich für eine mutige These.
Was ich "glaube" zu wissen:
Die Kaffee-Häuser, überhaupt das Kaffeetrinken, das Hörnchen als Gebäck zum Kaffee, den Schellenbaum der Militärmusik. Die Peitschen bei der schw.-alemannischen Fasnet.
Hoffentlich fragt keiner nach Quellen.
Auch so, dann natürlich noch Kebab nicht zu vergessen.
Grüße Repo
14. Aug 2005 um 14:05
den Schellenbaum der Militärmusik.
Aber auch Mozarts "Entführung aus dem Serail". Oder den "Türkischen Marsch" desselben Komponisten, heutigen Kulturbeflissenen vor allem als Handy-Klingelton geläufig.
14. Aug 2005 um 18:07
Ja, die Belagerungen Wiens sind natürlich später, aber die Türken standen ja nicht "plötzlich" vor Wien sondern eroberten eben erst Kleinasien, dann Ostrom und schließlich den gesamten Balkan. Die Belagerung Wiens war ja für Mitteleuropa auch keine vage Nachricht mehr, sondern schon ein handfestes Problem.
14. Aug 2005 um 18:37
Das Wissen über die Möglichkeit der Impfung verdanken wir den Türken.
Lange bevor man das Pockenvirus entdeckte, praktizierten die Türken das Impfen, indem sie den Schorf von geheilten Pockenkranken dem Gesunden unter die Haut ritzen.
Hauptsächlich wurde es zur "Haltbarmachung" von Sklaven verwendet.
15. Aug 2005 um 02:45
Das mit dem Kaffeehäusern ist richtig. Meines Wissens haben die Türken nach der 2ten Belagerung säckeweise Kaffee zurückgelassen, der für die erste eröffnung von Kaffehäusern in der Stadt Wien verantwortlich ist.
Ein wichtiger, vielleicht der wichtigste Punkt ist der, dass es ohne die Türken, wohl noch mit der Entdeckung Amerikas gedauert hätte.
Die Türken hatten eine Kontinentalsperre errichtet und der Landweg nach Indien war versperrt. Kolumbus hat dann erst, den Seeweg versucht zu finden. Erst dann konnten die Menschen eine Erdumseglung in Angriff nehmen und somit den Beweis erbringen, dass die Erde ein Kugel ist.
Noch ein Punkt ist der, das die Portugiesen wohl nicht, um Afrika herum gesgelt wären und demzufolge keine vernünftigen Seekarten entstanden wären.
Und korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege. Waren die Türken nicht die ersten die Kanonen in einer offenen Feldschlacht benutzten? Also neue Kampfesstrategien.
15. Aug 2005 um 02:51
Don Qijote? Der mit Sancho Panza?
15. Aug 2005 um 13:26
Und korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege. Waren die Türken nicht die ersten die Kanonen in einer offenen Feldschlacht benutzten? Also neue Kampfesstrategien.Die Mongolen hatten bereits geräte die man als Kanonen bezeichnen kann. Ob sie aber in offenen Schlachten eingesetzt wurden?:confused: . In Europa wurden Kanonen m.W.n erstmals bei Crecy 1346 verwendet.
15. Aug 2005 um 13:45
Die Mongolen hatten bereits geräte die man als Kanonen bezeichnen kann. Ob sie aber in offenen Schlachten eingesetzt wurden?:confused: . In Europa wurden Kanonen m.W.n erstmals bei Crecy 1346 verwendet.
Es heißt immer, die Mongolen hätten in der Schlacht am Sajó in Ungarn 1241 Feuerwaffen eingesetzt. Auf die Quelle, auf der diese Aussage basiert, bin ich allerdings noch nicht gestoßen.
15. Aug 2005 um 17:13
Der Titel der Pressenachricht, die diesen Thread eröffnet, lautet "(Osmanisches Reich) verkanntes Objekt der Geschichte". Da das konservative Blatt "Die Welt" ihn veröffentlicht hat, ist er wohl dem Wahlkampf und der Position der CDU geschuldet, der Türkei lediglich eine privilegierte Partnerschaft in der EU zuzubilligen, da sie nach ihrer Auffassung ein asiatischer und kein europäischer Staat sei.
Meines Erachtens ist die Geschichte des Osmanischen Reichs weder ein besonders bevorzugtes noch besonders benachteiligtes Objekt des öffentlichen Bewusstseins. Lehrbücher für Schulen behandeln durchaus wesentliche Abschnitte der türkischen Geschichte, konzentrieren sich dabei aber auf die Eroberung von Konstantinopel und die Aiseinandersetzung zwischen Habsburg und dem Osmanischen Reich auf dem Balkan. Mehr Aufmerksamkeit wird den anderen Staaten Europas in deutschen Schulbüchern auch nicht zuteil, jedenfalls nicht bis zur Mitte des 19. Jh. Danach werden verständlicherweise die unmittelbaren Nachbarn Deurschlands intensiver behandelt.
Dass der Zeitungsartikel die Türken besonders nachteilig darstellen würde, wie Seldschuk oben meint, kann ich jedoch nicht finden.
Etwas putzig finde ich überdies die Aussage Seldschuks, ohne die Türken wäre Amerika nicht entdeckt worden. Darin steckt zwar ein Korn Wahrheit, doch liest es sich so, als ob die Türken ihren Sperrriegel aufgebaut hätten mit dem Ziel, die Europäer zur Entdeckung Amerikas zu motivieren. Ein besonders wichtiger Punkt zur Erschließung neuer Seerouten war eher die Tatsache, dass der Weg um Afrikas Südspitze vielen zu umständlich erschien. Selbst wenn es kein Osmanisches Reich gegeben hätte, wäre der Landweg - nämlich der Karawanenweg Seidenstraße - auf Dauer nur zweite Wahl gewesen und die Suche nach einem Seeweg vorangetrieben worden.
15. Aug 2005 um 18:07
Der Titel der Pressenachricht, die diesen Thread eröffnet, lautet "(Osmanisches Reich) verkanntes Objekt der Geschichte". Da das konservative Blatt "Die Welt" ihn veröffentlicht hat, ist er wohl dem Wahlkampf und der Position der CDU geschuldet, der Türkei lediglich eine privilegierte Partnerschaft in der EU zuzubilligen, da sie nach ihrer Auffassung ein asiatischer und kein europäischer Staat sei.
.
Achtung:
Der Zeitungsartikel ist vom Oktober 2004. Wahlkampf also nicht.
Grüße
Repo
27. Aug 2005 um 05:39
Es heißt immer, die Mongolen hätten in der Schlacht am Sajó in Ungarn 1241 Feuerwaffen eingesetzt. Auf die Quelle, auf der diese Aussage basiert, bin ich allerdings noch nicht gestoßen.
Feuerwaffen ja, aber auch Kanonen???
27. Aug 2005 um 07:49
Feuerwaffen ja, aber auch Kanonen???
Hatten wir schon mal ähnlich:
http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=6764&highlight=Mongolen+Feuerwaffen
Grüße Repo
28. Aug 2005 um 03:02
Danke Dieter dass Du meine Ausführungen für putzig hältst. Trotzdem bin ichd der Ansicht, dass die Kontinentalsperre ab 1450 (s. DTV-Atlas zur Weltgeschichte Band I) der Anlass für die Westeuropäer war den Seeweg nach Indien zu suchen.
Früher dachte man ja, dass die Erde eine Scheibe sei und wenn man zu nah an den Rand kommt, fiele man in den Abgrund.
Aber das ist natürlich Spekulation!
P.S.: Siehe es mir nach wenn ich dich nicht putzig finde.
28. Aug 2005 um 09:04
Früher dachte man ja, dass die Erde eine Scheibe sei und wenn man zu nah an den Rand kommt, fiele man in den Abgrund.
Gehört nicht zum Thema, daher nur ein Hinweis zum Weiterklicken:
http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=6613
29. Aug 2005 um 01:13
Gehört nicht zum Thema, daher nur ein Hinweis zum Weiterklicken:

http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=6613
Gut! Lasse mich da eines besseren belehren!
Danke für die Aufmerksamkeit.
Grüsse